Portugal schlüpft unter den Schirm

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

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Beitrag 03.05.2011, 23:33

Der Telefonmann
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Wäre es eigendlich denkbar, daß überschuldete Staaten wie Griechenland und Portugal, gezwungen

werden, sich von Ihren Goldreserven zu trennen (Durch dem IWF).

Welche Auswirkungen hätte ein solches Vorgehen aus den Goldpreis ?



Viele Grüße vom Telefonmann smilie_24

Beitrag 04.05.2011, 04:24

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Ladon
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Ne, das ist - zumindest offiziell - nicht denkbar. Ein solcher "Eingriff" wäre auf diplomatischer Ebene "nicht angebracht".

Jedoch rate ich mal dazu (oberflächlich genügt, richtig eingestiegen bin ich in die Sache auch nicht) die Geschehnisse um den Abbau der Goldreserve der Schweiz zu recherchieren. Anfang der 2000er Jahre hat die Schweiz wohl 120 Tonnen auf den Markt gebracht - und das scheint durchaus auf Druck von IWF und anderen Zentralbanken geschehen zu sein. Es liegt in der Natur der Sache ("unabhängige" Zentralbanken können ja im kleinen Kreis hinter verschlossenen Türen agieren ... viel mehr und in ganz anderen Dimensionen als das Politiker können, die immerhin wenigstens in "Demokratien" fürchten müssen, dass die Opposition die Dinge ans Licht zerrt), dass da vieles im Dunkeln bleibt - eine Demokratisierung des Geldes hat nie stattgefunden.

Es ist möglich dass das im Zusammenhang mit dem sich abzeichnenden relativen Ende der (großen) Leihgeschäfte steht und der Markt "Material" für die Rückführung brauchte. Möglich auch, dass Länder wie China oder Rußland, die großen Kaufdruck begannen aufzubauen da "Interesse" gezeigt haben.

Nebenbemerkung
China besitzt - nach letzten Zahlen - zwar mittlerweile etwa 1.000 Tonnen Gold. Aber das sind nicht mal 2% der Reserven! Für die Bundesbank sind es nahezu 70%, ein Wert, bei dem auch die USA, Italien und Frankreich liegen. Nur mal zur Relation WIE GROSS das chinesische Problem mit dem fallenden Dollar (denn der bildet den Großteil des Restes der Reserven) ist.
(Wobei sich diese Angaben nicht 100%ig mit dem bilanzierten Verhältnis decken muss, da die verschiedenen Zentralbanken unterschiedliche Goldpreise ansetzen - sozusagen von "aktueller Wert" bis "Einkaufspreis").


Welchen Einfluss hätten 382,5 Tonnen auf dem Markt? Die globale jährliche Nachfrage bewegt sich seit vielen Jahren in einem erstaunlich schmalen Korridor um 3.300 Tonnen. Sie wird "befriedigt" durch Förderung, Recycling und früher auch durch Zentralbankverkäufe. Letztere sind vor allem durch das (bzw. die - es gilt das aktuell dritte) Central Bank Gold Agreement(s) gedeckelt und "netto" verkaufen Zentralbanken nicht mehr.
Da wären also mit einem Schlag 10-15% der Nachfrage auf dem Markt. Witzig ist, dass man überhaupt nicht sagen kann wie das den tatsächlichen Goldpreis (für uns) beeinflussen würde. Für 2010 nennt der WGC ca. 3.800 Tonnen Nachfrage und (jetzt kommt's) 4.100 Tonnen "Supply", also Angebot aus Förderung und Recycling - was das relative Stagnieren des Goldpreises seit Mai 2010 teilweise erklären könnte. Aber ein "Rückgang" war trotz dieses Überangebotes nicht zu beobachten (die Differenz ist natürlich nicht verschwunden, sondern dürfte im Rahmen der Rückführung von Leihgeschäften zu sehen sein - aber das mutmaße ich nur).
Fazit: Mein Tipp wäre, dass dies nur zu einem kurzen, bestenfalls mittelfristigen Rückgang führen könnte. Allerdings wäre der psychologische Effekt enorm. Wer erinnert sich noch daran als GB angekündigt Gold verkaufte?
Also alles sehr hypothetisch.
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