Keiner kennt seine tatsächliche Steuerlast

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

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Beitrag 01.03.2013, 21:54

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Sinjawski
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zum Thema Umsatzsteuer:
im Gegensatz zu der Interpretation von Bumerang handelt es sich hier nicht nur um eine Konsumsteuer, sondern nach bmf:
Von Leistungsbegriff des geltenden Umsatzsteuergesetz 1994 (UStG) erfasst sind sowohl Warenlieferungen als auch Dienstleistungen
Da die Dienstleistungsbranche in Deutschland immer bedeutender wird, ist das also zu einem nicht unerheblichen Teil mehr so etwas wie ein Mittelding zwischen Gewerbesteuer und Lohnsteuer, wobei ich keine Statistik zur Aufteilung von UmSt aus Waren / Dienstleistungen kenne. Das nur nebenbei.

z.T. geht die Diskussion ja ein bisschen in die Richtung nicht nur welche Abgaben vom Staat erhoben werden sollen, duerfen, muessen, sondern auch welche Aufgaben des Staates sind: wie in der Sozialpolitik ersichtlich, aendert sich das ja auch laufend. Dennoch wird man hier selten einen groesseren Konsens finden, ob alle aktuell vom Staat erfuellten Aufgaben auch dorthin gehoeren.
Die Ausgaben fuer Verteidigungspolitik duerften bei vielen nicht auf grosse Gegenliebe treffen, dennoch ist eine effektive Aussensicherung per privater Vorsorge oder Finanzierung nicht darstellbar.
Infratsruktur: Strassen, Elektrizitaet, Wasser sollten oeffentliche Aufgaben sein, dennoch wird auch hier mehr und mehr privatisiert, oft mit der Folge explodierender Kosten (siehe http://www.right2water.eu/)

Laesst man den Buergern mehr Eigenverantworung, z. B. in der Alters- oder Krankenvorsorge, geht das leider auch oft ungut aus.
Seit eine Krankenversicherung fuer freiwillig Versicherte nicht mehr obligatorisch ist, gibt es mehr und mehr unversicherte Buerger. Bei einem schweren Unfall oder Krebsdiagnose koennen aber schnell Behandlungskosten in 5 - 6 stelliger Hoehe anfallen, fuer die dann keine Reserven da sind. Und serioese Altersvorsorge treffen ausserhalb des Forums ja auch laengst nicht alle...
Dennoch verstehen es alle als sozial einem unverantwortlich handelnden Buerger die lebensrettende OP zu goennen, oder Leute in selbst verschuldeter Altersarmut vor dem Verhungern zu bewahren.

Fazit: es gibt Bereiche, in denen der Staat sich zu voreilig verabschiedet, weil viele Menschen einfach zu dumm sind, ihre Verantwortung angemessen wahrzunehmen, und es gibt - damit sind wir wieder beim Dauerthema - Bereiche, in denen der Staat weder Notwendigkeit noch demokratische Legitimation hat, unsere Steuergelder zu verschwenden und zu verschenken. Ersteres muss sich immer wieder im gesellschaftlichen Diskurs, Politik, Medien, Wahlkampf neu herausbilden und aendern. Um letzteres kuemmert sich in vielen Bereichen der Bund der Steuerzahler, mit dem der Thread begann. Ob er die Dinge verbessern kann, oder schlimmeres verhindert? Aber ein wenig Aufklaerung schafft er schon, und oft genug mehr als unsere wesentlich besser bezahlte Presse.
Half of what he said meant something else,
and the other half didn't mean anything at all.
(Rosencrantz And Guildenstern Are Dead)

Beitrag 02.03.2013, 07:34

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Ladon
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Umsatzsteuer:

Die Zeiten als das eine "Konsumentensteuer" war (und dann Mehrwertsteuer genannt wird) sind vorbei - ich glaube seit 1967. Rein formal handelt es sich aber um eine VERKEHRSSTEUER, die bei der Teilnahme am allgemeinen Waren- und Dienstleistungsaustausch in einem Wirtschaftsraum anfällt.

