Lets talk dirty: Ankauf griechischer Staatsanleihen...

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

Moderatoren: Ladon, Forum-Team

Beitrag 04.01.2012, 17:14

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Waschel
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Abend zusammen,
wie vllt schon einige mitbekommen haben, kann man im Moment mit griechischen Staatanleihen richtig Geld machen. Vorausgesetzt, man weiß um das Risiko und ist kein privater institutioneller Anleger, aka. Bank, etc.

Artikel darüber:
Eine Griechen-Anleihe ist momentan der Renner an der Börse. Wer jetzt kauft, kann im März steinreich sein. Doch wie die Partie genau endet, weiß niemand, selbst die Regeln sind im Fluss.

Wer glaubt, der Markt sei tot, irrt gewaltig: Einen wahren Ansturm von Hobbyspekulanten erlebt die Börse. Wer genau da mitmischt, ist nicht zu ermitteln, da die Orders anonym eingehen, die Beträge lassen auf eher kleine bis mittlere Anleger schließen: 3000, 5000 oder 10.000 Euro werden eingesetzt, durchaus auch mal 100.000, „als spekulative Beimischung fürs Depot“, wie Händler Gross vermutet.

Rund 70 Prozent der Umsätze mit Euro-Staatsanleihen (die deutschen Bundesanleihen ausgenommen) entfallen momentan auf die Griechen, der Großteil davon (etwa 80 Prozent) auf ein einziges Papier: die Anleihe, die am 20. März 2012 fällig wird. „My Big Fat Greek Bond“, wie Witzbolde sagen: fast 15 Milliarden Euro schwer, aktueller Kurs: knapp über 40 Prozent. Der Zins beträgt 4,3 Prozent auf den Nennwert, ist aber eher zu vernachlässigen.

Die Wette ist eine andere: Halten sich die Griechen noch drei Monate irgendwie über Wasser, erhält der Privatanleger im März 100 Euro für die 40 Euro, die er jetzt investiert: Den Einsatz mal 2,5. 150 Prozent Gewinn in 100 Tagen, spaßeshalber hochgerechnet auf 12 Monate, überfordert das den Online-Kalkulator der Börse: Rendite größer als 999 Prozent steht da nur (vierstellig macht er es nicht).

Letztlich spuckt ein anderer Renditerechner rund 2600 Prozent aus, was allerdings unterstellt, dass die Wette über ein Jahr laufend wiederholt werden könnte. Das bedeutet aber, dass man die Rückflüsse zu denselben Konditionen wieder investieren kann. „Das zahlt sonst niemand“, tönt der Investmentbanker.
FAZ-Artikel

Habe selber vor einigen Wochen "Spielgeld" in die griechischen Anleihen gesteckt, Geld also, dem ich nicht wirklich nachtrauern würde.
Andererseits, wenn schon Steuergelder für die Griechen rausgehauen werden, will ich das meinige wenigstens schön verzinst zurück! :mrgreen:
Und der Gewinn wird dann wieder schön in EM angelegt.
Vorausgesetzt, ja vorausgesetzt: die Griechen zahlen wirklich. Die Alternative heißt: Totalverlust. Das Geld ist weg. So kann es laufen, muss aber nicht: Der Kauf der März-Anleihe ist eine Wette. „Geht sie auf, sind Sie als Privatanleger der König“, sagt Jochen Felsenheimer, ein absoluter Profi, Geschäftsführer der Assenagon Credit Management in München. Die Wahrscheinlichkeit für Gewinn beziffert er auf 50 zu 50. Höher jedenfalls, als der Markt gegenwärtig kalkuliert.


Also, wer von euch Goldbugs macht noch mit und getraut sich das auch noch hier in diesem Forum zu sagen!? smilie_01

PS: Hier noch die WKN: A0T6US. Wenn jemand noch überlegt einzusteigen...

