Europas heimliche Notenpressen

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

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Beitrag 21.05.2012, 00:53

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Europas heimliche Notenpressen
Was passiert eigentlich, wenn Millionen Griechen nach und nach ihre Konten plündern? Eigentlich müssten die griechischen Banken dann in die Pleite rutschen. Doch weit gefehlt: Ein Geldsegen, über den kaum jemand spricht, bewahrt sie vor dem Untergang. Doch die Risiken dafür trägt der Rest Europas – auch der deutsche Steuerzahler. Wir haben erstmals Zahlen zum Ausmaß dieses Problems recherchiert.
http://investigativ.welt.de/2012/05/20/ ... enpressen/

Notenbanken
In Europa schlummern 145 Milliarden Notkredite
Eigentlich soll die EZB kontrollieren können, welche Banken wie viel Geld bekommen. Doch nebenbei werfen die Zentralbanken die Notenpresse an. So entsteht ein Risiko in Milliardenhöhe.
http://www.welt.de/wirtschaft/article10 ... edite.html

Beitrag 21.05.2012, 19:08

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Deichgraf
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Erstaunlich, wie sich immer noch mit Dreiecks-Konstruktionen Recht und Gesetz aushebeln lassen. Lernen die denn nie dazu?
Der Artikel spielt darauf an, dass bei einer Staatspleite dieser Schuldenberg noch dazu käme. Ich bin da eher sorgenfrei. Für mich ist das Geld bereits weg.

Beitrag 21.05.2012, 20:18

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AuCluster
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Deichgraf hat geschrieben:Erstaunlich, wie sich immer noch mit Dreiecks-Konstruktionen Recht und Gesetz aushebeln lassen. Lernen die denn nie dazu?
Der Artikel spielt darauf an, dass bei einer Staatspleite dieser Schuldenberg noch dazu käme. Ich bin da eher sorgenfrei. Für mich ist das Geld bereits weg.
Ich glaube, dass die völlig legal handeln. Und selbst wenn nicht, ist das auch egal. Wer sollte sie denn daran hindern?

Eine geniale Konstruktion, dieser Euro. Die gemeinschaftliche Haftung scheint in jedem 2. Paragraphen zu stehen. Die Gründer des Euro scheinen die Konsequenzen ihres Handels schon damals ganz genau erkannt zu haben.
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Beitrag 21.05.2012, 20:40

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Argentum13
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Man sollte auch nicht vergessen, dass die "Verantwortung Deutschlands für Europa" (wurde von Steinbrück gestern auch wieder so ähnlich formuliert) viel besser mit dem Euro einzufordern ist als mit der DM. Wir sehen ja an dem Handeln der deutschen Politik, dass man(fast um jeden Preis?) dieses System "retten" will....muss?

Diese Verantwortung hat Steinbrück ja netterweise in einen entsprechenden historischen Zusammenhang gerückt: Wie fast immer in Fragen, wenn die Argumente ausgehen, müssen das 3.Reich und die Judenverfolgung herhalten. Wurde vom Publikum auch anständig beklatscht.

Es geht also nicht um "Verantwortung", sondern um das Begleichen einer immer sich erneuernden "Schuld"! Leider bleibt Herr Steinbrück da auch in einem rhetorischen Euphemismus stecken.

Klar wurde jedenfalls: Die deutsche Politik würde schon deswegen Harikiri begehen, wenn sie Deutschland nicht zum Wohle aller anderen Euroländer ausbluten lassen würde. Alles andere wäre wohl wieder ein "deutscher Sonderweg".
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Beitrag 21.05.2012, 21:07

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Deichgraf
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AuCluster hat geschrieben: Ich glaube, dass die völlig legal handeln. Und selbst wenn nicht, ist das auch egal.
Selbstverständlich. Über die zwischengeschaltete nationale ZB ist das, was nicht sein darf, völlig legal. Ist aber auch egal, weil sowieso keine Sau mehr irgendwelche ursprünglich nett gemeinten Verträge einhält. Chaotisches Herumstolpern, Schönreden, Täuschen. Winterschlussverkauf.

Beitrag 22.05.2012, 16:38

alex350
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Offtopic Jetzt mal ehrlich was muss einen Reiten damit man die Nationale Geld Hochheit abgibt... :roll:

Beitrag 22.05.2012, 16:47

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AuCluster
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Deichgraf hat geschrieben:
AuCluster hat geschrieben: Ich glaube, dass die völlig legal handeln. Und selbst wenn nicht, ist das auch egal.
Selbstverständlich. Über die zwischengeschaltete nationale ZB ist das, was nicht sein darf, völlig legal. Ist aber auch egal, weil sowieso keine Sau mehr irgendwelche ursprünglich nett gemeinten Verträge einhält. Chaotisches Herumstolpern, Schönreden, Täuschen. Winterschlussverkauf.
... und schlussendlich wird dann noch mit falschen Zahlen gearbeitet. smilie_18
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Beitrag 22.05.2012, 17:02

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Argentum13
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@Deichgraf / AuCluster

smilie_01 Dem kann ich mich nur anschließen.

