Sozialstaat wächst schneller als die Wirtschaft

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

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Beitrag 02.07.2016, 08:28

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VfL Bochum 1848
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Sozialstaat wächst schneller als die Wirtschaft

Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Konjunkturerwartungen sind günstig. Und trotzdem steigen die Sozialleistungen. Und das nicht zu knapp: Sie wachsen schneller als die Wirtschaft:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 17356.html


[s]P.S: Titel soll lauten "Sozialstaat wächst schneller als die Wirtschaft", habe diesen mehrmals in die Titelzeile eingegeben, wird aber nicht übernommen.

Edit: Hab gerade auf Empfehlung von Goldhamster79 Titel "Sozialstaat waechst schneller als die Wirtschaft" eingegeben, dann gehts, sollte aber trotzdem nachgebessert werden.[/s]

[ Hinweis Forum-Team: Fehler wurde inzwischen behoben. ]
Zuletzt geändert von VfL Bochum 1848 am 02.07.2016, 11:14, insgesamt 6-mal geändert.
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Beitrag 02.07.2016, 08:47

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Goldhamster79
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Das ist eine typische Entwicklung von sozialistischen Systemen, dass der Staatsanteil stets zunimmt.

Aktuell diesmal der Anteil der Sozial-Industrie mit der Ware Mensch im Zentrum verblendeter Geschäftstüchtigkeit,
Roland Baader hat das schon frühzeitig erkannt und als erster dafür den Begriff des Sozialsozialismus und stellte bereits 1991 in seinem Buch "Kreide für den Wolf" die Prognose für Deutschland:
"Sozialsozialismus und Überschuldung"

Eine solche Verquickung eines entarteten Sozialwesens mit dem Geldsystem hält erst recht weder Ochs noch Esel auf...

Goldhamster


PS: Kann das Buch (keine leichte Kost) nur jedem ans Herz legen, als ebuch kostenfrei unter http://www.roland-baader.de/bucher-2/
Falls Sie in einem Land leben, in dem Sie für das Fischen ohne Anglerschein bestraft werden,
jedoch nicht für den illegalen Grenzübertritt ohne gültigen Reisepass,
dann haben Sie das volle Recht zu sagen, dieses Land wird von Idioten regiert.
M. Zeman

Beitrag 02.07.2016, 08:58

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VfL Bochum 1848
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Ja, auch noch so ein weiteres Stellschräubchen, dass unseren Staat (und damit uns alle) der Final Destination immer näher bringt.
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Beitrag 02.07.2016, 09:31

BOB
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Ich stimme Eurer Bewertung der Situation zu, aber leider werden (auch) in dieser Statistik nach meiner Meinung allzu unterschiedliche Dinge miteinander vermischt und zu "Sozialleistungen" zusammengefasst. Das macht leider den Verteidigern eines überbordenden Sozialstaats Konter zu leicht.
Was mir übrigens noch mehr Sorge als wachsende Sozialausgaben macht, ist die tägliche Beobachtung einer wachsenden Zufriedenheit damit. Eine nicht all zu hohe, aber risikoarme Alimentation und Absicherung durch den Staat scheint für immer mehr Menschen ein erstrebenswertes Ziel zu sein. Es geht nicht mehr um mehr Wohlstand, sondern um mehr Wohlbefinden. Und dazu will der Tellerwäscher bei uns nicht mehr Millionär werden, sondern Tellerwäscher-Beamter in Teilzeit mit großem Urlaubsanspruch.
Ehrgeiz, Anstrengung, Disziplin gibt es weiterhin und sogar mehr als früher - jedoch nicht mehr am Arbeitsplatz, sondern beim Freizeitsport.