Beitrag 04.01.2012, 17:55

Omega
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...das hat mit überlegter Geldanlage nichts mehr zu tun. Das ist nur noch reine "Zocke". Geht es gut, kann man "rumtönen", was für ein toller Hecht man ist.
Geht es schief, hat die schlechte Laune die Familie zu ertragen.


Ich weiß, wie es noch schneller geht : Roulette. 1.000,-- € setzen (rot oder schwarz) und 1 Minute später 100 % kassieren. Vorteil: Ich weiß sofort, ob ich "rumtönen" kann oder gleich "schlechte Laune" habe.

Wem natürlich Roulette zu langweilig ist, kann sich ja Knock-Out Optionen ( Put oder Call) sehr nahe am ko! kaufen.
Da wird das Herz wieder jung und schlägt mit mindestens 4-facher Geschwindigkeit. Den Herzschrittmacher brauchste dann nicht mehr.



:lol: :lol: :lol:
Omega

Der irrende Glaube ist der Tiefste !

Beitrag 04.01.2012, 20:10

haeni
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@waschel

nimm einen dachpappennagel und nagle dein geld damit auf die strasse, vielleicht findet es jemand ders braucht.
wie verzweifelt muss man sein um bei solch einem spielchen mitzumachen.
wird zu 99% in die hose gehn. du glaubst doch nicht wirklich ernsthaft einem kredithai!!!

sorry

gruss haeni

Beitrag 04.01.2012, 20:15

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Deichgraf
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Die Rendite spiegelt 1:1 das Risiko. Die einzige Frage scheint zu sein, ob die im März fälligen Anleihen noch voll ausgezahlt werden. Man geht kaum davon aus, wie die Rendite zeigt. Was nach März 2012 kommen soll, sehe ich als verloren an. Im letzen Jahr ging noch was, aber zu weniger Prozentchen.
Junk?-Nei takk.

Beitrag 05.01.2012, 03:00

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Datenreisender
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Omega hat geschrieben:Ich weiß, wie es noch schneller geht : Roulette. 1.000,-- € setzen (rot oder schwarz) und 1 Minute später 100 % kassieren.
Und dann den ursprünglichen Einsatz zuzüglich Gewinn sofort wieder einsetzen.
Rechne diese Rendite in Prozent doch mal exponentiell auf ein Jahr hoch ... smilie_11

Beitrag 05.01.2012, 09:07

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Ladon
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Was die thematische Verknüpfung von "Dirty Talk" mit "unanständig viel Rendite machen" in psychologischer Analyse zutage fördern würde, wollen wir mal nicht weiter verfolgen ... ;-)

Im Ernst aber möchte ich eine ganz andere Frage stellen: Die Verlustmöglichkeiten mal ganz ignoriert und einen "Erfolg" der Idee vorausgesetzt, frage ich mich doch, ob man wirklich jedes "Renditepferd" reiten muss, das einem in diesem System vor die Nase kommt?
Oder etwas polemischer:
Hebelt der persönliche Vorteil wirklich die Moral aus? Wenn es der persönlichen Bereicherung dient, lässt man alle grundsätzlichen Bedenken das "System" betreffend beiseite und bedient sich eben (bei den Schwächeren, denn irgendwer muss die Zinsen ja aufbringen, erwirtschaften) - maximiert durch die bewusste Nutzung der systemimmanenten "Perversionen"? Und macht sich also wegen "der Rendite" zum willfährigen Rädchen?
Klar, so wird man (vielleicht) reich - aber bei der nächsten Diskussion um Goldanlage, Geldsystem, bei der nächsten Kritikorgie an Politikern, gierigen Bankern und Wirtschaftsbossen, sollte man dann vielleicht ganz, ganz leise sein ...
... ja, das war jetzt ziemlich provokativ und plakativ (und bitte nicht persönlich nehmen, ist nur ein Denkanstoß) - aber "Dirty Talk" war ja auch gefordert.
Höflichkeit ist keine Schwäche - Empathie ist keine Dummheit - Moral ist nicht moralinsauer

Beitrag 05.01.2012, 10:04

Jupp
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Es hat ja Gründe das es Spielkasinos, Wettbüros und all soetwas gibt. Der Mensch möchte eben auch mal zocken, ist halt so und soll er ruhig machen. Wer damit nicht umgehen kann geht eben pleite und gut ist.

