Gold und andere Mythen

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

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Beitrag 26.11.2016, 14:35

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Zombie
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Hier ein interessanter Artikel von Dietrich Thielenhaus, welcher auf dem Banken Portal Inside Paradeplatz erschienen ist:

https://insideparadeplatz.ch/2016/11/25 ... re-mythen/
Der spätere FED-Präsident Alan Greenspan hat bereits 1966 in seinem Aufsatz „Gold and Economic Freedom“ festgestellt: „Die Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates macht es erforderlich, dass es für Vermögensbesitzer keine Möglichkeit gibt, sich zu schützen.

„Dies ist das schäbige Geheimnis, das hinter der Verteufelung des Goldes durch die Vertreter des Wohlfahrtsstaates steht. Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die „versteckte“ Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es beschützt Eigentumsrechte. Wenn man das einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer zu verstehen, warum die Befürworter des Wohlfahrtsstaates gegen den Goldstandard sind.“

Kein anderes Volk hortet – pro Kopf gerechnet – so viel Gold wie die Deutschen. Mit fast 8’700 Tonnen hat der Besitz deutscher Privatpersonen einen neuen Höchststand erreicht. Damit macht das private Gold etwa das 2,5-fache des von der Bundesbank gehaltenen Volumens aus. Allein seit 2014 haben die Bundesbürger ihre persönlichen Goldreserven um 500 Tonnen ausgebaut, obwohl sich die meisten deutschen Banken – wie aktuell die UBS in der Schweiz – stillschweigend aus dem Goldgeschäft verabschiedet haben.

Warum aber steigen immer mehr Banken aus diesem margen- und provisionsträchtigen Geschäft aus? Offiziell sind keine einigermassen plausiblen Verlautbarungen bekannt. Grund genug also, der Sache im Wege einer Insider-Befragung auf den Grund zu gehen.

Kontaktiert wurden dabei persönlich bekannte und vertrauenswürdige Banker mit langjähriger Berufserfahrung auf Leitungsebene. Die offenen Antworten erfolgten vor dem Hintergrund der Zusage absoluter Vertraulichkeit, also der strikten Wahrung des Informantenschutzes. Im Wesentlichen haben sich vier Erklärungsansätze ergeben, die nachfolgend als Zitate zusammengefasst sind:

„Die meist langfristige Goldanlage entzieht der Vermögensverwaltung Potenzial zur gewinnträchtigen Umschichtung und Neuanlage. Dafür nehmen wir den Verzicht auf die an sich attraktiven Handelsspannen beim Goldverkauf als kleineres Übel in Kauf.“

„Im Ernstfall eines wirklichen Crashs mit anschliessender Währungsreform würde der private Goldbesitz ohnehin verboten. Davor wollen wir die Kunden schützen.“

„Der Goldmarkt wird offensichtlich mehr denn je von den Notenbanken und Regierungen weltweit gesteuert und manipuliert. Man will die Bürger durch ständige unerwartete Irritationen vom Kauf abschrecken.“

„Der Goldverkauf an private Kunden ist politisch unerwünscht, weil er dem Trend zur Totalkontrolle (Ziel: Bargeldabschaffung) im Wege steht.“

Vermutlich lassen sich die deutschen und schweizerischen Banken hier von einer Mixtur der unterschiedlichen Argumente leiten, die allesamt zumindest einen wahren Kern haben. Für die Freunde des gelben Edelmetalls dürfte vor allem ernüchternd sein, dass die Safe-Haven-Theorie wegen des konfiskatorischen Risikos brüchig erscheint. Die jüngere Geschichte kennt mehrere Beispiele für staatliche Verbote des privaten Goldbesitzes, für Beschlagnahmen und Zwangsabfindungen.

Dass der Goldmarkt vielfältigen Manipulationen unterliegt, haben nicht zuletzt die Sanktionen gegen einige am Preis-Fixing beteiligte Grossbanken bewiesen. Noch „effektiver“ sind die heimlichen konzertierten Eingriffe der Notenbanken, die das Vertrauen in Gold als letzte Instanz mit verdeckten Methoden systematisch untergraben.

Als Alarmsignal ist der offenbar supranational hinter den Kulissen formulierte politische Wille anzusehen, das bargeldlose Zeitalter in nicht allzu ferner Zukunft einzuläuten. Dabei ist die private Verfügbarkeit klassischer Wertaufbewahrungsmedien wie Gold offensichtlich unerwünscht. George Bernhard Shaw hat nahezu seherisch angemerkt: „Sie haben die Wahl zwischen der natürlichen Stabilität des Goldes und der Ehrlichkeit und Intelligenz der Politiker. Und mit allem Respekt vor diesen Herren rate ich Ihnen, das Gold zu wählen.“

Man will – nicht nur aus den vorgeschützten Gründen der Bekämpfung von Terror, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit – die totale Transparenz und Kontrolle über die dann zumindest teilweise entmündigten Bürger. Damit würde George Orwells dystopischer Roman „1984“ mit Verspätung düstere Wirklichkeit.

