Geldpolitik - Zukunftsszenarien

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

Moderatoren: Ladon, Forum-Team

Beitrag 16.01.2011, 12:45

Saint251
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Hallo Zusammen,

ich habe dein Interview mit dem Schweizer Ökonom Hans Christoph Binswanger im Handelsblatt gefunden. Hier der Link: http://www.handelsblatt.com/finanzen/an ... ;2727787;0
Ich fürchte schlicht, dass es noch ein, zwei Krisen braucht, bis wir erkannt haben, dass wir auf ernste Probleme zusteuern.

...

Weil unsere Abhängigkeit vom Geld weiter wächst. Wir sind wie ein Alkoholkranker. Der bekommt qualvolle Entzugserscheinungen, wenn man ihm den Alkohol entzieht. Würden die Zentralbanken die Zinsen stark erhöhen und die Geldschöpfung plötzlich bremsen, würde es uns ähnlich ergehen. Das System würde kollabieren. Deshalb sieht sich die Zentralbank gezwungen, immer mehr Geld bereitzustellen. Das aber macht das System noch krisenanfälliger. Ein Teufelskreis. Es werden sich weitere Blasen bilden, die irgendwann platzen und großen Schaden anrichten.
Dem schliesse ich mich an. Ich denke nicht, dass unser System in den nächsten zwei bis drei Jahren zusammenbricht. Wir werden einen schleichenden Niedergang erleben. Den echten Knall wahrscheinlich erst 2015+. Es wird noch die ein oder andere Krise dazwischen geben. Habt ihre Ideen dazu?

Hier mein bevorzugtes Szenario:
Längere Phase hoher, verdeckter Inflation bei niedrigen Zinsen. Vergleichbar niedrige Steigerungen für bezahlte Arbeit, Renten und andere Sozialtransfers. Entlastung des Transferapparates durch "Steigerung der Eigenverantwortung des Individuums", aber natürlich staatlich geregelt. Dadurch wird sich der Trend des Mittelstandabbaus weiter beschleunigen. Im Sozialhilfebereich wird man verstärkt zu Sachleistungen übergehen, z.B. Essensmarken. Wir werden eine Gettoisierung erleben, die Sicherheit in Deutschland wird deutlich abnehmen - betrifft vor allem die Städte. Alternative Lebensmodelle, ausserhalb der staatlichen Leistungstransfers werden für die "Unterschicht" entstehen. Dazwischen platzt immer mal wieder eine Blase. Alles in allem geht es aber weiter und wir laufen so lange wie möglich im Hamsterrad.

Wie seht ihr die kommenden 5-10 Jahre?

Grüsse,

Saint251
"How many good men are there per hundred, in the world? Allowing for differences in circumstances, condition and background, I should say perhaps one." Jeff Cooper

Beitrag 16.01.2011, 12:59

Goldbug
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Unser Papiergeldsystem funktioniert ja nur, weil es akzeptiert wird. Ich vermute, selbst wenn die Regierungen es schaffen, jeden Crash zu vermeiden, in dem sie immer schneller immer mehr Geld in die entstehenden Löcher pumpen, das die Bevölkerung sich dann zunehmend aus dem Papiergeldsystem verabschiedet. Wenn Jemand merkt, das eine Geldsumme von der er nicht weiß wieviele Nullen sie hat scheinbar problemlos vom Staat zur Schuldendeckung und Rettung von Staaten (oder Banken) verwendet werden kann,´aber gleichzeitig kein Geld da ist um ein paar Löcher in der Strasse zu stopfen, oder Kindern in der Schule das Mittagesssen zu finanzieren - Dann wird dieser Jemand sich Gedanken machen. Die einschlägigen Medien berichten ja (sehr zu meinem Erstaunen!) schon jetzt sehr viel wahres. Und je mehr Menschen dies mitbekommen, umso mehr werden sie diese Gelddruckung der Staaten hinterfragen. Kommt es, wie von mir vermutet, zu einer starken Inflation, wird das Fass platzen und die Menschen werden dem Papiergeld nicht mehr vertrauen.

