Goldpreisprognosen II

Edelmetall-Themen, neue Bullion- und Sammlermünzen, historische Hintergründe, Fachwissen

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Beitrag 25.11.2016, 18:25

Thomasio
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Grandmaster hat geschrieben:Was meinst du? Geht Gold auf 1000€?
Wenn du im anderen Thema schaust, also bei "was kostet Gold am Jahresende", da habe ich (von g auf oz umgerechnet) ziemlich genau 1000€/oz für den 31.12. vorhergesagt.
Mittlerweile bin ich mir nicht mehr ganz so sicher, obs wirklich ganz so weit abwärts geht, nicht weils mit dem Goldpreis nicht so weit abwärts ginge, sondern weil der Euro zum US$ so viel verloren hat, dass der Goldpreis in Euro möglicherweise nicht ganz so weit runter kommt.
Andersrum sind es noch 5 Wochen bis Jahresende und wenn das so weiter geht wie diese Woche, kämen wir trotz der Euro-Verluste vor Jahresende noch unter 1000€/oz.

Um aber die Frage zu beantworten:
Ich gehe davon aus, dass wenn keine wirklich heftigen Turbulenzen in der Politik auftreten, also ein neuer Krieg irgendwo, oder ernstgenommene Gerüchte, dass Italien viel schneller aus der EU austreten könnte als bisher erwartet, oder ähnlich gravierende News, dann wird der Goldpreis ziemlich sicher unter 1000€/oz fallen, bevor er im Frühjahr, also wenn in Frankreich der Wahlkampf beginnt, wieder steigt.
Ob der Preis noch vor Neujahr oder erst hinterher unter 1000€ ankommt, möchte ich an dieser Stelle nicht orakeln, denn soooooo genau kann ich das ohne Glaskugel auch wieder nicht.

Beitrag 25.11.2016, 18:33

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Indiana Jones
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Grandmaster hat geschrieben:
Thomasio hat geschrieben:Sind wir noch beim Thema? Goldpreisprognosen?
Geht Gold auf 1000€?
Öl lag vor 10 Jahren nahe der 150 Dollarmarke und der Goldkurs unter 1.000 Dollar.
Also keine Korrelation, auch nicht über die Förderkosten. Fakt ist eben, dass sich das weltweit geförderte Gold schon längst in festen Händen befindet. Auch die Inder werden nach den Ereignissen letzter Woche ihr Gold nicht mehr hergeben. Die russische und chinesische Zentralbank werden Gold weiter akkumulieren und die ETFS Goldinvestoren freuen sich, dass sie unter der 1.400 Dollarmarke zukaufen können. Übrigens wird die FED auch im Dezember die Leitzinsen nicht erhöhen, da sonst der Dollar noch stärker aufwerten würde. Kommende Woche sollte nach alledem Gold wieder deutlich über die 1.200 Dollarmarke steigen.

Beitrag 25.11.2016, 21:01

Thomasio
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Indiana Jones hat geschrieben:Fakt ist eben, dass sich das weltweit geförderte Gold schon längst in festen Händen befindet. Auch die Inder werden nach den Ereignissen letzter Woche ihr Gold nicht mehr hergeben. Die russische und chinesische Zentralbank werden Gold weiter akkumulieren und die ETFS Goldinvestoren freuen sich, dass sie unter der 1.400 Dollarmarke zukaufen können. Übrigens wird die FED auch im Dezember die Leitzinsen nicht erhöhen, da sonst der Dollar noch stärker aufwerten würde. Kommende Woche sollte nach alledem Gold wieder deutlich über die 1.200 Dollarmarke steigen.
Na, ich fürchte, da hast du gleich mehrere Irrtümer drin.

1) Wenn das Gold in festen Händen wäre, könnten wir es nicht online wie offline so gut wie überall kaufen.
2) Noch ist Obama dran und Yellen hat im Dezember noch das Sagen in der FED.
Da kann (nicht muss) durchaus noch eine Zinserhöhung im Dezember kommen.
3) Wenn die Zinsen erhöht werden steigt der Goldpreis, nicht andersrum.
Sehr schön zu sehen nach der letzten Zinserhöhung der FED im Dezember 2015, als der Goldpreis in US$ gerechnet innerhalb von wenigen Wochen um gute $150/oz gestiegen ist.
Was passiert, wenn die Zinsen nicht erhöht werden, obwohl die Märkte damit rechnen, siehst du im Mai 2016, da gings nach der April-Sitzung der FED um $80/oz abwärts.
Auch nach der Sitzung im Juni, kurz bevor es durch den Brexit heftig rauf ging, ging es wegen keine Zinserhöhung erstmal $30 abwärts und was wir seit der September-Sitzung an Preisentwicklung haben, diskutieren wir ja hier gerade.

