Wie sehr werden Goldnachfrage und -preis durch die Notenbanken beeinflusst?

Edelmetall-Themen, neue Bullion- und Sammlermünzen, historische Hintergründe, Fachwissen

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Beitrag 22.08.2019, 12:58

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goldmoney
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Ladon hat geschrieben:
10.08.2019, 08:04
goldmoney hat geschrieben:
06.08.2019, 11:13
...
Deshalb halten Zentralbanken Währungsreserven, allen voran Gold.
...
2010 bildeten die Goldreserven 15% der Reserven der EZB.
.....
Der Wert der Goldreserven ist überdies schwer zu schätzen. Je nachdem kann es zum EK oder zum aktuellen Preis "bilanziert" werden.

Fazit: Die Zentralbanken halten NICHT "allem voran Gold" als Währungsreserve.
https://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/annre ... 81c7376a81

1) Gold und Goldforderungen 18,19 Mrd (davon Goldforderungen nun ausgewiesen, ca 0,3 Mrd.
2) Forderungen in Fremdwährung 50,4 Mrd

Somit sind es schon mal 23% nicht 15%.

Bei der BuBa sieht die Welt schon anders aus.

https://www.bundesbank.de/resource/blob ... z-data.pdf

1) Gold und Goldforderungen 121,4 Mrd (davon Goldforderungen nun ausgewiesen, ca 0,3 Mrd.
2) Forderungen in Fremdwährung 51,6 Mrd

Schon haben wir ein anderes Verhältnis, nämlich ca 70% der Reserven in Gold.

Warum der Unterschied?
Nun, die EZB ist zwar die Zentralbank des Euros, aber eben nicht allein. Die einzelnen Zentralbanken sind Bestandteil des Europäische System der Zentralbanken. So entscheiden der EZB-Rat als oberstes Beschlussorgans der Europäischen Zentralbank, über die Geldpolitik. Neben den sechs Mitglieder des Direktoriums sind da die Präsidenten der nationalen Zentralbanken der 19 Mitgliedstaaten des Euroraums vertreten. Also kann die EZB eher als Gremium und teilweise Erfüllungsgehilfe der Zentralbanken betrachtet werden.
MaciejP hat geschrieben:
10.08.2019, 20:14
Der Clou bei diesem globalen Gold-Reset wäre, dass die Aufwertung der Goldbestände das weltweite Schuldenproblem abfedern könnte...
Können sie das wirklich? Solange sie das Gold nicht verkaufen, handelt es sich doch zunächst mal nur um Buchgewinne, oder? Ich kenne die genauen Bilanzierungsregeln für Notenbanken nicht, fände es aber recht kurios, wenn sie reine Buchgewinne ausschütten dürften. Andernfalls müssten sie das Gold erstmal an irgendjemanden verkaufen, was wiederum recht knifflig werden dürfte, wenn man direkt zuvor den Goldpreis an einen unnatürlich hohen Fixpreis gebunden hätte. Wer sollte da das ganze Gold abkaufen?
In der Fiatwelt macht so eine Betrachtung vielleicht Sinn. Gold ist aber kein Fiat sonder das Gegengewicht, von dem sich Zentralbanken nicht trennen können. Aus gutem Grund.

Diese Währungsreserven dienen dazu, um im Falle von Wirtschafts und Währungskrisen die Zahlungsfähigkeit des Landes (insb. mit Handelsbilanzdefiziten) gewährleisten zu können. Also geht es da nicht um Buchgewinne die ausgeschüttet werden können/sollen. Das mag zwar auch passieren, ist aber nicht die Aufgabe einer Zentralbank.

Betrachte man die Währungsreserven nicht aus der Fiat sondern aus der realen, also Gold Perspektive, muss man feststellen, dass Gold nicht in Währungen sonder in Unzen bzw. Tonnen gemessen wird.
Wenn man die künstliche Aufblähung von Fiat sieht und nur Bruchteile des gesunden Menschenverstands nutzt, müsste man die Bedeutung des Goldes, das nominal nur ein Bruchteil der Finanzvermögen ausmacht, trotzdem erkennen.

Gold ist the last man standing. Nicht umsonst sind jene Fiatwärhungen stark, deren Zentralbank über hohe Goldvorräte verfügt. Diese Reserven werden auch genutzt um einen bestimmten Goldpreis in Fiat aufrecht zu erhalten. In keiner Weise kann hier von einem unnatürlich hohen Preis die Rede sein. Dazu reicht auch der gesunde Menschenverstand. Wenn die OZ mal 35$ gekostet hat und heute 1500$, kann das nur eine Ursache haben.

Am Ende des Tages, Fiatmoney hin oder her, kann sich KEIN LAND der Welt leisten, ohne Goldreserven in einer Krise da zu stehen.

"The Game isch over", hat mal Schäuble gesagt.
"The gold standard is the only method we have yet found to place a discipline on government, and government will behave reasonably only if it is forced to do so"
Friedrich August von Hayek

Beitrag 22.08.2019, 17:28

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Kilimutu
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MaciejP hat geschrieben:
12.02.2019, 03:48
Hier noch eine langfristige Grafik zu den Goldkäufen der Notenbanken:

Bild
(Quelle: https://www.goldseiten.de/artikel/40363 ... itaet.html)

Mir war nicht bewusst, dass die Käufe in den letzten Jahren sogar die aus der Hochinflationsphase der Achtziger bei weitem übertroffen haben.
Meine Kompetenzen in Sachen Finanzmärkte sind ja nun eher rudimentär. Was mir allein klar ist, ist, dass ich nicht dauerhaft mehr Geld ausgeben kann als ich habe/einnehme.