Das heutige Problem ist leider, das die gesamte Wirtschaft irgendwie zu einer großen Zockerbude vekommen ist. Selbst BMW ist nur noch eine Spielbank mit ein bischen Beteiligung an einem Fertigungswerk, tzä.

Es muss nicht verwundern das dieses Zockerbuden Angebot eben auch wahrgenommen wird. Das kann und wird sich ändern, indem irgendwann wieder die Realwirtschaft vom Kasino getrennt wird. Allerspätestens dann wenn wir ohne Strom im Dunklen sitzen und nichts mehr zu Essen haben.

Wer nicht reich ist muss spekulieren, da ist wohl etwas wahres dran.

Das System ist schlecht, weil es die Spekulation anbietet, fördert und fordert, und das muss sich eben wieder ändern.

Beitrag 05.01.2012, 10:08

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K
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Jupp hat geschrieben: . . . Das kann und wird sich ändern, indem irgendwann wieder die Realwirtschaft vom Kasino getrennt wird.
Sehr gut beschrieben. smilie_01

Beitrag 05.01.2012, 12:50

nameschonweg
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Ladon hat geschrieben:... ja, das war jetzt ziemlich provokativ und plakativ (und bitte nicht persönlich nehmen, ist nur ein Denkanstoß) - aber "Dirty Talk" war ja auch gefordert.
Da mag ich mal "zurück-provozieren" ... und bitte das jetzt Folgende nicht mit meiner persönlichen Moralvorstellung gleichsetzen. Diese sieht nämlich anderes aus. Bis jetzt, was vielleicht auch daran liegen mag, dass ich mir durch meiner Hände/Kopf Arbeit dieses hohe Roß(?) derzeit erlauben kann ...
Ladon hat geschrieben:Hebelt der persönliche Vorteil wirklich die Moral aus?
Die Frage ist (vielleicht) eine andere: "Kann ich es mir überhaupt erlauben, die Möglichkeiten, die mir dieses System (m.M.n. durchaus bewußt) bietet, ungenutzt verstreichen zu lassen?!"

Dazu möchte ich aber kurz etwas ausholen ...

Vermögensaufbau OHNE Spekulation verläuft in den allermeisten Fällen über Arbeit bzw. der weiter unten aufgeführten "Variante B". Beides ist langwierig und wird durch das System beständig bekämpft (Inflation/Steuern/Währungsreformen). Es muss auch bekämpft werden, da ansonsten durch den Zinseszinseffekt die Nachfolgegeneration nicht mehr arbeiten müsste. Und dies ist ganz und gar nicht im Sinne des Systems.

Diese Art von Vermögensaufbau vollzieht sich bei Angestellten in der Regel über ein Arbeitsleben, bei Selbständigen bzw. Unternehmen auch schneller.
In den überaus meisten Fällen ist dann ein spekulationsloser Vermögensaufbau nur noch über "Variante B" möglich - nämlich der Aufbau über Generationen, sprich: Vererbung.

Sofern vom über das Arbeitsleben aufgebauten Vermögen nach der Rentenzeit noch etwas übrig bleibt. Der Trend scheint jedenfalls dahin zu gehen, dass die Leute in immer breiteren Schichten gezwungen werden, zumindest einen Teil des eigenen Vermögens nach dem Arbeitsleben wieder aufzuzehren, da schlicht die Leistungen der Rentenversicherung reduziert bzw. nicht entsprechend an die Inflation angepaßt werden. Parallel dazu werden die Beiträge zu Zeiten des Arbeitslebens erhöht und so der Vermögensaufbau zusätzlich behindert.