Technisch gesehen ist es natürlich schon so etwa wie eine "Verbrauchssteuer", weil die Steuerlast vom Endkunden getragen wird (das ist wahrscheinlich auch des Wurfholz' gedanklicher Knoten, weil er die Beträge innerhalb einer Wertschöpfungskette summiert - aber das nur am Rande). Beispiel:

Kunde kauft Gegenstand vom Händler für 100 T (inkl 15,97 Mwst)
Händler hat diesen Gegenstand für 60 T vom Großhändler (inkl 9,58 Mwst)
Großhändler hat dem Produzent 30 T bezahlt (inkl 4,79 Mwst)

Insgesamt werden jedoch nicht 4,79+9,58+15,97=30,34 Steuer "eingetrieben", sondern ausschließlich die 15,97, weil in jeder vorangegangenen Stufe der Wertschöpfung der Unternehmer vereinnahmte und ausgegebene Umsatzsteuer gegeneinander verrechnen kann. "Abgeführt" wird also 4,79+4,79+6,39=15,97 INSGESAMT.
"Gezahlt" wird das vom Endkunden, denn der "konsumiert" das Endprodukt der in Anspruch genommenen Wertschöpfungskette.
Höflichkeit ist keine Schwäche - Empathie ist keine Dummheit - Moral ist nicht moralinsauer

Beitrag 04.03.2013, 10:48

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Bumerang
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Ladon hat geschrieben:Umsatzsteuer:

Die Zeiten als das eine "Konsumentensteuer" war (und dann Mehrwertsteuer genannt wird) sind vorbei - ich glaube seit 1967. Rein formal handelt es sich aber um eine VERKEHRSSTEUER, die bei der Teilnahme am allgemeinen Waren- und Dienstleistungsaustausch in einem Wirtschaftsraum anfällt.

Technisch gesehen ist es natürlich schon so etwa wie eine "Verbrauchssteuer", weil die Steuerlast vom Endkunden getragen wird (das ist wahrscheinlich auch des Wurfholz' gedanklicher Knoten, weil er die Beträge innerhalb einer Wertschöpfungskette summiert - aber das nur am Rande). Beispiel:

Kunde kauft Gegenstand vom Händler für 100 T (inkl 15,97 Mwst)
Händler hat diesen Gegenstand für 60 T vom Großhändler (inkl 9,58 Mwst)
Großhändler hat dem Produzent 30 T bezahlt (inkl 4,79 Mwst)

Insgesamt werden jedoch nicht 4,79+9,58+15,97=30,34 Steuer "eingetrieben", sondern ausschließlich die 15,97, weil in jeder vorangegangenen Stufe der Wertschöpfung der Unternehmer vereinnahmte und ausgegebene Umsatzsteuer gegeneinander verrechnen kann. "Abgeführt" wird also 4,79+4,79+6,39=15,97 INSGESAMT.
"Gezahlt" wird das vom Endkunden, denn der "konsumiert" das Endprodukt der in Anspruch genommenen Wertschöpfungskette.
Es ist nicht nur technisch gesehen, sonder wirklich so, dass die MWSt eine Verbrauchersteuer ist, weil der Verbraucher am Ende der Kette diese Steuer bezahlt. Die beteiligten Unternehmen in der Kette reichen diese nur weiter, bzw führen sie auf den selbst dazu geschöpften Mehrwert, der vom Nächsten in der Kette bezahlt wird, an das Finanzamt weiter. Du hast es auch richtig dargestellt. Der Nächste wiederum zieht das als Vorsteuer ab.

@Goldhamster

Nicht Alle Unternehmen sind vorsteuerabzugsberechtigt, dass stimm. Vor Allem sind das Banken, Versicherungen , Ärzte und gemeinnützige Gesellschaften. Allerdings sind die Dienstleistungen dieser Unternehmen auch nichtMwSt pflichtig!
Deshalb können sie keine Vorsteuer abziehen. Diese mindert jedoch deren Ertrag, und somit das zu verteuernde Einkommen!
Haben sie keinen Etrag, bekommen sie keine Vorsteuer vom Finanzamt zurück, anders als Vorsteuerabzugsberechtigte die, aus welchen Gründen auch immer, weniger oder zu billig verkauft haben. Sie können Teile der Vorsteuer zurückerhalten. Genau das ist doch der Beweis, dass nur der Endverbraucher die MwSt zahlt!!