Wenn du also glaubst die Zinsen würden nicht erhöht, passt das nicht zu deiner Vorhersage für einen Goldpreise über $1200, aber es gibt eine Chance (die ist gar nicht mal so klein), dass Yellen die Zinsen im Dezember doch nochmal erhöht und dadurch deine Vorhersage zum Goldpreis doch wieder hinkommt.
Ebenfalls durchaus möglich, dass die Märkte die vermutete kommende Erhöhung mal wieder vorweg nehmen und der Goldpreis schon einige Tage vorm 14.12. steigt, aber nächste Woche wirst du davon noch nichts sehen.

Beitrag 26.11.2016, 08:13

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Indiana Jones
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Thomasio hat geschrieben:
Indiana Jones hat geschrieben:Fakt ist eben, dass sich das weltweit geförderte Gold schon längst in festen Händen befindet.
Na, ich fürchte, da hast du gleich mehrere Irrtümer drin.

Wenn das Gold in festen Händen wäre, könnten wir es nicht online wie offline so gut wie überall kaufen...
Deine Theorien in allen Ehren, Thomasio.

Aber letztes Jahr wurde Gold weltweit wie folgt umgesetzt:

761 Tonnen Barren
220 Tonnen Münzen
70 Tonnen Medaillen
--------------------------------
1.051 Tonnen Anlagegold`*

Die gesamte jemals geförderte Goldmenge wurde Ende 2012 auf etwa 174.100 Tonnen * geschätzt. Bei einer jährlichen Fördermenge in Höhe von ca. 2.500 Tonnen könnten der berühmte Goldwürfel bis Ende 2016 auf ca. 185.000 Tonnen Gold angewachsen sein.


185.000 Tonnen = 100 %
1.051 Tonnen = x
------------------------------
x = 0.56 %

Wenn also im letzten Jahr gut 1.000 Tonnen Goldmünzen -und Barren verkauft wurden, so macht das gerade mal 0,5 % der Gesamtgoldmenge aus.

Im Übrigen steht die Goldpreiskorrektur im November 2016 sehr wohl in einem direktem Zusammenhang mit dem heftigen Zinsanstieg in USA. 10 Jährige Threasuries stiegen in nur einem Monat von 1,83 auf 2,36 % Jahreszins. Der Zinssatz ist also im November 2016 um 28 % gestiegen.

https://www.treasury.gov/resource-cente ... data=yield

Genau dieser Zinsanstieg führte im November zur Aufwertung des Dollars.

Auf Grund des starken Dollars und der steigenden Zinsen korrigierte der Goldkurs jüngst unter die 1.200 Dollarmarke. Sehr bald werden wir wieder steigende Goldkurse sehen, zumal ein weiterer Zinsanstieg extrem negative Auswirkungen auf Konjunktur und Bundeshaushalt der USA hätte.

*Quelle world gold coucil

Beitrag 26.11.2016, 12:35

Thomasio
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Du gehst halt immer noch davon aus, dass die paar Gramm die in echtem Gold gehandelt werden den Preis bestimmen, während ich davon ausgehe, dass Papiergold den Preis bestimmt.
Es gibt nun mal keinen separaten Preis für Papiergold und echtes Gold und der Umsatz mit Papiergold ist um so viel grösser, dass der Umsatz in echtem Gold meiner Meinung nach nahezu keine Rolle spielt.
Du glaubst das nicht, hatten wir schon, müssen wir nicht nochmal diskutieren.

