Regulierung der Rohstoffmärkte

Tagesgespräch zu Wirtschaftsthemen wie Geldmarkt, Börse, Währung, Finanzkrise, Inflation aus Deutschland und der Welt

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Beitrag 07.10.2012, 17:39

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MaciejP
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Hallo,

ich habe mir heute mal Peer Steinbrücks Aufsatz Vertrauen zurückgewinnen: Ein neuer Anlauf zur Bändigung der Finanzmärkte durchgelesen. Da davon auszugehen ist, dass bei einem Wahlsieg (oder zumindest einer Regierungsbeteiligung der SPD) bei den nächsten Bundestagswahlen, dieser Maßnahmenkatalog umzusetzen versucht werden wird, würde mich mal eure Meinung zum Thema Rohstoffmärkte-Regulierung interessieren. Konkret heißt es:
Peer Steinbrück hat geschrieben:Warentermingeschäfte ohne konkreten Bezug zu realwirtschaftlichen Warentransaktionen und der physische Rohstofferwerb durch Finanzinstitutionen führen zu einer gefährlichen Entkoppelung der Rohstoffmärkte von der Realwirtschaft und müssen verboten werden. [...] Der realwirtschaftliche Hintergrund von Geschäften muss dann im Nachhinein auch durch Nachweise in Form von Kundenaufträgen belegt werden können. Der Handel mit Index- und Investmentfonds, die Rohstoffpreise oder Rohstoffpreisindices abbilden, dient vorwiegend der Spekulation und sollte Banken und Schattenbanken für Agrarrohstoffe, Nahrungsmittel und Energierohstoffe verboten werden.
Das Verbot der Nahrungsmittelspekulationen unterstütze ich, bei dem Rest bin ich nicht ganz sicher, inwiefern das den privaten Handel mit Edel- oder Technologiemetallen betrifft. Verstehe ich das richtig, dass hier auf privater Seite ausschließlich der "Papierhandel" gemeint ist, bei dem keine echten Rohstoffe ausgetauscht werden, der physische Kauf von bspw. Edelmetallen also unberührt bleibt? Und welche Auswirkungen seht ihr bei Umsetzung dieser Vorschläge (oder ggf. zusätzlicher Maßnahmen) für die privaten Anleger?

Viele Grüße
Maciej

Beitrag 07.10.2012, 19:52

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AuCluster
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Der physische Erwerb von Gold kann nicht gemeint sein, da von Seiten der EU Gold als ein Finanzinstrument angesehen wird und nicht als Rohstoff. Daher auch die 0% MwSt beim Goldkauf. Wenn ich das Papier richtig interpretiere, geht es um physisch hinterlegte Rostofffonds (ETF). Sollten Finanzinstitute durch den physischen Kauf und Lagerung von Industriemetallen wie Kupfer oder Aluminium die Preise künstlich nach oben drücken, so sollte dies nach der Meinung von Steinbrück untersagt werden.
Sollte es grundsätzlich verboten werden, Industriemetalle ohne Verwendungsnachweis zu erwerben, so könnten auch Metalle wie Silber, Platin, Palladium oder Indium davon betroffen sein. Bei Privatpersonen wird so eine Regelung natürlich schwierig, da ich Silber in Form von Besteck oder Platin in Form von Schmuck kaufen kann. Der bürokratische Aufwand wäre mit Sicherheit gigantisch und verbietet solche Regelungen für Personen sofort.
Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.

Beitrag 07.10.2012, 20:13

Chinese
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Papiertiger
»Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.« Albert Einstein

Beitrag 07.10.2012, 23:27

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Onepiece
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Peer Steinbrück hat geschrieben:Warentermingeschäfte ohne konkreten Bezug zu realwirtschaftlichen Warentransaktionen und der physische Rohstofferwerb durch Finanzinstitutionen führen zu einer gefährlichen Entkoppelung der Rohstoffmärkte von der Realwirtschaft und müssen verboten werden. [...] Der realwirtschaftliche Hintergrund von Geschäften muss dann im Nachhinein auch durch Nachweise in Form von Kundenaufträgen belegt werden können. Der Handel mit Index- und Investmentfonds, die Rohstoffpreise oder Rohstoffpreisindices abbilden, dient vorwiegend der Spekulation und sollte Banken und Schattenbanken für Agrarrohstoffe, Nahrungsmittel und Energierohstoffe verboten werden.
Ganz großer Quatsch...
Den "Nachweis" wird man kaum richtig erbringen können.
Das ist genau der gleiche Unsinn, wie die Behauptung, dass "Spekulation" böse ist, und auch die "Spekulation" mit Nahrungsmitteln ist nicht per se schlecht, zumindest nicht, wenn man möchte, dass Bauern auch etwas mehr Planungssicherheit als den Wetterbericht haben...

