Rating-Riese zweifelt an Kreditwürdigkeit der USA

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

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Beitrag 18.04.2011, 19:44

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Waschel
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Den USA drohen wegen ihrer Neuverschuldung Konsequenzen an den Finanzmärkten: Die Rating-Agentur Standard & Poors spricht von einer 33-prozentigen Wahrscheinlichkeit, dass das Land seine Top-Bewertung verliert. Die Aktienkurse brechen ein, Gold zieht an.
Artikel


Langsam kommt Schwung in die neue Casino-Runde. Wenn jetzt die Big-Player von long auf short drehen, dann gibts es einen Giga-Rumms. :|

Beitrag 19.04.2011, 09:25

mapesa
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Da ist doch jetzt keiner wirklich überrascht, oder? Vielleicht doch etwas, da die Rating Agenturen ja so frei von der amerikanischen regierung gar nicht operieren oder wie ist das mit der letzten Krise gelaufen als faule amerikanische Hauskredite der ganzen Welt als AAA untergejubelt wurden? Hätten die USA die ganze Last selbst tragen müssen wären sie ja noch pleiterer (gibts das?) als sie es nun heute sind und hätten längst den bankrott erklären müssen.

Beitrag 19.04.2011, 09:29

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lenca
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"The Fed is Now Pumping $200 BILLION Per Month"

http://www.zerohedge.com/article/fe.... ... lion-month

Soviel zum "harten" Dollar.............. :wink:
„Jeder Politiker sieht auf die Dauer so aus, wie er ist.“
Helmut Schmidt (*1918), dt. Politiker (SPD), 1974-82 Bundeskanzler

Beitrag 19.04.2011, 09:53

michi852
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Eine Welle von Staatspleiten könnte auf uns zu Rollen.
Die Gelddruckmaschinen werden angeschmissen.
Noch mehr Anleger flüchten sich in Gold.
Neue Höchstpreise sind nur noch eine Frage der Zeit.
Wer vertreut denn noch in das Papier und Buchgeld?
Erfolgreich gehandelt mit: waopme, Silberjohann, goldundsilber, boleo, Spitzley

Beitrag 19.04.2011, 10:38

homologia
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Um an der Kredigtwürdigkeit zu zweifeln, braucht man keine Rating-Argentur zu sein!

Das einzig Interessante daran ist, daß sich einer traut das so öffentlich zu benennen.

Beitrag 19.04.2011, 10:52

wondahbwoy
Finde auch, dass es fast bemerkenswert ist, dass das öffentlich erwähnt wird.

Könnte das eurer Meinung nach dazu führen, dass die USA bzw. die FED ihre Finanzpolitik ändern?

Also, dass nun z. B. kein QE3 kommen wird.

