Mythos DM - offene Fragen

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

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Beitrag 30.01.2011, 08:45

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Ladon
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Ich möchte hier bestimmt keine "politische" Diskussion über die DM führen, aber mich interessiert, warum unsere alte Währung derart mythisch überhöht gesehen wird. Daher zum Start mal ein paar Dinge, die man seltener in diesem Zusammenhang liest, die aber schlicht unbestreitbar sind:

In den etwa 50 Jahren ihres Bestehens hat die DM gemäß offiziellen Zahlen 75% Wert verloren. Anders herum: 1DM hatte 2000 noch die Kaufkraft von 25 Pfennigen im Jahr 1950. Das ist nicht schlecht für eine FIAT Währung aber angesichts des "Resets" und des Aufbaupotenzials in den Anfangsjahren auch kein wirkliches Wunder. Und vor allem: ES IST UND BLEIBT EIN STETIGER WERTVERLUST.
Zum Vergleich: die Mark des Kaiserreichs (mit Goldkerndeckung) verlor bis Anfang des 20. Jahrhunderts seit Einführung Anfang der 1870er etwa 25% Wert. (Aber sie verlor auch stetig, was die Golddeckungs-Fanatiker gern übersehen).
"Stabil" heißt also nur, dass die DM für eine FIAT-Währung einen relativ moderaten Wertverfall hatte. Die Entwicklung an sich entspricht genau dem, was wir alle von einer FIAT-Währung auf Schuldbasis erwarten.

Mehr noch als solche - durchaus aussagekräftigen - Zahlenspielereien interessiert mich aber die "psychologische" Komponente. Und hier erhoffe ich mir wirklich substanzielle Antworten:

Praktisch alle Nachkriegsregelungen, jede Einbindung und Verquickung (West-)Deutschlands in internationale Strukturen wird gerne mal als Ausbeutungs- und Unterdrückungsmechanismus der "Siegermächte" des 2. Weltkriegs gesehen. Da fallen Stichworte wie "versteckte Reparationen", "Zahlmeister" usw. Es läuft immer auf ein irgendwie verbrämtes Niederhalten und Aussaugen Deutschlands hinaus.
Es ist auffällig, dass oft genau die gleichen Stimmen die DM loben. Das verstehe ich nicht. Die DM ist - wie unser ganzes Geldsystem mit dem juristischen Nebelkonstrukt Bundesbank - zu 100% von den Alliierten konstruiert! Warum hat man "uns" tausenderlei Lasten auferlegt, aber gleichzeitig eine makellose Währung spendiert? Warum ist diese FIAT-Währung (wie aus dem Lehrbuch) "gut"?
Man müsste dann ja annehmen, dass die "Siegermächte" mit voller Absicht ein "gutes" Geldsystem installierten, das ihnen dann irgendwann maximalen Profit ermöglicht, weil es eben so "gut" ist - aber das wiederum ist paradox, denn die DM ist ja, wie bereits festgestellt und auch unzweifelhaft, eine urtypische FIAT-Währung. Mit allen systemimmanenten Fehlern.
Der Glanz der DM kann aber auch nicht durch die (Geld-)Politik kommen, denn die wird ja von der Buba maßgeblich bestimmt ... und die ist auch wieder "auf dem Mist" der Alliierten gewachsen und uns Deutschen "vorgegeben" worden.

Oder liegt der Erfolg der DM an den "deutschen Tugenden" von Fleiß und Arbeitswille? Naja, dann (noch eine gedankliche Schleife ...) müsste die Währung - bzw. deren Name - ja wohl kaum eine Rolle spielen und vor allem hätten wir dann OHNE die per Fremdbestimmung geschaffene DM ja noch mehr erreichen können.

Fazit:
Welcher (massenpsychologische) Mechanismus hat die DM, eine von den Siegermächten nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland installierte FIAT-Währung, die überdies von Anfang an in ein komplexes internationales System eingebunden war und von einer internationalisierten "unabhängigen" (also von den demokratischen Kräften unabhängigen) Zentralbank kontrolliert wurde, zu einem makellosen Garanten wirtschaftlicher Prosperität gemacht?