Und dann wird diese Dekade enden! Ich glaube nicht, das es nach 2012 sein wird...Die Exponentialfunktion wird scheinbar unterschätzt. Das geht jetzt ratzfatz und die Schulden haben sich verdoppelt 8) Da kann man dann nix mehr stopfen, ohne mit Summen zu arbeiten, die Niemand mehr verstehen kann. Geschweige denn, das irgendjemand glaubt das diese Schulden noch bezahlt werden können.

Beitrag 16.01.2011, 13:56

Saint251
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Der Artikel aus dem Handelsblatt passt noch gut zu den geringen Lohnsteigerungen die wir erwarten dürften.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen ... en;2732447

Die Inflation kann man beliebig schön rechnen. Hier gilt: "Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast."

@ Goldbug
Ich schätze Deine Meinung, aber ich denke wir machen es noch ein paar Jahre. Du hast recht, wir Menschen haben ein großes Problem die Exponentialfunktion zu verstehen, da sie in unserem normalen Leben sie nicht vorkommt. Andererseits ist unser Gesellschaft auch kein Sportboot, dass mal eben schnell wendet, sondern ein riesiger Supertanker und das dauert alles seine Zeit. Zumal wenn die herrschenden alles andere dem Erhalt des Status Quo unterordnen.

Grüsse,

Saint251
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Beitrag 16.01.2011, 14:23

Goldbug
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Saint251: Verfolgst du die Nachrichten? Dann hast du ja sicher mitbekommen was gerade in Tunesien passiert ist oder? Und in dem Fall hat der "Supertanker" eine Vollbremsung hingelegt. Wieso meinst du, das er das hier bei uns nicht könnte? 8)

Es braucht nur EINEN Anlass der die Menschen dazu veranlassen würde ihr Geld von der Bank abzuziehen. Wenn das passiert ist es aus! Die Regierung hat zwar schon Vorsorge getroffen, damit bei einem Bunk-Run die Banken einfach zumachen können, oder nicht mehr auszahlen müssen, aber das wird die Situation eher noch verschlimmern. Denn wenn man den Menschen das Geld das ihnen gehört verweigert, dann ist das Vertrauen auf jeden Fall sofort weg!

Es kommt auch gar nicht so sehr auf unsere Regierung an. Vielleicht geht der Kollaps ja von Japan, China oder USA aus. Beim letzten Mal war es ja auch "nur" eine Bank in USA die den Fast-Kollaps ausgelöst hat.

Bzgl. der Inflation: Man rechnet ja die Inflation schon Heute schön. Aber auch diese Täuschung klappt nicht mehr gut. Und am stärksten merkt sowas der kleine Mann. Davon haben wir aber zwischenzeitlich schon viele Millionen und Abermillionen. Ich sag nur mal: NEUN MILLIONEN AG- und HartzIV-Empfänger. Was meinst du was passiert wenn die nicht mehr satt werden? Gegen den Tsunami der dann hier kommt ist das was in Tunesien passiert ein laues Lüftchen :twisted: Die Gesamtbevölkerungszahl von Tunesien ist etwa so groß wie die Anzahl der Menschen die bei uns "Stütze" bekommen!

Beitrag 16.01.2011, 14:39

Nickel
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... ich sehe es weitgehend, wie Saint251 in seinem ersten Beitrag - würde das Szenario gern durch eine weitere "Zukunftsvision" ergänzen:

http://www.lebens-phase.de/forum/conten ... kommt-2030

... wahrscheinlich eher als 2030 eintretend...

Überhaupt... Bargeld ist eigentlich überflüssig, ich gehe davon aus, dass man die Menschen irgendwann alsbald dazu zwingt alle Zahlungen "online" und bargeldlos abzuwickeln... irgendwo hier im Forum wird ja über die Abschaffung von Teilen des Kleingeldes diskutiert...

