Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

Moderatoren: Ladon, Forum-Team, Mod-Team

Beitrag 21.11.2020, 22:08

Eastwood
10 Unzen Mitglied
Beiträge: 181
Registriert: 27.01.2020, 09:52
Coole Diskussion mit vielen verschiedenen Blickwinkeln. Danke dafür!

Auch für die Diskussionskultur smilie_01

Seht ihr Chancen für Systemkorrekturen? Hin zum Positiven?

Meiner Meinung nach sind unsere Politiker jedweder Coleur in jedwedem Parlament zu Berufspolitikern mutiert, denen es einzig und allein um den Platz am Futtertrog geht. Und bist du in der Politik nicht weit genug gekommen wirst du mit einem Posten anderswo bedacht. Von da aus versorgst du weitere Vasallen mit "Lehen".

Insoweit passt Feudalismus tatsächlich ganz gut.

Ich traue aus den Erfahrungen der letzten Jahre keiner Partei dauerhafte Verbesserungen bzw. das Bewahren von Vorhandenem für die die schon länger hier Lebenden mehr zu.

Funktioniert da nur noch die Abstimmung der Füße? Oder welche Situation könnte zur Änderung des Kurses führen?


weiterhin mit gespanntem Colt
Clint
Willy Brandt 1968: "Wer einmal mit dem Notstand spielen sollte, um die Freiheit einzuschränken, wird meine Freunde und mich auf den Barrikaden der Demokratie finden, und dies ist ganz wörtlich gemeint.“

Beitrag 21.11.2020, 22:26

Benutzeravatar
gullaldr
10 Unzen Mitglied
Beiträge: 380
Registriert: 22.02.2013, 01:35
Das mit dem gespannten Colt solltest Du mal schön sein lassen. Das führt zu nichts gutem. :wink:

Ich persönlich bin hinsichtlich Systemkorrekturen skeptisch. Wobei eingegrenzt werden muss, was man unter System versteht. Die Medien sind sehr einseitig besetzt. Die Uni-Lehrstühle sind einseitig besetzt. Der 68er-Durchmarsch durch die Institutionen ist mit der kompletten Machtübernahme geglückt. Die Alt-Parteien haben sich im gemeinsamen Konsens festgelegt. Selbst wenn eine oppositionelle Kraft aus eigenem Antrieb 25-30% erreichen sollte, wird das erst einmal dazu führen, dass die Alt-Parteien sich noch geschlossener zusammenstellen, die Medien noch gezielter schießen, die Kreativszene (kultureller Überbau) sich noch weiter in sein ideologisches schwarz-/weiß-Bild vergräbt.

Es existiert ja heute kein reiner Feudalismus, sondern eine Art wirtschaftlicher Feudalismus bei neomarxistischem Kultur-Überbau. Denn offiziell ist ja das Leitbild die große Gleichheit (Gleichheit der Geschlechter, Gleichheit im Staatsbürgerrecht, Globale soziale Gleichheit...) Eigentlich war das in der Sowjetunion auch nicht so viel anders. Es gab ja auch eine Funktionärskaste mit feudalen Privilegien, die sich nach der Wende rasch die Schlüsselindustrien gekrallt hat, und es gab eine Masse der Gleichen. In diese Richtung läuft es derzeit. Aber langsam, und mit einer bunten Konsum- und Entertainment-Fassade, die das Leben angenehm macht.

Abstimmung mit den Füßen sehe ich skeptisch. Wenn Auswandern gemeint ist, ändert das nichts am "System". Wenn Demonstrationen gemeint sind, was sollen diese bringen? So etwas ist ein bisschen Happening und Seelenbalsam für die Teilnehmer, wird aber von den Regierenden ausgesessen.

Natürlich könnte theoretisch eine Änderung stattfinden, wenn eine Oppositionspartei über die kritische Größe wächst, so dass man nicht mehr an ihr vorbei kann. Aber dann wird u.a. ein Orkan in den Medien ausbrechen (Beispiel Trump), es werden Fallen gestellt (Beispiel Strache), es wird organisierte Unruhen geben (Beispiel Black Lives Matter).

Letztlich wird die Änderung nur schrittweise passieren, indem alles niedersinkt und in Lethargie verfällt. Die Ermüdung, die Ermattung. Einige werden dann bitter aufwachen.

Aber, wie sehen an Beispielen wie Kuba, dass der Mensch auch sehr leidensfähig ist, dass er sehr gutgläubig ist, dass er sogar noch, wenn ihm das Haus zur Bruchbude wird, "Viva la Revolucion" rufen kann.

Insofern, vermutlich haben wir eine Kultur am Endpunkt ihrer Entwicklung. Einen Umschwung in eine andere Richtung obliegt wohl allenfalls wenigen charismatischen Persönlichkeiten, einem Julius Cäsar oder Augustus gleich, die einem Messias gleich auftauchen und das Ruder in die Hand nehmen. Tragisch.

Beitrag 22.11.2020, 16:57

Klecks
Gold-Guru
Beiträge: 2160
Registriert: 28.11.2011, 14:16
@ gullaldr: d'accord smilie_01
gullaldr hat geschrieben:
21.11.2020, 22:26
Das mit dem gespannten Colt solltest Du mal schön sein lassen. Das führt zu nichts gutem. :wink:
Vor allem weil Dirty Harry gar einen Colt sondern einen Smith & Wesson Model 19 benutzt smilie_02
gullaldr hat geschrieben:
21.11.2020, 22:26
Es existiert ja heute kein reiner Feudalismus, sondern eine Art wirtschaftlicher Feudalismus bei neomarxistischem Kultur-Überbau.
Ja, ich denke, das beschreibt es am besten smilie_01
gullaldr hat geschrieben:
21.11.2020, 22:26
Aber, wie sehen an Beispielen wie Kuba, dass der Mensch auch sehr leidensfähig ist, dass er sehr gutgläubig ist, dass er sogar noch, wenn ihm das Haus zur Bruchbude wird, "Viva la Revolucion" rufen kann.
Und in puncto Leidensfähigkeit sind wir Deutschen sowieso ungeschlagen, wie ein Blick in unsere Geschichte zeigt. Wo andere Nationen längst auf die Barrikaden gegangen sind wurde (und wird) bei und nur am Stammtisch gemeckert. Wo andernorts Paläste brannten und Köpfe rollten gab es bei uns maximal ein Mini-Revolutiönchen, das nach ein paar Tagen wieder abgeblasen wurde. Danach ging's wieder an den Stammtisch zum weiterjammern.
Das Leben ist zu kurz, um alle Fehler selber zu machen.

Beitrag 27.11.2020, 09:40

Barny68
500 g Barren Mitglied
Beiträge: 534
Registriert: 12.02.2013, 22:36
Die Schweizer Medien analysieren wie so oft sehr gut.
https://www.nzz.ch/meinung/deutschland- ... _WLgj90rP4

Behält Erich Honecker doch noch recht? «Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf», so brüstete sich der Staatsratsvorsitzende vor ziemlich genau 31 Jahren, als seine DDR bereits kurz vor ihrem Ende stand. Hohn und Spott ergossen sich über den schmächtigen Mann mit der piepsigen Stimme. War doch selbst für die treuesten SED-Genossen längst offenbar, dass die Planwirtschafter der SED einen fulminanten Bankrott hingelegt hatten
Wenn Ihr Euch irgendwann wieder einmal fragt wie es damals soweit kommen konnte, dann ist die Antwort die: Weil sie damals so waren wie Ihr heute seid. Henryk M. Broder

Antworten