Grundsätzlich zahlt bei Dienstleistungen die nicht MwSt pflichtig sind, trotzdem der Kunde die MwSt die bis zur vorletzten Stufe enthalten ist, weil in der Arztrechnung diese MwSt als Kostenfaktor drin ist. Hier bleibt der Kunde lediglich von der Steuer auf den Mehrwert der letzten Wertschöpfungsstufe verschont.
Gruß

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Beitrag 04.03.2013, 12:15

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Bumerang
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Goldhamster79 hat geschrieben:
Goldhamster79 hat geschrieben: Die Einkommen aus Lohn- und Gehaltszahlungen betragen etwa 50 % vom BIP.
Der Rest verteilt sich auf diverse Einkommensarten.

Da ist es nur logisch, dass die Einkommensteuer auch entsprechend den größten Anteil ausmacht.
Ich zitiere mich selbst um Dir erneut die Gelegenheit zu geben, meinen Beitrag korrekt zu lesen und dessen Aussage zu erfassen.

Die Zuschreibung von Konsumsteuern zu allein der Gruppe Lohn- und Gehaltsempfänger bleibt unveränderter Nonsens.
Ich habe an der Stellen nicht genau hingeschaut, daher Steuer anstatt Einkommen "gesehen".
Zum Thema Verbrauchersteuern habe ich im vorherigen Beitrag was geschrieben.

Bleiben wir aber beim Einkommen und der Einkommensteuer.

Habe zusätzlich zur Steuerverteilung in Wiki auch noch folgendes im Internet gefunden.
http://www.staatsverschuldung.de/destatis2011-01-12.pdf Seite 3 und 4!


Wenn wir die Zahlen kombinieren kommt folgendes heraus.

Jahr 2010

Volkseinkommen 1.899 Mrd

AN 1.258 Mrd

AG und Priv 641Mrd


Einkommensteuer

AN 128 Mrd ==> ca 10 % (Lohnsteuer)
AG und priv 79 Mrd ==> ca 13% (Gewerbesteuer, KöSt, und Steuer auf das veranlagte Einkommen)


Kapitalertrag und ZaST habe ich der einfachheitshalber weggelassen. Es ist relativ "wenig" und verteilt, daher kaum relevant für die Prozentsätze)


Also, AN zahlen zusammen auf Ihr gesamtes Einkommen ca 10% Steuern
AG und Privatiers zahlen zusammen auf Ihr gesamtes Einkommen nur 13 % Steuern, also weit von den immer wieder gehandelten 45% entfernt.

Wie kommt das Zustanden, frage ich Dich?


Was ist mit den Vermögen von immerhin über 9 Billionen, die zu 80% in den Händen von 20% sind, und so gut wie steuerfrei bleiben (Erbschaftssteuer nur ca 4 Mrd, also 0,04% und auch verteilt!).

Wer macht Propaganda Goldhamster? Die die sagen, dass das Vermögen und Einkommen ungerecht verteilt und versteuert werden, oder die die sagen, dass die starken Schultern fast Alles tragen?
Gruß

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Beitrag 04.03.2013, 13:15

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lifesgood
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Bumerang hat geschrieben: AG und Privatiers zahlen zusammen auf Ihr gesamtes Einkommen nur 13 % Steuern, also weit von den immer wieder gehandelten 45% entfernt.
... das liegt daran, dass auch bei den Privatiers Freigrenzen gelten und die Progression greift.

Wenn jemand z.B. 7.000 € Mieten im Jahr erzielt und keine sonstigen Einnahmen hat, dann ist das steuerfrei.

Aber Dein Vergleich hinkt, weil bei der Lohnsteuer ja auch viele GmbH-Geschäftsführer sind, die ja eigentlich selbständig sind und deutlich mehr als die durchschnittlichen 10% Steuern bezahlen und damit den Schnitt nach oben ziehen.

lifesgood

Beitrag 04.03.2013, 14:38

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Tisc
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Sinjawski hat geschrieben: Seit eine Krankenversicherung fuer freiwillig Versicherte nicht mehr obligatorisch ist, gibt es mehr und mehr unversicherte Buerger.
Diesen Punkt möchte ich gern richtig stellen. Seit einigen Jahren gibt es in D eine Krankenversicherungspflicht. Dein oben geschriebenes Szenario gilt seitdem nicht mehr. Der freiwillig Versicherte heißt nur so, weil er freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung ist. Er könnte aber auch in die private KV wechseln, Versicherungspflicht besteht aber auf jeden Fall.

