Was geschieht, wenn Gold wieder Geld wird?

Edelmetall-Themen, neue Bullion- und Sammlermünzen, historische Hintergründe, Fachwissen

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Beitrag 01.08.2016, 13:17

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Ladon
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Genau!
Schön, dass mal jemand den Bogen zur Rentenmark schlägt. Dort hat man den gewerblichen Grund zur Deckung genommen. Was den Vorteil der Unveränderlichkeit bietet. Jede andere Deckung kann vermehrt oder verringert werden, womit sich die Geldmenge definitionsgemäß ja auch ändert - eine Änderung die keinen volkswirtschaftlichen Grund hat! Nicht gut in einem fein austarierten System.
Beim Grund+Boden passiert das nicht. Die Geldmenge war beschränkt (und wurde nicht annähernd ausgeschöpft) auf einen exakten Wert.
(Die nötige "Zwangshypothek" wurde irgendwie "volkswirtschaftlich neutral" gehalten, so dass sich unter dem Strich ein ganz saubere Nullsummenspiel ergibt. Perfekte Währung, oder?)
Aber so toll das klingt: Die Rentenmark war ja nur eine Binnenwährung!

ups
sorry, OT

Also jedenfalls ist ein solches Konstrukt sogar fähig die Geldschöpfung den Geschäftsbanken weitgehend zu überlassen.
Irgendwann wird diese Statik und sichere Unveränderlichkeit vielleicht auch zu Problemen führen. Zu immer absurd kleineren Stückelungen der Währungseinheit ... oh, schon wieder das gleiche Problem TROTZ Vollgeld?

Das beste Geldsystem ist wohl "eines", das variabel an die Umstände angepasst wird.
Nach dem 2. WK brauchten wir dringend ein FIAT System!
Heute wäre ein "Vollgeld-System" zur Stabilisierung wahrscheinlich keine schlechte Idee.

Gold allerdings sollte - wie sagte der kroesus oben? - "privates Geld" bleiben.
Höflichkeit ist keine Schwäche - Empathie ist keine Dummheit - Moral ist nicht moralinsauer

Beitrag 01.08.2016, 13:56

Mehrgoldfüralle
Ich bin mir nicht sicher, ob wir mit Vollgeld das gleiche meinen. Wenn jetzt über Nacht Vollgeld eingeführt würde, würdest du das überhaupt nicht bemerken. Die Banken müssen anders buchen. Giralgeld gibt`s nicht mehr. Es gibt Geld auf Konten wie vorher auch, aber das ist Notenbankgeld. Es ist und bleibt dein eigenes Geld und kein Kredit an die Bank, der untergehen kann. Banken können pleite gehen, die Guthaben der Kunden werden woanders hin übertragen, fertig. Feinsteuerung ist hier genau so möglich wie jetzt, eher besser. Die Notenbank kann durch die Kreditvergabe an die Banken sehr genau steuern und sogar Einfluß nehmen, in welche Branchen z. B. mehr oder weniger investiert werden soll. Das birgt natürlich auch Gefahren. Deshalb muß ein Kontrollorgan mit Verfassungsrang die Sache überwachen, das meint Huber mit seiner "Monetative", als vierte Gewalt sozusagen.

Beitrag 01.08.2016, 14:30

Cepasaccus
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Nachdem die Vollgeldverfechter die Geldschoepfung der Banken in den vergangenen Jahrhunderten sei es aus Unwissenheit oder aus Absicht verschweigen habe ich kein grosses Vertrauen in deren Aussagen. Im Falle der Schweiz finde ich es unlogisch wieso eine Bankenregulation in der Schweiz die Vollgeldhandhabung im Ausland erzwingen koennen soll. Bei den deutschen habe ich gelesen, dass Geld ueber Staatsausgaben in Umlauf gebracht werden soll. Das bedeutet dann. dass die Zentralbank beliebig fuer Staatsausgaben druckt? Trotzdem waere es ein spannendes Experiment.

Beitrag 01.08.2016, 14:36

Mehrgoldfüralle
Da kann ich dir jetzt nicht ganz folgen. Meines Wissens sind es gerade die Vollgeldbefürworter, die versuchen die breite Masse auf die jetzigen Zustände aufmerksam zu machen.

