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vom: 07.12.2011, 13:42
Goldhamster79 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Hallo Forum,

das Thema Inflation und Deflation führt regelmäßig in anderen Fäden zu Diskussionen und auch Verwirrung, dafür ist dieser neue Faden da, Definitionen und Fachdiskussionen rund um diese Thematik - bitte ohne Verwässerungen.

Grundlegendes:

Definitionen:

Inflation ist klassisch definiert als die Erweiterung der Geldmenge von lateinisch "inflare" = aufblähen und hat erstmal rein gar nichts mit Auswirkungen auf Preise zu tun, eine eventuelle preissteigernde Wirkung ist nur eine Auswirkung davon.

Deflation bezeichnet die Verringerung der Geldmenge und wird ebenfalls oft gleichgesetzt mit seiner möglichen preissenkungen Wirkung.

Preissteigerungen sind eine mögliche Auswirkung von Inflation und können auch zeitversetzt verspätet eintreten.

Preissenkungen / steigende Kaufkraft einer Währung sind teilweise auf bestimmte Warengruppen beschränkt und nicht zwingend eine Folge der Deflation im klassischen Sinne.

Irrtümer

Gegenseitiger Ausschluss:
Der fatalste Irrtum in jeder Diskussion ist die Annahme dass sich Preissteigerungen und Senkungen, also Inflation und Deflation in der falschen, gebräuchlichen Verwendung sich gegenseitig ausschliessen.
Dies ist nicht der Fall sondern sogar regelmäßig parallel in unterschiedlichen Warengruppen der Fall, auch bedingt durch die Verteilung der entsprechenden (vagabundierenden) Geldmengen.

Gold sei kein Schutz vor Kaufkraftsteigerungen einer Währung:
Fast genauso fatal ist die Annahme, dass Gold nicht vor der Kaufkraftsteigerungen einer Währung schütze.
Wenn Preise auf breiter Front fallen, kann dies auch bei Edelmetallen der Fall sein, macht aber nichts, denn das Verhältnis zu anderen Waren verändert sich dabei nicht groß zu Ungunsten von Gold.
Somit wirkt auch hier die Schutzfunktion der Kaufkrafterhaltung und macht einen Wechsel von Gold zu Cash und zurück kaum nötig. Ein hierfür nötiges richtiges Timing erwischt man sowieso nicht.

Soweit mal die ersten theroretischen Ausführungen von mir, more 2 come.
Bin immer offen für konstruktive Kritik und guttenberg-resistent, weil obiges selbstverfasst Wink

Goldhamster
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ist eines der wichtigsten Anzeichen für geistige Gesundheit."
Oscar Wilde
vom: 07.12.2011, 13:56
goldrichtig Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Goldhamster, die Eröffnung des eigenen Täräs für dieses Thema finde ich (als nicht Wirtschaftswissentschaftler) sehr gut. Vielen Dank dafür
vom: 07.12.2011, 14:45
Goldhamster79 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Hier mal eine PDF-Datei aus 2009, die ich extra für Euch hochgeladen habe, da über Gurgel nicht zu finden.

http://www.file-upload.net/download....lation_deflation.pdf.html


Weitere Links:
Zitat:
Gold, Inflation und Deflation

Dass Gold ein perfekter Inflationsschutz ist, braucht nicht weiter erläutert zu werden. Doch wie würde sich Gold in einem deflationären Umfeld verhalten? Nicht erst seit J.P. Morgan ("Gold ist Geld und nichts anderes") oder John Exter (invertierte Finanzpyramide) wissen wir, dass Gold Geld ist. In einer deflationären Phase der Kaufkrafterhöhung von Geld, sollte also rein logisch auch diese Form von Geld im Wert und in der Kaufkraft steigen.

http://www.goldseiten.de/content/di..../artikel.php?storyid=2213

Etwas seltsame Seite, aber guter Inhalt:
Zitat:

Darum kann der Goldpreis auch in einer Deflation steigen!
Realzins lautet das Schlüsselwort. Er scheint eindeutig zu bestimmen, ob Gold- und Silberpreise fallen.

http://goldmakler.over-blog.de/arti....ion-steigen-59011111.html
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Oscar Wilde
vom: 07.12.2011, 15:18
Goldhamster79 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Ich zitiere mal aus einem Faden wo der Beitrag sonst untergehen würde, es aber schade wäre drum:

Rollmops hat Folgendes geschrieben:
Ich halte es durchaus für denkbar dass wir nochmal eine kurze deflationäre Phase erleben werden.
Schlicht und ergreifenden deswegen, weil den meisten Hyperinflationen ein deflationärer Schock vorausging. Ein Deflation entsteht wenn zu wenig Geld sich im Umlauf befindet. Wir haben zwar derzeit meiner Meinung nach zuviel Geld im System, aber es wurde den Banken gegeben, die es eingesteckt haben und nicht weitergeben haben. Im Gegenteil, die Banken trauen sich wieder gegenseitig nicht mehr und deswegen leihen sie sich auf gegenseitig kaum noch was. Und solange das Geld nicht weitergegeben wird, heizt es auch nicht die Inflation an sondern ein Deflation wird wahrscheinlicher.

Nur auf ein Deflation zu spekulieren ist verflixt gefährlich, denn erstens weiss niemand wie lange eine solche Phase andauert und es ist davon auszugehen dass sie nicht besonders lange andauern wird.
Verlierer einer Deflation sind nämlich die Kreditnehmer, was in der derzeitigen Situation die Staaten sein werden. Und die werden sich zu wehren wissen. Sollte es also zu einer starken Deflation kommen. wird mit sehr grosser Sicherheit die Notenpressen in einer Form angeworfen.


Hallo Rollmops,

wenn man rein alltägliche Güter wie den Nahrungsmittelsektor betrachtet (oder auch Elektronik) so sehen wir durchaus für den Endverbraucher immer wieder Phasen fallender Preise. Im Bereich von Agrarprodukten führt hier vor allem die weltweite Produktion mit ihren Einflussfaktoren zu den Preisschwankungen.

Beschränken wir die Betrachtung rein auf das Feld des täglichen Bedarfs lassen sich hier gewissen Tendenzen erkennen und, da stimme ich gerne zu, kann eine deflationäre Phase einer Inflation vorausgehen.

Du merkst ja selbst bereits wie sich die Widersprüche bilden, bedingt durch die Kapitalverteilung.
Wir erleben längst eine Inflation in einigen Assetklassen, wie den Rohstoffen und Edelmetallen, in die vagabundierendes Großkapital (hauptsächlich am Papiermarkt) seit Jahren fliesst.
Andererseits sehen wir Elektronikartikel sowie Textilien und Lebensmittel, die letztlich so billig sind und nur sein können durch Globalisierung und Produktionsverlagerung in Länder mit Arbeitskräften die sich leicht ausbeuten lassen und unter teils fragwürdigen Bedingungen für das "Geiz ist geil" der ersten Welt schuften.
Dazu kommt in diesen Bereichen eine stark kleinverbrauchergeprrägte Nachfrage, bei denen die laufenden Geldmengenausweitungen wie Du richtig schreibst kaum bis gar nicht angekommen ist.

Somit müssen wir uns von einer oft eindimensionalen Sichtweise verabschieden, beide Vorgänge laufen in unterschiedlichen Anlageklassen / Güterklassen parallel und unterschiedlich ab.

Und abschliessend, zwischen Deflation und Inflation gibt es in einer Schuldenkrise nur einen Weg, und der wertet sicher nicht die Schulden auf, und wenn Ben die Dollar mit dem Helicopter abwerfen müsse, die Richtung die mit aller Macht beschritten werden wird hätte er metaphorisch nicht besser ausdrücken können.

Goldhamster
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Oscar Wilde
vom: 07.12.2011, 15:35
Goldhamster79 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
und wem das bisher noch zu oberflächlich ist, dem empfehle ich den