Beitrag 02.07.2016, 10:24

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Goldhamster79
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BOB hat geschrieben: Was mir übrigens noch mehr Sorge als wachsende Sozialausgaben macht, ist die tägliche Beobachtung einer wachsenden Zufriedenheit damit. Eine nicht all zu hohe, aber risikoarme Alimentation und Absicherung durch den Staat scheint für immer mehr Menschen ein erstrebenswertes Ziel zu sein.
Ist es auch für mich, obgleich aus ganz anderen Motiven.
Denn jeder weitere Schritt der Alimentierung durch Umverteilung und Aufschuldung, also jede weitere Erhöhung der Staatsquote, bringt uns dem Zusammenbruch dieses kranken Systems näher, ergo ist er erstrebenswert, lieber heute als morgen, vor allem solange noch Reste von Freiheit vorhanden sind in diesem schleichenden Prozess zum Totalitatismus.

Warum diese Pragmatik? Weil ich mich nicht der Illusion hingebe, dass ein Abbau der Sozialindustrie anderweitig vollziehbar wäre....

smilie_24
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Beitrag 02.07.2016, 11:21

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VfL Bochum 1848
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Was auch noch hinzukommt ist die Tatsache, dass momentan die Wirtschaft in Deutschland einigermassen brummt. Sollten stetig wachsende Sozialausgaben irgenwann mal auf eine Rezession in Deutschland treffen, dreht sich die Spirale noch viel schneller in den Keller smilie_16 .
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Beitrag 02.07.2016, 12:31

HenryMorgan
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Alleine die ganzen Versorgungssuchenden,werden schnell 50-100 Milliarden Euro im Jahr kosten, wenn der Familiennachzug auch noch durchgeführt wird.

Meine Tante hat ein Friseurgeschäft. Sie meinte, sie findet keine neue Friseurin (Meisterin?) für den Laden. Die wollen teilweise 12.50 Euro Stundenlohn haben.
Das gibt aber das Geschäft nicht her, weil die ja auch teilweise einige Zeit rumstehen, weil keine Kunden da sind.
Für weniger machen viele es nicht, weil sie da lieber Arbeitslosengeld kassieren.

Da scheint die Soziale Hängematte gut genug zu sein um Ansprüche stellen zu können.

Beitrag 02.07.2016, 16:10

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Sapnovela
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HenryMorgan hat geschrieben:Alleine die ganzen Versorgungssuchenden,werden schnell 50-100 Milliarden Euro im Jahr kosten, wenn der Familiennachzug auch noch durchgeführt wird.

Meine Tante hat ein Friseurgeschäft. Sie meinte, sie findet keine neue Friseurin (Meisterin?) für den Laden. Die wollen teilweise 12.50 Euro Stundenlohn haben.
Das gibt aber das Geschäft nicht her, weil die ja auch teilweise einige Zeit rumstehen, weil keine Kunden da sind.
Für weniger machen viele es nicht, weil sie da lieber Arbeitslosengeld kassieren.

Da scheint die Soziale Hängematte gut genug zu sein um Ansprüche stellen zu können.
smilie_20
12,5 Euro sind doch nicht viel!?! Bei durchschnittlich 1400 Arbeitsstunden pro Jahr kommen da gerade mal 17500 Bruttopro Jahr zusammen. Absolut korrekt, wenn die Arbeitnehmer in Zeiten der niedrigen Arbeitslosigkeit endich anfangen höhere Löhne zu verlangen.

Beitrag 02.07.2016, 17:35

BOB
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Ob 12,50 EUR pro Stunde, also bei einer 40-Stunden-Woche gut 2.160 EUR monatlich, viel oder wenig ist, hängt von der Betrachtungsweise ab. Das Grundproblem ist doch, dass es Arbeit gibt, die einen Mann oder eine Frau nicht ernähren kann. Wenn in manchen kleinen Cafés oft nur ein paar Gäste eine Stunde an einem Cappuccino sitzen und in Deutschland üppiges Trinkgeld unbekannt ist, weiß ich, dass der Besitzer kaum den Stundenlohn für die Bedienung in der Kasse haben, geschweige denn Miete, Nebenkosten und etwas für sich erwirtschaftet haben kann. Wer will, dass die Friseurin, die Bäckereiverkäuferin, die Kneipenbedienung, der Brief- und Zeitungsbote und viele andere mehr verdienen, muss sich an andere Preise, etwa wie in der Schweiz, gewöhnen.
In Deutschland will man einerseits nicht mehr das alte Modell mit einem Hauptverdiener und einer Zuverdienerin behalten, andererseits aber gerade für die typischen "Frauenbeschäftigungen" und früheren Schüler- und Rentnerjobs weiterhin als Kunde wenig zahlen. Das passt nicht zusammen.

