Goldgedeckte Währung erstrebenswert?

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

Moderatoren: Ladon, Forum-Team

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Hältst Du die Wiedereinführung einer goldgedeckten Währung für erstrebenswert?

Ja
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Ja
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Ja
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Nein
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Insgesamt abgegebene Stimmen: 120

Beitrag 04.03.2011, 11:50

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thEMa
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Ich hoffe, diese Umfrage gibt's nicht schon irgendwo. Wenn ja, dann smilie_13

Ich bin der Ansicht, Geld (als Tausch/Zahlungsmittel) sollte aus Papier sein. Beim Papiergeld (und Giralgeld) ist meineserachtens nicht primär der fehlende innere Wert von Übel, sondern die (von der Form des Geldes unabhängige) Tatsache, dass die Gewinne aus der Geldschöpfung vorwiegend in private Hände fließen. Und natürlich last but not least der Zins-Mechanismus um das Geld in Umlauf zu halten. Der kann aber nicht nachhaltig sein und führt so zwangsläufig zu immer stärker werdenden sozialen, ökologischen und letztlich auch ökonomischen Verwerfungen.

Im Gegenzug dazu sehe ich die Stärken von Gold etc. mehr als Ware bzw. in der Funktion des Wertspeichers.

Gruß, thEMa
Ceterum censeo anatocismum esse delendum

Der Zins, sie zu knechten, sie alle zu finden,
ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.

Beitrag 04.03.2011, 12:22

V-jojo
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Sie hatte ihre Zeit - die Golddeckung . Heute auf Grund der immer größer werdenden Waren und Leistungsmengen ist es schlicht unmöglich so etwas auch nur zu denken .

Was soll ein Gramm denn kosten ;-) ( mir wäre es ja recht ) Was passiert wenn die endliche Menge Gold gefördert und die Produktion anderer Waren erheblich steigt weiter zunimmt ?
Es geht nicht .
Je größer das Stück , je größer das Glück !

Beitrag 04.03.2011, 14:21

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Ladon
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Golddeckung in Form eines Goldkerns - das hat die Geschichte gezeigt - ist eigentlich keinen Deut besser als komplettes FIAT-Geld. Es ist auch nur ein "uneinlösbares Versprechen", denn wenn alle in physisches Gold tauschen wollten, ginge das ja nicht (übrigens war im Kaiserreich Giralgeld - auch wenn das damals noch keine so bedeutende Rolle gespielt wie heute - niemals durch den Goldkern gedeckt!)
Zudem kann die Politik jederzeit "bei Bedarf" die Ratio Gold/Geld verändern, die Einlösepflicht abschaffen etc.p.p.

Überdies birgt die Koppelung der Geldmenge an eine "Ware" gehörige Gefahren. Die Wirtschaftskrise der 30er schwappte über den großen Teich, weil die amerikanischen Kreditgeber ihre Forderungen eintrieben (nicht nur in Deutschland übrigens) (Nebenbei: DAS hat nichts mit Reperationen zu tun. In den 20ern flossen ungeheure Summen an Krediten nach Deutschland ... das können wir an anderer Stelle ja mal besprechen). Da im Goldstandard-System die internationalen Verpflichtungen wie heute auch über die Zentralbanken laufen, damals aber Gold (bzw. Devisen, die goldgedeckt waren (seit der Reichsmark galt das ja auch als Deckung)) fließen "musste", weil es eben der Goldstandard war und Gold internationales Zahlungsmittel, schmolz die Goldreserve der Reichsbank dramatisch ab. In der Folge wurde praktisch automatisch und unter dem Schock von '23 (es waren im Großen und Ganzen die gleichen Leute am Werk) ganz stur die Geldmenge reduziert ... Die Folgen kennen wir.