Grüße
W

Beitrag 19.04.2011, 12:13

di-em-ex
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michi852 hat geschrieben:Eine Welle von Staatspleiten könnte auf uns zu Rollen.
Die Gelddruckmaschinen werden angeschmissen.
Noch mehr Anleger flüchten sich in Gold.
Neue Höchstpreise sind nur noch eine Frage der Zeit.
Wer vertreut denn noch in das Papier und Buchgeld?
Der Preis ist irrelevant. Ändert nichts am Wert.
Das sollte eigentlich nicht interessieren, das einzig ausschlaggebende ist der Zuwachs an neuen EM-Investoren/Käufern.
Alles andere ist nur eine Verzerrung der Statistik indem man die Achsenvolumen erhöht, ändert allerdings nichts am Verhältnis und somit dem Wert.
wondahbwoy hat geschrieben:Finde auch, dass es fast bemerkenswert ist, dass das öffentlich erwähnt wird.
Könnte das eurer Meinung nach dazu führen, dass die USA bzw. die FED ihre Finanzpolitik ändern?
Also, dass nun z. B. kein QE3 kommen wird.
Grüße
W
Man sollte nie vergessen, dass egal wie komplex die Organisationen und Vereinigungen sind, letztendlich sind wir alle - und damit auch die Leute die dahinter stecken - nur Menschen. Deshalb werden die Leute der FED die etwas zu sagen haben stets das ganze Schiff in die Richtung lenken die für sie am günstigsten ist. Und wenn diese Einzelpersonen nunmal noch Zeit brauchen um eigene Schulden abzubezahlen oder noch mehr Vermögen anzuhäufen, dann wird das mindestens noch so lange dauern wie es für sie möglich ist. Angeblich bekommt Bernanke $191,300 Gehalt. Das ist zwar viel für einige, aber es erlaubt ihm und all den anderen um ihn herum, deren Einkommen sich auch um diese Zahl dreht, nicht ein Risiko einzugehen, welches womöglich die Familie im Rücken in den Ruin treibt und die Karriere zerstört, eventuell kommen dann noch Klagen ins Haus geflattert ... solange der Herr noch selbst EM im Keller bunkern kann wird er auch damit weiter machen. Ist ja nicht so, dass die alle dumm sind, da weiß jeder ganz genau, dass es eben keine andere Möglichkeit gibt. Stellt euch mal vor er zerrt die USA in eine Deflation durch Zinserhöhungen und Druckpressenhalt. Da ist schnell vergessen, dass es wirtschaftlich gesehen klüger war, drum geht man den Weg des langsamen Todes, da bekommen vielleicht nicht alle sofort mit was abgeht und wenn dann noch paar Banken gleichzeitig hops gehen steht man auch nicht als Alleinschuldiger dar. Auch wenn es für die Gemeinschaft schlimmer sein wird, so ist es für die Einzelpersonen die sich darüber im Klaren sind die bessere Variante.

In der Politik geht es nur im Ausnahmefall um das Allgemeinwohl.
Die Alternativlosigkeit gilt für uns alle, lediglich die Standpunkte von denen aus wir operieren können sind unterschiedlich gut oder schlechter positioniert.

Darum: Es wir auch noch ganz sicher QE7, 8 und 10 geben. (Ob sie dann noch so betitelt werden ist eine andere Frage.) Der Weg ist angetreten, ein Zurück macht keinen Sinn, es sei denn man versucht absichtlich eine noch größere Krise zu erzeugen (Deflation) um im Großen Stil zu enteignen. Aber das ist Fiktion.

Beitrag 19.04.2011, 12:34

nameschonweg
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Bzgl. des S&P-Kommentars sollte man evtl. berücksichtigen, dass hier - neben der nationalistischen Komponente - auch eine parteipolitische Zielsetzung eine Rolle spielen könnte. Bislang haben sich Demokraten und Republikaner immer noch auf eine gemeinsame Linie besinnen können, wenn es um eine akute Bedrohung für das Gesamtwohl der Nation ging. Dies scheint diesmal nicht so eindeutig zu sein - vielleicht, weil die aktuelle Situation nicht als Bedrohung wargenommen wird!? Den Republikanern könnte die S&P-Kommentierung nämlich durchaus in die Karten spielen, der Tea Party erst recht. Zumal ja "nur" der Ausblick geändert wurde, die Herabstufung war ja nur eine Drohung. Moodys kam ja zu einem anderen Ergebnis - nur kurze Zeit nach dem Kommentar von S&P.

Bei den Amerikanern hängt derzeit der Haussegen mächtig schief. Ich würde den Kommentar eher als innenpolitisch motivierten Schachzug bewerten. Eine Herabstufung wäre etwas anderes gewesen. Aber so ...

In Verbindung mit der Shorterei durch PIMCO bekommt die Sache allerdings eine gewisse Dynamik.