Der Blick auf die Grafik zeigt jedoch auch mir als Laien, dass seit 2008 die Einschätzungen der Notenbanken für das globale Finanzsystem pessimistisch sind. Es wird Gold gekauft und zwar kontinuierlich und zuletzt offenbar immer mehr ... Nachtigall ich hör Dir ....
Letzte Woche war die Atomkraft so sicher wie das Amen in der Kirche - heute ist sie so sicher wie die Renten (Sven Lorig im ARD Morgenmagazin, nach Fukushima)

Beitrag 26.08.2019, 02:03

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MaciejP
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goldmoney hat geschrieben:
22.08.2019, 12:58
Betrachte man die Währungsreserven nicht aus der Fiat sondern aus der realen, also Gold Perspektive, muss man feststellen, dass Gold nicht in Währungen sonder in Unzen bzw. Tonnen gemessen wird.
Wenn man die künstliche Aufblähung von Fiat sieht und nur Bruchteile des gesunden Menschenverstands nutzt, müsste man die Bedeutung des Goldes, das nominal nur ein Bruchteil der Finanzvermögen ausmacht, trotzdem erkennen.
Sorry, das ist für mich nur ideologisches Wischiwaschi, was zudem die Ausgangsfrage auch nicht beantwortet. Legt eine Notenbank einen Fixpreis für Gold fest, ist das ein unnatürlicher Eingriff in den Markt. Liegt der Preis dann noch beim x-fachen des aktuellen Marktpreises, verzerrt das den Markt aufs Extremste. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass der Markt dann plötzlich aufwachen würde und den "wahren", sehr viel höheren Wert des Goldes erkennen würde, weil eine Notenbank ihn mal eben auf irgendeinen Fantasiewert festgelegt hätte?
Nicht umsonst sind jene Fiatwärhungen stark, deren Zentralbank über hohe Goldvorräte verfügt.
Die Theorie trifft auch nur für einige Länder zu. Wenn man mal die Liste der Goldbestände durchgeht, sind da so einige Kandidaten dabei, bei denen das überhaupt nicht hinhaut. Italien hat die vierthöchsten Goldbestände weltweit, wobei die Lira eine chronische Weichwährung war. Venezuela 77% der Reserven in Gold gegen Polen mit nur 5%, obwohl der Złoty die letzten Jahrzehnte praktisch gleichauf mir dem Euro notiert. Kanada taucht in der Liste überhaupt nicht auf, obwohl der Kanadische Dollar auf lange Sicht so stark ist wie der US-Dollar usw.

Kilimutu hat geschrieben:
22.08.2019, 17:28
Der Blick auf die Grafik zeigt jedoch auch mir als Laien, dass seit 2008 die Einschätzungen der Notenbanken für das globale Finanzsystem pessimistisch sind. Es wird Gold gekauft und zwar kontinuierlich und zuletzt offenbar immer mehr ... Nachtigall ich hör Dir ....
Man liest zwar immer nur, dass "die Notenbanken" Gold kaufen, aber es sind im Grunde nur wenige, die dafür größere Mengen kaufen. Die westlichen Bestände haben sich m.W. in den letzen Jahren nicht erhöht, sondern tendenziell eher abgebaut. Zentralbanken aus China und Osteuropa stocken ihre Bestände dagegen regelmäßig auf. Fragt sich, warum die westlichen nicht kaufen. Fehlende Weitsicht? Politische Gründe? An neugeschaffenem Geld kann es jedenfalls nicht liegen. Selbst die Schweizerische Nationalbank, die in ihren Anlageentscheidungen relativ frei sein sollte, scheint ihre Bestände nicht auszubauen.
„Wenn der Durchschnittsmichel Gold kauft, kann er keine Fehler machen.“ – „Gold fliegt nicht weg.“

Beitrag 28.08.2019, 03:30

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goldmoney
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Was du mit dem ideologischen Wischiwaschi und dem Goldpreis meinst, habe ich nicht verstanden.

Fakt bleibt, dass Zentralbank Gold halten. Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Wenn es keine Rolle spielen würde, hätten sie sich längst davon getrennt.

https://www.goldreporter.de/geheimaktio ... old/86223/
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Beitrag 31.08.2019, 08:01

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Ladon
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Ich empfehle die Veroffentlichungen der Buba zum Thema Gold-Reserve.

Es ist richtig, dass viele westliche Laender (Zentralbanken! Bei weitem nicht in jedem Fall kann man das Gold als Besitz der Laender bezeichnen ... zum Beispiel in Deutschland nicht! So mancher Finanzminister haette sich gern am Goldbestand vergriffen, aber der Bund kann der Buba keine Weisungen erteilen), westliche Staaaten haben also praktisch keine Goldbestaende aufgebaut. England, die Schweiz, Canada haben seit etwa den 1990er Jahren zum Teil massiv abgebaut.
Bei der USA ist es anders: die FED besitzt kein Gold, das ist Staatseigentum.
Bei uns sinkt der Goldbestand sehr moderat. Die Abfluesse sind nahezu ausschliesslich auf den Ankauf durch den Bund (!) fuer Goldmuenzen zu erklaeren.
Andere gibt es schon genug

Beitrag 01.09.2019, 12:04

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Ironischerweise könnte man auch die vermehrten Goldkäufe vieler Notenbanken Weltweit wie folgt zusammenfassen:
Die Notenbanken trauen ihrer eigenen Währung also nicht mehr smilie_02 !
VfL Bochum? -Find ich gut!

Beitrag 07.11.2019, 15:55

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Währungsreserven der EZB hoch wie nie

Anders als in Russland, in der Türkei und China stockt die Notenbank in Europa nicht ihre Goldreserven auf. Sie setzt auf Wertpapiere – auch in Renminbi:

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/ez ... 72079.html
VfL Bochum? -Find ich gut!

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