P.S.
Dabei geht es NICHT um BIP, Geldmenge, Zahlen und Statistiken - dazu müssten wir die Frage "Kausalität oder Koinzidenz?" klären, was in diesem Rahmen sowieso ernsthaft kaum geschehen kann.
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Beitrag 30.01.2011, 09:22

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@ ladon

In den etwa 50 Jahren ihres Bestehens hat die DM gemäß offiziellen Zahlen 75% Wert verloren. Anders herum: 1DM hatte 2000 noch die Kaufkraft von 25 Pfennigen im Jahr 1950. Das ist nicht schlecht für eine FIAT Währung aber angesichts des "Resets" und des Aufbaupotenzials in den Anfangsjahren auch kein wirkliches Wunder. Und vor allem: ES IST UND BLEIBT EIN STETIGER WERTVERLUST.

das stimmt nur bedingt. und zwar deshalb, da du mit deiner aussage davon ausgehst, dass jemand sein einkommen nicht gewinnbringend angelegt hatte oder kein sparvermögen hat/hatte.
für jemand der 1950z.B. 10 000 DM kontinuirlich zu bestmöglichen konditionen angelegt hat, dem konnte die inflation nichts anhaben, im gegenteil, er konnte sein vermögen sogar vermehren. durch zins und zinseszins war einiges zu machen.lediglich die unteren einkommensschichten verlieren bzw. haben verloren.....

Beitrag 30.01.2011, 09:49

Saint251
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Hallo Ladon,

interessante Frage die Du da aufwirfst.

Wie Du selbst ja schon vermutest, wird der gute Ruf der DM vor allem im "Wirtschaftswunder" liegen. Sie ist das Synonym für den Wiederaufbau, ebenso wie der Gewinn der Fussballweltmeisterschaft 1954. Das damit verbundene Gefühl wurde dann an die nächste Generation weitergegeben.

Ich kann mich noch gut an meine Kindheit zurück erinnern. Damals bekam ich ein, zwei Mark Taschengeld die Woche. Das reichte um mir jeden Tag nach der Schule ein paar Süssigkeiten zu kaufen. Meine finanzielle Unabhängigkeit begann mit der DM! Da entstand eine emotionale Bindung. Später riss ich dann meine Wehrpflicht ab, da bekam ich den Wehrsold in Bar ausbezahlt. Ich war vorher Schüler, dass war so viel Geld für mich - ich fühlte mich relativ reich, obwohl es absolut sehr wenig Geld war.

Diese positiven Erfahrungen haben denke ich viele Deutsche gemacht. In einer Zeit des Aufschwungs ging es der Masse der Deutschen stetig besser. Um 1990 wurden dann die Probleme langsam offensichtlich im Lande, da kam zum Glück die Wiedervereinigung, die übertünchte vieles und es ging noch mal ein paar Jahre weiter. Schließlich wurde der volkswirtschaftliche Niedergang aber langsam deutlich. Insbesondere die Perspektive auf eine rosige Zukunft verdüsterte sich. Da kam der Euro.

Und nun ist er da, der Euro. Wofür steht er nun eigentlich. Richtig gute Zeiten hat er nie erlebt, konnte er ja auch nicht. Vor diesem Hintergrund wird er psychologisch negativ bewertet. Die verklärte Psyche des Deutschen denkt wehmütig an die guten alten Zeiten zurück und dabei automatisch an die DM.

Ein weiteres, zugegebener Massen persönliches Problem von mir, ist die Symbollosigkeit des Euro-Geldes. Da sich unsere Politik in Europa wohl nicht darauf einigen konnte, den Münzen und Noten eine Identität einzuprägen, bzw. aufzudrucken, entstand ein Geld, dass mich sehr stark an das Spielgeld bei Monopoly erinnert. Das erschwert es mir, einen Bezug zum Euro aufzubauen. Ästhetik ist halt schon auch wichtig, ich denke da oft Wehmütig an das schöne Markstück oder den alten blauen Hunderter mit dem herrlichen Adler auf der Rückseite.

Grüsse,

Saint251
"How many good men are there per hundred, in the world? Allowing for differences in circumstances, condition and background, I should say perhaps one." Jeff Cooper

Beitrag 30.01.2011, 09:53

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Ladon
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@ Telefon

Ach so. Wertverlust gibt es gar nicht - weil man ja entsprechend oder sogar höher Gewinne machen könnte? smilie_08
Also bislang ging ich immer davon aus, dass man die Kaufkraft EINER Geldeinheit über einen Zeitraum vergleicht und nicht was man fiktiv aus dieser einen Geldeinheit im vorgegebenen Zeitraum machen könnte.

