Griechische Bitcoin-Nutzer entspannt

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

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Beitrag 29.07.2015, 07:26

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Ladon
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@ joecoin

So stimmt das aber auch nicht!
Es war keine Rede davon, dass Bitcoin und Co AUTOMATISCH "assimiliert" werden! Aber es dürfte doch unzweifelhaft sein, dass das Geld-Establishment buchstäblich alles unternehmen wird, um irgendwie einen Fuß in die Tür zu kriegen oder zumindest "dabei" zu sein.
Das ist in meinen Augen fraglos.

Das andere sind im Grunde Begrifflichkeiten.
Ich hatte es oben schon erwähnt: es wäre wichtig VOR solchen grundsätzlichen Diskussionen sich erst einmal auf einheitliche Terminologie zu verständigen - ein Problem, das hier regelmäßig aufscheint.
Persönlich halte ich da mit Mises, der die Diskussion um Begriffe für überflüssig, ja gar schändlich für die Wissenschaft hielt und sagt, dass es unerheblich ist wie man es NENNT, Hauptsache es ist klar wie man es MEINT.
So (jedenfalls wie ich es verstanden habe) macht Louisdor den Geldbegriff von der tatsächlichen, breiten Benutzung als Zahlungsmittel abhängig. Damit steht er ja nicht alleine da (auch auf theoretischer Ebene).
Mit gleicher Relevanz kann man aber auch in Anspruch nehmen, dass ein derart frei konvertierbares Zahlungsmittel absolut Geldfunktion ausübt - und so gesehen auch in großem Maßstab, weil man ja faktisch "nur" in die benötigte Landeswährung tauschen muss ... letztlich wie beim Euro auch, nur dass der Vorgang innerhalb des Bankensystems quasi automatisiert ist.
Andere gibt es schon genug

Beitrag 29.07.2015, 12:21

Klecks
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a propos Begrifflichkeiten:
Louisdor hat geschrieben: Geld und Währung sind Begriffe aus der staatlichen Organisation
oder einer anderen Gemeinschaft, selbst wenn du das vehement ablehnst, haben sie sonst keinerlei Funktion.
Nö. Geld und Währung sind Begriffe aus der Wirtschaft.
Louisdor hat geschrieben: Privatgeld ist ein wahrhaft lustiges Wort, welches es nämlich nicht gibt. Google hat für jeden Blödsinn
Verständnis, da muss es leider ebenfalls passen.
:roll: Die Antwort darauf überlasse ich den Experten:
Privatgeld: Geld, das allein durch Vereinbarung zwischen privaten Rechtssubjekten geschaffen wird und nicht in einer gesetzlichen Währung denominiert ist
...
Solches Privatgeld ist, soweit es eine wirksame rechtsgeschäftliche Forderung darstellt, jedoch als Kapitalverkehr zu behandeln.
Quelle: "Europäische Kapital- und Zahlungsverkehrsfreiheit: Kommentar zu den Artikeln 56 bis 60 EGV, der Geldwäscherichtlinie und Überweisungsrichtlinie" von Prof. Dr. Christoph Ohler

Der 2. Satz ist übrigens die Grundlage für die steuerliche Behandlung des Bitcoins.
Louisdor hat geschrieben: Der Bitcoin ist eine virtuelle Anwendung und es muss zwischen Spiel und Realität
einen Unterschied geben.
Pssst... Überraschung: Das sind Kartenzahlung, Onlinebanking und Aktiendepot auch! NEIN! Doch! OOHHHH!
Überraschung Teil 2: Kontoguthaben sind noch nicht einmal virtuelles Geld sondern lediglich auf Geld lautende Forderungen ggü. dem kontoführenden Kreditinstitut. Anders gesagt: Es sind lediglich Schulden, die deine Bank bei dir hat. Und selbst die werden als virtuelle Anwendung geführt. Wert und Verfügbarkeit einer solchen virtuellen Forderung können dir zur Zeit die Griechen am besten erklären. Aber auch Zyprioten und Italiener kennen sich damit bereits aus.