Beitrag 02.07.2016, 17:44

HenryMorgan
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Sapnovela hat geschrieben:
HenryMorgan hat geschrieben:Alleine die ganzen Versorgungssuchenden,werden schnell 50-100 Milliarden Euro im Jahr kosten, wenn der Familiennachzug auch noch durchgeführt wird.

Meine Tante hat ein Friseurgeschäft. Sie meinte, sie findet keine neue Friseurin (Meisterin?) für den Laden. Die wollen teilweise 12.50 Euro Stundenlohn haben.
Das gibt aber das Geschäft nicht her, weil die ja auch teilweise einige Zeit rumstehen, weil keine Kunden da sind.
Für weniger machen viele es nicht, weil sie da lieber Arbeitslosengeld kassieren.

Da scheint die Soziale Hängematte gut genug zu sein um Ansprüche stellen zu können.
smilie_20
12,5 Euro sind doch nicht viel!?! Bei durchschnittlich 1400 Arbeitsstunden pro Jahr kommen da gerade mal 17500 Bruttopro Jahr zusammen. Absolut korrekt, wenn die Arbeitnehmer in Zeiten der niedrigen Arbeitslosigkeit endich anfangen höhere Löhne zu verlangen.
Wir reden hier aber über den Friseurberuf und nicht über Chemielaborantin,Ärztin usw.
Da sind fast 50% über Mindestlohn nunmal sehr viel. Zumal die teilweise manchmal ja auch 2 Stunden rumstehen,weil keiner in den Laden kommt und dennoch bezahlt werden.

Auch das Trinkgeld sollte man nicht unterschätzen. Wenn jeder Kunde nur 5 Euro gibt, wären das bei 10 Kunden pro Tag schon 1000 Euro Trinkgeld Steuerfrei.

Beitrag 02.07.2016, 19:06

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Sapnovela
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HenryMorgan hat geschrieben:
Sapnovela hat geschrieben:
HenryMorgan hat geschrieben:Alleine die ganzen Versorgungssuchenden,werden schnell 50-100 Milliarden Euro im Jahr kosten, wenn der Familiennachzug auch noch durchgeführt wird.

Meine Tante hat ein Friseurgeschäft. Sie meinte, sie findet keine neue Friseurin (Meisterin?) für den Laden. Die wollen teilweise 12.50 Euro Stundenlohn haben.
Das gibt aber das Geschäft nicht her, weil die ja auch teilweise einige Zeit rumstehen, weil keine Kunden da sind.
Für weniger machen viele es nicht, weil sie da lieber Arbeitslosengeld kassieren.

Da scheint die Soziale Hängematte gut genug zu sein um Ansprüche stellen zu können.
smilie_20
12,5 Euro sind doch nicht viel!?! Bei durchschnittlich 1400 Arbeitsstunden pro Jahr kommen da gerade mal 17500 Bruttopro Jahr zusammen. Absolut korrekt, wenn die Arbeitnehmer in Zeiten der niedrigen Arbeitslosigkeit endich anfangen höhere Löhne zu verlangen.
Wir reden hier aber über den Friseurberuf und nicht über Chemielaborantin,Ärztin usw.
Da sind fast 50% über Mindestlohn nunmal sehr viel. Zumal die teilweise manchmal ja auch 2 Stunden rumstehen,weil keiner in den Laden kommt und dennoch bezahlt werden.

Auch das Trinkgeld sollte man nicht unterschätzen. Wenn jeder Kunde nur 5 Euro gibt, wären das bei 10 Kunden pro Tag schon 1000 Euro Trinkgeld Steuerfrei.
Wird immer besser...
a) Wieso sind 12,50 viel? Im Vergleich zu was?
b) Wieso stehen sie 2 Stunden rum? Keine Personaleinsatzplanung? Kein Marketing?
c) Gibst Du 5 Euro Trinkeld beim Friseur? 1000 Euro ... was eine Milchmädchenrechnung...