Darüber hinaus: Genau solche Diskussion wollte ich hier nicht führen. Ich will wissen, warum die DM im kollektiven Bewusstsein eine "gute Sache" ist. Obwohl sie eine aufoktruierte FIAT-Währung ist.
Höflichkeit ist keine Schwäche - Empathie ist keine Dummheit - Moral ist nicht moralinsauer

Beitrag 30.01.2011, 10:07

Telefon
ich sehe das größte problem , welches mit dem T€uro verbunden ist, dass finanzielle probleme sämtlicher EU-Mitgliedsstaaten mit dieser gemeinschaftswährung auf eben die ganze gemeinschaft umgelegt werden können/müssen.
die politik hat uns das verschwiegen, die banken haben es missbraucht und die PIIGS haben es schamlos ausgenutzt!

denn der Teuro an sich von seiner grundiddee ist eine gute sache, nicht aber mit dieser umsetzung. derzeit wird ein totkrankes pferd mit morphium am leben erhalten, obwohl ein ableben unausweichlich ist.

die DM....., mit der damaligen wiedervereinigung währe deutschland zu mächtig geworden. anderst formuliert: ein europäischer krieg wäre mittelbar nichtauszuschließen gewesen, denn das finazielle disaster der südländer wäre spät. 2000 gekommen. der Teuro hat dies verhindert, zu lasten der starken europ. währungen insbesondere der DM!

mahlzeit,
T.

Beitrag 30.01.2011, 10:09

Telefon
Ladon hat geschrieben:@ Telefon

Ach so. Wertverlust gibt es gar nicht - weil man ja entsprechend oder sogar höher Gewinne machen könnte? smilie_08
Also bislang ging ich immer davon aus, dass man die Kaufkraft EINER Geldeinheit über einen Zeitraum vergleicht und nicht was man fiktiv aus dieser einen Geldeinheit im vorgegebenen Zeitraum machen könnte.

Darüber hinaus: Genau solche Diskussion wollte ich hier nicht führen. Ich will wissen, warum die DM im kollektiven Bewusstsein eine "gute Sache" ist. Obwohl sie eine aufoktruierte FIAT-Währung ist.
warum?

weil sich das deutsche volk mit dieser währung idendifizieren konnte! deshalb......genauso wie mit schiller, goethe,u.v.m.

Beitrag 30.01.2011, 10:17

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Ladon
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@ Saint

Danke für diese ausführliche "Individualanalyse"! Ich glaube, Du triffst die Sache recht genau für die Allgemeinheit.

Und was ist mit den "Fanatics"? Wie verargumentieren diejenigen, die überall in der Welt Deutschland-Peiniger sehen, die "Makellosigkeit" der durch die Sieger "aufgezwungenen" und (in derem Sinne?) designten DM?
Das ist ja nochmal eine andere Sache.


NOCHMAL: Es ist mir ganz wichtig, dass hier an dieser Stelle eben keine politische Diskussion geführt oder der Euro im Vergleich gesehen wird (Sorry, Telefon, an anderer Stelle können wir uns darüber gerne austauschen und ich stimme dem von Dir Gesagten auch großteils zu).
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Beitrag 30.01.2011, 10:21

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Telefon hat geschrieben:Weil sich das deutsche volk mit dieser währung idendifizieren konnte! deshalb......genauso wie mit schiller, goethe,u.v.m.
Ja, schon klar - aber WARUM?
Die DM wurde uns von den "Siegern", den "Unterdrückern" gegeben. De facto ohne Mitspracherecht. Warum konntest z.B. Du Dich ausgerechnet mit sowas "identifizieren"? Die DM war von Grund auf vollkommen "undeutsch" (nicht dass sie schlecht wäre - ich habe oben schon gesagt, für eine FIAT-Währung lief's ganz gut) - außer dem Namen.
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Beitrag 30.01.2011, 10:36

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Circle
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Meiner Ansicht nach steht der Wunsch und die Erwartung nach DM2
zur Rückkehr der eigenen Währung, die Abkehr von einer Gemeinschaftswährung.

Dass die DM glorifiziert wird liegt auch daran, dass es mit dem Euro auch über Nacht viele Preiserhöhungen gab, besonders in der Gastronomie. Und heute haben sich viele Preise rückwirkend 1:1 angeglichen, egal was die Statistiker uns weismachen wollen.

Irgendwie bleibt das schwammige Gefühl, zu DM Zeiten war alles besser. Hätten wir nur wieder eine DM würde auch wieder alles besser werden...

