China stützt Spanien mit Anleihenkauf

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

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Beitrag 07.01.2011, 11:54

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michasi
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China will einem Medienbericht zufolge spanische Staatsanleihen im Wert von rund sechs Milliarden Euro kaufen. Dies habe Vize-Ministerpräsident Li Keqiang bei seinem Besuch in Spanien zugesagt, berichtete die Zeitung "El Pais" unter Berufung auf Regierungskreise. China sei bereit, so viele spanische Staatspapiere zu kaufen wie es an portugiesischen und griechischen Anleihen zusammen hält. Dies laufe auf eine Summe von sechs Milliarden Euro hinaus. Li selbst hatte jüngst angekündigt, China habe Vertrauen in den spanischen Finanzmarkt und werde deshalb seine Käufe von Staatsanleihen fortsetzen. Die Volksrepublik verstehe sich als verantwortungsbewusster, langfristiger Investor, hatte Li in einem Gastbeitrag für "El Pais" betont. Die chinesische Regierung hatte angekündigt, die Euro-Zone bei der Überwindung der Schuldenkrise zu unterstützen. Im Zuge dessen hatte China bereits Anfang Oktober zugesagt, griechische Staatsanleihen im Zuge einer "strategischen Kooperation" zu kaufen. Zudem soll das Land Drehscheibe für chinesische Exporte nach Südosteuropa werden. Portugal wurde ebenfalls mit dem Kauf von Staatsanleihen unterstützt. Und auch Ungarn hofft auf chinesische Hilfe.China habe seine Bestände an europäischen Staatsanleihen erhöht, darunter auch spanische Schuldtitel, teilte auch das Handelsministerium in Peking mit. China sei zuversichtlich, dass die europäischen Länder wie Spanien ihre Krise überwinden werden. Das hoch verschuldete Spanien rückt zunehmend in den Fokus der Finanzmärkte. Dort gibt es Befürchtungen, dass das Mittelmeerland wie Irland auf die Hilfen des EU-Rettungsschirms zurückgreifen muss.

Wo führt das hin??

Beitrag 07.01.2011, 12:06

Saint251
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Zum jetzigen Zeitpunkt kann China kein Interesse an einem Einbrechen des Euro haben. Je länger das aktuelle Spiel läuft, um so besser für die aufstrebende Volkswirtschaften. Die werden stärker, wir schwächer. So können wir weiter Technologie-, Know-how- und Produktionstransfer durchführen, bis wir am Ende nur noch die tollen Dienstleistungen machen. smilie_10

Je später wir aufwachen, umso größer der Fall. Wenn uns die Chinesen jetzt helfen, dann sicher nicht uneigennützig.

Grüße,

Saint251
"How many good men are there per hundred, in the world? Allowing for differences in circumstances, condition and background, I should say perhaps one." Jeff Cooper

Beitrag 07.01.2011, 12:08

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michasi
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Wenn uns die Chinesen jetzt helfen, dann sicher nicht uneigennützig.
Davon bin ich zu keiner Sekunde ausgegangen.

Gruss

Beitrag 07.01.2011, 13:49

Fin
michasi hat geschrieben:
Wenn uns die Chinesen jetzt helfen, dann sicher nicht uneigennützig.
Davon bin ich zu keiner Sekunde ausgegangen.

Gruss
Höre ich hier etwa Ausländerfeindlichkeiten??? smilie_11

Ein Geschäft sollte immer beide Seiten glücklich machen und im Ernst, ich finde dies interessant. Es zeigt uns nämlich, daß China den Euro nicht schlechter sieht als den USD. Bernanke kann sich darüber nicht freuen, Trichet schon. Zudem mag es bedeuten, daß China Europa als solches will. Also ein Gegengewicht zu USA erhalten helfen will.
Nein ich bin nicht naiv, na klar wägt jeder seine Interessen ab - aber Geschäft ist Geschäft.