Was die Zinssätze angeht, hast du meiner Meinung nach was verwechselt, nämlich den Basis-Zinssatz und den Zinssatz den der Staat auf Anleihen bezahlt.
Klar fällt der Goldpreis, wenn der Staat mehr Zinsen auf Staatsanleihen bezahlt, aber beim Basis-Zinssatz den die FED festlegt ist das andersrum.
Ich glaube der Goldpreis bleibt so lange niedrig und/oder fällt weiter, wie die "Grossen" im Geschäft sich von der FED zu 0,25% Geld leihen und es zu +/- 2% an den Staat weiter verleihen können, weil das mehr einbringt als auf Papiergold zu spekulieren.
Hebt die FED den Basis-Zinssatz an, wird Geld leihen für Goldman Sachs & Co. teurer, die Differenz zwischen dem Basis-Zinssatz und dem was der Staat zahlt wird kleiner und die Spekulation mit Gold wird attraktiver.
Allerdings auch nicht soooooo viel, sprich der Auftrieb im Goldpreis wird sich auch bei einer Zinserhöhung in Grenzen halten.

In jedem Fall können wir hier mal wieder unsere Theorien mit der Praxis abgleichen, denn wenn am 13./14.12. die FED Sitzung ist, werden wir direkt danach erleben was passiert.
Du sagst der Goldpreis wird steigen, wenn die Zinsen nicht erhöht werden, ich sage, der Preis steigt nur dann, wenn die Zinsen erhöht werden.
Allerdings (bevor nu wieder einer Erbsen zählen will) erwartet der Markt eine Zinserhöhung, was in den Tagen vor der FED-Sitzung durch Spekulationen zu steigendem Goldpreis führen kann, aber halt nicht weil die FED die Zinsen nicht erhöht, sondern weil alle damit rechnen, dass sie es tun.

Beitrag 26.11.2016, 13:00

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Indiana Jones
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Thomasio hat geschrieben:Ich glaube der Goldpreis bleibt so lange niedrig und/oder fällt weiter, wie die "Grossen" im Geschäft sich von der FED zu 0,25% Geld leihen und es zu +/- 2% an den Staat weiter verleihen können, weil das mehr einbringt als auf Papiergold zu spekulieren.Hebt die FED den Basis-Zinssatz an, wird Geld leihen für Goldman Sachs & Co. teurer, die Differenz zwischen dem Basis-Zinssatz und dem was der Staat zahlt wird kleiner und die Spekulation mit Gold wird attraktiver...
Du stellst den Aufkauf der Staatsschulden durch Geschäftsbanken und den Weitererverkauf dieser Schulden an die Zentralbank als Geschäftsmodell dar.

Tatsache ist aber, dass Niemand die Schulden überschuldeter Staaten zu den aktuellen Zinssätzen aufkauft. Die toxischen Schulden kaufen eben nur noch die Zentralbanken als "lender of the last resort".

Das ist Planwirtschaft im Endstadium und hat nichts mit sinkenden Goldpreisen zu tun.

Beitrag 26.11.2016, 13:13

Thomasio
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Indiana Jones hat geschrieben:Das ist Planwirtschaft im Endstadium und hat nichts mit sinkenden Goldpreisen zu tun.
In dem Fall müsstest du aber davon ausgehen, dass die Zinssätze überhaupt keinen Einfluss auf den Goldpreis haben dürften.
Du müsstest also erklären, warum du gleichzeitig begründest, dass höhere Zinsen zu fallendem Goldpreis führen sollen.
Indiana Jones hat geschrieben:Auf Grund des starken Dollars und der steigenden Zinsen korrigierte der Goldkurs jüngst unter die 1.200 Dollarmarke.
Ich sage halt, das liegt nicht an den steigenden Zinsen, sondern an der steigenden Differenz zwischen Basis-Zinssatz und Zinsen auf Staatsanleihen.
Bis jetzt hat die FED noch keine 20 Bio. amerikanische Staatsschulden in den Büchern, sprich da gibt es noch genug reiche Privatleute und Grossbanken, die dem amerikanischen Staat Geld leihen.

Beitrag 26.11.2016, 13:23

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Indiana Jones
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...und vergiss die Chinesen nicht.

China schätzt USA Threasuries fast so wie Gold. Laut einem Bericht in "die Presse" vom 03.02.2016 sollen es gar 1,2 Billionen Dollar sein, mit denen die USA bei den Chinesen in der Kreide stehen.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/in ... uen-Rekord

Nicht auszudenken, was in USA los wäre, wenn die Chinesen damit auf Einkaufstour gingen und Aktien und Gold weiter massiv zukaufen.

