Was geschieht, wenn Gold wieder Geld wird?

Edelmetall-Themen, neue Bullion- und Sammlermünzen, historische Hintergründe, Fachwissen

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Beitrag 03.08.2016, 12:56

tgwg
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AuCluster hat geschrieben:Die Bank of England schreibt auf die 10 Pfund-Noten folgendes:" I promise to pay the bearer on demand the sum of 10 Pound"

http://anancymag.com/wp-content/uploads ... -pound.jpg

Damit ist eine 10 Pfund-Note ein Schuldschein. Darauf zu hoffen, dass die BoE 10 Pfund Sterlingsilber rausrückt, wenn man die 10 Pfund-Note bei der BoE abgibt, bleibt ein frommer Wunsch.
Was zahlt die BoE? Nichts!
Die BoE verspricht Dir auf den Banknoten ja nicht, dass sie Dir 10 Pfund in Silber für den Schein gibt. Das war früher mal. Da stand aber auch drauf, dass Du Silber dafür bekommen kannst. Jetzt steht nur noch drauf, dass Du 10 Pfund bekommst. Also einen anderen 10-Pfund-Schein. Das kannst Du bei den regelmäßigen Vorträgen im Museum der BoE in London auch selbst fragen - der Eintritt ist kostenlos und Du kannst dort sogar einen 400-Unzen-Goldbarren in die Hand nehmen.

Beitrag 04.08.2016, 23:35

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MaciejP
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AuCluster hat geschrieben:Die argentinische Zentralbank kann, wie die EZB, keine Inflation erzeugen. Die schwächelnde Wirtschaft (Korruption, sinnlose Staatseingriffe, ...) jagt die Preise in die Höhe.
Das überzeugt mich noch nicht. Schwache Wirtschaft bzw. eine Rezession an sich geht doch normalerweise mit einer deflationären oder zumindest disinflationären Entwicklung einher, d.h. das sollte dann genau den gegenteiligen Effekt haben (außer eben, die Zentralbank/der Staat interveniert). Staatliche Eingriffe könnten ein Grund sein; wenn nicht direkt, dann über die Staatsverschuldung.

Aber davon abgesehen muss eine Zentralbank doch irgendwie in der Lage sein, Inflation "auf Knopfdruck" zu erzeugen. Die europäischen Südländer haben das doch im letzten Jahrhundert immer wieder als Mittel eingesetzt, indem sie die Währung abgewertet haben und so in der Folge auch eine Inflation bewirkt haben (zumindest nach außen). Soweit ich weiß wird dabei neues, inländisches Geld erzeugt und davon ausländische Devisen gekauft, was dann zur Abwertung der Währung führt.
„Wenn der Durchschnittsmichel Gold kauft, kann er keine Fehler machen.“ – „Gold fliegt nicht weg.“

Beitrag 05.08.2016, 04:20

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Ladon
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MaciejP hat geschrieben:...
Aber davon abgesehen muss eine Zentralbank doch irgendwie in der Lage sein, Inflation "auf Knopfdruck" zu erzeugen.
...
Zentralbanken können viel. Du kannst auch mit 180 Sachen durch die Innenstadt schüren, wenn du entsprechend motorisiert bist.
Zumindest einige Regeln gelten doch immer. Auch das Geldschöpfen ist manchen unterworfen.
Die Zentralbank kann nur ein Umfeld schaffen. Diese Rahmenbedingungen können z.B. inflationäre Tendenzen begünstigen und unterstützen oder dagegen arbeiten.
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Beitrag 06.08.2016, 00:00

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MaciejP
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Ladon hat geschrieben:Zentralbanken können viel.
Ja, Ladon, aber wir versuchen doch gerade zu ergründen, wieviel sie können. Oder ist die Antwort schlicht: "Sie können Inflation erzeugen, sie dürfen nur (noch) nicht"? Ich hatte das so verstanden, dass neben den gesetzlichen Hürden auch irgendwelche praktischen bestehen.
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Beitrag 06.08.2016, 01:42

Thomasio
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Rein theoretisch, wenn man mal alle gesetzlichen und praktischen Gründe ausser Acht lässt, dann kann eine Zentralbank so viel Inflation erzeugen wie sie will, einfach indem sie allen Konsumenten so viel Geld schenkt wie nötig, damit im Verhältnis von Angebot und Nachfrage genau die gewünschte Inflation rauskommt.
Das wäre nicht mal ein Problem, denn das lässt sich ganz perfekt steuern, indem man einfach die aktuelle Inflation berechnet und im nächsten Monat entsprechend mehr oder weniger Geld verschenkt.