Und an diesem Punkt stellt sich die Frage, was die jeweilige Person mit seinem Leben anstellen will! Nach der "gängigen" Moralvorstellung wird brav gearbeitet, Vermögen angespart und das, was übrig bleibt, vererbt. In der breiten Masse ist dies so wenig, dass auch die Nachfolgeneration ebenfalls in den selben Lebensweg gezwungen wird, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Und es wird auch dafür gesorgt, dass dieses Schemata in der breiten Masse auch nicht durchbrochen wird.
Nur, wer sagt denn, dass Arbeit der alleinige Sinn und Zweck des Lebens sei?! Dies solle doch wenn möglich jeder für sich selber beantworten dürfen. Nur, das herrschende Geld- und Wirtschaftssystem läßt einem keine andere Wahl, solange kein eigenes Vermögen besteht. Im Kern ist dies nicht viel anders als das damalige System der "offensichtlichen" Sklaverei, dem man nur durch Stand entkommen bzw. durch Geld freikaufen konnte.

Ich würde meiner Tochter gerne ermöglichen, die Tätigkeit zu ergreifen, die sie von Herzen möchte - und in dem Maß, welches sie möchte. Sie sollte sich lieber die Schönheiten der Welt anschauen und andere Kulturen und Sprachen entdecken, als jeden Tag ins Büro zu marschieren, die Arbeiten zu erledigen und die selben Leute zu sehen. Und den eigenen Horizont nur vier Wochen im Jahr mal im Urlaub erweitern zu dürfen.
Aber ohne die Vorarbeit ihrer Eltern ist die Wahrscheinlichkeit, so ein Leben führen "zu dürfen", eher gering. Gut - reich heiraten gäbe es noch, sozusagen "Variante C" :) Mal schauen, was bei mir übrig bleibt ...

Die Möglichkeit, über Spekulation bzw. Arbeit reich zu werden, ist quasi die dritte "Säule der Hoffnung" im System, neben Brot und Spielen. Jedem steht theoretisch die Möglichkeit offen, sein Glück zu versuchen. Manche schaffen es, viele verlieren alles dabei. Für die weniger Wagemutigen oder Betuchte gibt es das Gleiche noch als risikoärmere bzw. billigere Variante - man nennt es "Lotto". Deutlich geringere Chancen, deutlich geringeres Risiko. Das Prinzip ist das Gleiche, und auch hier gewinnt meist die Bank :)

Jetzt könnte die Frage nach der Moral schon anders aussehen - kann ich es mir erlauben, NICHT zu spekulieren, wenn ich für mich oder wenigstens meine Nachfahren einen Ausweg aus diesem Kreislauf - also etwas durchaus Positives - suche!? Bin ich zum Wohle meiner Familie nicht geradezu verflichtet, tätig zu werden? Zumal bei vielen Formen der Spekulation im Zweifel eher das System, nämlich die Bank, schädige als meinen Nachbarn.

Ebenso provokativ und plakativ, aber mich interessieren Eure Antworten dazu schon sehr :)

lg, nsw
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"Papierwährungen sind die Glasperlen des Industriezeitalters"

Beitrag 05.01.2012, 13:09

Jupp
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Genau das ist ja eben das schlimme, das viele Menschen heute von Arbeit nicht mal mehr existieren können, das ist ja noch schlimmer als Sklaventum. Wenn die nun versuchen durch Spekulation ihre Situation zu verbessern, sehe ich keinen moralischen Fehler in dem.

Warum ein Herr Hildebrand mit ner Million Franken Einkommen auch noch als Insider Devisen Handel betreiben muss, sehe ich eher problematisch. Aber Menschen sind nun mal eben auch Spieler, wenn man ihnen ein Spielkasino anbietet, dann werden sie es benutzen und da helfen auch keine Regeln und Kontrollen.

Der ganzen Laden muss mal wieder vom Kopf auf die Beine gestellt werden, dann wird das auch alles wieder halbwegs vernünftig laufen. Bis dahin bleibt einem eben keine andere Wahl als irgendwie in dem Laden mitzumachen.