Oxford Economics
The impact of inflation and deflation on the case for gold

A report commissioned by the
World Gold Council

mit 40 Seiten Content direkt unter http://www.goldcore.com/gold-media/....port_on_Gold_GoldCore.pdf
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Oscar Wilde
vom: 07.12.2011, 15:40
Rollmops Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Hallo Goldhamster
Du hast recht! Das ganze ist wesentlich komplexer als dass man es in 2 Sätzen darstellen könnte.
Im Fall von Lebensmittel kann ich das aus eigener Beobachtrung bestätigen. Dort haben wir schon seit geraumer Zeit einen Preisanstieg der aber aufgrund des Konkunrenzkampfes im Einzelhandel noch nicht beim Endverbraucher angekommen ist. Ich beobachte seit Anfang 2007 den Preis für Grossgebinde regelmässig und habe dabei beobachtet dass sie eigentlich kontinuierlich angestiegen sind. Selbst wärend der "Deflation 2008/09" habe die Preise dor nicht merklich nachgegeben.
vom: 07.12.2011, 18:30
thEMa Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Es gibt noch einen weiteren Mechanismus der zur Deflation (zum deflationären Schock) führen kann.

Kommt es zu einem wirklich tiefgreifenden Vertrauensverlust der Kunden zu den Banken (Stichwort Bankrun) bzw. der Banken untereinander, käme mit einem male der bargeldlose Zahlungsverkehr zum Erliegen. D.h. von jetzt auf gleich wird die effektive Geldmenge auf den Bargeldbestand eingedampft. So wie jetzt eigentlich zu viel Geld im System ist und man eher Preissteigerungen fürchten würde, ist es plötzlich viel zu wenig und dementsprechend "wertvoll" ist das, was übrig bleibt. Zumindest kurzfristig.

Es kann sich ja mal jeder die Frage stellen, wie weit er kommt, wenn die EC-Karte nur noch ein Stück Plastik ist. Wie hoch sind meine Bargeldreserven? Die 28,34€ in meinem Geldbeutel?
Ich habe es so eingerichtet, dass ich immer min. 2 Wochen lang "autark" bin. Das gleiche gilt aber auch für Lebensmittel und Tampons gehen bei uns auch nicht so schnell aus smilie_16
Generell bin ich wieder zu etwas mehr Vorratshaltung übergegangen, bei den Dingen die ich ohnehin immer wieder kaufe (wie EM smilie_11 ), denn billiger wird's vermutlich dann doch nicht auf Dauer. Und praktisch ist es auch, wenn man nur in den Keller muss, wenn mal der Zucker alle ist.
_________________
Ceterum censeo anatocismum esse delendum

Der Zins, sie zu knechten, sie alle zu finden,
ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.
vom: 07.12.2011, 20:37
Deichgraf Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
"Somit müssen wir uns von einer oft eindimensionalen Sichtweise verabschieden, beide Vorgänge laufen in unterschiedlichen Anlageklassen / Güterklassen parallel und unterschiedlich ab."


In Beitrag vor etwa einem Monat, hatte ich das erwähnt. -Also grundsätzliches übereinstimm.
Ich meine aber immer noch, dass eine grobe Einteilung in Klassen zu kurz greift. Ich unterscheide
daher auch in Muss-Käufe (z.B. Grundnahrungsmittel) und Kann-Käufe (z.B. Schmuck), wobei ich das
Gold 1) als Kann-Konsumgut 2) als Kann-Anlagegut und 3) als Muss-Industrierohstoff (z.B.Elektronik) sehe.
Kurz nach der Euroeinführung wurden bei Billiglebensmitteln extreme Preissteigerungen festgestellt, die über
20% gelegen haben sollen. Also weit über dem Warenkorbschnitt. Die Dose Erbsen zu 69Pf kostete plötzlich
39Cent usw.
Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass in einer (allgemeinen) Deflationsphase garnicht mal ganze Güterklassen
billiger oder trotzdem teurer werden, sondern viel differenzierter unterschieden werden muss.
Schätze, meine Kippen werden so oder so teurer.


Crying or Very sad
Die Unsicherheit besteht darin, zu erahnen, welchen Weg das Gold in einer Deflation mit "überwiegend preissenkendem Charakter" gehen würde. Dass Gold sich im gleichen Maß bewegt wie meine Muss-und-Möchte-Waren, sehe ich nicht unbedingt.
Als Deflationsvisionist (aber nur als solcher) geht unser aller Benno den für ihn einzig richtigen Weg. Er vermehrt Geld. (Ich unterstelle Erfolg) smilie_06
vom: 08.12.2011, 00:35
EMFreund Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Hallo zusammen, die derzeitige Kriese lässt für mich die folgenden zwei Szenarien erahnen:

(1) Die EZB druckt weiter fleißig FIAT-Geld um Staatsanleihen zu kaufen und den Markt zu "kapitalisieren", was über kurz oder lang zu einer Inflation führen wird.