Aber das Gefühl täuscht, glaube ich.
Nein, eine Kristallkugel habe ich nicht -
aber eine eigene Meinung ;-)

Beitrag 30.01.2011, 10:53

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alibaba
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Würde es eine Volksabstimmung geben , wie in einer ehrlichen Demokratie

wäre der Euro schon Geschichte smilie_02

Und um Deutschland gäbe es ein Schutzwall smilie_01

" zum wohle des deutschen Volkes " so wie es am Reichstag verankert wurde smilie_02

Gruss
alibaba (grins)
"unter 12 Jahre oder über 12 Jahre" nun bin ich drauf gekommen ,
reale zeitnahe Info's im eigenen Land werden von Kinder nicht erkannt ;
Ich bin für mein Textinhalt verantwortlich ,nicht für das was du verstehst .

Beitrag 30.01.2011, 10:56

snowrain
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Ist es nicht so das mit der DM, wie immer sie entstanden ist, eine Identität geschaffen wurde
und den deutschen ein Bindeglied gegeben wurde mit dem lange Jahre des Aufschwungs und
stetiges Ansteigen des Lebensstandards verknüpft werden konnte.

Und diese DM wird, ohne das es vom Volk gewollt ist, geopfert um eine Einigung in Europa
herbeizuführen die niemals funktionieren kann.

Und: Politische Diskussion hin oder her. Jeder der täglich liest oder hört: "Deutschland muss
mehr für Europa leisten" verknüpft dies doch sofort mit dem T€Euro und wünscht sich seine
"stabile" DM zurück.

snowi

Beitrag 30.01.2011, 11:01

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alibaba
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Registriert: 05.01.2011, 18:35
Im Prinzip greifen alle Länder nur noch Geld ab , aus Deutschland smilie_02

USA + Europa ihre Pleitestaaten smilie_02

wie lange braucht die Mario Nette bis sie begreift das das Land ausgeblutet ist smilie_02

und nur auf kosten der Bürger im eigenen Land das Ausland finanziert .

Irgendwas stimmt nicht mehr in Deutschland mit der Politik .

Gruss
alibaba (grins)
"unter 12 Jahre oder über 12 Jahre" nun bin ich drauf gekommen ,
reale zeitnahe Info's im eigenen Land werden von Kinder nicht erkannt ;
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Beitrag 30.01.2011, 11:06

Fin
Ladon hat geschrieben:Ich will wissen, warum die DM im kollektiven Bewusstsein eine "gute Sache" ist. Obwohl sie eine aufoktruierte FIAT-Währung ist.
Holla die Waldfee!
Ladon, das ist ja intellektuell ganz oben. Ich bin schon mal gespannt, wieviele sich hier ran wagen.
Saint hat es gut ausgedrückt mit:
Diese positiven Erfahrungen haben denke ich viele Deutsche gemacht. In einer Zeit des Aufschwungs ging es der Masse der Deutschen stetig besser. Um 1990 wurden dann die Probleme langsam offensichtlich im Lande, da kam zum Glück die Wiedervereinigung, die übertünchte vieles und es ging noch mal ein paar Jahre weiter. Schließlich wurde der volkswirtschaftliche Niedergang aber langsam deutlich. Insbesondere die Perspektive auf eine rosige Zukunft verdüsterte sich. Da kam der Euro.
Zur Frage (falls ich sie überhaupt richtig verstehe):
Ich glaube, daß Menschen, die aus der dicksten Sch...e kommen, dankbar sind UND BLEIBEN, wenn Dinge wieder oder endlich funktionieren. Ich persönlich sehe die „gute Sache“ weniger in der D-Mark als in der Institution der Dt. Bundesbank, die ihr Herr und Wächter war.

Die Aufgabe der BUBA war Preisstabilität. Es gab einen Inflationskorridor (ich glaube 2 bis 3%), der möglichst eingehalten werden sollte und das hat die BUBA meines Wissens auch gut hinbekommen. Hinzu kam die Unabhängigkeit der BUBA. Ich erinnere als Theo W. eine Goldneubewertung wollte und Thietmeyer ihn vor die Wand klatschen ließ. Richtig unabhängig eben! Als Kaufmann weiß ich, daß man nach HGB (also nicht dieser Bilanzquatsch von heute) Wertberichtigungen nach oben machen kann, aber nicht muß. Thietmeyer hätte können, er wollte es nicht...

…und heute fragen wir uns, ob dieses Gold überhaupt noch existiert!!!