Beitrag 04.03.2013, 14:50

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AuCluster
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Tisc hat geschrieben:
Sinjawski hat geschrieben: Seit eine Krankenversicherung fuer freiwillig Versicherte nicht mehr obligatorisch ist, gibt es mehr und mehr unversicherte Buerger.
Diesen Punkt möchte ich gern richtig stellen. Seit einigen Jahren gibt es in D eine Krankenversicherungspflicht. Dein oben geschriebenes Szenario gilt seitdem nicht mehr. Der freiwillig Versicherte heißt nur so, weil er freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung ist. Er könnte aber auch in die private KV wechseln, Versicherungspflicht besteht aber auf jeden Fall.
Ja, ja, die Versicherungsgesellschaften, die den Hals nicht voll bekommen. Private Krankenversicherung (mit Chefarzt und Zahnersatz ohne Zusatzkosten [quasi so eine Art kostenlose Heilfuersorge]) fuer 100 EUR im Monat. Das konnte ja nicht gut gehen.

Aber troeste Dich tisc, die Banken sind auch nicht besser.
Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.

Beitrag 04.03.2013, 15:09

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Tisc
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Ich wollte hier keine Diskussion über eine PKV oder GKV vom Zaun treten, sondern nur den diesbezüglichen Punkt im Post von Sinjawski berichtigen. smilie_13

Beitrag 04.03.2013, 15:21

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Bumerang
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lifesgood hat geschrieben:
Bumerang hat geschrieben: AG und Privatiers zahlen zusammen auf Ihr gesamtes Einkommen nur 13 % Steuern, also weit von den immer wieder gehandelten 45% entfernt.
... das liegt daran, dass auch bei den Privatiers Freigrenzen gelten und die Progression greift.

Wenn jemand z.B. 7.000 € Mieten im Jahr erzielt und keine sonstigen Einnahmen hat, dann ist das steuerfrei.

Aber Dein Vergleich hinkt, weil bei der Lohnsteuer ja auch viele GmbH-Geschäftsführer sind, die ja eigentlich selbständig sind und deutlich mehr als die durchschnittlichen 10% Steuern bezahlen und damit den Schnitt nach oben ziehen.

lifesgood
Das stimmt teilweise.

Seit 2009 ist die KSt nur noch 15% ( sie lag mal bei 65%, vor 2008 bei 25% - http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rpe ... Geschichte) also machen Spielereien -Geschäftsführender Gesellschafter oder angestellt - kaum noch Sinn. Im Einzelfall kann das günstiger sein, aber oft auch nicht. Denn Ausschüttungen werden nur noch mit 25% versteuert.

Es gibt auch ganz normale AN die zwischen 30 und 40% Steuern zahlen ohne selbständig zu sein, und heben den Schnitt der AN.

Zudem gibt es sehr viele Scheinselbständige. Also hält sich da ganz grob die Wage, würde ich sagen.


Es ist aber schon erstaunlich dass Unternehmer nur 13 % an Steuern zahlen, obwohl die Steuersätze kumuliert, GewSt + KSt + KESt doch irgendwo bei 50+% liegen. Mann würde meinen, die Firmen Verdienen so schlecht oder die meisten selbständigen eine einzieg Immo haben, und mit den Mieteinnahmen gerade so überleben, auch wenn es auch solche geben mag.

Wie gesagt, dass Ganze ohne Betrachtung der Verbrauchssteuern, und natürlich des bereits angehäuften Vermögens. Aber nur so wird ein Schuh daraus!


Es ist schlicht ein Mytos, dass die Reichsten als Gruppe, die meisten aller Steuern zahlen.

Zynisch wird es, wenn viele Menschen nicht einmal eine Job bekommen, mit dem sie Steuern zahlen könnten, und bei Bedürftigkeit als Prasser hingestellt werden, während die oberen 10 % der Bevölkerung über 50% aller Vermögen besitzt, die unteren 50% aber nur 4% davon!

Die Schere geht immer weiter auseinander, sparen müssen aber die die ohnehin nix mehr haben, nicht einmal einen Job.
Gruß

Bumerang
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Beitrag 04.03.2013, 15:32

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lifesgood
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Bumerang hat geschrieben: Das stimmt teilweise.