(2) Großschuldner wie Griechenland, Italien, Spanien werden vollends zahlungsunfähig - am Ende sogar aus dem EURO geworfen. Es käme zur Abschreibung gigantischer Mengen Giralgeld, da die Forderungen der Gläubiger komplett ausfallen. Dies führt letztendlich doch aber zu einer Verringerung der Geldmenge, auch wenn es nie wirklich physisch exsistiert hat. Die Gläubiger müssen nun ihr Kapital aus dem Markt nehmen um ihrerseits offene Forderungen bedienen zu können...DAX, EM und Co. fallen massiv im Kurs. Damit würde es quasi zur Deflation kommen.

Im Zusammenhang mit einer drohenden Krise wird in den Diskussionen fast ausschließlich von einer (Hyper-)Inflation gesprochen. Habe ich also einen Denkfehler oder wird die Gefahr einer Deflation schlicht ignoriert?


Anmerkungen hinsichtlich einer Deflation: http://www.youtube.com/watch?v=AaZc3OLCq7w&feature=relmfu
vom: 08.12.2011, 01:12
firlefanz Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
@ EMFreund

Das Problem ist, dass die Politik an allen Fronten kämpfen will/muss.

Einerseits sollen Schuldenbremsen aktiviert werden = deflatorische Stoßrichtung, andererseits muss Liquidität in den Markt, also Geld drucken und Inflation.

Das passt nicht zusammen. Hat auch noch nie zusammen gepasst. Da die Politik einfach immer nur dazu fähig ist nächst liegende Instrument zu aktivieren welche gerade im Moment die am wenigst möglichen negativen Aussichten zu bringen SCHEINEN, ist das alles zum Scheitern verurteilt.

Welcher Auslöser dann letztendlich zuerst eintritt ist absolut nicht vorhersagbar, ob Defla-Schock dann Hyperinflation, oder wie auch immer, es endet in der Währungsreform und wahrscheinlich des Zusammenbrechens der Euro-Zone und auch der gesamten Weltfinanzordnung mit Zusammenbruchs des $, welches natürlich mit Macht zu verhindern versucht wird.

Es sind also große Kräfte im Spiel, die immer nur opportun ihrer eigenen Interessen agieren, bis hin zu kriegerischen Aspekten, die letzte Rechtfertigung für die Notenpresse oder welcher Finanztricks sind.

Ich denke es ist definitiv keinerlei Aussage über den Ablauf des Zusammenbruchs des Fiat-Systems möglich oder auch nur annähernd seriöse Szenarien darstellbar. Ja, in Grundzügen schon, da die Geschichte einiges an Lehrmaterial bietet. Heute ist aber alles etwas anders, so dass es nicht 1:1 erkennbar wird. Wenn dann im Nachhinein.

Es wird wie immer zur Unzeit, in ganz anderer Form wie es sich viele gedacht haben und wahrscheinlich in der Ausprägung viel heftiger wie erhofft von statten gehen, nur im Nachhinein analysierbar sein im Bezug auf die bekannten Begriffe.

Es sieht einfach nur ziemlich düster aus.
vom: 08.12.2011, 09:49
Goldhamster79 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Bezugnehmend auf Ladons Posting hier bitte ich in diesem Faden beim Kernthema Inflation und Deflation zu bleiben, das Thema ist an sich schon komplex genug dass wir es nicht mit Gedanken über Ursachen der Krise und über das Geldsystem verwässern sollten. Danke.

Wenden wir uns also den Preissteigerungen im Rohstoff- und Edelmetallsektor zu und der Frage warum die Inflation=Geldmengenausweitung bisher nur recht harmlos zu Preissteigerungen von Gütern des alltäglichen Bedarfs geführt hat.
Grund hierfür ist, wie von Rollmops oben auch schon thematisiert, dass von den Millionen und Milliarden "unten" so gut wie nichts ankommt und somit die Nachfrage von Kleinverbrauchern sich zumindest nicht wesentlich erhöht hat - auch bedingt durch eine zunehmende Zurückhaltung bei der Kreditvergabe in USA und bei Großbanken allgemein.