Beitrag 02.07.2016, 19:13

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Sapnovela
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BOB hat geschrieben:Ob 12,50 EUR pro Stunde, also bei einer 40-Stunden-Woche gut 2.160 EUR monatlich, viel oder wenig ist, hängt von der Betrachtungsweise ab.
Da gibt es dann auch noch Urlaub, Krankheit etc. 2160 Euro brutto sind es damit im Schnitt nicht. Daher habe ich auf Basis der realen Arbeitszeiten in D gerechnet.
BOB hat geschrieben: Das Grundproblem ist doch, dass es Arbeit gibt, die einen Mann oder eine Frau nicht ernähren kann. Wenn in manchen kleinen Cafés oft nur ein paar Gäste eine Stunde an einem Cappuccino sitzen und in Deutschland üppiges Trinkgeld unbekannt ist, weiß ich, dass der Besitzer kaum den Stundenlohn für die Bedienung in der Kasse haben, geschweige denn Miete, Nebenkosten und etwas für sich erwirtschaftet haben kann. Wer will, dass die Friseurin, die Bäckereiverkäuferin, die Kneipenbedienung, der Brief- und Zeitungsbote und viele andere mehr verdienen, muss sich an andere Preise, etwa wie in der Schweiz, gewöhnen.
Bingo.
Es gab mal etwas, was sich soziale Marktwirtschaft nannte. Dort konnten alle am steigenden Wohlstand profitieren, nicht nur eine selbsternannte Leistungselite (die bei näherer Betrachung heute keine Elite sondern oftmals ein parasitäres Element ist) aus I-Bankern & Co.
Genau da müssen wir wieder hin und das geht nur über höhere Löhne und höhere Preise für Alltagsdienstleistungen.

Beitrag 02.07.2016, 19:55

Herebordus
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Sapnovela hat geschrieben:
BOB hat geschrieben:Ob 12,50 EUR pro Stunde, also bei einer 40-Stunden-Woche gut 2.160 EUR monatlich, viel oder wenig ist, hängt von der Betrachtungsweise ab.
Da gibt es dann auch noch Urlaub, Krankheit etc. 2160 Euro brutto sind es damit im Schnitt nicht. Daher habe ich auf Basis der realen Arbeitszeiten in D gerechnet.

So viel kann es nicht sein. Da wurde erst vorgerechnet, daß man über 2500 € Brutto braucht für eine anständige Rente.

http://www.welt.de/wirtschaft/article10 ... rutto.html

http://www.focus.de/finanzen/altersvors ... 11378.html

Beitrag 02.07.2016, 21:54

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Titan
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@Herebordus

Was hat das mit dem Faden zu tun?
T.
"Das Leben ist Schwingung.Verändere Deine Schwingungen--
und Du veränderst Dein Leben"
"Die kürzesten Wörter ( ja,nein ) erfordern das meiste
Nachdenken"
Pythagoras von Samos

Beitrag 03.07.2016, 01:54

TomTomGo
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Naja, da ist doch jeder von uns ein Stück weit selbst mit verantwortlich. Sei es der Friseurbesuch, der Lebensmitteleinkauf, bei der Wahl des neuen Autos, oder, oder, oder..

Wer sich über die ungleichmäßigen Verhältnisse beschwert, aber gleichzeitig diese Ungerechtigkeit (ist es denn überhaupt eine?) zu seinen Gunsten ausnutzt, ist nichts weniger als ein Heuchler, der zu seinem eigenen Wohle handelt.
Am kostbarsten sind immer die Dinge, die keinen Preis haben!