Was bleibt also? Angesichts der wachsenden politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen dürfte die globale Verunsicherung von Investoren und Anlegern weiter zunehmen. Neue Konzepte zur wirksamen Bekämpfung der Schuldenkrise sind ebenso wenig erkennbar wie die Einsicht der Regierungen, dass sich ökonomische Probleme nicht durch Vertagung lösen lassen. Die Droge des billigen Fiat-Geldes bestimmt weiter das Geschehen.

Die Rahmenbedingungen sprechen daher – trotz der zitierten Bedenken und Risiken – für ein Edelmetall-Engagement als unverzichtbaren Bestandteil der langfristigen Vermögenssicherung. Ob man Oswald Grübels 30 Prozent-Empfehlung folgt, hängt von der subjektiven Gefährdungsanalyse ab. Nicht ohne Grund hat Goethe seine Erkenntnis „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“ ergänzt durch den Zusatz „Ach wir Armen!“

Beitrag 26.11.2016, 15:19

Thomasio
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Ich versuch mich mal an ein paar Kommentaren.
Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die „versteckte“ Enteignung von Vermögen.
Staatsverschuldung entsteht, wenn ein Staat weniger Steuern einnimmt als er an staatlichen Aufgaben finanzieren muss.
Grundsätzlich hat jeder Staat immer die Möglichkeit seine Strassen und Schulen aus Steuereinnahmen oder aus Schulden zu finanzieren.
Gewählt werden in der Demokratie die Parteien, die möglichst wenig Steuern erheben, ergo wählt das Volk in der Demokratie ganz eingennützig immer die Partei, die die meisten Staatsschulden macht.
Ist das Geld einmal im Besitz derer, die beim Verdienen dieses Geldes weniger Steuern bezahlt haben als nötig, wird es für den Staat ungleich schwerer das fehlende Geld nachträglich (via Vermögenssteuer oder so) einzutreiben, weil dann die Reichen ihr gespartes Geld dazu nutzen in den Medien Propaganda gegen die vermeintliche "Enteignung" zu machen.
Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es beschützt Eigentumsrechte. Wenn man das einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer zu verstehen, warum die Befürworter des Wohlfahrtsstaates gegen den Goldstandard sind.
Einen Goldstandard kann es im Kapitalismus nicht geben, weil die Menge produzierter Güter schneller wächst als die Menge existierendes Gold.
Obendrauf führt das Sparen zu ständig schrumpfender Goldmenge im Umlauf.
Dadurch würde unter einem Goldstandard permanente Deflation herrschen, was zum völligen Kollaps aller Investitionen führen würde, weil kein Investor sein Gold in die Industrie investiert, solange das Gold im Tresor von alleine wertvoller wird.
Warum aber steigen immer mehr Banken aus diesem margen- und provisionsträchtigen Geschäft aus? Offiziell sind keine einigermassen plausiblen Verlautbarungen bekannt.
Weil die Händlerspanne beim An- und Verkauf viel zu klein ist um für die angestrebten Renditen der Banken attraktiv zu sein.
Goldshops wie Pro Aurum oder Degussa brauchen keine gigantischen Gebäude in den Zentren der grössten Städte und haben keine Vorstände, die zig Millionen verdienen, haben dadurch deutlich niedrigere Betriebskosten und können von den kleinen Händlerspannen leben.
„Die meist langfristige Goldanlage entzieht der Vermögensverwaltung Potenzial zur gewinnträchtigen Umschichtung und Neuanlage. Dafür nehmen wir den Verzicht auf die an sich attraktiven Handelsspannen beim Goldverkauf als kleineres Übel in Kauf.“
In deutsch: Wir können mit anderen Anlageformen mehr Geld verdienen als mit Gold.
„Im Ernstfall eines wirklichen Crashs mit anschliessender Währungsreform würde der private Goldbesitz ohnehin verboten. Davor wollen wir die Kunden schützen.“
Dazu könnte ich nu seitenlang kommentieren, aber effektiv ist das eine derartig vollkommen absurde Behauptung, dass ich gar nicht erst anfange.
„Der Goldmarkt wird offensichtlich mehr denn je von den Notenbanken und Regierungen weltweit gesteuert und manipuliert. Man will die Bürger durch ständige unerwartete Irritationen vom Kauf abschrecken.“

„Der Goldverkauf an private Kunden ist politisch unerwünscht, weil er dem Trend zur Totalkontrolle (Ziel: Bargeldabschaffung) im Wege steht.“
Gehts noch?
Die Regierungen wollen verhindern, dass die Bürger Gold kaufen und das beste Mittel dagegen ist, wenn die Banken es gar nicht anbieten?
Neue Konzepte zur wirksamen Bekämpfung der Schuldenkrise .....
Wie wäre es mit Parteien wählen, die genug Steuern erheben, von denen die das Geld tatsächlich haben, bzw. verdienen, um nötige Staatsausgaben auch bezahlen zu können?
Den Normalverbrauchern die Steuern zu erhöhen führt zu weiter sinkender Nachfrage nach Konsumgütern, weiterem Rückgang des Binnenmarkts und am Ende zu weniger Steuereinnahmen.
Wie wärs mit MwSt. abschaffen und 19% Transaktionssteuer auf Aktienhandel?
Da wäre auch auf dem Papiergold-Markt sofort Ruhe mit den Manipulationen.
Aber nein, da kommt jede Regierung mit der Ausrede, dass sie das nicht machen können, weil andere Staaten das auch nicht machen.
Sich mal zusammensetzen und das überall gleichzeitig einzuführen ist undenkbar.
Merkwürdigerweise ist eine MwSt. auf Silber aber sehr wohl machbar.
Freihandel für ganze Kontinente aushandeln, gar kein Problem, aber Steuern auf Aktienhandel sind unmöglich.