Die Polemik meines Beitrages ist hoffentlich erkennbar - meine Begeisterung hält sich natürlich in Grenzen... und klar, wird man bei allen Änderungen die "Unterschicht" als Versuchs- und Akzeptanzkaninchen missbrauchen... der Mittelstand - sich selbst nicht betroffen sehend - wird immer wieder schier begeistert sein, dass "die da unten" nun gefälligst für die Steuergelder, die sie fürs Nichtstun beziehen, "ein Wenig" motiviert bzw. in Schach gehalten oder kontrolliert werden... die Öffnungsklauseln und Verbreitungsmöglichkeiten dann willfährig eingeführter Gesetze werden - wie immer - nicht über die Medien transportiert.

Bestes Beispiel ist der zur Zeit in den Medien behandelte "Zusatzbeitrag".... haben doch alle gelaubt, es würde ein Sozialausgleich stattfinden... wäre auch der Fall, wenn die Regierung den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für 2011 nicht mit Null angesetzt hätte...

Schon spannend... aber so lange insgesamt noch genügend Geld und gefühlte Freiheit da ist, wird es so weitergehen.

PS. die Ghettos gibt es bereits. Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit und einem weiteren halben Jahr kann jeder Mensch, der nicht mehr im regulären System Halt findet, dort landen - einfach so.

Beitrag 16.01.2011, 15:29

MapleHF
... ich persönlich glaube nach wie vor an einen schnellen, überraschenden Schnitt.

Oberste Priorität für die Politik dürfte neben dem eigenen Macht- und Privilegienerhalt, die innere Ruhe im Land haben.

Man will keine brennenden Straßen und geplünderte Geschäfte. Man will keine zusammengebrochene Wirtschaft und 20 Millionen Arbeitslose auf den Straßen.

Ich erinnere mich noch gut, als während der Griechenland-Krise zwei "Währungs-Experten" bei Stern TV zu Gast waren. Auf die Frage von Herrn Jauch, ob es denn was bringen würde, wenn Griechenland wieder zur Drachme zurückkehrt, antwortete einer der beiden Experten "Das würde nur dann etwas bringen, wenn die Griechen heute mit dem Euro ins Bett gehen und morgen früh mit der Drachme wieder aufwachen. Denn sonst würden die Griechen ja versuchen Vermögen im Ausland in Sicherheit zu bringen".

Für mich persönlich war diese Aussage ein ähnliches Initialerlebnis wie die Garantie der Sparguthaben von Frau Merkel und ich dachte so bei mir: "Hoppla wenn etwas passiert, muss es also schnell und überraschend kommen".

Denkbar wäre auch ein anderes Szenario, je nachdem wie lange man den Crash noch hinauszögern möchte. Ich könnte mir auch vorstellen, dass man mit Vermögensabgaben, Vermögenssteuern usw. versucht, das Rad noch ein wenig am Laufen zu halten. Allerdings müßte das nicht nur bei den wirklich Reichen, sondern bis weit in den Mittelstand gehen, damit es was bringt.

MapleHF

Beitrag 16.01.2011, 17:07

Querulant
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hier mal noch eine andere Zukunftsversion, die ich erst in einem anderen Faden eingestellt hatte (die Zitate sind aus diesem)
Ladon hat geschrieben:smilie_01
Der Goldbug "outet" sich als positiv gestimmter Philanthrop?
(Du weißt schon, wie ich es meine, ja?)

Im Übrigen ist Deine "Zukunftsvision" recht interessant und bedenkenswert. Vor allem, finde ich persönlich, weil Du ja praktisch deutlich machst, dass (Rück-)Besinnung durchaus nicht mit Rückschritt oder Restituierung von Gewesenem gleichzusetzen ist, sondern eventuell durchaus eine positiv zu bewertende Weiterentwicklung. Gefällt mir.