Bliebe also nur reines Metall als Geld ... Das scheint mir heute nur auf abgelegenen Inselstaaten ohne Außenhandel möglich zu sein.
Allein die private Hortung, die in der Geschichte schon häufig in Goldsystemen zu Problemen führte, wäre global nicht zu kontrollieren ... und da habe ich doch VIEL LIEBER die "Ware Gold" in meinem Schatzkästlein, als "Geld aus Gold".
Geld, so sagt das auch die Bundesbank, erfüllt ja stets zwei Funktionen: Als öffentliches Gut und als privater Besitz. Also ich persönlich gestalte den privaten Besitz dann lieber mit "Waren" (EM z.B.), die keine öffentliche Funktion haben und auf die somit irgendjemand (der Staat) irgendeinen Anspruch erheben könnte.
Höflichkeit ist keine Schwäche - Empathie ist keine Dummheit - Moral ist nicht moralinsauer

Beitrag 04.03.2011, 15:29

nameschonweg
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Ladon hat geschrieben:Golddeckung in Form eines Goldkerns - das hat die Geschichte gezeigt - ist eigentlich keinen Deut besser als komplettes FIAT-Geld ... Überdies birgt die Koppelung der Geldmenge an eine "Ware" gehörige Gefahren ... Bliebe also nur reines Metall als Geld ... Das scheint mir heute nur auf abgelegenen Inselstaaten ohne Außenhandel möglich zu sein ... Allein die private Hortung, die in der Geschichte schon häufig in Goldsystemen zu Problemen führte ...

=>Also ich persönlich gestalte den privaten Besitz dann lieber mit "Waren" (EM z.B.), die keine öffentliche Funktion haben und auf die somit irgendjemand (der Staat) irgendeinen Anspruch erheben könnte.

smilie_01 Wenn Du das auf hartgeld veröffentlichst, spendiere ich eine Kiste Augustiner Edelstoff beim ersten/nächsten Forentreffen :)

Beitrag 04.03.2011, 15:30

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Circle
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Beiträge: 620
Registriert: 26.12.2010, 20:10
Es gibt nicht genügend Gold um die Waren der Welt zu bezahlen, wahrscheinlich noch nicht einmal wenn man das Silber mit dazu nähme.
Nein, eine Kristallkugel habe ich nicht -
aber eine eigene Meinung ;-)

Beitrag 04.03.2011, 18:52

MapleHF
... ohne Definition wie so etwas aussehen soll, ist eine Antwort Ja/Nein, zumindest für mich nicht möglich.

Aber grundsätzlich emfpehle ich jedem mal den Artikel, den der Begründer des "quantitative essaying" Herr Greenspan 1966, also lange bevor er FED-Chef wurde mal geschrieben hat: < Gold und wirtschaftliche Freiheit >

MapleHF

Beitrag 04.03.2011, 22:19

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thEMa
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Registriert: 19.10.2010, 15:04
@ Greenspan-Artikel von 1966 smilie_08

Der Artikel ist in meinen Augen nicht schlüssig.
Wenn Gold Geld, also Zahlungsmittel, ist, ist der Zins die einzige und damit unvermeidbare Motivation für den Besitzer eines Geldvermögens (also Gold), dieses Gold nicht zu horten, sondern über die Banken wieder als Zahlungsmittel in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen. Durch die Verzinsung dieser Vermögen müßten sich diese Goldbestände (also die Rücklagen der Banken) exponentiell vermehren. Da Gold aber nicht beliebig vermehrt werden kann, ist so der Goldstandard nicht aufrechtzuerhalten. Zwangsläufig muss nicht durch Gold gedecktes Geld geschöpft werden.
Obendrein finde ich den Artikel im Bezug auf den Wohlfahrtsstaat ganz schön zynisch.
Hier werden die Besitzer von Geldvermögen mit den produktiven Mitgliedern der Gesellschaft gleichgesetzt. In Wahrheit aber sind es genau die unproduktiven Zinserträge, die von den Vermögenden abgeschöpft werden, die das System der Golddeckung zum Kollaps bringen.

Ein anderer Weg, das Geld zu horten unattraktiv zu machen, ist, dem Geld nach und nach seinen Wert zu nehmen. Eine Art Negativzins also, der dafür sorgt, dass das Geld als Zahlungsmittel im Wirtschaftskreislauf bleibt. Hierzu gibt es bei Papier und Giralgeld durchaus praktikable Möglichkeiten. Bei Gold ist das aber nicht möglich, da Gold ja seinen Wert behält. Gold könnte in einem solchen System aber gehortet werden und somit als Wertaufbewahrungsmittel dienen, ohne dass dadurch die Geldmenge im Wirtschaftskreislauf verändert würde, solange es eben nicht als Zahlungsmittel dient.