Preissteigerungen können jedoch zeitversetzt über die Hintertür eintreten und tun dies bereits, nämlich aus dem Rohstoffsektor. Wie wir dann Blöd gestern offiziell wissen, war 2010 für Autofahrer das bisher teuerste Jahr an den Zapfsäulen.
Hier schlägt die Preisentwicklung der Terminmärkte bereits auf das Portemonnaies des Volkes durch. Weiterhin sahen wir bereits Dieselzuschläge im Logistikbereich, Preiserhöhungen eines namhaften Herstellers von Besteck und weiteres. Im allgemeinen Fokus ist und bleibt natürlich die Zeche an der Tanke.

Somit treibt letztlich das vagabundierende Kapital an den Weltbörsen zunehmend Endverbraucherpreise nach oben. Dieser Umweg (bedingt durch die Verteilung) ist auch der Grund für die zeitverzögerte Auswirkung auf Endverbraucherpreisse.

Goldhamster
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ist eines der wichtigsten Anzeichen für geistige Gesundheit."
Oscar Wilde
vom: 09.12.2011, 14:25
michi852 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Ist die Darstellung von Inflation nicht etwas zu einfach dargestellt?
Reichts es wirklich nur die Geldmenge zu erhöhen.
Muss nicht eine Inflation bei uns im Geldbeutel anfangen?
Es wird oft Preissteigerung und Inflation gleichgesetzt.
Die Inflation, die wir zur Zeit haben, kommt durch die Preissteigerungen der Energiekosten.
Oder hat hier gerade jeder soo viel Kohle, dass er freiwillig für Diesel 5 € zahlen will.

Die Notenbanken in USA und Japan drucken auch Geld ohne Ende, aber keine Spur von Inflation oder hohen Zinsen.
Inflation fängt bei uns im Geldbeutel an, Löhne müssen steigen, nicht wie bei den Lockführern um 3,5 %, sonder ehr um 100%, 200 %.

Oder?
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vom: 09.12.2011, 14:48
EMFreund Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Es gibt ja sowieso immer eine Inflation die im Prinzip nur aus der stetigen Vermehrung der Geldmege resultiert (jährliche Inflationsrate). Ausgehend von einer konstanten physischen Verfügbarkeit aller Wirtschaftsgüter, bedeutet die Ausweitung der Geldmenge zwangsläufig, dass einem konstanten Angebot ein Übersschuss an Geld gegenüber steht.
Stell dir das so vor: Geld ist Dienstleistungsvermögen, also das Anrecht Arbeitszeit einer anderen Person zu beanspruchen (sei es in Form von Dienstleistungen, Herstellen von Waren usw.) Je mehr Geld es gibt, desto mehr GUTHABEN zum vollbringen von Arbeitsleistung existiert. Es kann aber nur eine bestimmte Menge an Wirtschafts- bzw. Arbeitsleistung pro Zeit erbracht werden. Wenn jetzt alle zu viel Geld haben und ihre Wohnungen sanieren lassen wollen, dann sind die Auftragsbücher der Handwerker voll. Über die Gesetze des Marktes - Angebot und Nachfrage - werden dann die Preise steigen. Ergo dein Geld hat weniger Kaufkraft -> Inflation.
Oder du hast eine Million € geerbet, würdest du für 10€/h noch Arbeiten gehen? Für 1000€/h? Was ist wenn plötzlich alle erben, die Löhne würden steigen müssen bis der einzelne wieder einen Anreiz zum Malochen sieht - das macht die Produkte teuerer.
Inflation ist der Rückgang der Kaufkraft einer Währung (ganz vereinfacht) und hat nur mittelbar etwas mit steigenden Preisen zu tun!

Wird jetzt durch z.B. Ankauf von Staatanleihen die Geldpresse angeworfen, wird zunächst einmal primär die Geldmenge vermehrt - und das zusätzlich zur ohnehin stattfindenden Inflation. Das Geld wird aber nicht direkt mit dem Hubschrauber über einem Land abgeworfen, sondern es geht erst an die Staaten, die über Konjunktur- und Förderprogramme das Geld in den Kreislauf bringen...bis das durchsickert zu uns kleinen Leuten dauert das eine Weile! In wirtschaftlich schlechten Zeiten wird das Geld dann angespart statt augsegeben zu werden. Die Sparguthaben wachsen stetig und der Markt bekommt von der Geldmengenausweitung ersteinmal nichts mit, Aber wehe wenn sie losgelassen! Im Prinzip führt das alles wieder zu eingangs genannten Effekten durch Vermehrung der Geldmenge.