... alternative Projekte (Stichwort: Regionalgeld) im "Geldbereich" greifen immer mehr um sich .... Ich denke, in dieser Richtung könnte sich schon etwas bewegen lassen - und das hat dann wieder etwas mit der Rückbesinnung auf regionale Strukturen (von Staaten rede ich hier nicht) zu tun.
hier mal interessante Links zu diesem Thema. Das ist die Seite eines Users aus dem Nachbarforum. Vielleicht kennt der Eine oder Andere diese Seite auch schon. Ob es alles so umsetzbar wäre ist fraglich, die Idee an sich finde ich aber sehr gut.
Würde mich mal interessieren, wie Eure Meinung dazu ist.

http://emancipare.org/?page_id=73
http://emancipare.org/?page_id=167

Zitat:
"
Das emancipare-Konzept strebt den Verzicht auf Geld an - aber bis wir soweit sind, wird noch viel Zeit vergehen. Bis dahin brauchen wir Lösungen, die zwar noch auf Geld basieren, aber den Missbrauch des Konzeptes "Geld" verhindern oder erschweren."
.

Beitrag 16.01.2011, 18:10

MapleHF
... und ich habe immer gehofft, dass wir hier von Silberschatz´s wohl löblichen, aber eben vollkommen unrealistischen Ideen verschont würden ;)

So etwas ist für einen kleinen Kreis von Idealisten praktikabel, der sich aus der Zivilisation verabschiedet, aber nicht für ganze Länder oder Völker. Denn es funktioniert nur, wenn alle die mitmachen sollen auch absolut davon überzeugt sind.

Auch möchte ich persönlich nicht so leben.

Ich habe drüben die Diskussion mitverfolgt und habe den Eindruck, dass hier doch viel persönliche Freiheit an die Gemeinschaft abgegeben wird. Bzw., dass demokratisch über meine persönlichen Wünsche (z.B. rauchen, Fleisch essen) abgestimmt wird. Wenn mir das nicht paßt, bleibt nur die Möglichkeit eine Gemeinde zu suchen, wo das toleriert wird. Sorry, aber das kann es ja auch nicht sein. Da treibt man ja den Teufel mit dem Belzebub aus.

MapleHF

Beitrag 16.01.2011, 18:27

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MapleHF hat geschrieben:... und ich habe immer gehofft, dass wir hier von Silberschatz´s wohl löblichen, aber eben vollkommen unrealistischen Ideen verschont würden ;)
Unser jetziges Wirtschaftssystem sehe ich als gescheitert an. Und ich bin gegen Denkverbote und offen für ernsthafte und diskussionswürdige Ideen aus allen Richtungen.
MapleHF hat geschrieben:Auch möchte ich persönlich nicht so leben.
Könnte die Ablehnung von Veränderungen u. U. auch etwas mit dem persönlichen Lebensalter zu tun haben?

Beitrag 16.01.2011, 19:06

MapleHF
Nein lieber Datenreisender. Ich wollte doch kein Denkverbot, das war eher scherzhaft gemeint und mit einem Smiley versehen. Ich bin grundsätzlich auch für alle Ideen offen.

Hast Du die Diskussion drüben bei silber.de verfolgt? Das ist nicht realistisch. So ein System können Idealisten leben, die das für sich selbst entschieden haben. Aber so ein System kann man nicht einer ganzen Bevölkerungsgruppe überstülpen, die das nicht gewählt hat, dazu erfordert es zu viele Einschränkungen des Einzelnen.

Die Gemeinde bestimmt demokratisch, was in der Gemeinde gemacht wird. Wenn Dir das nicht gefällt, mußt Du Dir eine andere Gemeinde suchen, in der dann vermutlich wieder andere Einschränkungen gelten, die Dir ebensowenig gefallen.

Ich persönlich würde schon gerne den Wohnort nach meinen Wünschen auswählen und dort auch meine persönlichen Freiheiten geniessen. Das hat auch nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der Lebenseinstellung.