Ich fand Hans Thietmeyer klasse – Punkt. Wie Welteke an diesen Job kam, bleibt mir ein Rätsel. Aber andere Mitglieder (Ottmar Issing zum Beispiel) sind doch wohl mit einer exzellenten Reputation versehen. Axel Weber – auch wenn er den Thilo S. sehr schlecht gewechselt hat – ist ebenso aus diesem Holz. Er ließ den Falken so sehr raushängen, daß auf den Wi-Sendern schon seine Trichet-Nachfolge beerdigt wurde.
Unabhängig eben!
Und da liegt der Hase meiner Meinung nach im Pfeffer.

Du:
In den etwa 50 Jahren ihres Bestehens hat die DM gemäß offiziellen Zahlen 75% Wert verloren. Anders herum: 1DM hatte 2000 noch die Kaufkraft von 25 Pfennigen im Jahr 1950. Das ist nicht schlecht für eine FIAT Währung aber angesichts des "Resets" und des Aufbaupotenzials in den Anfangsjahren auch kein wirkliches Wunder. Und vor allem: ES IST UND BLEIBT EIN STETIGER WERTVERLUST.
Wertverlust (=leichte Inflation) ist immer schon gewollt gewesen, stand im Stammbuch, ist und war einem Jeden bekannt -> Deine Fettung ist damit ungültige Kritik.

Deine Vorgabe: 50J und 75% Verlust:
Rechnerisch komme ich auf die 50te Wurzel aus 4.
 1,028113827 ---- 2,8113827% liegt zwischen 2% und 3% (dem Korridor) q.e.d.

Damit sollte bewiesen sein, daß die BUBA ihre Aufgabe perfekt erfüllte über 50 Jahre.
Ich bin schier begeistert von dem Laden!
Und das nennt sich GELDWERTSTABILITÄT.

Ach und bevor ich es vergeß - die Reputation der D-Mark ist die der BUBA. (weißt ja, Tempo ist Taschentuch oder Labello ist na das weißt Du doch oder?)
Und das soll meine Antwort auf Deine Frage sein. ´

Beitrag 30.01.2011, 11:44

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TimmThaler
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Es ist richtig, daß Papiergeld wie z.B. auch die DM an Wert verliert. 75% in 50 Jahren ist nicht etwa hoch, sondern rekordverdächtig NIEDRIG, das sind gerade mal 2,81% p.a..
Wie schon richtig angemerkt wurde lagen die Zinsen i.d.R. in D. deutlich höher, zwischen 5 und 6,5%, so daß real der Geldwert für Sparer kontinuierlich stieg.
Akteinbesitzer gar, die 1950 z.B. 10.000 DM in Daimleraktien investierten, sind heute Millionäre.
Auch Gold stieg von 140 DM/oz auf wie bekannt heute um die 2.000 DM/oz., daran erkennt man ganz zwanglos, dass die DM relativ (nicht absolut, das geht nicht) im Wert recht stabil als 'Wertaufbewahrungsmittel' funktionierte, wenn man sie als z.B. Spargeld oder in dt. Staatsanleihen 'investierte'. Nur in der Schublade verlor sie, wie jede Papierwährung der Welt, kontinuierlich an Wert.
Wenn man sich dann noch die Vorgänger der DM ansieht (Reichsmark, Rentenmark) oder ihren Parallelläufer (Mark der DDR, zeitweise 1/5 und tiefer, endete mit einem politisch motivierten Abwerter von 'nur' 50% auf die DM) versteht man, wieso 'der Deustche' die DM so verehrt. Sie war, zudem in einem Meer von absaufender Papiergeldwährung rundherum (Franc, Lira, Pesete, Drachme usw.) der stabile Fels in der Brandung.

Der Euro dagegen erfüllt alle negativen Erwartungen der Deutschen:
  • Stabilität (auch relative) ist nicht mehr gesichert
  • als Wertaufbewahrungsmittel taugt er nicht (i.d.R. gibt es seit 2 Jahren einen negativen Realzins, d.h. Zinsen abzgl. Steuern gleichen die Inflation nicht aus, noch nicht mal die statistisch geschönte auf dem Papier. geschweige denn die reale!)
  • die europäische Notenbank ist politisch erpressbar und willfähriger als die DBB es je war (negativer Ausblick auf die Zukunft des Euros)
Es ist dem Deutschen auch nicht vermittelbar, warum ein Land seine Währungssouveränität aufgibt, und das bei einer funktionierenden, weltweit anerkannten, für Spekulation unanfälliger (weil relativ stabiler) eigenen Währung.