USA ist eine andere Geschichte! US-Dollar ist Leitwährung. Viele Staaten handeln untereinander in US-Dollar, Öl wird in US-Dollar gehandelt, die meisten Währungen (€ zu 80%) sind durch Dollarreserven gedeckt. Es herrscht also abseits des Binnemarktes eine immense Nachfrage nach Dollar-Noten. Diese zusätzliche/künstliche Nachfrage verwässert die eigentliche Inflation. Diese "Nachfrage" wird -laut weit verbreiteter Meinung- z. T. über Kriege erhalten, indem z.B. Länder, die vom Handel ihres Öls in $ abgehen wollen, besetzt werden. Die Amerikaner wollen garnicht das Öl der Länder die sie überfallen - das bekommen sie sowieso, indem sie es gegen ihr selbst gedrucktes Geld eintauschen Wink

"keine Spur von Inflation oder hohen Zinsen" - niedrige Leitzinsenzinsen führen zu Inflation, da verstärkt Kredite aufgenommen werden!

Ich hoffe das hilft dir erst mal weiter...

PS: zum Thema Geld ist Dienstleistungsvermögen, ICH sehe das so: man kann keine Waren kaufen wie z. B. Gold. Man kauft nur die Dienstleistung des Schürfens, Schmelzens, Urformens und den Transport (mit den entsprechenden Gewinnaufschlägen). Im Prinzip hast du also nur Arbeitszeit anderer Menschen bezahlt - aber nicht das Gold selber!
vom: 09.12.2011, 14:52
Goldhamster79 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
michi852 hat Folgendes geschrieben:
Ist die Darstellung von Inflation nicht etwas zu einfach dargestellt?
Reichts es wirklich nur die Geldmenge zu erhöhen.
Muss nicht eine Inflation bei uns im Geldbeutel anfangen?
Es wird oft Preissteigerung und Inflation gleichgesetzt.
Die Inflation, die wir zur Zeit haben, kommt durch die Preissteigerungen der Energiekosten.
Oder hat hier gerade jeder soo viel Kohle, dass er freiwillig für Diesel 5 € zahlen will.

Die Notenbanken in USA und Japan drucken auch Geld ohne Ende, aber keine Spur von Inflation oder hohen Zinsen.
Inflation fängt bei uns im Geldbeutel an, Löhne müssen steigen, nicht wie bei den Lockführern um 3,5 %, sonder ehr um 100%, 200 %.

Oder?


Nochmal: die klassische Inflation per definitionem hat mit einer Auswirkung der Geldmengenveränderung auf Preise erstmal gar nichts zu tun.

Warum soll die Teuerung bei den Energiekosten Ursache einer Geldmengenausweitung sein?
Natürlich ist die Frage rhetorisch und soll zeigen, dass man Ursache und Wirkung nicht vermischen darf, gerade im Themebereich dieses Fadens macht die unscharfe Nomenklatur dies noch schwieriger.

Falsch und die Ursache verschleiernd ist strenggenommen die begriffliche Gleichsetzung von Steigerung des allgemeinen Preisniveaus mit dem Begriff Inflation.

Zum Thema wo die Geldmengenausweitung landet geben obige Beiträge Auskunft, die ich interessierte Diskussionsteilnehmer bitte auch zu lesen, um uns nicht gleich am Anfang im Kreise zu drehen Wink
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ist eines der wichtigsten Anzeichen für geistige Gesundheit."
Oscar Wilde
vom: 09.12.2011, 16:24
goldrichtig Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
EMFreund hat Folgendes geschrieben:
Es gibt ja sowieso immer eine Inflation die im Prinzip nur aus der stetigen Vermehrung der Geldmege resultiert (jährliche Inflationsrate).