Beitrag 05.01.2012, 13:40

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psychonaut-hh
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Jupp hat geschrieben: Bis dahin bleibt einem eben keine andere Wahl als irgendwie in dem Laden mitzumachen.
Genau. Und nur, weil einem das Spiel vielleicht nicht gefällt, bedeutet das ja nicht,
daß man es schlecht spielen muß.

Beitrag 05.01.2012, 13:47

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Goldhamster79
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psychonaut-hh hat geschrieben: Genau. Und nur, weil einem das Spiel vielleicht nicht gefällt, bedeutet das ja nicht,
daß man es schlecht spielen muß.
Erst wenn man die Spielregeln kennt, kann man optimal nach seinen eigenen Vorstellungen spielen - wenn man auch das Spiel des Spieleabends nicht auswählen darf...
Zuletzt geändert von Goldhamster79 am 05.01.2012, 14:10, insgesamt 1-mal geändert.
Falls Sie in einem Land leben, in dem Sie für das Fischen ohne Anglerschein bestraft werden,
jedoch nicht für den illegalen Grenzübertritt ohne gültigen Reisepass,
dann haben Sie das volle Recht zu sagen, dieses Land wird von Idioten regiert.
M. Zeman

Beitrag 05.01.2012, 13:54

Jupp
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Richtig, und solange man zum mitspielen gezwungen ist, spielt man besser so gut man kann. Einige gehen da wohl eindeutig zu weit damit, aber das ist ja nicht die grosse Masse. Und wer genug hat könnte sich ja auch komplett aus dem ganzen verabschieden, wenn die Gier nicht zu gross ist. Manche tun das ja auch und steigen aus, nur die meisten können es eben nicht und einige wollen es nicht, Spiele Junckies.

Beitrag 05.01.2012, 14:20

nameschonweg
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Ich würde sogar soweit gehen, dass man dieses System nur dann verändern kann, wenn es genügend Leute gibt, die sich daraus verabschieden. Denn nur dann bestünde die Möglichkeit, dass die Leute überhaupt die Zeit finden, über andere Dinge als Arbeit und Familie nachzudenken.

Der Punkt ist doch, dass der Großteil von uns genug damit beschäftigt ist, sich Wochentags von mindestens 07:00 bis 19:00 Uhr (+X) in irgendeiner Form mit dem Thema Arbeit und Broterwerb zu beschäftigen. Und dies ist nur mal auf die alltäglichen Zusammenhänge wie die Fahrt zur Arbeit, etc. bezogen. Rechnet man Steuererklärungen, Weiterbildung, Firmenfeiern, Wochenendworkshops bzw -Arbeit noch dazu, ist der Zeitansatz noch viel zu knapp kalkuliert. Dann kommt noch Familie, Freunde, Hobby dazu - und WANN bitte soll man da noch Zeit finden, das "große Ganze" überhaupt zu hinterfragen ... bestimmt nicht, wenn man fix und alle nach einem Arbeitstag auf die Couch fällt und den Halbwahrheitenberieselungsautomaten anwirft, um eben gerade NICHT mehr nachdenken zu müssen.

Lass sie arbeiten, füttere sie, unterhalte sie, bauchpinsele sie, kurz: beschäftigt sie - und halte sie unter allen Umständen vom Nachdenken ab!

Es ist doch die Lebenssituation, die erst die Trägheit der Massen in politischen wie gesellschaftlichen Dingen verursacht. Und wenn man sich nicht damit beschäftigt, versteht man die Zusammenhänge nicht. Sprich, man hat zwar vielleicht noch eine intuitive Meinung, aber keine validen Argumente. Und dann überläßt man auch gerne mal das Handeln anderen, die vermeintlich mehr Ahnung von der Sache haben. Der immer noch vorhandene allgemeine Wohlstand und die letztendliche Zufriedenheit mit den Lebensumständen (Komfortzone!) sorgt letztendlich dafür, dass man die eigene Meinung und Verantwortlichkeit nur allzu gerne freiwillig anderen übereignet. In Zeiten von breiter Armut und bei deutlich schlechteren Schulsystemen waren in Deutschland die Menschen - vom heutigen Stand gesehen - wesentlich "dümmer/ungebildeter", aber sie waren politisch sensibel, hatten den Willen zur Veränderung und wußten auch recht genau, WAS sie eigentlich wollten.