Ich habe kein Problem mit Veränderungen, aber mit dem Beschneiden von persönlichen Freiheiten, auch in unserer momentanen Gesellschaftsordnung ;)

MapleHF

Beitrag 16.01.2011, 19:13

nameschonweg
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Mein Problem mit solchen Ideen besteht grundsätzlich darin, dass ich Systeme, die wider die Natur des Menschen sind, von vorn herein für zum Scheitern verurteilt halte. Und dabei ist völlig irrelevant, wie philantrop eine solches System im Kern auch aufgebaut wäre. Das durch Evolution erlernte Verhalten (Stichwort "Genrationengedächtnis") des Mensch ist egoistisch, lediglich die Ausprägung ist individuell. Das fängt bei "mein Haus, mein Auto, mein Boot, meine Blondine" an und hört dann auf, wenn es um das letzte Schnitzel im Kollektiv geht - Prämisse: das esse lieber ich als dass ich es meinem Nachbarn gönne. Ans "teilen" denkt dann kaum noch jemand, und wenn, dann nur in der Annahme, die anderen hätten auch nicht geteilt.

Äussere Umstände bzw. die Erinnerungen daran können dieses grundlegende Verhalten durchaus für bestimmte Zeiten quasi "überschreiben", in oder nach Zeiten großer Not zum Beispiel oder wenn die Lebensumstände Kooperation zwingend erforderlich machen. Es gibt sogar wissenschaftliche Forschungen zu diesem Thema. Im Kern verfolgt jeder Mensch seine egoistischen (wertneutral gemeint) Ziele und kooperiert hauptsächlich dann, wenn er sich dadurch Vorteile (oder im Fall einer geschlossenen Gruppe ohne Alternative oder Fluchtmöglichkeit durch anderes Verhalten auch Nachteile) erwartet. Altruistisches Verhalten zeigt sich vor allem dann, wenn Überfluss vorhanden ist.

Bevor jetzt hier der Aufschrei der Empörung laut wird und man mir vielleicht eine leicht misanthopische Grundhaltung unterstellen würde, möge sich doch jeder anhand dieses einfachen Beispiels selber prüfen:

Es kommt der hier und in anderen Foren besagte Tag X einer Währungsreform - alle Nachbarn herum verlieren ihre Ersparnisse, ihren Job und können ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen, etc. In welche Richtung würde Euer erste Gedanke gehen?

a) Hey, ihr habt mich zwar alle für meine Zukunftsparanoia als EM-Spinner ausgelacht, aber wir machen eine Gemeindeversammlung und dann verteile ich mein Edelmetall an alle, die dessen bedürfen. Und zwar solange, bis alles verteilt ist.

b) Ich leiste Hilfe, wo ich kann, aber nur, soweit es meine eigene Sicherheit und Vorsorge nicht beeinträchtigt?

c) Ok, damit habe ich gerechnet, aber mich betrifft es nicht, denn ich habe ja vorgesorgt. Euch anderen habe ich es ja immer gesagt. Aber es wollte keiner auf mich hören. Jetzt schaut halt jeder bitte selber, wo er bleibt.

Und bitte - beantwortet die Frage ehrlich und nur für Euch selbst. Es geht mir nicht darum, die Menschheit schlecht zu reden, sondern mal die Realitätsnähe solcher Ideen gegen den erlernten oder genetisch programmierten Selbsterhaltungstrieb auf die Probe zu stellen. "Für eine gerechtere Welt gäbe ich mein letztes Hemd" sagt sich immer so leicht, bis die Realität die Umsetzung einfordert. Die einfachsten Ausreden sind dann immer noch "ich würde es ja tun, aber nur, wenn alle anderen es auch tuen" oder "ich alleine kann doch nichts ändern, wenn ich dies tuen würde". Wahrer Altruismus würde sich an solchen Sachen nicht stören.
Zuletzt geändert von nameschonweg am 16.01.2011, 19:32, insgesamt 2-mal geändert.

Beitrag 16.01.2011, 19:16

MapleHF
smilie_01

ich würde für b stimmen.