Das Problem dabei ist mal wieder rechte Reiche-Leute-Politik, wo die Reichen gar nicht einsehen den Armen was von ihrem Wohlstand abzugeben.
Die Menge der Resourcen ist nun mal begrenzt und wenn man ALLEN Bürgern so viel Geld zur Verfügung stellt, dass sich jeder eine 100m² Wohnung und ein eigenes Auto leisten kann, einfach weil auch die ärmsten Konsumenten sobald sie es sich leisten können zu allererst nach besserem Wohnraum suchen und sich ein Auto kaufen, bevor sie schnöden Konsum betreiben, dann heisst das, dass im Lande kein Platz mehr ist für 10.000m² Villas und auf den Autobahnen 24 Stunden am Tag Dauerstau herrscht.

Beitrag 06.08.2016, 04:06

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Ladon
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MaciejP hat geschrieben:
Ladon hat geschrieben:Zentralbanken können viel.
Ja, Ladon, aber wir versuchen doch gerade zu ergründen, wieviel sie können. Oder ist die Antwort schlicht: "Sie können Inflation erzeugen, sie dürfen nur (noch) nicht"? Ich hatte das so verstanden, dass neben den gesetzlichen Hürden auch irgendwelche praktischen bestehen.
Nein, sie können Inflation INNERHALB des Spiels nicht "erzeugen". Da legen sie die Rahmenbedingungen fest. Im einfachen Fall den Leitzins, der ankurbeln und dämpfen soll. Da läuft es heiß, wenn die Zentralbank "mitspielt", wenn die Inflation droht. Sie kann aber auch gegensteuern. "Erzeugt" im eigentlichen Sinn wird sie durch eine Schieflage der Volkswirtschaft.

Theoretisch könnte die EZB jetzt Scheine drucken und verteilen lassen. Das ist aber keine Inflation. Die könnte höchstens in der Folge entstehen.
Allerdings wäre dies eine komplette Kompetenzüberwschreitung. Die Art und Weise, wie Geld bei der Zentralbank entsteht ist Teil des Systems. Sprengst du die Regeln, ist es aus damit. Der Staat wird die Übertragung der hoheitlichen Aufgabe "Kontrolle des Geldwesens" einfach beenden.

Ein weiterer ganz pratischer Grund: die EZB bräuchte Hilfe. Und zwar gewaltig. Das wäre ein komlizierter logistischer Aufwand.
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Beitrag 06.08.2016, 12:25

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Ken.Guru
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wäre es einmal möglich mal eine klare einheitliche definition von inflation, deflation und geld zu erstellen woran man sich orientieren kann ? btw. gleich noch eine von armut, relativer armut, reichtum und reichsein sowie was wohlstand eigentlich ist noch dazu.

mal ganz ot.
irgendwie ist das gejammer über wohlstandsverteilung, die reichen und die armen ja kaum noch zu ertragen. auf der einen seite kommt es mir vor als würde hier von ein paar usern dafür geworben mehr soziale gerechtigkeit zu erwirken und auf der anderen seite sehe ich das neidvolle gejammer der gleichen die zu blöd sind und/oder die nicht in der lage sind den preis für einen lebensstandard zu zahlen der ihnen genehm ist, dieses akademische theoretisieren über das was sein könnte oder nicht von leuten die so oder so nicht in der lage sind etwas zu ändern finde ich absolut witzig. ein brainstorming sieht jedenfalls anders aus und sollte weder von sozialneid noch von emotionalen befindlichkeiten geprägt sein.
mir selbst geht es nicht schlecht mit immo, 2 autos, bike, 7 fernseher, relativer persönlicher freiheit und funktionierendem sozialen gefüge. bin ich deshalb reich und sollte meinen "reichtum" teilen und/oder verschenken an die die es verrissen haben ? nie und nimmer. in meinem bekanntenkreis gibt es leute die grad so über die runden kommen und auch einen millionär. na und, sollte ich ihm seinen wohlstand neiden oder sollte ich mich über die armen "schweine" erhaben fühlen ? never. die schlimmsten waren bis jetzt immer die wollten und nich konnten weil sie sich selbst im weg standen. siehe signatur. gleich danach oder gleichauf kommen die, die eine bessere welt schaffen wollen.
wissenschaftlicher und sozialer fortschritt geschieht durch vernunft als einsicht in die notwendigkeit und/oder kapitalistischen interessen und nicht durch theoretisieren im elfenbeinturm oder per verordnung wie zb. hollande der bis 2024 den terrorrismus ausrotten will.
ansonsten witzige diskussion über das thema was passieren würde wenn gold wieder geld werden soll oder würde.
Diese Oneman Show hier hat soviel mit Meinungsfreiheit zu tun wie ein Zitronenfalter mit Zitronen falten. Meine Sperrung war wohl das Beste was mir passieren konnte. Danke an alle linken Weltverbesserer. Irgendwann merkt ihr wie bescheuert ihr seid.