Heutzutage ist der Großteil unzufrieden mit dem was IST (meist, ohne zu wissen WARUM eigentlich), hat aber keine eigene Meinung dazu, was werden SOLL.

Solange dies so bleibt, wird sich am System selber nichts ändern. Auch nach einem Währungscrash wird ohne Wandel im Bewusstsein der Gesellschaft wieder zurück auf Los gegangen, zwei Züge später werden eine Reihe "Du kommst aus dem Gefängnis frei" Karten an die Bauernopfer verteilt und dann geht alles wieder von vorne los. Bis wieder mal alle Straßen besetzt und mit Hotels bebaut sind.

Was bleibt dem Einzelnen als Spekulation, Lotto, sich reich heiraten oder Glück mit dem richtigen Job bzw. Unternehmen haben, um für sich eine Alternative zum Hamsterrad zu schaffen.
Zuletzt geändert von nameschonweg am 05.01.2012, 14:45, insgesamt 3-mal geändert.
“The greatest tragedy in mankind's entire history may be the hijacking of morality by religion.”, Arthur C. Clarke
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Beitrag 05.01.2012, 14:30

peter
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wie sollen denn die Spielregeln erlernbar sein, wenn die "Spieler" die Spielregeln geheimhalten ???? siehe Thread Goldprognose 2012 .

Das System lässt sich ändern durch Kommunikation siehe "arabischer Frühling" es nur eine Frage der medialen Nutzung !!!!!!!!!!!!!!!!

MFG
Peter
peter24

Beitrag 05.01.2012, 14:38

nameschonweg
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peter hat geschrieben:Das System lässt sich ändern durch Kommunikation siehe "arabischer Frühling"
Deine Hoffnung in allen Ehren, aber das ist das gleiche Spiel, es hat nur einen anderen Namen und eine Überarbeitung der offiziellen Spielanleitung bekommen. Und es wird unter weit schlechteren Bedingungen für die Teilnehmer gespielt als hierzulande.
Auch nach dem "arabischen Frühling" müssen die Menschen dort ihr Leben lang für ihren Lebensunterhalt arbeiten und einen Gutteil ihres meist kargen Lohns entweder bei der Steuer abliefern oder für Lebensmittel ausgeben. Dafür bekommen sie jetzt wohl noch etwas zusätzliches religiöses Zaumzeug angelegt. Ich seh da keine wirkliche Änderung. Schon gar keine Verbesserung. Nur die Profiteure des Systems haben gewechselt.

Im Grunde ist es doch egal, wie das System heißt oder welchen äußeren Anschein es sich gibt. Im Kern steckt hinter allen real exisitierenden politischen oder religiösen Masken das gleiche Wirtschaftssystem, welches den Menschen ähnliche Zwänge auferlegt.

Und dort hat kaum jemand das nötige Anfangskapital, um auch nur an Spekulation zu denken (um den Bogen zum Thema wieder zu bekommen :) )
“The greatest tragedy in mankind's entire history may be the hijacking of morality by religion.”, Arthur C. Clarke
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Beitrag 05.01.2012, 14:49

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psychonaut-hh
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peter hat geschrieben: wie sollen denn die Spielregeln erlernbar sein, wenn die "Spieler" die Spielregeln geheimhalten ????
Da heisst es dann "learning by doing".