Wie kommst du also zu dem Argument, Bitcoins wären kein Geld weil lediglich virtuelle Anwendung, wenn du gleichzeitig ebenfalls nur virtuell existierende Forderungen auf Geld sowie deren Übertrag auf Dritte mittels virtueller Anwendungen ganz selbstverständlich als real existendes Geld und Zahlungsmittel akzeptierst?
Louisdor hat geschrieben: Von den Leuten, die ich kenne, haben mindestens zwei einmal in ihrem Leben
mit Hundehaufen bezahlt, aber keiner von ihnen hat jemals das Wort Bitcoin gehört. Allgemein gesprochen,
wenn Bitcoin Geld ist, sind es Hundehaufen ebenfalls.
Ganz ohne Ironie: Das wäre so, wenn sich eine Gruppe von Menschen auf Hundehaufen als Geld einigt.
Louisdor hat geschrieben: Für den Nachweis, dass Bitcoin wirklich Geld ist,
bedarf es einer Gemeinschaft, die mit diesem Coin wirtschaftet, mit einer Relation größer als der Gebrauch
von Hundehaufen.
Gegeben. Vergleiche Umsätze in Hundehaufen mit denen in Bitcoins.

Louisdor hat geschrieben: Ein Derivat zur Geldanlage? Dann haben
wir den DAX als Währung?
Nein. Weil solche Derivate inkl. der Titel im DAX bereits auf ein Nominal in einer bestehenden Währung lauten. Sie sind also bereits Teil einer Währung. Aber deshalb noch lange kein Zahlungsmittel smilie_16
Louisdor hat geschrieben: Nein, es ist nicht nötig, dass wir dieses Thema weiter führen. Den ersten
Ansatz fand ich wirklich gut, denn er definiert die Geldfunktion auf eine überzeugende, zum Teil neue
Wiese, auch wenn der folgende Teil ein wenig durchhängt.


a) wüsste ich gern, welcher Teil der Definition neu wäre
b) warum da was durchhängen soll, und
c) was denn eigentlich DEINE Definition von Geldfunktion ist. Du schreibst nämlich immer nur, hier, da und dort sei keine Geldfunktion "im eigentlichen Wortsinn" gegeben, erklärst aber mit keinem Wort, was du damit meinst.

Witzig finde ich nach wie vor, dass selbst der Staat in Form seiner wichtigsten Finanzbehörden den Bitcoin als Geld anerkennt (was unzweifelhaft Geldfunktion voraussetzt), während du dich wie ein kleines trotziges Kind mit den Fäusten auf den Boden trommelst und schreist " ICH WILL ABER NICHT, DASS DER GELD IST! Der ist kein Geld, nur eine Anwendung!" Und das alles ohne ein einziges stichhaltiges Argument. "Hey Pipi Langstrumpf..." smilie_49
Das Leben ist zu kurz, um alle Fehler selber zu machen.

Beitrag 05.08.2015, 20:55

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MaciejP
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joecoin hat geschrieben:Meine Miete, meinen Lebensmitteleinkauf bei Edeka, meine Fluege, Onlinedienste, alles bezahle ich mit Bitcoin. Fiat macht keine 10% meiner Ausgaben mehr aus.
Wie regelst du das dann eigentlich steuerlich? Soweit ich weiß, zählt jeder Tausch von Bitcoin in Fiatgeld als privates Veräußerungsgeschäft, auf das bei weniger als einem Jahr Haltedauer Steuern entfallen. Gilt das beim direkten Tausch in irgendwelche Waren/Dienstleistungen nicht auch? Oder spielt alles was unterhalb der Freigrenze liegt sowieso keine Rolle?
„Wenn der Durchschnittsmichel Gold kauft, kann er keine Fehler machen.“ – „Gold fliegt nicht weg.“

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