In einer Volksabstimmung hätte auch noch so viel Propaganda nie eine Mehrheit für die Abschaffung der DM erbracht, im Westen wären 70% und im Osten vermutlich 85% dagegen gewesen.

Also hat man es ohne Volksabstimmung per Eurokratie durchgezogen, angeblich war der Euro und die Aufgabe der DM der politische Preis für die Zustimmung F.'s zur Wiedervereinigung, da hat Kohl sich offenbar nötigen lassen.
Da die DM durch die überschnell durchgezogene Wiedervereinigung mit Riesenschuldenkarussell ohnehin etwas angeschlagen war, dachte man, daß D, A, Benelux und eventuell Finnland die übrigen Staaten zu einer soliden und stabilen Geldpolitik bringen könnten, aber insbesondere D. fiel das Durchsetzen derselben schwer, da sie ja selber im Rahmen der Wiedervereinigung währungspolitisch 'gesündigt' hatten (1/1 bzw. 2/1 war ökonomisch natürlich nicht zu rechtfertigen und hat die Schuldenkulisse unnötig aufgebläht).
Zuletzt geändert von TimmThaler am 30.01.2011, 11:47, insgesamt 1-mal geändert.
Manche sagen, die Regierung sei unfähig. Das stimmt nicht. Die sind zu allem fähig!
*
Erfolgreich gehandelt mit: Joschi, silverlion, Horst, MelXX, Wetterfrosch, nameschonweg, Jimpanse, Todeja, Edelmetallinvestor, xmio, Robin8888, Goldschürfer, eugene

Beitrag 30.01.2011, 11:46

di-em-ex
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Ich persönlich denke, dass der Grund ganz simpel ist.

Man brauch sich doch nur mal unsere Bundesländer im Vergleich ansehen, im Grunde wird Deutschland von Bayern, Baden-Württemberg und teilweise noch Hamburg und Hessen getragen. Man muss sich doch mal nur die Patentanmeldungen pro Jahr ansehen oder das BIP.

Aber eben so wie es innerhalb unseres Landes eine ungleiche Verteilung der Träger gibt, ist es auch in unserem Euroraum (nichts Neues), wieso also so weit denken? Es ist doch ganz klar wieso die DM so stark erschien, sie musste nur eine Volkswirtschaft füttern und konnte sich mehr auf den Fortschritt richten als anderen Ländern aus der Patsche zu helfen.
Es leben einfach zu viele auf Kosten anderer, wodurch wichtige Investitionen in die Zukunft ausbleiben und der Fortschritt zu stagnieren scheint.

Hätte unser Land das Geld in Schulen und Universitäten, als auch Forschungsetats gesteckt, anstatt den ganzen faulen Partyländern aus dem Sumpf zu helfen, dann hätten wir die Diskussion heute bestimmt nicht.

Aber man muss Saint251 Recht geben, vieles vom Glanz der DM liegt wahrscheinlich in der erfolgreichen Jahren damals. Hätten wir die DM weiterhin alleine durchgezogen, dann wäre sie wahrscheinlich entsprechend einer FIAT-Währung gefallen, aber dennoch deutlich besser abgeschnitten.

PS: Wir verschenken unseren Wohlstand.
Zuletzt geändert von di-em-ex am 30.01.2011, 12:12, insgesamt 2-mal geändert.

Beitrag 30.01.2011, 12:03

goldmünzenonkel
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Hallo zusammen,

Also ich möchte mal den Mythos DM aus meiner persönlichen Sicht schildern.
Dazu gehe ich auch über 30 Jahre zurück in meine Kindheit.
Ein schöner Sommer in den Siebzigern, im Süden, Spanien.
Da kam es zu einer extremen Abwertung der damaligen spanischen Währung ( Peseta ).
Die Abwertung belief sich wohl im 2-stelligen Prozentbereich.
Als Teenager fing ich natürlich sofort an zu rechnen, was ich mir für mein Taschengeld alles
noch so kaufen könnte, wenn ich jetzt noch Geld ( also DM in Pesetas ) einwechseln würde.
Dort habe ich zum ersten Mal die Kraft und Stärke der DM verspürt.
Ich denke auch so etwas kann prägen.
Bei mir war es also der Vergleich, bzw. das Verhältnis zu anderen Währungen.
Zu der Zeit hatte ich noch Null Ahnung von Finanzsystemen. Jedoch habe ich damals Vertrauen
in unsere DM gewonnen, irgendwie eine "gefühlte" Sicherheit.

bg

Beitrag 30.01.2011, 13:45

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alibaba hat geschrieben:Im Prinzip greifen alle Länder nur noch Geld ab , aus Deutschland

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und nur auf kosten der Bürger im eigenen Land das Ausland finanziert .