Beitrag 07.08.2016, 00:46

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MaciejP
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Ladon hat geschrieben:Theoretisch könnte die EZB jetzt Scheine drucken und verteilen lassen. Das ist aber keine Inflation. Die könnte höchstens in der Folge entstehen.
Hhm, hier liegt wohl genau der Hase im Pfeffer. Wenn jetzt jeder Bürger 10.000 Euro in bar direkt von der EZB bekommen und sich die einfach in den Tresor legen würde, würde zunächst einmal genau gar nichts passieren. Oder er trägt es zurück zur Bank und verwendet es als Sondertilgung für seinen Kredit. Dann würde am Ende sogar noch Giralgeld vernichtet, was dann sogar deflationären Charakter haben müsste. Die eigentliche (Preis-)Inflation kommt tatsächlich erst, wenn der Bürger das Geld auch brav in die Läden trägt, wo es dann erst so richtig in den Umlauf kommt. Heißt also, sogar durch Helikoptergeld wird keine Inflation garantiert. :o
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Beitrag 07.08.2016, 05:41

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KROESUS
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@MaciejP:

interessante Überlegung

wenn der Durchschnittsmichel 10000€ geschenkt bekommt wird er sich vielleicht ein neues Gebrauchtauto kaufen
oder den Dachboden anfangen auszubauen und etwas für Brunnenbau in Afrika spenden

oder sich einen teureren Jahresurlaub gönnen und eine neue Küche

der Durschnittsgoldforist wird sich vielleicht ein paar Unzen extra anlachen

in beiden Fällen werden wenn das viele machen die Preise steigen sei es die für Autos oder Küchen oder eben der von Goldmünzen

je nachdem für was die Leute ihr Geld ausgeben

die Wahrscheinlichkeit dass die Beschenkten ihr Geld als Bargeld in den Tresor legen würde ich mal für die Gesamtheit der Deutschen bei unter 10% ansiedeln

somit wird man auch hierzulande durch Geldverschenken Inflation oder zumindest Umsatzsteuersteigerungen erreichen können

mission accomplished oder habe ich einen Denkfehler?

Der eigentliche Fadentitel spielt wohl keine Rolle mehr, Gold wird nie mehr staatliches Geld werden, privates Geld ist es schon und dürfte es meiner Meinung nach auch noch eine ganze Weile bleiben

Beitrag 07.08.2016, 10:52

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Ladon
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KROESUS hat geschrieben:...

mission accomplished oder habe ich einen Denkfehler?

...
Nein, du hast ja nur einen EInmaleffekt. Die Händler bestellen jetzt nicht plötzlich permanent mehr (und erzeugen Nachfrasge in Richtung Hersteller). Die Nachfrage normalisiert sich sofort wieder. Bevor die Preise überhaupt auf breiter Front steigen können, ist der Spuk schon wieder vorbei.
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Beitrag 07.08.2016, 14:07