Beitrag 03.07.2016, 07:01

BOB
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Sapnovela hat geschrieben:
BOB hat geschrieben:Ob 12,50 EUR pro Stunde, also bei einer 40-Stunden-Woche gut 2.160 EUR monatlich, viel oder wenig ist, hängt von der Betrachtungsweise ab.
Da gibt es dann auch noch Urlaub, Krankheit etc. 2160 Euro brutto sind es damit im Schnitt nicht. Daher habe ich auf Basis der realen Arbeitszeiten in D gerechnet.
Das verstehe ich nicht. Das Ausgangsbeispiel der Friseurin ging von einem normalen Arbeitsverhältnis aus. Und da bekommt man auch Geld, wenn man regulär in Urlaub oder krank ist. Wenn Du diese Ausfallzeiten berücksichtigen willst, folgt daraus nur, dass der Stundenlohn pro tatsächlich geleisteter Arbeitsstunde noch höher ist.
So oder so - es löst nicht das Grundproblem.
Die soziale Marktwirtschaft wurde begründet, als in einer Arbeiterfamilie allein der Mann diese ernährt und für einen bescheidenen Wohlstand gesorgt hat. Die Frau hat sich um Haushalt, Kinder und Alte gekümmert und bei Bedarf (z.B. für den Urlaub an der Adria oder eine neue Waschmaschine) ein paar Mark (oft schwarz) hinzuverdient. Dies erklärt den Niedriglohn dort, wo fast nur Frauen arbeiten. Die Zeiten haben sich gewandelt, die hinzukommende DDR mit üblicherweise "normal" arbeitenden Frauen hat dies beschleunigt. Weniger gewandelt hat sich hingegen das Lohngefälle. Wenn man alle zwischenmenschlichen Aufgaben von der Kindererziehung über die Pflege von Kranken und Alten, von Haushalt und Garten, nicht mehr famlienintern "kostenlos" erledigt sondern externen Profis überlässt, wird es teuer. Wenn die Hausfrau nicht mehr die Familie bekocht und man stattdessen auch im Imbiss an der Ecke den Mitarbeitern mehr als den Mindestlohn plus Lohnnebenkosten zahlen muss, funktioniert das Gefüge nicht mehr. Kein Wunder, dass viele Restaurants und Kneipen nur noch als Familienbetrieb überleben.