Meiner bescheidenen Ansicht nach nur eine weiter Nebelkerze, evtl. schon Teil vom Wahlkampf-Spektakel...

Beitrag 25.02.2013, 23:00

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SilberBug100
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Der Film der Wahrheit, UBS & Co. würden am liebsten alles verbieten


Nahrungsmittelspekulation stoppen!
http://solidar.ch/spekulation


Film:
http://www.youtube.com/watch?feature=pl ... 3cQnBYzY7Q


http://solidar.ch/

Beitrag 26.02.2013, 07:34

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Ladon
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Bevor das jetzt in das übliche "böse Märkte" hier und "böse Regulierer" dort abgleitet, möchte ich mir erlauben auf etwas hinzuweisen, was dabei fast immer in den Hintergrund tritt: Ein bestehender "Markt" wie zum Beispiel der Nahrungssektor wäre ohne eine neue - sinnvoll oder nicht; kann man wahrscheinlich immer streiten - Regulierungsmaßnahme ja nicht ein perfektes, erhaltenswertes Ideal. Der Zustand dieses Marktes ist doch weit entfernt von einem freien marktwirtschaftlichen "Spielfeld".

Nur wenn es jetzt und hier und real einen Markt GÄBE, der sich tatsächlich "frei" nennen dürfte, müsste man, um diesen Idealzustand zu erhalten, selbstverständlich jede staatliche Regulierung ablehnen. Gibt es aber nicht. Edelmetalle? Von (Zentral-) Bankenkartellen und möglicherweise anderen großen Hortern manipuliert. Rohstoffe? Da langt es schon, wenn man OPEC sagt. Nahrung? Monopolisiert, kontrolliert, künstliche Preisgestaltung ... und so kann man munter weiter machen. In diesem - leider realen - Szenario können Eingriffe aber eben schon sinnvoll sein und man sollte sie vielleicht nicht nur wegen ihrer Eigenschaft "Eingriff in den Markt" ablehnen, denn sie greifen in einen absolut nicht idealen Markt ein.
Höflichkeit ist keine Schwäche - Empathie ist keine Dummheit - Moral ist nicht moralinsauer

Beitrag 26.02.2013, 08:46

haehnchen03
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Onepiece hat geschrieben:
Peer Steinbrück hat geschrieben:Warentermingeschäfte ohne konkreten Bezug zu realwirtschaftlichen Warentransaktionen und der physische Rohstofferwerb durch Finanzinstitutionen führen zu einer gefährlichen Entkoppelung der Rohstoffmärkte von der Realwirtschaft und müssen verboten werden. [...] Der realwirtschaftliche Hintergrund von Geschäften muss dann im Nachhinein auch durch Nachweise in Form von Kundenaufträgen belegt werden können. Der Handel mit Index- und Investmentfonds, die Rohstoffpreise oder Rohstoffpreisindices abbilden, dient vorwiegend der Spekulation und sollte Banken und Schattenbanken für Agrarrohstoffe, Nahrungsmittel und Energierohstoffe verboten werden.
Ganz großer Quatsch...
Den "Nachweis" wird man kaum richtig erbringen können.
Das ist genau der gleiche Unsinn, wie die Behauptung, dass "Spekulation" böse ist, und auch die "Spekulation" mit Nahrungsmitteln ist nicht per se schlecht, zumindest nicht, wenn man möchte, dass Bauern auch etwas mehr Planungssicherheit als den Wetterbericht haben...

Meiner bescheidenen Ansicht nach nur eine weiter Nebelkerze, evtl. schon Teil vom Wahlkampf-Spektakel...
Also ich muß dem Steinbrück hier doch recht geben.
Aber ich will nicht verhelen, das es für mich nur der erste Schritt in die richtige Richtung sein könnte.
Warum ist denn ein Nachweis kaum zu bringen?
Eine Bank oder ähnliches dürfte überhaupt nicht mit Lebensmittel spekulieren (da wirklich keinerlei Bezug zum Objekt vorhanden ist). Ein Konzern wie Nestle, Unilever, Kraft usw muß sich sicherlich auch absichern und evtl die Ernte von Bauern schon im voraus sichern.
Sicherlich stellt sich die Frage: Wieweit im Voraus?
Aber hier möchte ich nochmals den 2. Satz von mir erwähnen: "Der erste Schritt in die richtige Richtung"