Beitrag 26.11.2016, 13:44

Thomasio
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Ja, die Chinesen haben ein Problem.
Die Chinesen halten so viele amerikanische Staatsschulden, dass es den US$ vernichten würde, wenn sie das alles auf den Markt werfen würden, sprich beim Versuch das einzulösen am Ende in China netto kaum was ankäme.
Der perfekte Beweis dafür, dass Exportüberschüsse immer verschenkt sind.

Darum versuchen die Chinesen nu anderweitig auf Einkaufstour zu gehen und weltweit, z.B. auch in Europa Firmenbeteiligungen zu kaufen.
Dummerweise gibt es aber in den meisten westlichen Staaten Gesetze, die es den Chinesen verbieten mehr als 49% von einer Firma zu kaufen.
Gold kaufen sie natürlich auch, aber das darf nicht zu viel werden und vor Allem dürfen sie es nicht an die grosse Glocke hängen, weil der US$ zu schnell und zu weit fallen würde, wenn bekannt wäre, wie viel Gold die Chinesen kaufen.

Wie viel Gold die Chinesen haben werden wir kaum erfahren, denn die haben nun mal eine kommunistische Diktatur und veröffentlichen nur Zahlen, die sie selber gefälscht haben, darum haben chinesische Goldbestände auch nicht viel Einfluss auf den Goldpreis.

Beitrag 26.11.2016, 14:02

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Indiana Jones
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Thomasio hat geschrieben:Ja, die Chinesen haben ein Problem.Die Chinesen halten so viele amerikanische Staatsschulden, dass es den US$ vernichten würde, wenn sie das alles auf den Markt werfen würde, sprich beim Versuch das einzulösen am Ende in China netto kaum was ankäme.
Da die Chinesen die USA Threasuries an die FED gegen Dollar verkaufen erwerben sie damit zunächst Dollars. Mit diesen können sie Gold, Öl und Firmenbeteiligungen weltweit erwerben, zumal der Dollar die Weltleitwährung ist. Der Dollarkurs würde bei einem massivem Abverkauf gewiss nicht abstürzen, da die FED ähnlich wie die EZB Staatsschulden als "lender of the last resort" unbegrenzt aufkaufen würde. Dass China seine Threasuries bislang per annum nur um ca. 10 % reduziert hat ist wohl dem Umstand geschuldet, dass es Interesse an einem nicht zu starkem Yuan hat. China möchte zwar seine Exporte reduzieren, jedoch mit Maß und Ziel.

Thomasio hat geschrieben:Gold kaufen sie natürlich auch, aber das darf nicht zu viel werden und vor Allem dürfen sie es nicht an die grosse Glocke hängen, weil der US$ zu schnell und zu weit fallen würde, wenn bekannt wäre, wie viel Gold die Chinesen kaufen.
smilie_09
Thomasio hat geschrieben:Wie viel Gold die Chinesen haben werden wir kaum erfahren, denn die haben nun mal eine kommunistische Diktatur und veröffentlichen nur Zahlen, die sie selber gefälscht haben, darum haben chinesische Goldbestände auch nicht viel Einfluss auf den Goldpreis.
Thomasio hat geschrieben:Du gehst halt immer noch davon aus, dass die paar Gramm die in echtem Gold gehandelt werden den Preis bestimmen, während ich davon ausgehe, dass Papiergold den Preis bestimmt.
Also entscheidet nur der Papiergoldhaufen an der Comex über den Goldwert und alles andere ist kommunistische Diktatur oder ähnlicher Schweinkram ? smilie_10

Beitrag 26.11.2016, 14:17

Thomasio
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Indiana Jones hat geschrieben:Jetzt hab ich das auch verstanden. Nur der Papiergoldhaufen an der Comex entscheidet über den Goldwert und alles andere ist Diktatur oder ähnlicher Schweinkram
Nu werf nicht wieder Dinge durcheinander, die nichts miteinander zu tun haben.
Selbst WENN die Chinesen aufs Gramm genau veröffentlichen würden, wie viel Gold sie haben, hätte das auf den Goldpreis keinerlei direkten Einfluss, weil der Umsatz mit Papiergold trotzdem das 100fache ist.