Beitrag 03.07.2016, 09:35

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Sapnovela
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BOB hat geschrieben: Die soziale Marktwirtschaft wurde begründet, als in einer Arbeiterfamilie allein der Mann diese ernährt und für einen bescheidenen Wohlstand gesorgt hat. Die Frau hat sich um Haushalt, Kinder und Alte gekümmert und bei Bedarf (z.B. für den Urlaub an der Adria oder eine neue Waschmaschine) ein paar Mark (oft schwarz) hinzuverdient. Dies erklärt den Niedriglohn dort, wo fast nur Frauen arbeiten. Die Zeiten haben sich gewandelt, die hinzukommende DDR mit üblicherweise "normal" arbeitenden Frauen hat dies beschleunigt.
Das ist sicher ein Aspekt, imho aber nicht der Wesentliche. Die uns als alternativlos dargestellte Deregulierung & Globalisierung hat in den lezten 25 Jahren zu einem Wettlauf um niedrigere Steuern und Gehälter geführt. Einfach mal die Entwicklung der Gewinne großer multinationaler Unternehmen der Entwicklung der Löhne gegenüberstellen. Normalerweise müsste die geringe Arbeitslosigkeit für stark steigende Löhne sorgen, dies ist aber nur sehr begrenzt der Fall. Dort liegt das wesentliche Problem. Es gibt seit Jahren eine zunehmende Machtverschiebung zu Gunsten der Unternehmen. Es ist doch völlig absurd, dass die Unternehmens- und Kapitalertragssteuern niedriger sind, als die Lohn-/Einkommenssteuer. Diverse multinationale Unternehmen zahlen gar keine Steuern und profitieren von den niedrigen Löhnen der Angestellten. Leiharbeit, Zeitarbeit & Co. lassen den Betroffenen schlicht keine Wahl "Nein" zu sagen, weil gar nicht klar ist, wo dann das Geld für die nächsten Monate herkommen soll.
BOB hat geschrieben:Weniger gewandelt hat sich hingegen das Lohngefälle. Wenn man alle zwischenmenschlichen Aufgaben von der Kindererziehung über die Pflege von Kranken und Alten, von Haushalt und Garten, nicht mehr famlienintern "kostenlos" erledigt sondern externen Profis überlässt, wird es teuer. Wenn die Hausfrau nicht mehr die Familie bekocht und man stattdessen auch im Imbiss an der Ecke den Mitarbeitern mehr als den Mindestlohn plus Lohnnebenkosten zahlen muss, funktioniert das Gefüge nicht mehr.
Das Gefüge funktioniert schon lange nicht mehr, aber bisher konnten viele Menschen noch aus der Substanz leben und waren nicht mit sonderlich stark steigenden Lebenshaltungskosten konfrontiert. Das hat sich inzwischen geändert, nicht zu letzt dank der steigenden Mieten durch die EZB-Geldflut und die steigenden Immobilien-Preise. Viele Eltern bringen ihre Kinder nicht in die Kita weil sie kein Interesse an ihnen haben, sondern weil sie schlicht das Geld des Zweit- oder Drittjobs brauchen, um die Familie am Laufen zu halten. ... und wenn man dann 600 oder 800 Euro verdient muss man zwar keine Steuern zahlen, aber Sozialabgaben, auch wenn man selbst vom Geld nicht leben kann. Irgendwo muss da Geld für die Rente ab 60 ja herkommen...
BOB hat geschrieben:Kein Wunder, dass viele Restaurants und Kneipen nur noch als Familienbetrieb überleben.
Ob man McDoof, Burger King, Starbucks etc. als "echte" Restautrants bezeichnen kann sei mal dahingestellt, aber es ist Fakt, dass diese Ketten das Land mit x "Restaurants" überzogen haben. Das sind keine Familienbetriebe und sie funktionieren nur auf Basis von Hungerlöhnen. Dort lassen sich Kinder mit ihrem Taschengeld von Erwachsenen "bedienen", völlig absurd und nur aufgrund der Lohnspreizung möglich. Solange hier nicht angesetzt wird, muss der Sozialstaat wachsen, denn die Betroffenen können bei diesen Löhnen gar nicht für sich selbst sorgen, schon gar nicht, wenn man dann irgendwann mit 43% des letzten Netto-Hungerlohns in Rente geht. Ich bin jetzt zu faul das zu schreiben... und besser darstellen als hier
https://www.youtube.com/watch?v=to_3ZykGIEk
kann ich es ohnehin nicht.

Beitrag 03.07.2016, 10:57

BOB
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@ Sapnovela:
In den meisten Punkten stimme ich Dir ja völlig zu.
Dein Beispiel der \"Restaurant\"-Ketten ist die moderne Variante, wie es läuft: Dort werden fremde Mitarbeiter ausgebeutet, aber auch im klassischen Familienbetrieb dürfen die mitarbeitende Frau und der aushelfende Sohn ihren auf der Grundlage der tatsächlichen Arbeitszeit ausgerechneten Stundenlohn auch nicht öffentlich bekanntgeben - kein Wunder, dass gerade in der Gastronomie das Mindestlohngesetz so heftig kritisiert (und vielfach umgangen) wird.
Was ich meine: Früher hat die Hausfrau daheim ihre Familie bekocht, heute verdient sie durch Putzen oder Regaleinräumen gerade soviel dazu, wie dann Döner, BigMacs und Co. kosten. Und manche junge Frauen, die in Boutiquen arbeiten, geben ihren geringen Lohn direkt für die Mitnahme von Klamotten zurück.
Natürlich erzählen viele dann von dem einen Biergartenfest oder irgend einem anderen Event, wo sie an einem Tag sehr viel Kohle verdient haben - nur eben einmalig und nicht als Durchschnittswert für viele Jahre, um eine Familie im Eigenheim zu gründen.
Das Modell des Arbeitens zu einem Verdienst, der nicht nur den laufenden Verbrauch deckt, sondern auch noch Rücklagen für gelegentliche Extras, größere Anschaffungen und Unvorhergesehenes sowie die Altersvorsorge übrig lässt, funktioniert für einen wachsenden Teil der Bevölkerung nicht mehr. Immer mehr leben zwar nicht in \"objektiver\" Armut, aber eben nur von der Hand in den Mund.
Die Globalisierung ist eine Ursache hierfür, aber es ist nicht zuletzt auch unser eigenes Verhalten.
Wer in Deutschland in einem Restaurant beim Bezahlen nicht mit einem großzügigen \"stimmt so\" nur auf den nächsten Euro aufrundet, sondern bei gutem Service je nach Rechnungshöhe auch mal 5 Euro und mehr an Trinkgeld gibt, muss dies heimlich tun, weil er am Tisch sonst für ein Verschwender gehalten wird. Wer zugibt, dass er etwas im Laden kauft, obwohl er weiß, dass es im Internet ein paar Euros billiger zu haben wäre, gilt als Dummkopf.
Manches an der Situation hat mit der wirtschaftspolitischen Bevorzugung von Konzernen zu tun, aber bei weitem nicht alles. Die verbliebenen Läden tragen auch dazu bei, ihre letzten Kunden mit unfreundlichem und wenig professionellem Verhalten zu vergraulen.
Und das alles ist nicht off-topic, denn die Sozialausgaben steigen auch, weil sich Arbeit oft finanziell kaum lohnt.