Beitrag 26.02.2013, 08:54

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prowler
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Onepiece hat geschrieben: und auch die "Spekulation" mit Nahrungsmitteln ist nicht per se schlecht, zumindest nicht, wenn man möchte, dass Bauern auch etwas mehr Planungssicherheit als den Wetterbericht haben...
Wenn ich so einen Spruch lese, krieg ich Ausschlag, echt!
Ich lebe seit 40 Jahren in nem Dorf in der Voreifel und kenne KEINEN Bauer hier, dessen Familie die letzten Jahrzehnte mehr "Planungssicherheit" als den Wetterbericht gebraucht hätte-kennst Du auch nur einen Bauern persönlich..? Frag doch mal, was die von der Zockerei mit Nahrungsmitteln halten!

http://www.youtube.com/watch?v=aRGGzh-h ... detailpage

Zum Eingangspost:
Im letzten Satz wird doch deutlich gesagt, worauf sich die Begrenzungen beziehen sollen (für Agrarrohstoffe, Nahrungsmittel und Energierohstoffe) -
EM zählen zu keiner der genannten Kategorien, oder?
"1984" wasn´t supposed to be an instruction manual

Beitrag 26.02.2013, 10:22

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Bumerang
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Spekulation kann man nicht verbieten. Wenn sich Zwei treffen und eine Wette abschließen, kann der Dritte (z.B. der Bauer) kaum etwas dagegen unternehmen.

Was man aber verbieten kann und sollt eist die Vermischung zwischen Spekulation und echtem Geschäft, auch echtem Termingeschäft. Denn dass führt zur Manipulation des Preises. Auf Einzelheiten können wir, glaube ich, verzichten.

Heißt konkret, dass ein Termingeschäft immer erfüllt werden müsste (mit Ware)! MAn kann diesen Kontrakt selbstverständlich bis zur Fälligkeit auch handeln, aber am Ende müssen die Schweinehälften von jemandem geliefert, und von einem Anderen angenommen werden. Da ist .E. ein Markt.

Es muss verhindert werden, dass z.B. die Jahresproduktion in 5 Minuten verkauft werden kann, auf Termin, weil

a) der Verkäufer de facto darüber nicht verfügt (Leerverkauf)

b) dadurch der Preis künstlich gedrückt wird (Arbitrage zwischen Kasse und Termin)

Wer diese Art der Preismanipulation immer noch bestreitet, sollte sich überlegen warum Wetten auf Fußballspiele das Ergebnis manipulieren, obwohl nichts geliefert werden muss am Ende des Spiels!

Spekulation darf erlaubt sein, Manipulation nicht.
Gruß

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Beitrag 26.02.2013, 10:28

capazo
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"Regulierungsmaßnahmen" für mehr Macht und Kontrolle?

oder nur augenwischerei ?


http://www.macht-steuert-wissen.de/arti ... -show-.php



:roll:

Beitrag 26.02.2013, 11:48

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capazo hat geschrieben:"Regulierungsmaßnahmen" für mehr Macht und Kontrolle?

oder nur augenwischerei ?


http://www.macht-steuert-wissen.de/arti ... -show-.php



:roll:

Ist im Vorbildland USA nicht anders.

Die besten Sprüche im Zusammenhang mit der Finazkrise sind "Bankenrettung" und "Verstaatlichung".
Beide Begriffe sind irreführend.

Gerettet wurden die Aktionäre und die Manager dieser Banken.

Verstaatlichung heißt, dem rechtmäßigen Eigentümer etwas gewaltsam wegnehmen. Doch wo nix ist kann nix weggenommen werden. Aber am Stammtisch kann sich der dumme Michel freuen, dass die Politik den Banken "gezeigt hat wo es lang geht".... smilie_18

Stattdessen hat der Staat, also der Steuerzahler, der Bank einen Betrag ausgeliehen, mit dem er die Pleitebank mehrmals hätte kaufen können, wenn sie keine Unterstützungen(Rettung) bekommen hätte! Wenn es überhaupt sinnvoll gewesen wäre diese Bank zu kaufen!
Gruß

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Beitrag 26.02.2013, 18:24

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MaciejP
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prowler hat geschrieben:Zum Eingangspost:
Im letzten Satz wird doch deutlich gesagt, worauf sich die Begrenzungen beziehen sollen (für Agrarrohstoffe, Nahrungsmittel und Energierohstoffe) -
EM zählen zu keiner der genannten Kategorien, oder?
Nein, aber er schreibt am Anfang immer von Rohstoffen allgemein (wozu die Edelmetalle zählen) und nur im letzten Satz von den drei speziellen Rohstoffen. Vor allem der Satz zum "physische[n] Rohstofferwerb durch Finanzinstitutionen" ist da verwirrend, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Banken tatsächlich ein paar Tonnen Weizen oder Zucker im Tresorraum lagern; Gold oder Silber hingegen schon. :mrgreen:

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