Seit 2009 ist die KSt nur noch 15% ( sie lag mal bei 65%, vor 2008 bei 25% - http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rpe ... Geschichte) also machen Spielereien -Geschäftsführender Gesellschafter oder angestellt - kaum noch Sinn. Im Einzelfall kann das günstiger sein, aber oft auch nicht. Denn Ausschüttungen werden nur noch mit 25% versteuert.
... nun, Du hast geflissentlich die Gewerbesteuer (differiert nach Gemeinde und muss nicht nur für Gewinn, sondern auch für Schuldzinsen bezahlt werden) vergessen, damit das Ergebnis stimmt.

Nehmen wir mal an, eine GmbH verdient 100 €, davon gehen 15% Körperschaftssteuer + Soli und 12 % Gewerbesteuer ab, bleiben noch 72,18 Euro. Nun schüttet der Gesellschafter diese 73 € aus und bezahlt darauf nochmal 25% Kapitalertragsteuer + Soli, bleiben also von 100 € Gewinn 53,14 € über bis der Gesellschafter sie netto in der Tasche hat, das sind im Umkehrschluss 46,86% Steuern und das ab dem 1. Euro ohne Progression oder sonstwas.

Und wenn er dann diese 53,14 € ausgibt, bezahlt er die Umsatzsteuer wie jeder andere Endverbraucher auch.

lifesgood

Beitrag 04.03.2013, 15:39

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Goldhamster79
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Korrekt lifesgood.

Und wenn er sich dann noch was vom Mund abspart kommen diverse Knallköpfe und wollen ihm noch an sein "Vermögen", das er zwingend braucht weil er eben i.d.R. keine gesetzl. Rentenansprüche hat, die klein Knallkopf bei sich ja nicht als Vermögenswert wahrnimmt.

Und so meint kK noch er würde eigenständig denken im geschürten Umverteilungswahn des Divide-et-impera.

Beitrag 04.03.2013, 16:31

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Bumerang
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lifesgood hat geschrieben:
Bumerang hat geschrieben: Das stimmt teilweise.

Seit 2009 ist die KSt nur noch 15% ( sie lag mal bei 65%, vor 2008 bei 25% - http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rpe ... Geschichte) also machen Spielereien -Geschäftsführender Gesellschafter oder angestellt - kaum noch Sinn. Im Einzelfall kann das günstiger sein, aber oft auch nicht. Denn Ausschüttungen werden nur noch mit 25% versteuert.
... nun, Du hast geflissentlich die Gewerbesteuer (differiert nach Gemeinde und muss nicht nur für Gewinn, sondern auch für Schuldzinsen bezahlt werden) vergessen, damit das Ergebnis stimmt.

Nehmen wir mal an, eine GmbH verdient 100 €, davon gehen 15% Körperschaftssteuer + Soli und 12 % Gewerbesteuer ab, bleiben noch 72,18 Euro. Nun schüttet der Gesellschafter diese 73 € aus und bezahlt darauf nochmal 25% Kapitalertragsteuer + Soli, bleiben also von 100 € Gewinn 53,14 € über bis der Gesellschafter sie netto in der Tasche hat, das sind im Umkehrschluss 46,86% Steuern und das ab dem 1. Euro ohne Progression oder sonstwas.

Und wenn er dann diese 53,14 € ausgibt, bezahlt er die Umsatzsteuer wie jeder andere Endverbraucher auch.

lifesgood
Ich habe nix weggelassen. Wenn er sich einstellen und ein angemessenes Gehalt zahlen würde, denn darum ging es, würde er insgesamt nicht unbedingt Steuern sparen. Daher sinkt die Zahl der Angestellten Gesellschafter, insb. wenn sie noch andere Einnahmen haben, und dadurch kumuliert diese auch mit eventuell 45% versteuern müssten, anstatt 25% auf die Ausschüttung und weniger als 45% auf die restlichen Einnahmen.

Natürlich gibt der Unternehmer 100€ aus, und zahlt MwSt. Gibt er auch die 100k oder gar eine Mio voll aus, wenn er sie verdient? Wohl eher nicht. Bei solchen Summen wird ein nicht unerheblicher Teil investiert/gespart nicht konsumiert.