Einen indirekten Einfluss hätte das, weil sich dann die Inhaber von Papiergold ausrechnen können, dass sie das echte Gold für ihr Papier nicht bekommen können, wodurch ein Run auf echtes Gold ausgelöst würde, aber solange es diesen Run nicht gibt, regelt der Preis von Papiergold den Markt.

Stell dir einfach mal vor Goldman-Sachs würde ohne Vorwarnung einfach so mal 10.000 Tonnen an Papiergold leer verkaufen, also "shorten", während gleichzeitig die Chinesen bekannt geben, dass sie 1000 Tonnen mehr echtes Gold haben als sie bisher zugegeben haben.
Was glaubst du würde dann mit dem Goldpreis passieren?
Wenn deine Theorie stimmen würde, dann müsste in dem Fall der Goldpreis steigen, sprich durch mehr Angebot müssten die Preise steigen, das genaue Gegenteil von Marktpreisen.

Ich frage mich, wie du überhaupt auf so eine Theorie kommst, denn es ist doch wohl allgemein bekannt, dass die Manipulationen am Goldpreis nicht durch den Kauf von echtem Gold zustande kommen, sondern durch Leerverkäufe auf dem Papiergold-Markt.

Beitrag 26.11.2016, 15:04

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Indiana Jones
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Thomasio hat geschrieben:Selbst WENN die Chinesen aufs Gramm genau veröffentlichen würden, wie viel Gold sie haben, hätte das auf den Goldpreis keinerlei direkten Einfluss, weil der Umsatz mit Papiergold trotzdem das 100fache ist.
An der New Yorker COMEX erfolgt der Handel von Future-Kontrakten und Optionen auf Gold.

Ein Kontrakt hat die Kontraktgröße von 100 Unzen Gold.

Kauft ein Investor einen Gold Future-Kontrakt, so muss er nicht die vollständige Summe für 100 Unzen Gold bezahlen (ca. 118 300 US Dollar), sondern er hinterlegt mit der Margin nur einen bestimmten Anteil des Betrags. Die Initial Margin beträgt aktuell 6.000 US Dollar.

Der Umsatz mit Papiergold macht also nicht das "100fache" des Umsatzes mit echtem Gold aus, sondern in Dollar gerechnet nur ca. 5%, wobei diese 5 % noch nicht einmal ausgeliefert werden:

118 300 Dollar = 100 %
6.000 Dollar = x
--------------------------
x = 5 %

Die vom world gold council für 2015 geschätzten Umsätze in echten GoldBarren, Münzen und Medaillen lagen hingegen bei ca. 1.000 Tonnen Gold, also bei ca. 0,5 % der weltweit jemals geförderter Goldmenge.
Indiana Jones hat geschrieben: 761 Tonnen Barren
220 Tonnen Münzen
70 Tonnen Medaillen
--------------------------------
1.051 Tonnen Anlagegold`
Das heißt im Klartext, dass die Finanzelite bei einer jährlichen Goldförderung von ca. 3.000 Tonnen nur 1.000 Tonnen in Form von Barren, Münzen und Medaillen abgibt. Geht man davon aus, dass auch die Superreichen viel echtes Gold erwerben, wird deutlich, dass der Kleinanleger vom Goldkuchen allenfalls kleine Krümel aufsammelt.
Thomasio hat geschrieben:...Stell dir einfach mal vor Goldman-Sachs würde ohne Vorwarnung einfach so mal 10.000 Tonnen an Papiergold leer verkaufen, also "shorten", während gleichzeitig die Chinesen bekannt geben, dass sie 1000 Tonnen mehr echtes Gold haben als sie bisher zugegeben haben.Was glaubst du würde dann mit dem Goldpreis passieren?
Zunächst würde der Yuan gegenüber Dollar, Yen und Euro aufwerten.

Schließlich hätten in dem von Dir beschriebenem Szenario die Chinesen ihre offizielle Währungsreserve an Gold von 1.842 Tonnen auf 2.842 Tonnen ausgeweitet.

Alleine durch diesen Währungseffekt würde der Goldkauf für Amerikaner, Japaner und die Eurozone deutlich kostspieliger werden.

Zweiteffekt wäre wohl, dass die großen Spekulanten an der Comex sofort auf den währungspolitischen Schachzug der Chinesen aufspringen würden und massiv Goldkontrakte zukaufen würden. Diese Zukäufe würden die 10.000 Tonnen Leerverkäufe nicht nur neutralisieren, sondern zu einem deutlichem Goldpreisanstieg führen.