Und *doing* hat's einen wieder erwischt... smilie_02

Beitrag 05.01.2012, 14:49

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Goldhamster79
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nameschonweg hat geschrieben: Lass sie arbeiten, füttere sie, unterhalte sie, bauchpinsele sie, kurz: beschäftigt sie - und halte sie unter allen Umständen vom Nachdenken ab!
Oder kurz lieber NSW: Panem et Circenses

und solange alle satt und unterhalten sind, hilft eine Grundunzufriedenheit sogar dem System, das diese geschickt in den "Lebensinhalt" Konsum zu steuern weiß.

Weihnachten wird unterm Baum entschieden? Bullshit.

Das eigene Leben unter dem eigenen Schädeldach smilie_16
oder aber: Jeder ist seines Glückes Schmied.
Falls Sie in einem Land leben, in dem Sie für das Fischen ohne Anglerschein bestraft werden,
jedoch nicht für den illegalen Grenzübertritt ohne gültigen Reisepass,
dann haben Sie das volle Recht zu sagen, dieses Land wird von Idioten regiert.
M. Zeman

Beitrag 05.01.2012, 14:54

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Goldhamster79
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nameschonweg hat geschrieben:Ich würde sogar soweit gehen, dass man dieses System nur dann verändern kann, wenn es genügend Leute gibt, die sich daraus verabschieden. Denn nur dann bestünde die Möglichkeit, dass die Leute überhaupt die Zeit finden, über andere Dinge als Arbeit und Familie nachzudenken.
Erste Schritte liegen erstmal im Bewusstsein und entsprechendem Handeln, es müssen nur genug Leute ihren persönlichen Bankrun koordiniert durchführen, dann wirds eng fürs System.
Das Volk hat die Macht und den Wandel in der Hand, nur diesen offenbar noch nicht verdient weil nicht "erarbeitet".
Falls Sie in einem Land leben, in dem Sie für das Fischen ohne Anglerschein bestraft werden,
jedoch nicht für den illegalen Grenzübertritt ohne gültigen Reisepass,
dann haben Sie das volle Recht zu sagen, dieses Land wird von Idioten regiert.
M. Zeman

Beitrag 05.01.2012, 14:57

nameschonweg
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Goldhamster79 hat geschrieben:Das eigene Leben unter dem eigenen Schädeldach
oder aber: Jeder ist seines Glückes Schmied.
smilie_01

Ich habe irgendwie das Gefühl, als ob diese Grundhaltung leider immer mehr an Bedeutung verliert. Was leider auch erklärbar ist:

http://de.wikipedia.org/wiki/Gustave_Le_Bon

Sein "Psychologie der Massen" ist aus meiner Sicht absolute Pflichtlektüre. Bisserl staubig von der Sprache her, aber es öffnet einem in vielen Dingen die Augen. Und nicht nur in der Beurteilung historischer Ereignisse. Das Buch ist m.M.n. mehr als nur hochaktuell.
Goldhamster79 hat geschrieben:Erste Schritte liegen erstmal im Bewusstsein und entsprechendem Handeln, es müssen nur genug Leute ihren persönlichen Bankrun koordiniert durchführen, dann wirds eng fürs System.
Das würde aber voraussetzen, dass die Leute erstmal a) wissen müssten, dass sie überhaupt einen Bankrun durchführen sollten, b) was das eigentlich ist, c) was man für einen Bankrun überhaupt tun muss und d) was damit zu erreichen wäre. Und warum man das, was man mit einem Bankrun evtl. erreichen könnte, überhaupt braucht. :)

Und wegen all dieser Punkte ist es bis dahin wohl leider noch ein sehr weiter Weg. Eben weil in der breiten Öffentlichkeit die Grundlage an Wissen und damit die Sensibilität für die Situation fehlt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Dir in der U-Bahn jemand erzählen kann, was in den letzten 15 Folgen GZSZ gelaufen ist, liegt deutlich höher, als dafür, dass Dir jemand einen Bankrun erklären kann smilie_04
Zuletzt geändert von nameschonweg am 05.01.2012, 15:16, insgesamt 1-mal geändert.

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