Alles Günde, die gegen eine Golddeckung sprechen.
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Beitrag 05.03.2011, 12:57

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thEMa
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@MapleHF
Dann beschreib doch mal, wie deiner Meinung nach ein Währungssystem idealerweise auszusehen hätte. Zwangsweise wird dann eine Golddeckung vorhanden sein oder eben nicht. (Oder gibt's da noch einen dritten Weg, den ich übersehen habe?)
Da ich deine Beiträge sehr schätze, würde mich hier gerade deine Sicht der Dinge interessieren.
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Beitrag 16.03.2011, 19:28

bavarianbroker
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Registriert: 07.03.2011, 18:18
Eine goldgedeckte Währung macht Sinn, man sieht ja was aus denen passiert die es nicht sind :wink:

Beitrag 16.03.2011, 21:25

kirschnico
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Registriert: 29.12.2010, 10:22
..ihr sprecht immer davon, es gäbe nicht genug gold!!
warum nicht?? schon mal was von angebot und nachfrage gehört

will sagen,
gold wird einfach mehr wert!!

davon mal abgesehen, denke ich auch nicht das eine goldwährung sinn macht
bei der heutigen globalisierung, wird es immer jemanden geben der versuchen wird da system
auszuhebeln oder es auszunutzen

mir ist es so wie jetzt eigentlich ganz lieb, alle machen schön auf riester, bausparer, lebensversicherung,etc
(aber die wissen erst, wenn geld da ist ob es so gut war)

und ja ich versuche mit silber/gold das system zu umgehen und ich weiss auch erst ob es gut war,
in naja 30 jahren

aber damit kann ich leben, für den moment

Beitrag 16.03.2011, 22:57

paralaxys
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Es gab in der Geschichte schon Zeiten, da sind die Städte, große Kathedralen etc. nur so aus dem Boden geschossen. Über einige Jahrhunderte gab es eine floriende und stark expandierende Wirtschaft in Europa. In dieser Zeit wurde aber das Geld ständig entwertet und man mußte es schnell ausgeben. Damit war ein stetiger Kreislauf des Geldes gewährleistet, horten führte zum Verlust.

Erst die Fugger sollen dann das Zinsessystem und wertbeständiges Geld eingeführt haben, damit setzte dann auch der Niedergang der Wirtschaft ein, weil nur noch für schlechte Zeiten gehortet wurde und andere hoffnungslos verschuldet waren.

So wird es bei einer Golddeckung auch wieder werden, bringt also nichts. Deshalb mein Nein in der Abstimmung.

Beitrag 17.03.2011, 08:53

Spongebob
Circle hat geschrieben:Es gibt nicht genügend Gold um die Waren der Welt zu bezahlen, wahrscheinlich noch nicht einmal wenn man das Silber mit dazu nähme.
Es kommt dann auf den Wert des Goldes an.
Mit 1.050 Euro die Unze kommst Du nicht hin, aber mit 10.000 Euro die Unze schon.

Beitrag 31.03.2011, 14:34

michi852
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Beiträge: 184
Registriert: 29.09.2010, 12:29
Wird leider,wie auch schon in der Vergangenheit nie funktinieren.

Beitrag 31.03.2011, 14:39

MapleHF
Spongebob hat geschrieben:
Circle hat geschrieben:Es gibt nicht genügend Gold um die Waren der Welt zu bezahlen, wahrscheinlich noch nicht einmal wenn man das Silber mit dazu nähme.
Es kommt dann auf den Wert des Goldes an.
Mit 1.050 Euro die Unze kommst Du nicht hin, aber mit 10.000 Euro die Unze schon.
... es ist schon ein Weilchen her, da hatte ich mal gelesen, dass die Unze Gold bei rund 30.000 $ stehen müßte um das Geld weltweit zu decken.

MapleHF

Beitrag 31.03.2011, 14:50

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Landgraafer
10 Unzen Mitglied
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Registriert: 02.01.2011, 13:07
Dadurch, dass eine Geldmenge theoretisch unbegrenzt sein kann - die Menge Gold aber begrenzt ist - ist dies in der Sache selbst schon ein Widerspruch...
Weiterhin ist davon auszugehen, dass die Menge des ausgegebenen Geldes nie die Menge ist, welche tatsaechlich im Verkehr ist....und wie geht man vor...
Eurogeldmenge....Dollargeldmenge...oder....????