Euroland fährt Sparsamkeiten, USA lebt weiter den Keynes.
Aber welch ein Reichsparteitag wäre es den US-Machern den Euro platzen zu sehen? China stützt nun. Die Anleihen kann jeder kaufen - der Markt steht jedem offen. China setzt ein Zeichen und ich würde sagen: Danke!
Jedenfalls dann, wenn der Euro überleben soll. Wenn Ihr beide dies nicht wollt, tja dann bleibt nur die Hoffnung, daß die Sparbemühungen nichts bringen werden und dies nur eine Vertagung des Problems sein wird. Ich würde mir aber ein Überleben wünschen.
China hätte auch sagen können, daß sie nur deutsche Anleihen kaufen und Axel Weber hätte dann die südlichen kaufen können. Das tun sie nicht.
Ganz im Gegenteil, sie reisen in diese Länder und kaufen dann wirklich - mich beeindruckt das. Das hat was von der Feuerwehr!
Grad sehe ich den Euro bei 1,2968 - man geht das zügig nach Süden. Deswegen investierte ich lieber nach Asien. Umso mehr danke ich es den Chinesen.

Beitrag 07.01.2011, 13:52

silverlion
Fin hat geschrieben:China hätte auch sagen können, daß sie nur deutsche Anleihen kaufen und Axel Weber hätte dann die südlichen kaufen können.
Die Chinesen kaufen nur, weil die Südanleihen von Deutschland garantiert werden.
Die Renditen sind aber besser.

Beitrag 07.01.2011, 13:57

Fin
silverlion hat geschrieben:
Fin hat geschrieben:China hätte auch sagen können, daß sie nur deutsche Anleihen kaufen und Axel Weber hätte dann die südlichen kaufen können.
Die Chinesen kaufen nur, weil die Südanleihen von Deutschland garantiert werden.
Die Renditen sind aber besser.
Platzt der Euro, dann platzen auch die Garantien.
Wäre dem nicht so, dann würden die Griechen und Co nicht bei 8-12% und die Deutschen bei 2-3% stehen. Der Spread wäre viel enger.

Beitrag 07.01.2011, 14:01

silverlion
Dann bringen deutsche Euroanleihen aber auch nichts.
Die Chinesen wissen aber, dass Deutschland bis zum "Endsieg"
für den Euro aufkommt. Danach ist sowieso Ende Gelände.
Vielleicht kauft China ja auch offiziell und gibt den Schrott
dann hintenrum der EZB, alles nur eine grosse Show?

Beitrag 07.01.2011, 14:16

Fin
silverlion hat geschrieben:Dann bringen deutsche Euroanleihen aber auch nichts.
Die Chinesen wissen aber, dass Deutschland bis zum "Endsieg"
für den Euro aufkommt. Danach ist sowieso Ende Gelände.
Vielleicht kauft China ja auch offiziell und gibt den Schrott
dann hintenrum der EZB, alles nur eine grosse Show?
Das ist eben auch ein Politisches Zeichen. Womöglich ein typ. asiatisches gesichtswahrendes Zeichen gegen USA. Nein, an das hintenrum glaube ich nicht.

Beitrag 07.01.2011, 15:47

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Willi Tell
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Saint251 hat geschrieben:Wenn uns die Chinesen jetzt helfen, dann sicher nicht uneigennützig.
schon klar dass der Euro nicht abstürzen darf weil sonst die Europäer sich den hochwertigen, chinesischen Plunder nicht mehr leisten kann und das die Arbeitslosigkeit in China anheizen würde.

Aber das ist sicher nicht der einzige Grund. China hat die einmalige Gelegenheit, eine Abhängigkeit zu schaffen und so in eine ganz andere weltwirtschaftliche und politische Liga aufzusteigen. Südostasien ist im grossen und ganzen schon abhängig, wenn dann noch ein paar hundert Mio. Europäer hinzukommen dann sieht das schon ganz anders aus.
uǝɥɔnɐɹqǝƃ ʇnƃ ɥɔnɐ s’uuɐʞ 'ɹɥǝs ɥɔı qǝıl ɹǝqlıs pun ploƃ

Beitrag 07.01.2011, 16:08

Goldengel
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Willi Tell hat geschrieben:
Saint251 hat geschrieben:Wenn uns die Chinesen jetzt helfen, dann sicher nicht uneigennützig.
schon klar dass der Euro nicht abstürzen darf weil sonst die Europäer sich den hochwertigen, chinesischen Plunder nicht mehr leisten kann und das die Arbeitslosigkeit in China anheizen würde.