Auch soll niemandem etwas weggenommen werden, was er sich vom Munde abgespart hat! Egal ob als Angestellter oder Selbständiger! Dafür gibt es und kann es Regelungen geben, inkl bei einer Vermögenssteuer.
Nicht das Handwerksbetrieb sollte das Ziel dieser Steuer sein, sondern die Großen Vermögen!

Nur das Einkommen und den Verbrauch zu versteuern, die "Wurst" (Vermögen) aber dabei wegzulassen ist irgendwie krass, meint Ihr nicht?
Gruß

Bumerang
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Beitrag 04.03.2013, 16:42

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Goldhamster79
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Bumerang hat geschrieben: Nur das Einkommen und den Verbrauch zu versteuern, die "Wurst" (Vermögen) aber dabei wegzulassen ist irgendwie krass, meint Ihr nicht?
NEIN.

Raub, Diebstahl und Enteignung wegzulassen ist nicht krass sondern ein Grundrecht auf Schutz des Eigentums.

Es ist dagegen "krass", dass neo-sozialistische Gier auf anderer Leute Leistungsfrucht in Deutschland ständig zunimmt.

Beitrag 04.03.2013, 16:42

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Bumerang hat geschrieben:
Ich habe nix weggelassen. Wenn er sich einstellen und ein angemessenes Gehalt zahlen würde, denn darum ging es, würde er insgesamt nicht unbedingt Steuern sparen.
...kannst es ja mal auf www.brutto-netto-rechner.info durchrechnen.

Wenn ein lediger Geschellschafter-Geschäfstsführer ohne Kinder (das ist wohl der steuerlich absolut schlechteste Fall) sich ein Monatsgehalt von 10.000 € brutto bezahlt, bezahlt er dafür im Monat 3.305,50 € Lohnsteuer und 181,80 € Soli, macht zusammen 3.487,30 € Steuer, was bezogen auf die 10.000 € 34,87% ausmacht. Da viele verheiratet sind und Steuerklasse III haben und womöglich noch Kinderfreibeträge, dürfte der reale Steuersatz noch niedriger sein.

Das ist dann doch deutlich weniger als die oben errechneten 46,86 %.

lifesgood

Beitrag 04.03.2013, 17:13

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Sinjawski
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@ Tisc: re KV hast Du natuerlich recht - da war ich seit 2009 hinter der Zeit.:roll:
Aber es gibt immer noch Menschen in D (und zwar berufstaetige Deutsche und nicht irgendwelche Zuwanderer, Asylanten, Obdachlose) die nicht versichert sind, und dann sind im Ernstfall hier auch nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebenen Beitragsnachzahlungen (fuer ueber 4 jahre) rauszuholen.

@ Goldhamster79 smilie_01

Beitrag 04.03.2013, 18:25

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Sinjawski hat geschrieben:@ Tisc: re KV hast Du natuerlich recht - da war ich seit 2009 hinter der Zeit.:roll:
Aber es gibt immer noch Menschen in D (und zwar berufstaetige Deutsche und nicht irgendwelche Zuwanderer, Asylanten, Obdachlose) die nicht versichert sind, und dann sind im Ernstfall hier auch nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebenen Beitragsnachzahlungen (fuer ueber 4 jahre) rauszuholen.

@ Goldhamster79 smilie_01
Sorry für weiters OT, aber da soll es bald einen Notlagentarif geben, die Versicherungspflicht besteht zwar, nur können sie sich viele nicht leisten

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/i ... d0b9a.html
Das Problem der Nichtzahler wuchs seit 2007, als die Versicherungspflicht eingeführt wurde. Vor allem kleine Selbstständige mit freiwilliger Mitgliedschaft bei den gesetzlichen Kassen können die Beiträge hunderttausendfach nicht zahlen. Schulden von mehreren zehntausend Euro sind laut Beratern keine Seltenheit. Laut Kassen-Spitzenverband sind nach den jüngsten Zahlen vom Sommer Rückstände von insgesamt 1,8 Milliarden Euro aufgelaufen.
res ipsa loquitur

Beitrag 04.03.2013, 19:37

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Goldhamster79 hat geschrieben:
Bumerang hat geschrieben: Nur das Einkommen und den Verbrauch zu versteuern, die "Wurst" (Vermögen) aber dabei wegzulassen ist irgendwie krass, meint Ihr nicht?
NEIN.