Na, ja und Goldman Sachs hätte wohl ein Problem mehr...
Zuletzt geändert von Indiana Jones am 27.11.2016, 20:49, insgesamt 1-mal geändert.

Beitrag 26.11.2016, 15:34

Thomasio
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Indiana Jones hat geschrieben:x = 5 %
Achsoooooo ...... du meinst nur weil ich beim Kauf meines neuen Autos nur 5% vom Kaufpreis anzahlen musste und den Rest erst bei Lieferung bezahlen muss, wäre der Kaufvertrag nur 5% von dem wert was das Auto kostet?
Nur weil ich den Kaufvertrag ja auch weiterverkaufen kann, kostet es nicht irgendwen am Ende die volle Summe?
Klar, die Comex kann die Anzahlung zurück nehmen und den Kaufvertrag annullieren, aber das machen die nur gegen Gebühr, bzw. bezahlen die volle Anzahlung nur dann zurück, wenn bei Fälligkeit das Gold mehr wert ist, so dass sie es in einem neuen Vertrag zu einem höheren Preis verkaufen können.

Aber von mir aus rechne ruhig mit 5% vom Wert.
Der Papiergold-Markt ist 100x grösser als der Markt vom echten Gold, ergo sind 5% davon immer noch das 5fache vom echten Gold, ergo macht selbst mit deiner 5%-Rechnung die Nachfrage nach echtem Gold nur 1/6 vom Marktpreis aus.

Beitrag 26.11.2016, 16:53

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Indiana Jones
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Thomasio hat geschrieben:
Indiana Jones hat geschrieben:x = 5 %
Achsoooooo ...... du meinst nur weil ich beim Kauf meines neuen Autos nur 5% vom Kaufpreis anzahlen musste und den Rest erst bei Lieferung bezahlen muss, wäre der Kaufvertrag nur 5% von dem wert was das Auto kostet? Nur weil ich den Kaufvertrag ja auch weiterverkaufen kann, kostet es nicht irgendwen am Ende die volle Summe?
Du übersiehst ein kleines Detail.

An der Comex erwirbt der Käufer nur das Recht,

also die Option

100 oz Gold zu einem bereits heute festgelegtem Kurs zu erwerben. Nur für dieses Recht aber nicht für das Gold muss er eine Sicherheitsmarge in Höhe von 6.000 Dollar hinterlegen.

Bei Deinem Beispiel mit dem Autokauf ist der Kaufvertrag gemäß § 433 BGB verbindlich abgeschlossen.

Der kleine aber feine Unterschied liegt also darin, dass das Auto bei einer Anzahlung von 6.000 Dollar für insgesamt 120.000 Dollar tatsächlich verkauft wurde und den Eigentümer wechseln wird.

Gold wurde jedoch bei einem Kontrakt über 100 Unzen kein einziges Gramm verkauft!

Ich denke, dass Du mir so weit beipflichtest, Thomasio.

Lass uns also den Ablauf eines Comex Kontraktes noch etwas näher betrachten.

Nehmen wir an, dass ein Händler am kommenden Montag bei einem Goldkurs von 1.183 Dollar die Option erwirbt, Gold Ende Dezember für 1.190 Dollar kaufen zu dürfen und nehmen wir an, dass der Goldkurs Ende Dezember bei

a) 1.170 Dollar bzw.
b) 1.200 Dollar

liegen wird.

a)Im Falle der erstgenannten Preisentwicklung wird der Käufer der Option sein Recht zum Kauf der 100 oz Gold zu einem Kurs in Höhe von 1.190 Dollar nicht ausüben, da er das Gold am Markt günstiger zu 1.170 Dollar erwerben könnte. Tatsächlich wurde also in diesem Fall nicht eine Gramm Gold gehandelt.

b) Aber auch im Fall, dass die zweitgenannte Preisentwicklung eintritt wird der Käufer die Option nicht zwingend ausüben und auf Lieferung des Goldes zu einem Kurs von 1.190 Dollar bestehen. Schließlich würde die Comex ihm anbieten, sich die Preisdifferenz, also die 1.000 Dollar auszahlen zu lassen. Tatsächlich wurde also auch in diesem Fall nicht eine Gramm Gold gehandelt.