Die Schweizer Vollgeldiniative will nichts erzwingen sondern geht davon aus, daß es bei Erfolg nachgeahmt wird. Ob es allerdings ausgerechnet in der Schweiz gelingt, da habe ich meine Zweifel. Schön wär´s.

Beitrag 01.08.2016, 14:54

Thomasio
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Ob man nun direkt Gold zu Geld erklärt, oder ein Vollgeld erschafft, solange es eine begrenzte Menge von Geld gibt MUSS das System immer am Sparen scheitern.
Wer mehr Einkommen hat als er ausgeben kann wird einen Teil sparen, was bedeutet, dass die Reichen, die seit Generationen nichts weiter machen als Geld aus der Realwirtschaft abzuschöpfen und zu sparen, indem sie es gegen Zinsen verleihen, irgendwann ALLES existierende Geld in ihrem Sparstrumpf hätten.
Tatsächlich schon viel früher, nämlich dann, wenn nicht mehr genug Geld im Umlauf ist um die Armen zu ernähren, aber spätestens dann, wenn die Reichen ALLES Geld in ihrem Besitz haben, gibt es keinen Grund mehr für die Reichen irgendwas zu verleihen, denn egal wem sie es leihen würden, er könnte keine Zinsen mehr darauf bezahlen, schlicht weil es kein Geld im Umlauf mehr gibt.

Es ist also völlig egal wie man das System nennt oder wie man es organisiert, die Geldmenge MUSS permanent um den Produktivitätszuwachs PLUS die Sparquote ausgeweitet werden, so dass die Menge an Geld im Umlauf immer in der Lage ist alle produzierten Güter zu kaufen UND dieses Geld im Umlauf muss denen zur Verfügung gestellt werden, die die produzierten Güter auch tatsächlich kaufen würden (also nicht Bankern und Reichen, die nur Aktien kaufen), weil es sonst Deflation gibt.
Deflation heisst, dass man Geld nicht mehr verleihen muss und keine Zinsen mehr verlangen muss, weil die Kaufkraft des Geldes von alleine steigt, man muss es einfach nur unter die Matratze legen und das bedeutet, Deflation ist der Todfeind des Kapitalismus, weil Deflation jede Investition in Wachstum sinnlos macht.

Beitrag 01.08.2016, 15:16

Mehrgoldfüralle
Nein, MUSS es nicht, weil man Gegenmaßnahmen ergreifen kann, wenn es Not tut. Google mal Silvio Gesell. Andreas Popp hat da auch Vorschläge.

Beitrag 01.08.2016, 15:57

Thomasio
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Ach je, der Popp? Nicht wirklich!
Der predigt doch seit Jahren, dass es Hyperinflation geben wird und alles in Industrie, Wirtschaft und Politik sich gegen das Volk verschworen hat, was zumindest in Sachen Hyperinflation das genaue Gegenteil der Tatsachen ist.
Er empfiehlt Gold und Silber zu kaufen, weil er mal einen Goldshop oder sowas hatte und irgendwie heute noch daran beteiligt ist oder so, aber wer dem vor 4 Jahren gefolgt ist, der hat bis heute satte 30% von seinem Kapital verloren.

Da halte ich es lieber mit Ultike Herrmann:
https://www.youtube.com/watch?v=XPznz-_OG-s
Insbesondere das Ende, die letzten 6 Minuten ab 42:40, öffnen einem die Augen.

Beitrag 01.08.2016, 17:19

Cepasaccus
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Mehrgoldfüralle hat geschrieben:Da kann ich dir jetzt nicht ganz folgen. Meines Wissens sind es gerade die Vollgeldbefürworter, die versuchen die breite Masse auf die jetzigen Zustände aufmerksam zu machen.
[img]http://www.vollgeld-initiative.ch/fa/_p ... 33c895.gif[/img]
Das unten soll Vollgeld sein und es soll so sein wie frueher, also oben dargestellt. So wie es oben dargestellt ist, war es aber niemals so lange es Schweizer Franken gibt. Es gab immer Buchgeld, das die Geldmenge vergroesser hat, wenn auch nicht auf Chipkarte. Wenn schon die Darstellung der Vergangenheit nicht klappt, warum sollte deren Darstellung der Zukunft besser sein?