Beitrag 27.11.2016, 05:42

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Ladon
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Gute Güte:
Was ist denn dieser Thielenhaus für ein lustiger Wicht?

Ich denke, dass zumindest die langjährigen User sich daran erinnern, dass wir es gelegentlich schon mit dem Goldstandard - vor allem aber mit dem KONKRETEN, historischen Goldstandard hatten, der nun alles andere als ein "gerechtes", erstrebenswertes Geldsystem darstellt.

Weiterer Kommentare enthalte ich mich (auch weil es einen oder zwei Punkte gibt, wo man dem Vorredner widersprechen oder doch zumindest relativieren müsste.

Ach nein, weil in dem Artikel der Kobold Greenspan (dem größten Blender den man sich denken kann= mit einem seiner wohlfeilen Goldsprüche zitiert wird, füge ich ein anderes Zitat Greenspans an.
Eines, bei dem deutlich wird, was der wirklich wollte:

Ein freies, auf Gold gegründetes Banksystem ist in der Lage, Kredit zu gewähren und so Banknoten (Währung) und Guthaben zu schöpfen, entsprechend der Produktionserfordernisse der Wirtschaft. Individuelle Goldbesitzer werden durch Zinszahlungen dazu gebracht, ihr Gold in einer Bank einzulegen, worauf sie Schecks ziehen können. Und da in den seltensten Fällen alle Einleger ihr Gold zur gleichen Zeit abziehen wollen, muss der Bankier nur einen Teil der gesamten Einlage in Gold als Reserve vorhalten. Dies ermöglicht es dem Banker, mehr als seine Goldanlagen auszuleihen
Allan Greenspan (Gold und wirtschaftliche Freiheit)

Viel Spaß mit Greenspan und seinen Freunden, die uns Goldbesitzern offensichtlich nur das beste wollen. Es ist nun mal bei der Bank am besten aufgehoben, das Metall. Seht das doch endlich ein.
Höflichkeit ist keine Schwäche - Empathie ist keine Dummheit - Moral ist nicht moralinsauer

Beitrag 27.11.2016, 10:00

rapi
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.... der Greenspan hatte aber eine gute Rhetorik. Alle Achtung , Das ist ein Fischer ganz wie der Petrus. War das nicht am See Genezareth ?
Was man hat das hat man.
Freundliche Grüße

Beitrag 27.11.2016, 10:25

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Indiana Jones
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Registriert: 12.10.2016, 17:33
Vermehrung bzw. Expansion des Vermögens. Das ist letztendlich das, was fast jeder anstrebt. Deshalb können die Meisten mit Gold nichts anfangen. Hat man z. B. 1 kg Gold gekauft wird es einfach nicht mehr. Die Gier hält also die Menschen vom Goldkauf ab.


Anmerkung zum Moderator Ladon:

Hier im Forum werde ich seit Jahr und Tag von dem Forums Moderator Namens Ladon belästigt und wurde sogar willkürlich gesperrt. Trotz meiner sachlicher posts werde ich von diesem Mann als "Schnarch" "0 Beitrag" oder "Besserwisser" beschimpft. Dort einige Scrrenshots zu den Beleidigungen.

[img]https://forum.gold.de/userpix/8312_schn ... on_2_1.jpg[/img]
[img]https://forum.gold.de/userpix/8312_b_la ... lend_1.jpg[/img]
[img]https://forum.gold.de/userpix/8312_b_la ... itik_1.jpg[/img]
[img]https://forum.gold.de/userpix/8312_b_la ... lend_2.jpg[/img]

PS.: Meine Fotos von wirklich schönen Münzen habe ich deswegen gelöscht:
Bild
Zuletzt geändert von Indiana Jones am 19.02.2018, 18:25, insgesamt 1-mal geändert.

Beitrag 28.11.2016, 13:15

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VfL Bochum 1848
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Indien: Regierung erwägt angeblich Einschränkung des Goldbesitzes

In Indien verbreitet sich das Gerücht, die Regierung erwäge Maßnahmen, den privaten Goldbesitz einzuschränken. Nur eine Drohgebärde oder realistisches Szenario?

http://www.goldreporter.de/indien-regie ... old/62308/
VfL Bochum? -Find ich gut!

Beitrag 28.11.2016, 14:05

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lifesgood
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Das können die meines Erachtens nicht durchsetzen. Entweder das Volk revoltiert oder es blüht der Schwarzmarkt mit Gold.

lifesgood

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