Beitrag 19.04.2011, 12:35

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Circle
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Interessant wie viel Macht diese Ratingagenturen haben.... und wie sie sie einsetzen!
Von ihren "Irrtümern" wollen wir erst gar nicht reden.
Vielleicht werden bald zur Kreditwürdigkeit Tarotkarten gelegt?
Nein, eine Kristallkugel habe ich nicht -
aber eine eigene Meinung ;-)

Beitrag 19.04.2011, 13:46

Duke_78
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Circle hat geschrieben:Interessant wie viel Macht diese Ratingagenturen haben....
Natürlich können wir darüber diskutieren ob Ratings eine zu grosse Bedeutung haben, das wird in diesem Fall jedoch gegen Dich laufen. Abgesehen vom Medienecho, was ist denn passiert? Nicht viel.
Und welches Rating sollte die USA denn Deiner Meinung nach haben? Ich vermute, die meisten hier würden dem Staat kein 'AAA' mehr geben.
Zuletzt geändert von Duke_78 am 20.04.2011, 09:12, insgesamt 1-mal geändert.
"Alle Verallgemeinerungen sind gefährlich. Auch diese!"
Alexandre Dumas

Beitrag 19.04.2011, 14:55

tranceaddict
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man kann das ganze immer von 2seiten sehen.
durch deren beschönigung etc. bekommt man persönlich ggf. auch zeit gekauft zum vorsorgen.
aber diversen wird wahrscheinlich unterwegs das geld schon ausgehen bzw. die möglichkeit den lebensunterhalt zu bestreiten.

Beitrag 19.04.2011, 18:15

ultima materia
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es wird jetzt öffentlich bekannt gegeben, weil die Leute sich an die Krise gewöhnt haben,aber nicht wissen das wir alle uns nur in einer Pre/Vorkrise befinden,wo Finanzspritzen/Konjunkturpakete,Rettungsschirme sprich:alles nur rausgezögert wird, das Schlimmste kommt noch und das ganze bis 2018-20,Große Depressionen sind immer 10 Jahre .
Die USA bräuchte 14% Wachstum vom BIP und das 3 Jahre hintereinander um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.NO WAY

Beitrag 06.07.2011, 17:32

dobby
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Registriert: 16.08.2010, 16:58
Hatte heute Nacht einen fürchterlichen Traum und bin vor Entsetzen schreiend aufgewacht:

Es wurde eine neue, endlich für die politisch Handelnden sicher einschätzbare, eine somit endlich zuverlässige und absolut politisch korrekte Rating-Agentur für den Euro-Raum geschaffen. Sie legt künftig abschließend fest, wie die Bonität der Euro-Staaten ist. Die Agentur bestand aus den Herren Juncker, Barroso, Trichet und Schäuble....
War hoffentlich nur ein Traum, oder eine Ahnung vielleicht!
smilie_04 smilie_04 smilie_04
Zuletzt geändert von dobby am 15.12.2012, 12:24, insgesamt 1-mal geändert.

Beitrag 06.07.2011, 18:13

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plutokrat
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Die Bewertungen der Ratingagenturen sind doch noch human. Ich würde die Staaten ganz anders Bewerten und de facto als Zahlungsunfähig verdammen allesamt... blos mein Wort hat nicht soviel Gewicht bei den Banken und das ist für mich der einzigste Unterschied smilie_13

Die Gedanken die uns lenken führen oft in ein großes Nichts
Wir illusionieren das Vollkommene und vergessen die Welt in der wir leben

Beitrag 06.07.2011, 18:16

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dobby hat geschrieben:Die Rating-Agenturen bewerten lediglich die Folgen dieser vermurksten Politik. Und ihre Urteile unterscheiden sich kaum von denen des gesunden Menschenverstandes."
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 61,00.html
Die Rating-Agenturen sind viel zu nachsichtig mit den Schuldenmachern, eine ernsthafte Bewertung des tatsächlichen Ausfallrisikos findet definitiv nicht statt, sonst wäre sofort Ende mit dem Schuldenmachen. Man könnte sogar soweit gehen, den Rating-Agenturen eine Mitschuld an der Schuldenkrise einzuräumen, weil sie durch ihre viel zu guten (geschönten!) Bewertungen zum weiteren Schuldenmachen ermutigen bzw. dieses durch ihre viel zu guten Bewertungen erst zu einem tragbaren Zins ermöglichen.