Beitrag 31.03.2011, 17:02

Fin
Ich will mal meinen Senf dazu geben.
Ich kam letztes Jahr hierher, um zu erfahren, ob ich "Krügerrand oder Maple Leaf" kaufen sollte.
Oder anders: Bei der phys. EM-Anlage war ich doof wie 50m Feldweg.
Ich las regelmäßig etwas mit. Ich fand den Laden klasse und meldete mich an...
Das war ein Fehler!
Mit äußerster Brutalität wurden mir meine letzten Illusionen einer heilen Welt geraubt. smilie_04
Oder um Ladon von anderer Stelle frei zu zitieren "je mehr ich darüber erfahre, desto suspekter wird es mir".
Mein Prozeß des Erwachens ist noch in vollem Ablauf.
Ich wäre (aus meiner HEUTIGEN bescheidenen Sicht) aber eher für eine Golddeckung! Oder EM Deckung.
Für mich ist der aktuelle Zustand eine einzige Verarschung. Wenn Moderatoren rumstottern, weil sie millions, billions und trillions verwechseln. Wenn Staaten Verschuldungen haben, die de facto nicht mehr rückzahlbar sind und trotzdem nicht pleite gehen. Wenn ich beim Lesen und Schreiben in diesem Forum das Gefühl habe studieren zu müssen, weil ich erkennen muß, daß ich meine "ganz normale Welt" nicht verstehe.
Dann braucht es eine Bremse!!!
Ob die Golddeckung so klasse wäre, weiß ich nicht.
Aber ich ahne, daß dieses aktuelle System schlechter sein muß.

Beitrag 31.03.2011, 19:36

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Ladon
Moderator
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Registriert: 17.05.2010, 13:38
Wohnort: Terra
Eine Goldkerndeckung war maßgeblich an der großen Depression beteiligt.
Trotz Golddeckung wurden - ggf. einfach per "Aussetzung" - Kriege finanziert.
Das 19. Jahrhundert sah trotz "Goldstandard" (also einem international abgestimmten Goldsystem) haarsträubende soziale Schieflagen und Wirtschaftskrisen en masse.
Jede durch internationalen Handel NOTWENDIGE (!) Verschiebung der Goldreserven bedingt in einem Golddeckungssystem eine Veränderung der Geldmenge - ohne jede Rücksicht auf die Erfordernisse der Volkswirtschaften! Katastrophal!
Größere neue Funde würden ebenso eine Schieflage bewirken.
Das soll an dieser Stelle mal genügen.

Aber nicht zuletzt:
Geld ist "Besitz" UND "öffentliches Gut" (Kann man überall nachlesen) ... mir wäre das "unheimlich", wenn mein kleiner Goldschatz irgendwie "öffentliches Gut" wäre. Da kann am Wert geschraubt werden, direkt oder indirekt "eingezogen" (Gold gab ich für Eisen) werden, usw.; jedenfalls kann dann PER GESETZ auf den Wert des Geldes "irgendwie" eingewirkt werden!

Wer um alles in der Welt kann das denn wollen?
Höflichkeit ist keine Schwäche - Empathie ist keine Dummheit - Moral ist nicht moralinsauer

Beitrag 01.04.2011, 09:40

peter
500 g Barren Mitglied
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Registriert: 17.08.2010, 08:25
ich sehe hier nur die Sicht bezogen auf die nationale Währung aber keinen paranationalen Hinweis , daher fehlt auch der Ansatz über einen dritten Weg zu diskutieren . Es würde weder eine Gold noch eine Papierwährung nötig sein sondern vielmehr eine Mischung ( Silber/Gold/Währung) unter dem Gesichtspunkt es werden 4 kontinentale Währungsblöcke eingeführt ( Asiendollar, Südamerikadollar , Eurodollar, Nordamerikadollar) .

MFG
Peter
peter24

Beitrag 01.04.2011, 21:38

utzi
1 Unze Mitglied
Beiträge: 13
Registriert: 22.06.2010, 21:27
Solange es den Zins und Zinzeszins-Effekt (siehe auch Post von paralaxys) gibt, ist es egal ob eine Währung goldgedeckt ist oder nicht. Sie wird irgendwann crashen...

Dieses Problem gilt es zu lösen...
Nur Tote Fische schwimmen mit dem Strom!

"Amerika wandelt die Welt zum Besseren"
George W. Bush jun.

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