Raub, Diebstahl und Enteignung wegzulassen ist nicht krass sondern ein Grundrecht auf Schutz des Eigentums.

Es ist dagegen "krass", dass neo-sozialistische Gier auf anderer Leute Leistungsfrucht in Deutschland ständig zunimmt.
Nun, für einen Vermögenslosen ist das Einkommen das einzige Vermgen. Deshalb könnte er die Einkommensteuer als
Raub, Diebstahl und Enteignung betrachten. Schaffen wir den ganzen Staat ab, und dann muss jeder sein Vermögen selbst schützen.

Mir fällt Gier eher in anderen Zusammenhängen auf!
Gruß

Bumerang
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Beitrag 04.03.2013, 19:53

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Bumerang hat geschrieben: Nun, für einen Vermögenslosen ist das Einkommen das einzige Vermgen. Deshalb könnte er die Einkommensteuer als Raub, Diebstahl und Enteignung betrachten.
Schaffen wir den ganzen Staat ab, und dann muss jeder sein Vermögen selbst schützen.
Mir fällt Gier eher in anderen Zusammenhängen auf!
Wieso Gier in anderem Zusammenhang---bist Du von der Vermögenssteuer befreit :twisted:
Willst Du damit sagen,daß der Staat mein Vermögen schützt smilie_08
Bisher habe Ich da andere ERFAHRUNGEN gemacht
T.

Beitrag 04.03.2013, 19:58

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Bumerang hat geschrieben:
Nun, für einen Vermögenslosen ist das Einkommen das einzige Vermgen. Deshalb könnte er die Einkommensteuer als
Raub, Diebstahl und Enteignung betrachten. Schaffen wir den ganzen Staat ab, und dann muss jeder sein Vermögen selbst schützen.

Mir fällt Gier eher in anderen Zusammenhängen auf!
Einkommen ist kein Vermögen, nur weil jemand nicht in der Lage ist warum auch immer nichts auf die Seite zu bringen.

Warum willst Du diejenigen die mit Leistung, Verzicht und Verstand sich etwas aufbauen dafür bestrafen, dass andere dies nicht wollen oder schaffen?

Warum willst Du Leistung und dessen Früchte bestrafen anstatt sie zu fördern?

Warum willst Du umverteilen zu Lasten dieser Leute zugunsten von Leuten, die meinen erstere haben mehr als sie und deshalb muss man ihnen was wegnehmen?


Ja was willst Du denn nun? Mehr Staatsgewalt und Enteignung oder Abschaffung des Staates und damit auch des Sozialstaates?


Wenn Du die Argumentationen vermischst kommt das Troll-Spray bald von mehreren Seiten gleichzeitig smilie_11

Beitrag 04.03.2013, 20:07

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Bumerang
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lifesgood hat geschrieben:
Bumerang hat geschrieben:
Ich habe nix weggelassen. Wenn er sich einstellen und ein angemessenes Gehalt zahlen würde, denn darum ging es, würde er insgesamt nicht unbedingt Steuern sparen.
...kannst es ja mal auf www.brutto-netto-rechner.info durchrechnen.

Wenn ein lediger Geschellschafter-Geschäfstsführer ohne Kinder (das ist wohl der steuerlich absolut schlechteste Fall) sich ein Monatsgehalt von 10.000 € brutto bezahlt, bezahlt er dafür im Monat 3.305,50 € Lohnsteuer und 181,80 € Soli, macht zusammen 3.487,30 € Steuer, was bezogen auf die 10.000 € 34,87% ausmacht. Da viele verheiratet sind und Steuerklasse III haben und womöglich noch Kinderfreibeträge, dürfte der reale Steuersatz noch niedriger sein.

Das ist dann doch deutlich weniger als die oben errechneten 46,86 %.

lifesgood
Wenn er keine weiteren Einnahmen hat, dann stimmt das. Aber dann könnte er sich de GmbH schenken, und gleich als Personengesellschaft agieren, und nur ESt, GewSt eingerechnet, zahlen. So hätte er kein Risiko, wenn der Gewinn höher läge, als das was er sich als angemessenes Gehat Zahlen darf, und so auf de Differenz doch die 46% Zahlen.
Gruß

Bumerang
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