Beitrag 16.01.2011, 19:33

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MapleHF hat geschrieben:Nein lieber Datenreisender. Ich wollte doch kein Denkverbot, das war eher scherzhaft gemeint und mit einem Smiley versehen. Ich bin grundsätzlich auch für alle Ideen offen.

Hast Du die Diskussion drüben bei silber.de verfolgt? Das ist nicht realistisch. So ein System können Idealisten leben, die das für sich selbst entschieden haben. Aber so ein System kann man nicht einer ganzen Bevölkerungsgruppe überstülpen, die das nicht gewählt hat, dazu erfordert es zu viele Einschränkungen des Einzelnen.
Nicht dass wir uns falsch verstehen - der bei silber.de diskutierte Emancipare-Entwurf gefällt mir auch nicht. Aber ich bin dagegen, neue Ideen sofort als "nicht praktikabel" zu verteufeln, ohne dass man sich nicht zumindest einmal intensiver damit auseinandergesetzt hat.

Jedoch sehe ich den derzeit praktizierten globalen Raubtierkapitalismus als gescheitert an. Auch unsere sog. "soziale Marktwirtschaft" funktioniert nicht so wie sie soll. Trotzdem will ich jetzt nicht nach dem Gegenextrem des Kommunismus rufen (auch wenn ich persönlich die Idee von Kommunen gut finde, aber das geht nur auf freiwilliger Basis), sondern es würde doch schon reichen, wenn der Staat demokratischer und transparenter würde, wenn die Anlügerei der Bevölkerung ein Ende hätte, wenn die permanente Umverteilung von unten nach oben beendet würde, und wenn beispielsweise die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens (siehe www.grundeinkommen.tv) weiter verfolgt würde?

Beitrag 16.01.2011, 19:37

Golddeifel
Ich würde auch für b Stimmen, jedoch mit Einschränkungen.
Sollten Werte vorhanden sein, Wohneigentum, Auto, Grundstück ect. nehme ich diese als Sicherheit oder Gegenleistung an mich. Sollte nix da sein dann nur Hilfe im notwendigen Rahmen, ohne die Sicherheit oder Vorsorge meiner Familie zu gefährden.

Beitrag 16.01.2011, 19:42

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Golddeifel hat geschrieben:Sollten Werte vorhanden sein, Wohneigentum, Auto, Grundstück ect. nehme ich diese als Sicherheit oder Gegenleistung an mich.
Grundbesitz kann argumentativ natürlich leicht ausgehebelt werden.
Die Legitimität von Grundbüchern ist einfach in Frage zu stellen ... :wink:

Beitrag 16.01.2011, 19:45

Golddeifel
Auch wieder richtig.
Dann gibt's eben nüscht zu futtern.

Beitrag 16.01.2011, 19:58

Saint251
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Hallo Zusammen,

interessante Gedanken zu einer neuen Ordnung. Toller Beitrag von Dir, nameschonweg. Wie Maple nehme ich Option b). smilie_06

Mit dem Faden würde ich gerne noch etwas mehr auf die Szenarien eingehen, was, wie und wann es zu einem Umbruch kommt. Ich erhoffe mir durch Eure Sichtweisen und die Diskussion darüber, eine besser Vorstellung über das Kommende zu erhalten. Dies hilft sicher bei der Vorbereitung.
Saint251: Verfolgst du die Nachrichten? Dann hast du ja sicher mitbekommen was gerade in Tunesien passiert ist oder? Und in dem Fall hat der "Supertanker" eine Vollbremsung hingelegt. Wieso meinst du, das er das hier bei uns nicht könnte?
@Goldbug
Ich sehe die Situation in Europa/Deutschland bei weitem noch nicht so weit. Wir leben in einem anderen Kulturkreis und haben vielfach ein anderes Verständnis. Bei uns kommt es erst so weit, wenn gar nichts mehr geht. Bis dahin ist es m.E. aber noch eine Weile hin. Das kann ohne weiteres noch ein paar Jahre so weitergehen wie bisher mit einem schleichenden Niedergang. Wir sehen zwar alle deutlich, dass es so nicht weitergehen kann, aber ich denke wir sehen das zu pessimistisch. Ich halte es ja oft mit den Griechen. Dort sagte man: "Wen die Götter vernichten wollen, dem geben sie die Fähigkeit die Dinge so zu sehen wie sie sind."
Schon spannend... aber so lange insgesamt noch genügend Geld und gefühlte Freiheit da ist, wird es so weitergehen.
@ Nickel
Das unterschreib ich so.