Beitrag 03.07.2016, 12:31

Klecks
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Sorry @ BOB, aber das ist alles ziemlich verquer.
BOB hat geschrieben: kein Wunder, dass gerade in der Gastronomie das Mindestlohngesetz so heftig kritisiert (und vielfach umgangen) wird.
Ausgerechnet die Gastronomie ist wohl so ziemlich das am wenigsten taugliche Beispiel. 90% der Gaststätten waren schon immer Familienbetriebe. Das war schon vor 30, 50, 100 und 250 Jahren so. Aber am heftigsten kritisiert wird der Mindestlohn eben gerade NICHT von den Familienbetrieben sondern von den Großgastronomen. Also von jenen, die vor lauter Angst nicht mehr schlafen können, weil die Jahresnettogewinne zukünftig nur noch im unteren siebenstelligen Bereich sein könnten, statt am 8-stelligen zu kratzen.
BOB hat geschrieben:Was ich meine: Früher hat die Hausfrau daheim ihre Familie bekocht,
Früher hat meine Mutter zwar für die Familie gekocht - aber abends, tagsüber ging sie ihr Leben lang zur Arbeit. Genau wie meine beiden Omas, meine Tanten und Millionen anderer Frauen auch. Schlicht und ergreifend deshalb, weil du in einer deutschen Großstadt anders noch nie(!) als 5-köpfige Arbeiterfamilie überleben konntest. Das Heimchen-am-Herd-Bild ist Kokolores, das ist die 50-Jahre-Doris-Day-Romantik, die noch nie etwas mit der Wirklichkeit zu tun hatte.
BOB hat geschrieben:Die Globalisierung ist eine Ursache hierf�r, aber es ist nicht zuletzt auch unser eigenes Verhalten.
Wer in Deutschland in einem Restaurant beim Bezahlen nicht mit einem gro�z�gigen "stimmt so" nur auf den n�chsten Euro aufrundet, sondern bei gutem Service je nach Rechnungsh�he auch mal 5 Euro und mehr an Trinkgeld gibt, muss dies heimlich tun, weil er am Tisch sonst f�r ein Verschwender gehalten wird. Wer zugibt, dass er etwas im Laden kauft, obwohl er wei�, dass es im Internet ein paar Euros billiger zu haben w�re, gilt als Dummkopf.
Aaaah, ja. Wir sind also selbst schuld, weil wir keine 5 Euro Trinkgeld geben. Ja, wo soll es denn her kommen, zum Kuckuck nochmal?! Ist dir eigentlich klar, was 5 Euro sind? Der McDoof-Lohnsklave muss dafür 'ne dreiviertel Stunde schuften!
Wenn Audi ein paar tausend Leute ausstellt und sie 2 Monate später als Leiharbeiter zum halben Lohn wieder zurück holt, Ja von was sollen die bitte schön deutsche Autos kaufen( Die sowieso zu 90% im Ausland gefertigt sind)? Die können nicht mal zum Essen gehen, an Trinkgeld brauchen die gar nicht erst denken. Aber in erster Linie sind wir ja selbst schuld, die Globalisierung, Lobbypolitik und vor allem die Gier der Industriebosse ist ja nur nachrangig.