Nur für den Fall, dass der Käufer der Option sein Recht ausübt und auf Lieferung bestünde wurden 100 oz Gold zu einem Kurs in Höhe von 1.190 Dollar tatsächlich verkauft.

Es bleibt dabei: Nur Narren sehen des nackten Kaisers Kleider.

Beitrag 26.11.2016, 18:13

Thomasio
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Indiana Jones hat geschrieben:a) 1.170 Dollar bzw.
b) 1.200 Dollar
Was hast du persönlich, wenn du 100 Unzen Gold zu $1190 kaufst und die Ende Dezember für a) $1170 und b) für $1200 wieder verkaufst?
Mal abgesehen davon, dass du mehr Kapital gebunden hast als einer der nur das Papier gegen Anzahlung kauft und auch abgesehen davon, dass echtes Gold einen höheren Spread hat, hast du ganz präzise denselben Gewinn oder Verlust.

Nach deiner Argumentation würde also einer der alle paar Monate echtes Gold kauft und wieder verkauft nicht mit Gold handeln?
Den aktuellen Goldpreis bestimmen also nur die Käufer, die Gold irgendwann kaufen und dann bis zum St.Nimmerleinstag behalten?

Beitrag 26.11.2016, 19:10

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Indiana Jones
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Thomasio hat geschrieben:
Indiana Jones hat geschrieben: a) 1.170 Dollar bzw.
b) 1.200 Dollar
Was hast du persönlich, wenn du 100 Unzen Gold zu $1190 kaufst und die Ende Dezember für a) $1170 und b) für $1200 wieder verkaufst?
Im letztgenannten Szenario / Fall (b) 1.000 Dollar Gewinn.

Natürlich nur falls ich die 100 Unzen vor "Ende Dezember" geliefert bekäme. smilie_18

Mein "gebundenes Kapital" wären übrigens für einen Monat 6.000 Dollar, die ich mir zu niedrigen Zinsen im Euroraum zwischen 1 bis 2 % Jahreszins, also für ca. 50 bis 100 Dollar ausleihen könnte. Mein Gewinn läge nach Abzug besagter Zinsen bei allemal 900 Dollar.

Für diesen Betrag gehen sehr viele Arbeitnehmer allmorgentlich zur Arbeit.

Beitrag 26.11.2016, 19:19

Thomasio
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Indiana Jones hat geschrieben:Im letztgenanntem Fall (b) 1.000 Dollar Gewinn. Natürlich nur falls ich die 100 Unzen vor "Ende Dezember" geliefert bekäme.
Nu weich nicht der Frage aus.
Ob geliefert oder nicht spielt keine Rolle.
Wenn du zu Degussa in den Laden gehst und 100 Unzen Gold kaufst, musst du nichts geliefert bekommen.
Wenn du zu Degussa in den Laden gehst und fragst, ob sie dir 100 Unzen für Dezember reservieren können, weil du erst im Dezember das Geld dafür hast und du bezahlst freiwillig 7€ mehr pro Unze als es heute kostet (mal angenommen die machen das für dich für 5% Anzahlung) und du gehst dann im Dezember hin und sagst du hast den Rest vom Geld nicht, werden die dir auch die Differenz berechnen und in jedem Fall Gebühren verlangen.

Hast du da mit Gold gehandelt? Hat Degussa für dich 100 Unzen vom Markt besorgt und auf die Seite gelegt? Egal ob du die dann tatsächlich abnimmst oder nicht?
Was die Papiergold-Händler machen ist, dass sie aus Erfahrung wissen, dass ein grosser Teil der Käufer am Ende das Gold nicht haben will, also sparen sie sich von Anfang an das echte Gold auf Lager zulegen und/oder nur so viele Kontrakte zu verkaufen wie sie tatsächlich Vorrat an Gold haben, aber das ändert alles nichts an der Tatsache, dass da mit Gold gehandelt wird, was den Goldpreis beeinflusst.

Wenn Papiergold den Preis nicht beeinflussen würde ....... glaubst du WIRKLICH, dass die Grossbanken die den Goldpreis manipulieren das tun, indem sie echtes Gold auf LKWs durch die Gegend fahren?