Auf http://www.monetative.de/ : "Inumlaufbringung neuen Geldes durch öffentliche Ausgaben zugunsten der Allgemeinheit"

Beitrag 01.08.2016, 17:43

Mehrgoldfüralle
@Thomasio

Mit der Ansicht, dass es in einer Hyperinflation endet, steht er nicht allein. Die Mittel dazu sind längst da, nur noch nicht dort, wo sie sich auswirken. Anleihen, Aktien, Immobilien bzw. deren Preise sind schon inflationär. Was der Popp früher gemacht hat interessiert mich nur mäßig, Goldhandel war´s nicht. Aber du gehst einfach nicht auf das Thema ein. Warum? Ist doch nicht schwer zu sagen, ich mach mich mal schlau und quatsch dann weiter.

@Cepasaccus

Klar, das ist eine vereinfachte Darstellung. Aber ich befasse mich schon seit einiger Zeit mit dem Thema und habe noch keinen Pferdefuß gefunden. Ich höre mir aber gerne jede fundierte Kritik dazu an. Seltsam ist aber schon, daß die Hauptkritiker aus Bankenkreisen kommen, kein Wunder.

Beitrag 01.08.2016, 18:50

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Ladon
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@ Mehrgoldfüralle
Wir verstehen schon das gleiche darunter, glaube ich - wir sprechen bloß verschiedene Sprachen.



Aber was passiert denn nun, wenn Gold wieder "Geld" wird, wie anfangs gefragt wurde?
Da stellt sich vorher eine ganz andere Frage, denn es macht einen ganz erheblichen Unterschied, ob das isoliert in einem Land statt fände oder als globales System wenn es das heutige Zentralbankensystem abgelöst hätte.
Höflichkeit ist keine Schwäche - Empathie ist keine Dummheit - Moral ist nicht moralinsauer

Beitrag 01.08.2016, 19:22

Thomasio
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Stimmt @Mehrgoldfüralle alleine steht Popp mit der Meinung nicht, Peter Schiff z.B. ist auch so ein Phantast und beide haben eine Unmenge von Nachplapperern, die das alles unbesehen glauben.
Der offensichtlichste Spinner ist aber der Bocker, der redet derartig offensichtlichen Blödsinn, dass selbst die, die an Hyperinflation glauben ihn nicht mehr ernst nehmen können.
Guggst du hier: https://www.youtube.com/watch?v=XEW3ns3L5Gw
Mein Kommentar steht direkt drunter.

Warum ich nicht sage: "Ich mach mich mal schlau ....."?
Öhm, ich habe schon vor 2 Jahren ein Buch drüber geschrieben und veröffentlicht (kannst du googeln "Der verschwendete Wohlstand"), da war Recherche inklusive.
Ich mache seit gut 5 Jahren in jeder freien Minute kaum was anderes als mich zu genau DIESEM Thema informieren, nur höre und lese ich halt ALLES was darüber von egal wem gesagt oder geschrieben wird, inkl. Popp, inkl. Bocker, inkl. Schiff, inkl. (Un-)Sinn, inkl. Dirk Müller, inkl. Flassbeck, inkl. Richard Wolff, inkl. Ulrike Herrmann, usw., usw.
Ich glaube nie etwas, was ein Einzelner sagt, nur weil der einen tollen Titel hat, ich denke selber mit und bilde mir aus der Summe von allen Aussagen meine eigene Meinung.

Beitrag 01.08.2016, 19:56

Thomasio
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Ladon hat geschrieben:Aber was passiert denn nun, wenn Gold wieder "Geld" wird, wie anfangs gefragt wurde?
Da stellt sich vorher eine ganz andere Frage, denn es macht einen ganz erheblichen Unterschied, ob das isoliert in einem Land statt fände oder als globales System wenn es das heutige Zentralbankensystem abgelöst hätte.
Ich denke, nachdem je nachdem welche Statistik man glauben soll, das Verhältnis von Papiergold zu echtem Gold irgendwas zwischen 26:1 und 100:1 ist, SIND schon jetzt 95+% allen Goldes nichts weiter als Geld.
Was also zu allererst passieren wird ist, dass der Goldpreis kräftig fallen wird, bis das ganze Papiergold geschreddert ist.
Danach wird die Nachfrage nach physischem Gold, also von denen die nicht auf die Schnelle was spekulieren, sondern die tatsächlich physisches Gold als Kapitalsicherung anlegen wollen, den Preis wieder anheben.
Geschätzt denke ich, dass so etwa 1 Jahr nach dem Zusammenbruch vom Papiergold der Preis von physischem Gold wieder da sein wird, wo er vor dem Zusammenbruch war und ab da dann auch weiter rauf gehen wird.
Erst dann kann überhaupt Gold zu Geld werden und dann wird nichts weiter passieren, weil die Kaufkraft des Goldes im Umlauf an dieser Stelle ziemlich genau dem entspricht, was die Summe aller hergestellten Produkte kostet.
Im Laufe der Jahre danach würde dann permanente Deflation herrschen, weil die Goldmenge im Umlauf immer weiter schrumpfen wird, weil die Sparer immer mehr Gold aus dem Kreislauf ziehen werden.