Zudem wird dem Souverän (was leicht vergessen wird, dass die Regierung nur repräsentativ und auf Zeit die Exekutive des Volkes sein kann) einiges verschwiegen, bzw. es wird nicht sauber bilanziert:

Warum werden die Wasserstände der Flüsse täglich publiziert, aber z.B. nicht die Entwicklung der Überziehunskredite bei der Bundesbank (Target 2)? Warum wird immer wieder herumgedruckst, die Gelder im ESEF und dann im ESM seien nur Bürgschaften (Röttgen seinerzeit in einer Talkshow: Es fließt doch kein Geld) und insofern keine Belastung für den Bundeshaushalt? Wie hoch sind die Rückstellungen im Bundeshaushalt, wenn -zig Milliarden aus D abgerufen werden, um wieder irgendeinen Staat zu stützen? Wie ist es zu erklären, dass trotz sprudelnder Steuereinnahmen wie noch nie immer noch eine Neuverschuldung stattfindet?

Ich hab noch ein paar Dutzend Fragen, auf die mir die Leute, die mich regieren, keine Antwort geben können.

Und dann soll mir noch einer sagen, gegen eine solche Regierung gebe es kein Widerstandsrecht des Bürgers? :twisted:
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Beitrag 22.05.2012, 17:40

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Ladon
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Argentum13 hat geschrieben:... Wie ist es zu erklären, dass trotz sprudelnder Steuereinnahmen wie noch nie immer noch eine Neuverschuldung stattfindet?
...
Da zumindest habe ich ein paar Hinweise für Dich:

a) weil der Zinseszinsmechanismus in einer "reifen" Volkswirtschaft enorme Wirkung entfaltet
b) weil die Steuereinnahmen zwar quantitativ sprudeln, sich aber das Verhältnis zum BIP verschlechtert. D.h. im Vergleich zum BIP werden seit den 90ern (wenn ich mich recht erinnere) stetig "weniger" Steuern gezahlt. Wem es gelingt, sich der Steuerlast mehr und mehr zu entziehen, muss wohl kaum gesagt werden ... der "kleine Mann" ist's jedenfalls nicht.
Ich glaube nicht daran, dass Wissen uns retten kann. Das Beständige in der Geschichte sind Gier, Verblendung und eine Leidenschaft für das Blut (Cormac McCarthy)

Beitrag 22.05.2012, 17:58

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Argentum13
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@Ladon

Danke!

Was mich ziemlich annervt: Warum lese ich diese Erklärung vom Mod&User Ladon in diesem Forum - warum wird mir das nicht von den politisch Verantwortlichen und den medial Kompetenten referiert, erklärt und in seinen Auswirkungen erläutert? Es geht dabei nicht um vergleichsweise Peanuts wie bei den hochgejubelten "Vorteilen", die sich Wulff offensichtlich verschafft hat. Wenn man proportional mit derselben Energie seitens der Politikund der Medien sich dieser Sachverhalte um die Verschuldungsproblematik annehmen würde, gäbe es nur dieses eine Thema.

Genau aus diesem Defizit entsteht mein Frust: Ich lasse mich nicht gern verdummdeubeln (wie man bei uns in Westfalen sagt)!
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Beitrag 22.05.2012, 19:33

spökenkieker
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Notenpressen werden zwar auch unter anderem in Gera gebaut.

Allerdings holt sich unser Finanzminister sein Geld in der Regel wo anders.

Ihr könnt euch gerne mal das Video von Herrn Frühwald (ex CDU/CSU) anschauen.

Denken könnt ihr darüber was ihr wollt das is mir Nase. Ich habe zu Frühwald auch meine Gedanken.