Wenigier AfD-Propaganda lesen und mehr mit Realitäten beschäftigen hilft.
Das Leben ist zu kurz, um alle Fehler selber zu machen.

Beitrag 03.07.2016, 13:45

BOB
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Registriert: 14.01.2012, 20:12
Klecks hat geschrieben: Sorry @ BOB, aber das ist alles ziemlich verquer.
Kein Problem, @ Klecks, ich hatte solche Reaktionen erwartet. Jeder hat andere Erfahrungen, je nachdem in welcher Zeit und an welchem Ort er aufgewachsen ist. Ich will mich daher auch nicht verbeißen, sondern nur ein paar Punkte gegenhalten.
Klecks hat geschrieben: Ausgerechnet die Gastronomie ist wohl so ziemlich das am wenigsten taugliche Beispiel. [...] Aber am heftigsten kritisiert wird der Mindestlohn eben gerade NICHT von den Familienbetrieben sondern von den Großgastronomen.
Ich kenne mehrere Betreiber von Kneipen und Restaurants in Familienbetrieb. Sie jammern nicht über den Mindestlohn, weil sie nicht einmal auf den Gedanken kämen, für jeden alle Zeiten vom Aufmachen bis zum Schließen am späten Abend, den Einkauf von Waren und die Buchführung minutenmäßig aufzuschreiben. Beschwerden gibt es von den Chefs, die sich in ihrem Laden formal nur angestellt haben und nun auch über ihre Arbeitszeiten Buchführen müssen.
Klecks hat geschrieben: Früher hat meine Mutter zwar für die Familie gekocht - aber abends, tagsüber ging sie ihr Leben lang zur Arbeit. [...] Das Heimchen-am-Herd-Bild ist Kokolores, das ist die 50-Jahre-Doris-Day-Romantik, die noch nie etwas mit der Wirklichkeit zu tun hatte.
Na ja, andere Gegenden und Zeiten offenbar. Ich bin Mitte der 1960er bis Mitte der 1970er zur Schule gegangen und kam zwischen 12 und 14 Uhr heim - und wehe, das Mittagessen wäre noch nicht fertig gewesen. Und ich war keine Ausnahme: Es ging der großen Mehrheit ähnlich. Wie sonst hätten Bäcker, Metzger und Lebensmittelladen am Vormittag Hochbetrieb gehabt und Post und Sparkasse ab Nachmittag geschlossen? Seit 1969 ist eine Ehefrau allein geschäftsfähig, erst seit 1977 darf sie ohne Zustimmung des Ehemanns arbeiten...
Nur zur Sicherheit - ich will natürlich nicht die alten Zeiten zurückbeschwören, sondern nur darauf hinweisen, dass man das Wirtschaftswunder und Ludwig Erhards soziale Marktwirtschaft nicht völlig von den Lebensbildern der Heinz-Erhardt-Generation trennen kann.
Klecks hat geschrieben: Wir sind also selbst schuld, weil wir keine 5 Euro Trinkgeld geben. [...] Ist dir eigentlich klar, was 5 Euro sind? Der McDoof-Lohnsklave muss dafür \'ne dreiviertel Stunde schuften!
Genau deshalb sollten die, denen es nicht weh tut, nicht bei McD, aber sonstwo großzügiger sein. Wenn ich sparen will, sage ich lieber bei der Frage nach Kaffee/Espresso/Grappa nein.
Klecks hat geschrieben: Aber in erster Linie sind wir ja selbst schuld, die Globalisierung, Lobbypolitik und vor allem die Gier der Industriebosse ist ja nur nachrangig.
Wenigier AfD-Propaganda lesen und mehr mit Realitäten beschäftigen hilft.
Also der letzte Satz trifft mich nun wirklich nicht.

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