Fälschungssicherheit historischer Goldbarren

Edelmetall-Themen, neue Bullion- und Sammlermünzen, historische Hintergründe, Fachwissen

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Beitrag 11.10.2021, 16:47

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joecoin
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Ich finde ja gegossene, historische Goldbarren super schön.

Händler verlangen da allerdings ein ziemlich hohes Premium, auch bereits bei den nicht so seltenen muss man bis zu 60% Aufschlag auf den Spotpreis rechenen.

Da frage ich mich ob es nicht sehr einfach ist, sagen wir einen 100g Rothschild Barren nachzugiessen oder in einen echten Rothschild einfach mal den Montagu oder Mocatta Gegenstempel reinzuhauen.

Kann da jemand was zu sagen? Weiss man ob solche Fälschungen im Umlauf sind? Könnte man sie überhaupt erkennen?

Danke und Gruss!

Beitrag 11.10.2021, 19:34

Marek
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Moin,

aus Metaller - Sicht (nicht Goldbarrensammler- Sicht)
dürfte es schwierig sein einen exakten Abguss von Gussbarren herzustellen.
Problem: Die werden ja in "oben offenen" Formen gegossen,
und der (die) Stempel wird dann ja oben eingeschlagen.
Wenn man den Barren z.B. "seitlich" gießen würde
(z.B. rechte Seite ist "oben" beim Guss)
um den Stempel gut abzubilden
würde man das m.E. an der Seite die "oben" war sehen.

Mit den Stempeln, falls man die irgendwo nachgefertigt kriegen würde,
wäre es m.E. relativ leicht Plagiate gerzustellen / herstellen zu lassen
bzw. Barren zu verfälschen?!

"Stempel" bzw. Schlagsymbole gibt es (aber in relativ klein, so rd. 1 cm)
z.B. für Schmiede nach eigenem Entwurf ab 100-150 €.

Liebe Grüße
Marek

Beitrag 11.10.2021, 20:44

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Hellfire
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Also ich gieße selber sowohl Feinsilber, als auch Feingold und ich kann nur sagen, mit der Wachsausschmelzmethode ist es absolut möglich identische Kopien herzustellen.
Ich habe spanische Escudos und Reales nachgegossen, die so authentisch aussehen, dass ich sie mit "copy" gestempelt habe, damit kein Schindluder damit getrieben werden kann.
Einer auch nur einigermaßen fachkundigen Überprüfung halten sie natürlich nicht stand, da sie aus Feinsilber, bzw. -gold gegossen sind und die Originale aus legiertem Edelmetall bestehen, aber das Aussehen ist wirklich frappierend echt.
Und diverse Stempel mit eigenen Motiven habe ich mir in China für 25-30 Euro anfertigen lassen

Beitrag 11.10.2021, 21:23

Puschel
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Ich denke mal, das Fälscher eher das Material austauschen und aktuelle Barren herstellen, als das diese sich mit historischen Barren beschäftigen und diese umstempeln.
Zum einen ist bei Ersterem die Gewinnspanne wesentlich höher und die Käuferschicht um ein vielfaches breiter. Man hat die Fälschungen also wesentlich schneller unters Volk gebracht.
Zum anderen würde der "gezinkte" historische Barren ja immer noch aus echtem Gold bestehen, entweder als "Neuauflage" durch Nachguß oder halt eben durch nachstempeln.

Das es aber solche Fälschungen gibt, würde ich aus dem Bauch heraus bejahen wollen. Vielleicht nicht im großen Stil aber hier und da könnte schon jemand auf die Idee gekommen sein, das gute Stück ein bisschen aufzupimpen.

Und möglicherweise braucht man bei der ein oder anderen gut gemachten Fälschung auch Expertenwissen um diese als Solche erkennen zu können.

Leider können Barrenhersteller ja produzieren wie sie wollen. Die einzige Konstante ist das Gewicht bzw. (je nachdem) der Feingehalt. Das wird wohl bei den früheren Herstellern historischer Barren gewiss nicht anders gewesen sein..............vermute ich doch mal schwer.

Beitrag 12.10.2021, 14:46

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joecoin
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Danke für Eure Einschätzungen!

Beitrag 13.10.2021, 03:44

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IrresDing
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Wohnort: Ich bin dann mal weg.
Historische Münzen werden gewerbsmäßig gefälscht. Gerade alte Drachmen, Denare, usw.

Es wird gefälscht bis der Arzt kommt. Und nein, da wird nicht am Metall gespart. Legierung und Feinheit sind entsprechend.

Dass es sich relativ schnell lohnt, hat der berühmte Augenarzt ja eindrucksvoll bei den Kaiserreich-Münzen gezeigt.

Barren? Ich will nicht wissen, wie viele dieser Dinger gefälscht sind. Solche Stempel sind leicht herzustellen und bringen keinerlei Fälschungssicherheit mit sich, schließlich war das bei Entwicklung des Stempels auch kein Kriterium.

Dass man kaum auf Berichte über Fälschungen von historischen Barren trifft ist eher Warnung als Beruhigung. Offensichtlich werden diese nicht erkannt.

Stempel können leicht in jeder gewünschten Form hergestellt werden. Nebenbei halte ich das Wachsausschmelzverfahren für hier eher ungeeignet. Erstarrungslinien und durch den Stempel hervorgerufene Stauchungen im Material wären nicht authentisch nachzumachen. Weiter ist es vermutlich auch günstiger einfach entsprechende Stempel zu schneiden und sie selbst zu gießen. Wobei ich hierfür keine Expertise habe und das nur meine eigenen Gedanken zum Thema sind.
Ich möchte den Weg des Forums nicht weiter mit beschreiten. Ich wünsche allen Mitgliedern viel Erfolg und danke für die schöne Zeit bis dahin. Bye bye

Beitrag 13.10.2021, 07:33

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Hellfire
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Die Erstarrungslinien würden im Wachsausschmelzverfahren mit abgebildet, die Stauchungen allerdings nicht.
Wie bereits bei den spanischen Münzen geschrieben....einer fachmännischen Überprüfung halten sie natürlich nicht stand.
Aber nur durch angucken und anfassen sind sie tatsächlich kaum zu unterscheiden.
Und Stempel kann man sich tatsächlich für wenig Geld 1:1 anfertigen lassen.

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