BOB
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Ob Extra-Geld inflationswirksam wird oder nicht, hängt nicht nur von der Höhe ab. Vieles beim Geldausgeben ist eher psychologisch als logisch.
Beispiel "Weihnachtsgeld". Vermutlich die meisten Menschen erhöhen damit tatsächlich in der Weihnachtszeit ihren Konsum z.B. für Geschenke und andere Dinge, die sie sonst in diesem Maße nicht kaufen würden. Würde man denselben Betrag durch eine Lohnerhöhung auf das Jahr verteilen, würden damit wohl eher laufende Kredite abbezahlt. Gebe ich einem Mitarbeiter überraschend einen Bonus von 100 EUR, geht er mit seiner Frau in einem guten Restaurant essen. Bekommt er monatlich 8 EUR mehr, bemerkt er es nicht einmal. Usw. usw.
Wenn man Konsum steuern will, geht dies wohl eher durch zweckgebundene Zuschüsse. Aber auch hier gibt es Unterschiede.
Die Abwrackprämie war ein Strohfeuer, bei dem manche die bald sowieso fällige Ausgabe für ein Auto vorgezogen haben.
Bei anderen Maßnahmen (z.B. rund ums Haus) kann es sein, dass diese ohne Förderung erst einige Jahre später (z.B. Heizung) oder sogar nie (z.B. Sicherheitstechnik) durchgeführt würden.
Die wenn auch beschränkte steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen hat durchaus dazu geführt, dass Dienstleistungen (z.B. Gärtner) häufiger und dauerhaft in Anspruch genommen werden.
Auch beim Helikopter-Geld würde es nicht allein um das Wieviel sondern auch um das Wie gehen.

Beitrag 07.08.2016, 14:16

BOB
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Nachtrag:
Wenn ich das Verhalten von Käufern - nicht zuletzt auch von mir selbst - beobachte, sind Sonderangebote ("Kaufe 3, zahle 2"), Rabatte ("bis morgen 20 % billiger") und Ähnliches recht erfolgreich und steigern tatsächlich den Konsum. Wenn der Staat oder die EZB bestimmte Bereiche ankurbeln wollte, müsste sie so verfahren, in dem sie x % der Kosten übernimmt.

Beitrag 07.08.2016, 14:17

Thomasio
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Ken.Guru hat geschrieben:wäre es einmal möglich mal eine klare einheitliche definition von inflation, deflation und geld zu erstellen woran man sich orientieren kann ? btw. gleich noch eine von armut, relativer armut, reichtum und reichsein sowie was wohlstand eigentlich ist noch dazu.
Inflation und Deflation ist dasselbe, nur mit anderen Vorzeichen.
Beides ist definiert als die Veränderung des Preises eines vorgegebenen Warenkorbs.
Was im Warenkorb drin ist, ist je nachdem wer ihn definiert und dann auch noch in jedem Land immer anders.
Hier z.B. ist eine ganz nette Übersicht:
https://de.wikipedia.org/wiki/Warenkorb

Im Prinzip hat jeder seinen persönlichen Warenkorb, also sowas wie eine gefühlte, persönliche Inflation/Deflation.
In meinem Fall, mit Wohnort Italien, ist das seit gut 5 Jahren eine extreme Deflation, weil Lebensmittel im Supermarkt derartig deutlich viel billiger geworden sind, dass ich mir mittlerweile 3 Urlaube am Strand pro Jahr gönne, die ebenfalls permanent im Preis gefallen sind.
(Ja, das ist wirklich so drastisch, 30€ pro Woche sparen wir zu zweit im Supermarkt und 1500€ im Jahr reicht für 3x 1 Woche für 2 Personen Halbpension ausserhalb der Hauptsaison.)

Reichtum und Armut sind in jedem Fall relativ, im Prinzip sehr einfach zu berechnen, aber auch sehr leicht zu verfälschen.
So wird z.B. das Durchschnitts-Nettoeinkommen in Deutschland von statistica.com mit 1.345€ angegeben.
Wer weniger als 60% davon verdient gilt als arm, wer mehr als das Doppelte verdient gilt als reich.
Der "Trick" ist hier, dass die Einkommen der wirklich Reichen hier überhaupt nicht erfasst werden, sprich dieser Durchschnitt von Anfang an nur der Durchschnitt der Normalverbraucher ist.