Wenn es dann irgendwann einmal soweit ist, dass das Volk auf die Strasse geht und wir massive soziale Unruhen in mehreren Ländern der Eurozone, auch Kernländern haben, dann stimme ich mit Maple überein:
... ich persönlich glaube nach wie vor an einen schnellen, überraschenden Schnitt.
Die Frage ist, was passiert auf dem Weg dahin? Wie lange dauert es und wie viel Zeit bleibt uns noch zur Vorbereitung? Wenn der Schnitt kommt, werden dann auch Privatschulden einem Cut unterzogen oder nur Staatsschulden?

Grüsse,

Saint251
"How many good men are there per hundred, in the world? Allowing for differences in circumstances, condition and background, I should say perhaps one." Jeff Cooper

Beitrag 16.01.2011, 19:59

MapleHF
Datenreisender hat geschrieben:
Jedoch sehe ich den derzeit praktizierten globalen Raubtierkapitalismus als gescheitert an. Auch unsere sog. "soziale Marktwirtschaft" funktioniert nicht so wie sie soll. Trotzdem will ich jetzt nicht nach dem Gegenextrem des Kommunismus rufen (auch wenn ich persönlich die Idee von Kommunen gut finde, aber das geht nur auf freiwilliger Basis), sondern es würde doch schon reichen, wenn der Staat demokratischer und transparenter würde, wenn die Anlügerei der Bevölkerung ein Ende hätte, wenn die permanente Umverteilung von unten nach oben beendet würde, und wenn beispielsweise die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens (siehe www.grundeinkommen.tv) weiter verfolgt würde?
... die Idee des Grundeinkommes mutet auf den ersten Blick absurd an, wenn man sich jedoch mit der Thematik beschäftigt (habe das Video schon vor langer Zeit angesehen) wird es plausibel. Eine Idee, die mir durchaus gefällt. Voraussetzung wäre natürlich, dass dies global passiert.

Allerdings widerspricht es den Interessen der Großfinanz und wird daher zumindest nicht auf politischem Weg durchsetzbar sein.

MapleHF

Beitrag 16.01.2011, 20:08

MapleHF
Saint251 hat geschrieben:
Die Frage ist, was passiert auf dem Weg dahin? Wie lange dauert es und wie viel Zeit bleibt uns noch zur Vorbereitung? Wenn der Schnitt kommt, werden dann auch Privatschulden einem Cut unterzogen oder nur Staatsschulden?

Grüsse,

Saint251
Da der Rettungsschirm von denen, die ihn in Anspruch nehmen, ja auch rigide Sparmaßnahmen von den Ländern erfordern, wird es die Unruhen wohl in diesen Ländern geben - siehe Griechenland.

Ich hatte auch mal was über Währungsreformen gelesen. Üblich ist, dass bei einer Währungsreform Guthaben mit einem Fakto X (z.B. 1/100) in die neue Währung umgerechnet. Privatschulden, Darlehen usw. werden mit einem Faktor Y (z.B. 1/10) in die neue Währung umgerechnet.

Allen Währungsreformen gemeinsam ist wohl, dass private Darlehen nicht so stark abgewertet werden wie private Guthaben.

MapleHF

Beitrag 16.01.2011, 20:17

silverlion
...aber dafür mussten diese "Krisengewinner" 1948 dann Hypothekengewinnabgabe
oder Kreditgewinnabgabe zahlen (Lastenausgleich).

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