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Gruss
alibaba (grins)
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Beitrag 30.01.2011, 14:10

Runner53
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Ich weiß nicht, aber es kommt mir so vor, daß einige hier im Forum den EURO einfach nur schlecht machen, schlecht reden wollen.
Ich bin zwar auch eher ein Skeptiker, aber ich bin auch gegen sogenannten Zweckpessimismus, und diesen sehe ich in den Zwischenzeilen.
Könnte es sein, daß man sich eine Hyperinflation oder Währungsreform wünscht, ja herbeisehnt ?? Aus welchen Gründen ?? (Darauf möchte ich jetzt nicht eingehen).
Wer weiß, wo wir heute mit einer DM international und national stehen würden, bestimmt nicht besser (vielleicht isoliert mit Exportdefiziten); Great Britian hat das "Pfund" behalten, die Schwierigkeiten sind nicht zu übersehen....

Ich gebe zu, daß heututage die Einführung des Euro nicht mehr so funktionieren würde, aber da stehen wir nicht allein, daß wäre inzwischen auch in anderen EU-Ländern schwierig.

Aber jetzt haben wir den EURO und nun sollten wir uns damit abfinden, daß er bleibt, wer weiß was danach kommt....

Also nicht zu pessimistisch sein, und trotzdem EM kaufen ......!!!

Grüße aus dem sonnigen Ruhrgebiet!!

:D

Beitrag 30.01.2011, 14:28

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Ladon
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Danke für die vielen ausführlichen Beiträge. Ich finde das sehr interessant und fasse deshalb - der Übersichtlichkeit halber - zwischendurch mal zusammen (korrigiert mich, wenn ich was missverstanden habe):

Im Großen und Ganzen deckt sich das "Gefühl", das beschrieben wird mit meiner eigenen Erfahrung (Ich bin Anfang der 60er geboren).
Wir sind uns - bis auf Details - einig, dass die DM für eine FIAT-Währung ganz gut funktioniert hat.
Wir sind uns auch einig, dass sie - wie jede FIAT Währung - irgendwann an die Grenzen des Möglichen gestoßen und kollabiert wäre ... wann auch immer. Das ist Bestandteil des Systems. Auch in dieser Frage wollen wir Details mal außen vor lassen.

Ein paar Dinge möchte ich noch richtigstellen, damit wir in diesem "Gespräch" nah am Thema bleiben:
1.
Die - bitte nehmt mir die Wortwahl nicht übel - Schönrechnerei der DM-Inflation. Ich habe schon ganz am Anfang betont, dass der "Kurvenverlauf" der DM für eine FIAT-Währung "gut" war. Ich habe von Anfang an gesagt, dass sie ganz gut funktioniert hat - für eine reine FIAT Währung. Ich will die DM nicht schlecht machen. Mir war aber wichtig zu sagen, dass sie eben auch die "ganz normale" Entwicklung einer FIAT-Währung gezeigt hat - mit auseinander gezogener Zeitachse sozusagen.
2.
Fin monierte meine Herausstellung des stetigen Wertverlustes, weil dies ja "gewollt" war. Völlig richtig. Herausgestellt habe ich es, weil genau das den wenigsten (und leider oft den lautstärksten) "DM-Nostalgikern" tatsächlich nicht bewusst ist. Es ging mir also nicht darum, diese "Erkenntnis" (= auch die DM erlitt Wertverlust) zu betonen, sondern lediglich sie zu benennen - eben weil das ein Indiz dafür ist, das auch die DM nicht hätte ewig "währen" (schönes Wortspiel ... Währung / währen ... leider nicht von mir) können.
3.
Auch außen vor lassen möchte ich unbedingt, dass die Zeit der DM auch eine Zeit der Chancen und Möglichkeiten und des breiten (!) Zuwachses von Vermögen war. Mir ist klar, dass genau das der Theorie entspricht. So wie das späte 19. Jahrhundert eine Vervielfachung der Geldmenge brauchte (und daher die Deckung lediglich durch einen Goldkern einführte - was ja im Grunde eine Farce ist), um Industrialisierung und Welthandel zu "schmieren" (im positiven Sinn), brauchte Deutschland eine kontrolliert inflationierende (FIAT) Währung für einen schnellen Aufbau. Keine Frage.
4.
Über die Rolle der Bundesbank würde ich mich gerne mal in einem eigenen Thread unterhalten - hier führt mir das zu weit vom Thema weg. Obwohl natürlich die Buba maßgeblich ist für die beobachtete "Stabilität" (soweit ein exponentielles System Stabilität haben kann). Hier betrachten wir das "Bild" der DM.