Beitrag 01.08.2016, 20:31

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AuCluster
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Mehrgoldfüralle hat geschrieben:Ich bin mir nicht sicher, ob wir mit Vollgeld das gleiche meinen. Wenn jetzt über Nacht Vollgeld eingeführt würde, würdest du das überhaupt nicht bemerken. Die Banken müssen anders buchen. Giralgeld gibt`s nicht mehr. Es gibt Geld auf Konten wie vorher auch, aber das ist Notenbankgeld. Es ist und bleibt dein eigenes Geld und kein Kredit an die Bank, der untergehen kann. Banken können pleite gehen, die Guthaben der Kunden werden woanders hin übertragen, fertig. Feinsteuerung ist hier genau so möglich wie jetzt, eher besser. Die Notenbank kann durch die Kreditvergabe an die Banken sehr genau steuern und sogar Einfluß nehmen, in welche Branchen z. B. mehr oder weniger investiert werden soll. Das birgt natürlich auch Gefahren. Deshalb muß ein Kontrollorgan mit Verfassungsrang die Sache überwachen, das meint Huber mit seiner "Monetative", als vierte Gewalt sozusagen.
Die Steuerung der Geldmenge durch eine Behörde wird sehr, sehr schwierig. Niemand kennt den Geldbedarf bzw. die Umlaufgeschwindigkeit im Voraus. Weiterhin halte ich es für keine gute Idee, dass eine Behörde Investitionen steuert. Woher weiß die Behörde, welche Wirtschaftssektoren Kredit brauchen?
Momentan haben wir ein Geldsystem, bei dem der Zins von der Zentralbank gesetzt wird. Die (schwankende) Geldmenge wird dann vom Markt definiert. Bei einem Vollgeldsystem läuft es anders herum: Stark schwankende Zinsen bei vorgegebener Geldmenge.
Ein Vollgeldsystem würde wahrscheinlich eine "DDR-Wirtschaft" hervorbringen. Auch die beste Planungskomission konnte nicht planen, wo, wann und welche Branche besonders innovativ war bzw. wo Warenströme hin fließen mussten.
Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.

Beitrag 02.08.2016, 02:23

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MaciejP
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Thomasio hat geschrieben:Geld drucken und Umverteilung ist halt nicht machbar, schlicht weil gedrucktes Geld nicht sofort im Umlauf existiert, erst wenn es in einer Kreditaufnahme "geschöpft" wird, beginnt es zu existieren.
Es gibt doch die Möglichkeit, Geld direkt an die Bevölkerung zu bringen ("Helikopetergeld"). Würden die Zentralbanken jedem Bürger direkt Geld aufs Konto überweisen, bspw. unter der Bedingung, dass es binnen einer gewissen Zeit verkonsumiert wird, würden sie das neue Geld praktisch sofort in den Umlauf bringen. Das sollte technisch nicht besonders schwierig sein, einzig der politische Wille muss vorhanden sein. Wenn man sich anschaut, mit welcher Intensität z.B. Japan seine Schulden "wegdruckt", scheint es diesen Willen zumindest zum Teil zu geben. Warum schließt du diesen inflationären Weg auf globaler Ebene so vehement aus?
„Wenn der Durchschnittsmichel Gold kauft, kann er keine Fehler machen.“ – „Gold fliegt nicht weg.“