Aber das ist sicher nicht der einzige Grund. China hat die einmalige Gelegenheit, eine Abhängigkeit zu schaffen und so in eine ganz andere weltwirtschaftliche und politische Liga aufzusteigen. Südostasien ist im grossen und ganzen schon abhängig, wenn dann noch ein paar hundert Mio. Europäer hinzukommen dann sieht das schon ganz anders aus.
Da bin ich ganz Eurer Meinung.
Europas Schwäche ist für China eine gute Gelegenheit sich einzukaufen.
Man schaue sich nur mal Chinas Afrikapolitik an und wie die tollen chinesischen Hilfen Afrikas Wirtschaft unterstützen...
Also ich sehe das auch eher skeptisch.

Nur mal so ne Frage am Rand: Weiß einer von Euch, ob wir (Deutschland) noch Entwicklungshilfe an China zahlen?
smilie_08

Beitrag 07.01.2011, 16:13

Fin
Goldengel hat geschrieben:
Da bin ich ganz Eurer Meinung.
Europas Schwäche ist für China eine gute Gelegenheit sich einzukaufen.
Man schaue sich nur mal Chinas Afrikapolitik an und wie die tollen chinesischen Hilfen Afrikas Wirtschaft unterstützen...
Also ich sehe das auch eher skeptisch.

Nur mal so ne Frage am Rand: Weiß einer von Euch, ob wir (Deutschland) noch Entwicklungshilfe an China zahlen?
smilie_08
Einkaufen wäre, wenn sie Aktien von BASF oder RWE kaufen würden. SCHULDEN sind kein EINKAUFEN sondern ein BEISTEHEN.
Aus welchen Gründen auch immer...

Beitrag 07.01.2011, 19:41

Spongebob
Hallo Fin,
wenn Du die Schulden von jemandem übernimmst, bringst Du ihn in Abhängigkeit Dir gegenüber.

Wer glaubt, dass die Chinesen die heiligen Samariter sind und uns helfen wollen, derjenige hat wirklich einen sehr naiven Verstand.

Beitrag 07.01.2011, 19:47

silverlion
Der Chinese denkt an China, der Deutsche (Politiker) an Europa,
und alle v.a. an ihren Elitenstatus-Machterhalt.

Beitrag 07.01.2011, 19:57

Spongebob
silverlion hat geschrieben:Der Chinese denkt an China, der Deutsche (Politiker) an Europa,
und alle v.a. an ihren Elitenstatus-Machterhalt.
Der deutsche Politiker denkt bis zur nächsten Wiederwahl, weiter nicht.
Deshalb rasseln wir so rasant in die Schuldenfalle.

Beitrag 07.01.2011, 20:00

MapleHF
... auch das klappt nicht immer, wie wir wohl bei den anstehenden Landtagswahlen sehen werden.

MapleHF

Beitrag 07.01.2011, 20:04

silverlion
...wo wir vom Regen in die Traufe rasseln werden

Beitrag 07.01.2011, 20:05

Spongebob
Politiker geben ihren Wählern Geschenke.
Schöne neue Parks, neue Brücken, irgendetwas was sie unsterblich macht und die Bürger glücklich. Wie und wer das dann im Endeffekt bezahlt oder bezahlen wird, kommt dann später raus und wie immer, 150% teurer als veranschlagt.

Beitrag 07.01.2011, 20:12

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Silbermöwe
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Spongebob hat geschrieben:Hallo Fin,
wenn Du die Schulden von jemandem übernimmst, bringst Du ihn in Abhängigkeit Dir gegenüber.