Eine Zwischenfrage, die ich gerne stellen möchte: Die Ausweitung der Geldmenge wird ja von irg.jemand durchgeführt? Ist das die Notenbank des jeweiligen Landes?
Warum bleibt es nicht bei einer konstanten Geldmenge?

grüße goldrichtig
vom: 09.12.2011, 17:07
Rollmops Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Früher musste man um die Geldmenge signifikant auszuweiten noch die Notenpresse anwerfen.
Da hatten dann zumindest die Angestellten in der Druckerei noch was davon smilie_16

Heute reicht es wenn der Staat den Banken Kredite gewährt oder die vorgeschrieben Eigenkapitalquote senkt. Denn Geld entsteht durch Kredit.
vom: 09.12.2011, 17:11
EMFreund Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
die Ausweitung wird von den Zentralbanken durchgeführt (bei uns die EZB, USA die FED). Diese haben das alleinige Geldschöpfungsmonopol.Die EZB ist keine nationalstaatliche Organisation sondern übergeordnet eine Institution der EU. Die Mitgliedsstaaten haben dadurch ihre geldpolitische Souveränität völlig aufgegeben. Die Zentralbank der USA - die FED ist teils privat und teils staatlich strukturiert! Das heißt es spielen auch private (Gewinn-)Interssen mit.

Warum eine Ausweitung der Geldmenge durch das zinsbasierende Zentralbanksystem zwingen notwendig ist wird von "Prof. Bend Senf - Tiefere Ursachen der Weltfinanzkrise" sehr gut erklärt.

Die Abschaffung der gedeckten Wärung (Golddeckung) wurde nach meinem Wissen durchgeführt mit der Begründung, den Markt besser und schneller kapitalisieren zu können und so das Wirtschaftswachstum schneller in Gang zu bringen und zu halten Wink

@Rollmops: Der Euro ist kein Geld, sondern FIAT-Geld und der Euro IST KREDIT! Das "Geld" das die Zentralbank druck ist das sogn. FIAT-Geld, oder Währung. Durch das Mindestreserve-Baksystem kann aus dem FIAT-Geld physisch nicht existentes, virtuelles Giral-Geld erzeugt werden. Das heißt deine Bank kann dir einen Kredit gewähren und das Geld ENTSTEHT durch das Drücken auf einen Knopf - das ist Giral-Geld. Dafür muss sie nur eine Mindestreserve von 2% (EZB) an FIAT-Geld zurück halten (Mindestreserve-Banksystem).

Der Staat gewährt keine Kredite! Das macht die Zentralbank, die nichts (oder kaum, so gut kenne ich mich nicht aus) mehr mit dem Staat zu tun hat!
vom: 09.12.2011, 18:32
Rollmops Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Also dass die Zentralbanken nichts mit der Regierung zu tun haben und nicht in deren Interesse handeln halte ich für ein Gerücht, auch wenn es offiziel natürlich so ist. Das ist doch genau die Lüge die uns bei der Euroeinführung verkauft wurde:
"Die EZB ist genauso aufgebaut wie die Bundesbank"
Wir könnten jetzt natürlich anfangen darüber zu diskutieren wer hier wie regiert. Sind es alles gewählte Politiker? Welchen Einfluss haben die Banken auf das Regierunggeschäft? Oder ziehen nicht tatsächlich Banker im Hintergrund einige Fäden?

Dann darf ich mir manchmal aus gewissen elitären Bankerkreisen anhören, dass das größte Problem ist dass wir in der Bundesregierung niemanden mit Sachverstand haben. Also frei übersetzt niemanden der so tickt wie sie.

Zitat:
Die Abschaffung der gedeckten Wärung (Golddeckung) wurde nach meinem Wissen durchgeführt mit der Begründung, den Markt besser und schneller kapitalisieren zu können und so das Wirtschaftswachstum schneller in Gang zu bringen und zu halten

Mit welcher Begründung etwas durchgeführt wird ist mir vollkommen egal, mich interessiert mehr warum etwas geschieht. Und die Frage auf das Warum ist sehr einfach zu beantworten. Ich kann die Geldmenge nur dann beliebig zu meinem Vorteil vermehren wenn ich sie nicht an ein begrenztes Gut koppele und einen staren Wechselkurs vorgeben. Wenn ich aber mehr ausgeben will als ich besitze muss ich mir was einfallen lassen. Im Mittelalter geschah das indem der Silberanteil in den Münzen reduziert wurde, in der Weimarer Republik wurde die Notenpresse bemüht, heute ist man da schon einen Schritt weiter.