Aber ich finde das Thema hat er gut getroffen.


http://www.youtube.com/watch?v=JegpCQIC ... re=related

Beitrag 22.05.2012, 19:58

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Ladon
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spökenkieker hat geschrieben:...
Allerdings holt sich unser Finanzminister sein Geld in der Regel wo anders.
...
Aus dem Handelsregister Eintrag der Finanzagentur GmbH:

„Gegenstand des Unternehmens ist: die Erbringung von Dienstleistungen für das Bundesministerium der Finanzen bei der Haushalts- und Kassenfinanzierung der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Sondervermögen auf den Finanzmärkten. Hierzu zählen insbesondere Dienstleistungen bei der Emission von Bundeswertpapieren, der Kreditaufnahme mittels Schuldscheindarlehen, dem Abschluß von Swap-Geschäften sowie den Geldmarktgeschäften (Aufnahme und Anlagen) zum Ausgleich des Kontos der Bundesrepublik Deutschland bei der Deutschen Bundesbank. Zum Gegenstand der Gesellschaft gehören auch Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Marktanalyse und der Vorbereitung von Entscheidungsalternativen zur Durchführung der in Absatz (1) und Absatz (2) genannten Geschäfte.“

Wie man dem Text leicht entnehmen kann, hat die Finanzagentur GmbH weder legislative noch exekutive Aufgaben, der Finanzminister "holt" dort auch nicht sein Geld, sondern diese GmbH wickelt die entsprechenden Transaktionen im Namen des Bundes ab - es handelt sich um das Erbringen einer Dienstleistung für den Bund.
Die recht häufige Aufregung und die allfälligen Missverständnisse und um das Wesen dieses Finanzdienstleisters ist völlig unnötig. Der GmbH gehört weder das Vermögen des Bundes noch seine Schulden - genausowenig wie meinem Steuerberater mein Vermögen oder meine Schulden. Ob das Finanzministerium eine Abteilung im eigenen Haus oder eine solche Firma beauftragt, ist schnuppe. Die Methoden, die Haftungslage und die Entscheidungsinstanzen bleiben.
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Beitrag 22.05.2012, 19:58

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Ladon hat's absolut auf den Punkt gebracht, selten erlebt man den sachverhalt in so knappen Worten, und dennoch völlig den Nagel auf den Kopf getroffen.
Ja

Beitrag 22.05.2012, 21:41

spökenkieker
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Denken könnt ihr darüber was ihr wollt das is mir Nase

Hab ich doch geschrieben!!

Beitrag 23.05.2012, 05:28

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Ladon
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spökenkieker hat geschrieben:Denken könnt ihr darüber was ihr wollt das is mir Nase

Hab ich doch geschrieben!!
Dann brauchst Du allerdings auch keine Beiträge in einem Diskussionsforum einstellen. Denn die werden in aller Regel eben eine Antwort auslösen. Komische Einstelleung. smilie_13

Mein Post galt auch nicht Dir, sondern den Mitlesern, die vielleicht nicht nur mit dem Spiegel reden wollen, sondern dankbar für Informationen sind. Erkenntnis, ich habe das schon mal geschrieben, lässt sich nur dann wirklich gewinnen, wenn man auch die eigene Meinung oder Aussagen, die einem in den Kram passen, mal kritisch hinterfragt.

Ich denke, so mancher wäre gespannt darauf, was Deine Meinung dazu eigentlich ist.
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Beitrag 25.05.2012, 12:21

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Notenbanken
Euro-Länder untergraben die Geldpolitik der EZB

Wenn das Eigenkapital der Banken nicht mehr ausreicht, verweigert die EZB neue Kredite. Nationale Notenbanken sind da spendabler. Das birgt erhebliche Risiken für die Währungsunion.

http://www.welt.de/wirtschaft/article10 ... r-EZB.html

Beitrag 25.05.2012, 13:09

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plutokrat
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Ladon hat geschrieben: Mein Post galt auch nicht Dir, sondern den Mitlesern, die vielleicht nicht nur mit dem Spiegel reden wollen, sondern dankbar für Informationen sind.
Ich als stetiger Mitleser und Gelegenheitsschreiber bedanke mich dafür smilie_16

Die Gedanken die uns lenken führen oft in ein großes Nichts
Wir illusionieren das Vollkommene und vergessen die Welt in der wir leben

Beitrag 26.05.2012, 14:49

vfbdf1
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Da wird die Inflationsrate sich wieder freuen...

Beitrag 26.05.2012, 15:46

Buybuy
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Argentum13 hat geschrieben:@stützen? Wie ist es zu erklären, dass trotz sprudelnder Steuereinnahmen wie noch nie immer noch eine Neuverschuldung stattfindet?
Weil das BIP/Wachstum inzwischen hauptsächlich vom Staat gesteigert bzw. erzeugt wird.
Das schafft viele Steuereinnahmen, die nur durch Neuverschuldung möglich waren.
Auch der brummende Export wird ja durch Bürgschaften, Bankenrettungen usw.
staatlich subventioniert.

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