Ich bitte um Verständnis, dass ich so rigoros ganz knapp an der Fragestellung bleiben möchte. Alle angesprochenen und einige jetzt ganz übergangene Gedanken sind sicher interessant und bedenkenswert - jedoch, trotz allem, der Kern der Frage ist mir noch unklar:

Wie gelang es dieser vom Alliierten Kontrollrat uns übergestülpten Währung (ich drücke mich hier bewusst "lax" aus) sich sprichwörtlich in die Herzen der Deutschen zu schleichen?
Warum hat niemand - bislang hier keiner, ich nicht ... ja nicht einmal die eher einfach gestrickten "Nationalisten" (ich meine diejenigen, die sich so nennen ohne es wirklich zu sein; ihr wisst schon) - meines Wissens jemals die DM kritisiert, weil sie - bei näherer Betrachtung offensichtlich - ja eindeutig zu den "Fesseln" gehörte mit denen Deutschland (ein)gebunden und kontrolliert werden sollte? Warum hat man ihr weder die "Ankoppelung" an den Dollar noch die Integration ins Europäische Währungssystem (das auch aus den 50ern stammt und ja im Euro lediglich gipfelte) "übel" genommen? Außer der Frage nach dem "deutschen Gold" (siehe anderer Thread) hat es nicht den größten Kritiker internationaler Verflechtungen scheinbar je gestört, dass auch die DM ein Mittel dieser Einbindung war - ob zum Positiven oder zum Negativen sei völlig dahingestellt.

Sind wir Deutschen also ganz schlicht "käuflich"? Wie deprimierend ...
(Das meine ich jetzt nicht ganz ernst. Für einen Smiley reicht's aber auch nicht.)
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Beitrag 30.01.2011, 14:44

silverlion
Den Mythos DM und das Geschrei vom Teuro konnte ich von Beginn an nicht
teilen. Viele Leute waren einfach unflexibel, konnten sich nicht an die
neue Recheneinheit gewöhnen, haben noch jahrelang in DM umgerechnet.
Die Angst und Verunsicherung vor dem Neuen war groß.
Es gab zwar Bereiche, die von Beginn an erhöht hatten (Gastronomie),
da wurde aber nur die Gunst der Stunde genutzt, irgendwann wäre sowieso
erhöht worden. Viele Dinge, z.B. täglich gebrauchte Nahrungsmittel sind jedoch
Dank Preiswettbewerb der Discounter stetig günstiger geworden.
Das alles hat aber nichts mit dem Euro an sich zu tun, fällt aber eben in die Zeit des
Euro. Viele Leute waren mit dem Wechsel zum 1. Mal misstrauisch, und haben
Preise verglichen, deren schleichende Erhöhung sie zuvor nie bemerkt hatten.
Andere sind einfach nur durcheinander gekommen, da sie im Kopf eine Mischung
aus DM und Euro-Preisen hatten, was dann eine angebliche 1:1 Umrechnung ergab.

Mittlerweile sieht die Situation natürlich anders aus, zur normalen Entwertung einer
jeden Währung kommt der ganze Schuldenschlamassel zum Tragen. Schulden, die
auch teils noch aus DM-Zeiten stammen. Schulden, die aber viele Länder ohne Euro
später hätten nie machen können. Wie Deutschland jetzt mit DM, bzw. die PIGS mit ihrer
Landeswährung dastehen würden, bleibt Spekulation.

Problem ist aber nicht unbedingt der Euro an sich, sondern, wie mit ihm seitens der
Länder und der EZB "umgegangen" wurde.

Aber es stimmt schon, der Euro fällt halt zufällig mit der Zeit der zunehmenden
wirtschaftlichen Unsicherheit zusammen, wo eben auch der höchste Bildungsweg
kein Garant mehr für Wohlstand ist.

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