Zitat:
@Rollmops: Der Euro ist kein Geld, sondern FIAT-Geld und der Euro IST KREDIT! Das "Geld" das die Zentralbank druck ist das sogn. FIAT-Geld, oder Währung.

Ach sei doch nicht so kleinlich mit Definitionen. Im Endeffekt ist auch Gold nur deshalb Geld weil Menschen daran glauben. Wir könnten genausogut mit Muscheln handeln. Es gab sogar schon mal eine Zeit da hast Du für Muscheln Lebensmittel tauschen können. Ob Du in der Zeit allerdings mit Goldmünzen weitgekommen wärst ist fraglich. Im Endeffekt ist das Geld, was wir als Geld definieren und was von der Mehrheit als Geld akzeptiert wird. Der Unterschied zwischen dem sogenannten Fiat-Geld und Gold ist doch vor allem der, dass das Vertrauen in Gold sehr viel mehr Bestand hat als das in Papier. Was daran liegt dass es sich nicht beliebig vermehren lässt, es schöner aussieht, seit Jahrtausenden schon als Wertspeicher anerkannt wurde ...

[/quote]
vom: 09.12.2011, 20:35
Ladon Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Der Rollmops sagt da ein paar sehr wichtige Dinge, von denen ich eines nochmal ganz deutlich herausgreifen will:

Inflationäre Tendenzen gab es auch früher schon, als Geld "gedeckt" war. Eben WEIL die Geldmenge direkt mit einem Gut verknüpft ist, kann ein Zufluss des Gutes (Raub, neue Quellen, oder schrumpfende Volkswirtschaft (!)) genau dazu führen - oder umgekehrt ein Abfluss zur Deflation. Als die US-amerikanischen Geldgeber ihre (enormen) Kredite an das trotz allem boomende Nachkriegsdeutschland Ende der 1920er, Anfang der 1930er abzogen, kam es genau dazu.
Man darf nicht so tun, als sei Inflation oder allgemeine Preissteigerung ein Novum seit 1971. Auch in der guten alten Zeit zwischen 1871 und 1900 gab es im Deutschen Reich eine durchschnittliche Preissteigerungsrate von etwa 1% jährlich! Bei recht extremen "Ausschlägen" - insgesamt eine Zeit, die keineswegs nur eitel Freud' und Sonnenschein war. Wirtschaftlich gesehen.
Wie stetig wachsende Volkswirtschaften mit "gedeckter" Währung funktionieren sollen, bleibt auch offen (irgendwoher muss das Zeug ja kommen ... es ist kein Zufall dass wir hier von der Zeit des Kolonialismus reden ...)
Und ganz prinzipiell muss immer wieder betont werden, dass der sog. klassische Goldstandard schon längst ein nur "gebremstes" FIAT-System war, denn die Geldmenge war ausschließlich von einem "Gesetz" abhängig - nämlich der Vorschrift für den "Deckungssatz".
Aber jetzt bin ich endgültig "off topic" Wink
Auch die Zentralbankwesen-Frage möchte ich deswegen hier nicht weiter verfolgen. Gerne ein eigener Thread dazu!
_________________
When the Four Horsemen galloped, a stock of gold pieces, cunningly concealed or surreptitiously carried, has often meant the difference between living and dying.

Roy W Jastram (The Golden Constant; 2009; ISBN: 978-1-84720-261-1)
vom: 10.12.2011, 00:45
firlefanz Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Ladon hat Folgendes geschrieben:

Aber jetzt bin ich endgültig "off topic" Wink


Das scheint ein generelles Problem in der Diskussion. Ich fand es gar nicht so OT, nur wo sind da die Grenzen?
Der Eine sieht dieses als OT an, ein Anderer noch lange nicht.

Solch komplexen Zusammenhänge sind wohl nicht, oder nur schwer als immer korrekt On-Topic zu beurteilen.

Daher fühle ich mich hier oft eher schwer verunsichert, was man wo schreiben darf/soll ohne als OT beurteilt zu werden.
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