Beitrag 26.11.2016, 19:32

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Thomasio hat geschrieben:
Indiana Jones hat geschrieben:Im letztgenanntem Fall (b) 1.000 Dollar Gewinn. Natürlich nur falls ich die 100 Unzen vor "Ende Dezember" geliefert bekäme.
Nu weich nicht der Frage aus.Ob geliefert oder nicht spielt keine Rolle.Wenn du zu Degussa in den Laden gehst und 100 Unzen Gold kaufst, musst du nichts geliefert bekommen.
Wenn du zu Degussa in den Laden gehst und fragst, ob sie dir 100 Unzen für Dezember reservieren können, weil du erst im Dezember das Geld dafür hast und du bezahlst freiwillig 7€ mehr pro Unze als es heute kostet (mal angenommen die machen das für dich für 5% Anzahlung) und du gehst dann im Dezember hin und sagst du hast den Rest vom Geld nicht, werden die dir auch die Differenz berechnen und in jedem Fall Gebühren verlangen.

Hast du da mit Gold gehandelt?
Ohnehin werden sich die Mitarbeiter von Degussa mit Dir nicht auf eine Diskussion zum Goldpreis einlassen. Insbesondere nicht, wenn Du dort angibst, erst im nächsten Monat zahlungskräfitg zu sein. Die setzen Dich bei solchen Sprüchen umgehend an die frische Luft. Ich kenne nicht einen einzigen seriösen Goldhändler, der sich auf derlei zwielichtige Geschäfte einlassen würde. Tatsache ist, dass ich bei Degussa heute im online Shop eine Unze Philharmonie Gold für 1.165 Euro, was 1.234 Dollar entspricht erwerben könnte. Selbst beim Kauf des günstigsten 1 oz Barrens müsste ich immer noch 1.149 Euro, also etwa 1.217 Dollar, auf den Tisch legen.

Beitrag 26.11.2016, 23:03

Thomasio
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Du willst jetzt nicht den höheren Spread der Händler bei echtem Gold als Anzeichen dafür nehmen, dass der Preis steigen wird, oder?
Klar macht ein Laden wie Degussa solche Gechäfte nicht, deswegen stand ja auch in Klammern dabei (mal angenommen ....).

In jedem Fall schlage ich vor, wir haken dieses Thema nu mal ab, Ende nächster Woche, wenn der Goldpreis über $1200 liegt (oder auch nicht), kommen wir nochmal darauf zurück, und nach dem 14.12. finden wir raus wieviel an deiner Theorie zu den Zinssätzen dran ist, oder ob die Tatsachen ziemlich genau das Gegenteil sind.

Beitrag 27.11.2016, 13:02

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Thomasio hat geschrieben:In jedem Fall schlage ich vor, wir haken dieses Thema nu mal ab, Ende nächster Woche, wenn der Goldpreis über $1200 liegt (oder auch nicht), kommen wir nochmal darauf zurück, und nach dem 14.12. finden wir raus wieviel an deiner Theorie zu den Zinssätzen dran ist, oder ob die Tatsachen ziemlich genau das Gegenteil sind.
Du bringst Gold immer wieder in Bezug zu Dollars und politischen Ereignissen.

Das ist interessant. Dabei läufst Du aber Gefahr den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen. Ich rege deshalb an, einfach mal kurz über das Geld als solches nachzudenken. Kant umschrieb den Begriff des Geldes in seiner Methaphysik der Sitten wie folgt: "Geld ist also (nach Adam Smith) derjenige Körper, dessen Veräußerung das Mittel und zugleich der Maßstab des Fleißes ist, mit welchem Menschen und Völker untereinander Verkehr treiben."

Klar ist, dass nur der Geldbesitzer Käufer sein kann. Dieser Zwang führt bei den meisten Marktteilnehmern zum Streben nach Maximierung ihres Geldbesitzes, um den Marktzutritt sicherzustellen. Geht allerdings das Vertrauen in die Recheneinheit des Geldes verloren, kann sich eine gewaltige Wertsumme einfach in Nichts auflösen. Hätte das Geld eine Substanz, so müsste dieser Wert irgendwo verborgen sein. Eine geplatzte Illusion verschwindet schnell in wertloses Papier wie entwertete Zertifikate, Aktien, Fondstitel usw.

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