Klarer wird es, wenn man das BIP auf Arbeitsplätze umrechnet.
Das BIP in Deutschland beträgt 3,73 Billionen US$ oder auch so etwa 3,4 Billionen €.
Das ergibt bei knapp 81 Millionen Einwohnern ein BIP von $46.268 oder auch ca. 42.000€ pro Nase.
Verteilt auf 43,5 Millionen Arbeitsplätze und 1,3 Millionen Selbständige liegt das BIP bei knapp 76.000€ brutto pro Arbeiter.
Laut OECD liegt die Belastung von Steuern und Abgaben in Deutschland im Schnitt bei 49,4%, sprich das tatsächliche Durchschnitts-Netto-Einkommen liegt bei ca. 3.200€ monatlich.
Nimmt man DAS als Grundlage, dann gilt das was offiziell als Durchschnittslohn gilt schon als Armut und Reichtum beginnt erst bei 6.400€ netto monatlich.

Neidisch muss deswegen keiner sein, aber wer eine funktionierende Wirtschaft will, der muss sich darüber klar sein, dass Reiche nicht mehr Konsumgüter kaufen, wenn ihre Einkommen steigen.
Verschiebt man also die Einkommen mit schöngerechneten Statistiken derartig weit zugunsten der Reichen, dann werden Aktien und Immobilien explosionsartig teurer, aber dann reicht die Nachfrage nach Konsumgütern nicht um die Produktion zu verkaufen, wodurch die Reichen, die das Zeug nun mal herstellen, sich selber ruinieren, sobald sie ihren eigenen Kunden die Löhne so weit gedrückt haben, dass die zu wenig Konsumgüter nachfragen.
Der DAX hat sich seit seinem Tiefpunkt in der Krise 2009 bis heute in etwa verdreifacht, gleichzeitig ist der Preis für Butter im selben Zeitraum um etwa 10% gefallen.
Auch alle Arten von Rohstoffen, ob nun Stahl, Kupfer oder sonstwas, bis hin zum Gold hat in den letzten 6 Jahren massiv an Wert verloren, schlicht weil eine Industrie die keine Käufer für ihre Produkte findet die Produktion zurück fährt und ihrerseits weniger Rohstoffe nachfragt, wodurch der Rohstoffpreis fällt.

Wie diese Schönrechnerei funktioniert erklärt Gerd Bosbach:
https://www.youtube.com/watch?v=vfWXWRkoJbc
Besonders interessant die Erklärung zu Demografie und Renten ab 10:45

Ob die Währung die dabei verwendet wird nun Fiat-Geld oder Gold oder sonstwas ist, macht keinerlei Unterschied.

Beitrag 07.08.2016, 15:26

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Ken.Guru
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ich sehe zb. M3 und deren vermehrung und verminderung als inflation und deflation an. M3 hat sich sich 2000 fast verzweieinhalbfacht,
der warenkorb der insich vollkommen idiotisch ist da er dauernd verändert wird, und damit keinen verifizierbaren wert hat, so wie es dem staat grad passt um das zünglein der waage in die eine oder andere richtung zu verschieben wie es gerade opurtun ist, nicht als infl/defla indikator geeignet.
da sehe ich zb. den pog, obwohl er auch mehr als genug manipuliert wird, schon eher als indikator für infla/defla und jetzt wirds verrückt auch für die kaufkraft, der pog sagt mir das die kaufkraft seit 2000 um mind. 50 % + zurückgegangen ist im € land und damit auch eine infla von rund 50 % + des €. siehe M3, https://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge. der warenkorb sagt wieder was anderes aus da nicht alles gleich im preis fällt oder steigt. wenn ich jetzt noch mit der umlaufgeschwindigkeit des geldes die vom erstempfänger des geldes bis zum letzten anfange und sich permanent verlangsamt von oben nach unten wirds noch komplizierter. also bleib ich bei M3 und dem pog, ist wesentlich einfacher.
was den den kaufkraftverlust anbetrifft ist nicht alles inflation was so aussieht.
den dax sehe ich in keinster weise als indikator an da dessen inhalt variabel ist und was kaputt geht eh rausfliegt, kannst ja beim dachs noch die infla einrechnen und den intrinsischen wert der firmenanteile. dann bist du irgendwo bei 2500 was aber keinen interessiert solang das ponzischema funktioniert.
das bip ist auch ein witz da, da nicht nur produziertes, export etc. eingeht sondern ebenso dienstleistungen, auch die von nutten und schwarzarbeit, dauerd nicht mehr lange und diebstahl geht auch noch mit rein.
wenn ich dann noch die target2 salden miteinbeziehe wirds dann noch übler mit dem bip. alles eine einzige riesenverarsche.
kannst du sie nicht überzeugen dann schütte sie mit daten zu die sie eh nicht verarbeiten können.
Diese Oneman Show hier hat soviel mit Meinungsfreiheit zu tun wie ein Zitronenfalter mit Zitronen falten. Meine Sperrung war wohl das Beste was mir passieren konnte. Danke an alle linken Weltverbesserer. Irgendwann merkt ihr wie bescheuert ihr seid.