In dem Buch "Dieses Mal ist alles anders - Acht Jahrhunderte Finanzkrisen" (absolute Leseempfehlung!) führen die Autoren aus, "daß das Risiko einer Schuldenkrise steil ansteigt, wenn die Quote der Auslandsverschuldung mehr als 30 bis 35 Prozent des BIP beträgt". (siehe Seite 76)

Wie also kann beispielsweise ein Land wie Deutschland mit einer Verschuldung von 83,2 % des BIP (Stand 2010) überhaupt noch mit der Bestnote AAA bewertet werden? So ein Rating ist doch das Papier nicht wert, auf dem es steht ...


Edit:
@plutokrat: Unsere Postings haben sich überschnitten, wir wollten offensichtlich dasselbe sagen.
:wink:

Beitrag 06.07.2011, 18:43

hsc50
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Von jedem Architekten verlangt man, daß er den Rechenweg für die Statik und seine Annahmen offenlegt.
Wieso können das nicht auch Ratingagenturen?

Beitrag 06.07.2011, 19:17

TH
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plutokrat hat geschrieben:Die Bewertungen der Ratingagenturen sind doch noch human. Ich würde die Staaten ganz anders Bewerten und de facto als Zahlungsunfähig verdammen allesamt... blos mein Wort hat nicht soviel Gewicht bei den Banken und das ist für mich der einzigste Unterschied smilie_13
Im Grunde ist es ja nicht verkehrt, dass verschiedene europäische Staaten abgewertet werden, aber dass an Ländern wie den USA und Großbritannien alles spurlos vorbei läuft, ist schon suspekt, zumal die hinter Staatsverschuldung liegenden Daten wie etwa Leistungsbilanzen, private Verschuldung etc. für diese Länder grausam aussehen. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Im Vergleich zu S&P & Co. lobe ich mir da schon fast Dagong. Bei denen haben auch USA und UK kein AAA - Deutschland übrigens auch nicht, steht aber noch besser da als die beiden genannten Länder. Vom katastrophalen Versagen der einschlägigen Ratingagenturen bei der Bewertung diverser AAA-Produkte, die uns dann die Finanzkrise eingebrockt haben, wollen wir besser mal nicht reden. smilie_18

Beitrag 06.07.2011, 19:43

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plutokrat
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Warum mit zweierlei Maß gemessen wird kann ich auch nicht sagen, doch die Macht der Agenturen wird nur dadurch bestimmt wer an ihre Ratings glaubt und danach handelt. Denn im Grunde wissen sie genau soviel wie DU und ICH.
Die Ratings, wie ja schon geschrieben sind weit weg von der Realität. Sie können aber auch nicht die mächtigsten Staaten der Erde so einfach mit ein paar Prognosen abwerten, einfach aus der Verantwortung herraus.

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Beitrag 06.07.2011, 20:42

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Nach Portugal-Herabstufung
EU erwägt Maulkorb für Ratingagenturen

Im Streit über die Urteile der Bonitätswächter fährt die EU-Kommission schwere Geschütze auf: Die Bewertung der größten Euro-Sorgenkinder könnte verboten werden. Auch Bundesfinanzminister Schäuble wettert gegen das "Oligopol" der Agenturen.

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anle ... 75103.html

smilie_20

Beitrag 06.07.2011, 21:01

regenbogendieb
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Die Rating-Agenturen sitzen ganz klar am längeren Hebel. Würden sie nicht bewerten, kämen auch keine Kredite mehr rein, denn wer leiht schon jemandem Geld der sich einer Bonitätsprüfung widersetzt?

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