Beitrag 02.08.2016, 13:45

Thomasio
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Nein, @MaciejP auch Helikoptergeld ist Schuldgeld, bei dem der Staat Schulden aufnimmt um dieses Geld dann den Bürgern zu geben.
Das gab es in Australien übrigens tatsächlich, nach 2008/2009, was dazu geführt hat, dass Australien von allen Ländern der Welt am Besten durch die Krise gekommen ist, aber das war eine einmalige Zahlung und der Staat hat bis heute die Schulden daraus.
Direkte Staatsfinanzierung durch die Zentralbank ist in Japan genauso verboten wie in Europa, weil ein Staat der alles was er braucht einfach drucken kann zu Verhältnissen wie in Argentinien oder Venezuela führt.
So lange die Zinsen null bleiben UND niemand das Geld zurück haben will sind Staatsschulden kein Problem, aber falls wir jemals zu "normalen" Zinssätzen zurück kommen sollten, gibt das eine Katastrophe.
Bei 3% Zinsen hiesse Helikoptergeld, dass die Steuerzahler alle 15 Jahre das was sie bekommen haben alleine an Zinsen wieder zurückzahlen müssten, sprich nach 30 Jahren hätte das Helikoptergeld den Steuerzahler schon doppelt so viel gekostet wie er bekommen hat.
Ganz offensichtlich haben die Steuerzahler hier nur in den ersten Jahren mehr Kaufkraft, auf lange Sicht aber NOCH weniger als heute.

Etwas anderes wäre, wenn man Helikoptergeld aus einer Vermögenssteuer finanzieren würde, so dass die Reichen die Kosten vollständig decken.
WENN man aber eine so hohe Vermögenssteuer erhebt, dann braucht man kein Helikoptergeld mehr, denn dann könnte man genausogut von den Steuereinnahmen die Renten erhöhen, die Arbeitslosen beim Staat einstellen und sie Nationalparks bauen lassen (was Roosevelt nach 1929 tatsächlich so gemacht hat), Lehrer und Altenpfleger einstellen, usw., usw..
Dann würden die Steuerzahler um die Sozialhilfe der Armen entlastet und alle bis auf die Reichen hätten mehr Kaufkraft, ganz ohne Helikoptergeld.

Beitrag 02.08.2016, 14:59

tgwg
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Thomasio hat geschrieben:Bei 3% Zinsen hiesse Helikoptergeld, dass die Steuerzahler alle 15 Jahre das was sie bekommen haben alleine an Zinsen wieder zurückzahlen müssten
Naja, da fehlt schon noch ein bisschen was, nur gut die Hälfte davon wäre richtig gewesen. Bei einem Zinssatz von 3 % kommen in 15 Jahren gerade mal 55 % an Zinsen und Zinseszinsen zusammen, nicht 100 %.

Beitrag 02.08.2016, 15:10

Thomasio
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Ufff, ja, hast recht, bei 5% müsste das heissen, inkl. Zinseszins.
Das ändert aber nichts daran, dass selbst bei 0,00000001% Zinsen der Steuerzahler hinterher weniger hat als vorher, solange das Helikoptergeld nicht von den Reichen bezahlt wird.

Beitrag 02.08.2016, 17:22

Mehrgoldfüralle
@Ladon

Ich denke nicht, daß in einer modernen Volkswirtschaft wieder Gold als Deckung funktionieren würde. Stabiler Goldpreis lässt Wachstum nur begrenzt zu. Lässt du ihn schwanken, hast du genau die gleichen Probleme wie jetzt auch. Das trifft sowohl global wie regional zu, ein Land alleine kann das nicht machen, siehe USA, Nixon 1971.

@Thomasio

Doch sie kommt, die Hyperinflation, falls nicht vorher etwas Unvorhersehbares den Währungen den Garaus macht. Die Notenbanken liefern sich ja derzeit regelrechte Wettrennen, wer seine Währung am schnellsten abwerten kann. Die Mittel sind ja jetzt schon da, wie ich in zahlreichen Beiträgen schon geschrieben habe. Sie sind nur noch nicht dort, wo sie inflationär wirken können. Wenn in allen anderen Anlageklassen nichts mehr zu holen ist, geht´s an die Rohstoffe. Dann hast du sie, die Hyperinflation.

MaciejP hat recht, es ist kein Problem, Helikoptergeld zu erzeugen, es muß nur Bargeld sein. Wieviel Nullen dürfen´s denn sein?

@

Aucluster

Sieh dir mal die Zustände an, wie sie jetzt sind. Notenbanken, die zum Teil Privatunternehmen sind, liefern sich Währungskriege und befördern die Umverteilung von fleißig zu reich in gigantischem Ausmaß. Es werden Gesetze ignoriert und Verträge gebrochen am laufenden Band.