Beitrag 07.08.2016, 16:49

BOB
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Thomasio hat geschrieben: Reichtum und Armut sind in jedem Fall relativ, im Prinzip sehr einfach zu berechnen, aber auch sehr leicht zu verfälschen. So wird z.B. das Durchschnitts-Nettoeinkommen in Deutschland von statistica.com mit 1.345€ angegeben. Wer weniger als 60% davon verdient gilt als arm, wer mehr als das Doppelte verdient gilt als reich. Der "Trick" ist hier, dass die Einkommen der wirklich Reichen hier überhaupt nicht erfasst werden, sprich dieser Durchschnitt von Anfang an nur der Durchschnitt der Normalverbraucher ist.
Bei diesem Punkt muss ich etwas widersprechen.
- "Reichtum und Armut sind in jedem Fall relativ"?
Du hast recht, dass dieser Sprachgebrauch in Statistiken und Medien üblich wird. Die meisten Menschen unterscheiden jedoch weiterhin intuitiv und zurecht bei den Begriffen "Reichtum" und "Armut" zwischen "absolut" und "relativ".
Ein junger Student oder ein alter Rentner, der in Deutschland 800 EUR netto im Monat hat, wird von sich sagen, dass er in bescheidenen Verhältnissen, aber nicht in Armut lebt. Arm ist man, wenn man eine einfache(!) Lebenshaltung nicht mehr bestreiten kann. Politisch daran Interessierte nehmen gern die Um-Definition vor, damit sie zunächst die Ungleichheit der Einkommensverteilung darstellen können, aus der sie dann unweigerlich eine Ungerechtigkeit ableiten.
- "Der "Trick" ist hier ..."?
Es geht nicht um Trickserei, sondern darum, dass im Vergleich zum arithmetischen Mittelwert der Median, der ja der Wert ist, über und unter dem jeweils 50 % der betrachteten Menge liegen das bessere Maß ist. Er beschreibt den "typischen" Wert und ist gegenüber Ausreißern nach unten oder oben robuster.
Wenn Eltern das Taschengeld für ihr Kind im mittleren Bereich seiner Freunde halten wollen, sollte ein einziges extrem verhätscheltes Kind nicht den ganzen Schnitt verfälschen. Und wenn Dagobert Duck aus Entenhausen wegzieht, verändert sich der Median fast gar nicht, das arithmetische Mittel sehr stark. Abgesehen davon, dass nach "moderner" Statistik dann über Nacht aus vielen Armen plötzlich Reiche würden...

Beitrag 07.08.2016, 17:00

regenbogendieb
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Ich sehe den Warenkorb auch kritisch, zumal da die Produktentwicklung preismindernd berücksichtigt wird.
Im Studium habe ich gelernt, daß Inflation = Geldmenge M3 - Wirtschaftswachstum ist. Und die ist viel höher als die künstlich kleingehaltene "Warenkorbinflation", die wohl letztlich nur dazu dienen soll Löhne und Renten niedrig zu halten und die Bevölkerung zu beruhigen. (= zu verarschen)

Hier mal eine Übersicht über die wirklichen Inflationsraten:

https://www.goldsilber.org/wahre-inflation.php

Beitrag 07.08.2016, 18:10

Thomasio
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Da habt ihr halt das Problem, dass Monetarismus, also der Glaube, dass alleine die Geldmenge die Inflation reguliert in der Praxis derartig vollkommen schief geht, dass unter seriösen Ökonomen Monetarismus heutzutage vollkommen tot ist.

Klar kommt rein monetarisch gerechnet seit 2000 eine über 50% höhere Geldmenge raus, aber bezahlen wir wirklich im Schnitt 50% mehr für alles?
Wenn so gut wie alle Preise von Rohstoffen völlig im Keller sind, welche Preise haben sich dann verdoppelt oder noch mehr, damit im Schnitt 50% Inflation rauskommt?