Wer glaubt, dass die Chinesen die heiligen Samariter sind und uns helfen wollen, derjenige hat wirklich einen sehr naiven Verstand.

... da gebe ich dir Recht, die machen das aus Berechnung und nicht aus Christlicher Nächstenliebe!


@Goldengel

Entwicklungshilfe für China:
Die sind zwar offiziell eingestell, aber .... Die große Zeitung aus Frankfurt hat da mal was geschrieben!
Horrido & Weidmanns Heil Silbermöwe

Beitrag 07.01.2011, 21:05

Saint251
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China setzt ein Zeichen und ich würde sagen: Danke!
Jedenfalls dann, wenn der Euro überleben soll. Wenn Ihr beide dies nicht wollt, tja dann bleibt nur die Hoffnung, daß die Sparbemühungen nichts bringen werden und dies nur eine Vertagung des Problems sein wird. Ich würde mir aber ein Überleben wünschen.
Der Euro überlebt nicht, zumindest nicht in seiner jetzigen Form. Das er auseinander bricht, ist ein Szenario. Wahrscheinlicher ist, dass er deutlich abwerten muss.

Hier kommen die Interessen der Chinesen und anderer aufstrebender Volkswirtschaften ins Spiel. Das bedeutet umgekehrt, dass ihre Währungen aufwerten müssen. Dadurch kommen sie billiger an Rohstoffe, bringt aber nicht wirklich was bei all den Dollar und Euroüberschüssen die sie erwirtschaften. Der grosse Nachteil ist, dass sie nicht mehr so viel exportieren können, mit katastrophalen Folgen auf die wirtschaftliche Situation in China, einen richtigen Binnenmarkt der das Kompensieren kann gibt es dort bisher kaum.

Gleichzeitig brechen die Investitionen in China deutlich ein. Die Transfers des Westens verlangsamen sich deutlich. In diesem Szenario ist der wirtschaftliche Aufschwung Chinas stark gefährdet. Damit deren Spiel weiter aufgeht MÜSSEN wir vergleichsweise stark bleiben, zumindest so lange, bis sie eine funktionierenden asiatischen Wirtschaftsraum haben, der unser Wegbrechen kompensieren kann.

Fazit aus meiner Sicht daher: je eher wir über die Wupper gehen und endlich mit den ganzen Sozialtransfers, der ausufernden Bürokratie, dem Einklagen von Rechten, ... aufhören, umso besser. Wir müssen endlich wieder leistungsfähig werden und wir müssen aufhören Produktion und Know-how für den schnellen Euro ins Ausland zu schaffen. Das geht nur über eine echte Krise, ansonsten ist unser System nicht mehr reformfähig. Traurig aber war, wir müssen erst am Abgrund stehen, ehe unsere Gesellschaften wieder umsteuern.

Grüsse,

Saint251
"How many good men are there per hundred, in the world? Allowing for differences in circumstances, condition and background, I should say perhaps one." Jeff Cooper

Beitrag 08.01.2011, 02:11

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Unzenjäger
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Registriert: 28.11.2010, 22:03
Zitat Saint251:
Gleichzeitig brechen die Investitionen in China deutlich ein. Die Transfers des Westens verlangsamen sich deutlich. In diesem Szenario ist der wirtschaftliche Aufschwung Chinas stark gefährdet. Damit deren Spiel weiter aufgeht MÜSSEN wir vergleichsweise stark bleiben, zumindest so lange, bis sie eine funktionierenden asiatischen Wirtschaftsraum haben, der unser Wegbrechen kompensieren kann.

So sehe ich das aber auch:
Europa muss weiter zahlungsfähig bleiben, damit die Chinesen weiterhin ihren Billigramsch an uns verkaufen können.
Sonst bricht denen ihr schönes Wirtschaftswachstum nämlich schneller zusammen, wie sie denken können (siehe Bankenkrise 2008). smilie_02
“Gold ist Geld - alles andere ist Kredit”! (J.P. Morgan 1837-1913)

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