Zudem spreche ich nicht von einer Behörde, sondern von einer Institution mit Verfassungsrang, niemanden verantwortlich außer den Wählern. Zudem: Wie könnte es denn schlimmer werden, als es jetzt ist.

@MaciejP
smilie_01

Beitrag 02.08.2016, 18:03

Thomasio
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Mehrgoldfüralle hat geschrieben:Doch sie kommt, die Hyperinflation, falls nicht vorher etwas Unvorhersehbares den Währungen den Garaus macht. Die Notenbanken liefern sich ja derzeit regelrechte Wettrennen, wer seine Währung am schnellsten abwerten kann. Die Mittel sind ja jetzt schon da, wie ich in zahlreichen Beiträgen schon geschrieben habe. Sie sind nur noch nicht dort, wo sie inflationär wirken können. Wenn in allen anderen Anlageklassen nichts mehr zu holen ist, geht´s an die Rohstoffe. Dann hast du sie, die Hyperinflation.

MaciejP hat recht, es ist kein Problem, Helikoptergeld zu erzeugen, es muß nur Bargeld sein. Wieviel Nullen dürfen´s denn sein?
Abwertung ist ein relatives Konzept und hat auf den ersten Blick keinerlei inflationäre Auswirkungen.
Abwertung führt dazu, dass die eigenen Produkte im Ausland billiger werden, während importierte Produkte teurer werden, sprich da gibt es im Gesamtbild KEINE Änderung von Angebot und Nachfrage, nur dass im eigenen Land weniger Importe gekauft werden, während das Ausland mehr Exporte kauft.
Wenn ALLE Staaten der Welt ihre Währung abwerten würden, gäbe es absolut überhaupt keine Veränderung.
Das kannst du in etwa so sehen, als ob in der Bundesliga am Saisonende allen Vereinen 5 Punkte abgezogen werden, macht für die Tabelle keinerlei Unterschied.
Nur wenn ein Land ständig abwertet und alle anderen Länder das nicht tun, dann hast du in genau diesem Land eine Inflation an Importwaren, gleichzeitig aber eine Deflation in allen anderen Ländern.

Das ist genau derselbe absurde Blödsinn wie die Forderung von Schäuble, dass jetzt ALLE Staaten wettbewerbsfähiger werden müssen.
Zitat von Flassbeck dazu: "Das ist so als wenn einer sagt, nächste Woche gewinnen mal ALLE im Fussball."

Ob Helikoptergeld nun Bargeld oder Giralgeld ist macht auch keinen Unterschied, solange die Banken nicht pleite machen.
Es müsste an einer Stelle weggenommen werden, wo es keine Nachfrage erzeugt, also z.B. aus dem Aktienmarkt und an eine Stelle gegeben werden, die tatsächlich Konsumgüter kaufen würde, also z.B. HartzIV-Empfängern.
Solange Helikoptergeld aus Steuermitteln finanziert wird ist der Effekt auf kurze Sicht vorhanden, genau wie bei der Abwrackprämie und ähnlichen Dingen, aber auf lange Sicht ist der Effekt noch weniger als null, einfach weil die, die es bekommen hinterher die Zinsen fürs Geld drauflegen müssen.

Wir erwarten aber alle, dass es eine gewaltige Pleitewelle im Bankensystem geben wird, vielleicht sogar diverse Staatspleiten, wodurch eine Unmenge von (wenn nicht alles) Giralgeld vernichtet wird.
Da ist es völlig egal, wem diese Guthaben gehören, alleine die Tatsache, dass dieses Geld sich schlicht in Luft auflöst führt zu weniger Geld im Umlauf, damit weniger Nachfrage, Deflation und erhöhter Kaufkraft der Währung, also dem genauen Gegenteil von Hyperinflation.

Beitrag 02.08.2016, 18:24

Mehrgoldfüralle
Was, glaubst du, wird passieren, wenn die Banken anfangen zu kollabieren? Draghi und Konsorten machen den Fernseher an und schauen zu? Nein, sie werden "retten", das wirst du demnächst in Italien genauer verfolgen können.

Und wo bitteschön ist die Schuld, wenn die einfach Noten drucken zum Preis von 10 Cent, egal wieviele Nullen drauf stehen? Einfacher Buchungssatz, wo ist die Gegenpartei mit einer Forderung?

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