Fasst euch doch mal an die eigene Nase.
Gebt ihr heute im Supermarkt 50% mehr Geld aus als 2000?
Ich persönlich gebe 30% WENIGER aus.
Wenn ein bestimmtes Auto 2000 z.B. 20K gekostet hat, kostet dasselbe Auto heute 30K?
Mein Auto kostet heute WENIGER.
Wer zur Miete wohnt und 2000 z.B. 500€ Kaltmiete bezahlt hat, bezahlt der heute 750?
Ich wohne nicht zur Miete und nicht mal in Deutschland, aber meine Schwester bezahlt heute präzise dieselbe Miete wie vor 16 Jahren.
Wie hoch war HartzIV im Jahre 2000 (oder hiess das damals noch Sozialhilfe)? Ist es heute 50% mehr? Wenn nicht, wie können die HartzIV-Empfänger heute noch überleben, falls alle Preise im Schnitt 50% höher liegen?

Das gibt es alles nicht, das kann jeder am eigenen Geldbeutel jeden Tag live und in Farbe erleben.
Da ist immer Japan das beste Beispiel, denn die haben in den letzten 25 Jahren (umgerechnet in Euro) 7,8 Billionen Staatsschulden gedruckt (also bei weniger Einwohnern knapp das 4fache der deutschen Staatsschulden) und in denselben 25 Jahren permanent Deflation und Depression gehabt.
Wie viel offensichtlicher muss man es machen, dass Geld drucken alleine keinerlei Einfluss auf die Inflation hat, solange dieses Geld nicht den Konsumenten in Form von Kaufkraft zur Verfügung gestellt wird?

Beitrag 07.08.2016, 19:10

regenbogendieb
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Kann ich nicht bestätigen. Ich zahle wesentlich mehr im Supermarkt als vor 16 Jahren. Wie man da 30% weniger zahlt und welches Auto heute weniger kostet hätte ich gerne einmal konkret erläutert. Konkret: welcher Supermarkt hat seine Preise um 30% gesenkt und welches Automodell soll das sein?

Abgesehen davon sind lt. Statistischem Bundesamt die Reallöhne in 2014 exakt auf dem Niveau von 1992 gewesen. (Bei Berücksichtigung der offiziellen Preissteigerungsrate)

Beitrag 08.08.2016, 11:23

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Thomasio hat geschrieben:Wie hoch war HartzIV im Jahre 2000 (oder hiess das damals noch Sozialhilfe)? Ist es heute 50% mehr? Wenn nicht, wie können die HartzIV-Empfänger heute noch überleben, falls alle Preise im Schnitt 50% höher liegen?
Hallo,

50% sind es nicht, aber es geht schon in diese Richtung:

Sozialhilfe im Jahr 2000 = 550 DM (281 €)
Sozialhilfe im Jahr 2016 = 404 €
Steigerung von 281 € auf 404 € = 43,66 %
Quellen:
https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_vbl_det ... &vd_back=N
http://www.refrago.de/hartz-iv_-_regels ... b_xii.html

Beitrag 08.08.2016, 12:35

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lifesgood
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Der Verbraucherpreisindex (Basis 2010) lag im Jahr 2000 um die 85 Punkte und liegt Stand Juni 2016 bis 107,3 Punkten https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten ... re110.html, das ist eine Steigerung rund 26%.

Wie Du da 30% weniger verbrauchen kannst, wohl nur durch ein drastisch geändertes Konsumverhalten.

Fahrzeugkosten niedriger als 2000 - wohl auch nur, wenn man Äpfeln mit Birnen, also verschiedene Fahrzeugklassen vergleicht. Wenn Du in der Fahrzeugklasse runtergegangen bist, magst Du persönliche weniger Fahrzeugkosten haben, aber allgemeinverbindlich ist das nicht.

Mieten: Schön, dass Deine Schwester noch dieselbe Miete bezalt wie vor 16 Jahren. In so manchen Ballungszentren (München, Stuttgart, Hamburg usw.) sind die Mieten um über 50% gestiegen. Im Bundesdurchschnitt wird es wohl auch auf rund 25% in diesen 16 Jahren rauslaufen.

lifesgood

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