Was geschieht, wenn Gold wieder Geld wird?

Edelmetall-Themen, neue Bullion- und Sammlermünzen, historische Hintergründe, Fachwissen

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Beitrag 08.08.2016, 13:01

BOB
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Solange man sich nicht auf die betrachteten Waren und ggf. auch Dienstlestungen einigt, kann man für fast jede Zahl nach oben und z.T. auch nach unten ein Beispiel finden.
Mein Beispiel ist der Preis, der jährlich beachtet und diskutiert wird, nämlich der für das Maß Bier auf dem Münchner Oktoberfest. Er ist von 7,55 DM = 3,86 EUR (1990) über 12,60 DM = 6,44 EUR (2000) und 8,90 EUR (2010) auf 10,70 (2016) gestiegen, also + 66 % seit 2000 und + 177 % seit 1990.
Bei Mieten gibt es alles: von Großstädten mit Preisexplosion bis hin zu ländlichen Gegenden, bei denen der Bürgermeister jedem Zugereisten heute noch etwas drauflegt, damit sein Ort nicht zur Geisterstadt wird.
Dass der amtliche "Warenkorb" manipulierbar ist und politisch manipuliert wird, steht wohl außer Zweifel.

Beitrag 08.08.2016, 13:05

mazell
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BOB hat geschrieben:Solange man sich nicht auf die betrachteten Waren und ggf. auch Dienstlestungen einigt, kann man für fast jede Zahl nach oben und z.T. auch nach unten ein Beispiel finden.
Mein Beispiel ist der Preis, der jährlich beachtet und diskutiert wird, nämlich der für das Maß Bier auf dem Münchner Oktoberfest. Er ist von 7,55 DM = 3,86 EUR (1990) über 12,60 DM = 6,44 EUR (2000) und 8,90 EUR (2010) auf 10,70 (2016) gestiegen, also + 66 % seit 2000 und + 177 % seit 1990.
Bei Mieten gibt es alles: von Großstädten mit Preisexplosion bis hin zu ländlichen Gegenden, bei denen der Bürgermeister jedem Zugereisten heute noch etwas drauflegt, damit sein Ort nicht zur Geisterstadt wird.
Dass der amtliche "Warenkorb" manipulierbar ist und politisch manipuliert wird, steht wohl außer Zweifel.
Ich habs am Hackfleisch ausgemacht im roten Netto, das gabs mal für 1,81€ in 2011 etwa und kostet jetzt 2,30€ etwa. Allerdings Thunfisch ist von 1,19€ auf 1,09€ gefallen ;)

die Miete ist bei mir in Berlin um etwa 33% gestiegen seit 2006

Beitrag 08.08.2016, 13:47

Thomasio
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Na sicher kann man mit selektiver Auswahl so ziemlich jede Aussage untermauern.

Versucht es mal mit Opel Corsa.
Da kostete der kleinste 3-Türer vom Corsa D im November 2007 nach Liste 11.420€.
Heute kostet der 3-Türer vom Corsa E nach Liste 11.995€.
Das ist auf den ersten Blick eine Preissteigerung von ca. 0,5% pro Jahr.
Nimmt man dazu, dass der E mehr Ausstattung hat, ist der Corsa effektiv billiger geworden.

Was ihr da ansonsten macht ist die deutsche Preisentwicklung mit Italien vergleichen, bzw. habt ihr vielleicht übersehen, dass ich in Italien lebe.
Hier bei mir herrscht Deflation und Depression, noch nicht ganz so schlimm wie in Griechenland, aber da kommen wir auch noch hin, bevor 2018 die Rechtsextremen die nächsten Wahlen gewinnen und aus dem Euro aussteigen.

Aus rein deutscher Sicht kann man bis jetzt noch eine Preissteigerung ausmachen, aber wartet mal ab, was passiert, wenn nächstes Jahr der FN in Frankreich die Wahlen gewinnt.
Da müsst ihr gar nicht bis 2018 und die Wahlen in Italien warten, schon nächstes Jahr kann der Euro kaputt gehen, wenn die Franzosen aus der EU und dem Euro aussteigen.
Dann habt ihr in D über Nacht 3 Millionen Arbeitslose mehr und wenn Schäuble dann immer noch glaubt Lohnkürzungen und Sparen seien die Lösungen gegen Arbeitslosigkeit, DANN reden wir mal über regelrecht galloppierende DEflation.
Dann gibt es in Deutschland sowas wie Griechenland hoch 3.

Beitrag 08.08.2016, 14:18

BOB
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Thomasio hat geschrieben: [...] schon nächstes Jahr kann der Euro kaputt gehen, wenn die Franzosen aus der EU und dem Euro aussteigen. Dann habt ihr in D über Nacht 3 Millionen Arbeitslose mehr [...]
Ein anderes Thema, aber was meinst Du genau damit? Etwa: Stirbt der Euro, stirbt die EU - und stirbt die EU, sterben die deutschen Arbeitsplätze? Das kann sein - oder aber auch nicht.

Beitrag 08.08.2016, 18:20

Thomasio
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Die Franzosen und die Italiener haben begriffen, dass sie den gesamten Wettbewerbsvorteil den die Deutschen mit ihrem Lohndumping in den letzten 15 Jahren angesammelt haben über Nacht auslöschen können, wenn sie aus dem Euro aussteigen und eine eigene Währung entsprechend abwerten.
Wenn das passiert, ohne dass Deutschland sich darauf vorbereitet (wobei ich glaube, dass Deutschland noch nicht mal darüber nachdenkt sich darauf vorzubereiten und die verbleibende Zeit selbst dann nicht mehr reichen würde, wenn man jetzt sofort mit drastischen Massnahmen reagieren würde) dann kommen die gesamten Arbeitslosen die Deutschland seit 16 Jahren nach Süddeutschland exportiert über Nacht nach Deutschland zurück.

Ob es dann noch eine EU gibt und/oder die verbleibenden Staaten den Euro beibehalten, macht keinerlei Unterschied.
Dann hat Deutschland derartig massive Verluste im Export bei gleichzeitigem massivem Einbruch in der Binnennachfrage, dass einfach durch das Gesetz von Angebot und Nachfrage innerhalb von TAGEN praktisch ALLE Preise massivst einbrechen werden.

Beitrag 08.08.2016, 20:14

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Ladon
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Ein jedes Ding hat zwei Seiten.

Der Exportweltmeister kann dieses ja nur werden, wenn seine angebotenen Waren und/oder Dienstleistungen nachgefragt oder sogar gebraucht werden.
Es sind auch weniger die Dinge, die "über den Peis laufen", als Hightech,Waffen und so was. Man killt doch nicht den besten Zulieferer! Wo, wenn nicht in der EU und mit dem Euro können die denn einkaufen? So ohne Geld oder mit eigenem ultra-abgewertetem.
Höflichkeit ist keine Schwäche - Empathie ist keine Dummheit - Moral ist nicht moralinsauer

Beitrag 08.08.2016, 23:30

Thomasio
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Siehste, DAS ist der grosse Irrtum der Deutschen.

Erstmal "Ultra-"abgewertet wird da nichts, auch wenn du vielleicht gerne glauben würdest, dass deren Währungen nach dem Euro-Ausstieg völlig wertlos werden könnten.
Der Wettbewerbsvorteil der Deutschen liegt gegenüber Frankreich bei so etwa 20% und gegenüber Italien bei etwa 30%.
Wenn die also 30, bzw. 40% abwerten, ist das nicht die Welt, aber dann haben sie einen 10% Wettbewerbsvorteil gegenüber Deutschland.

Ich nehme an, du nimmst Griechenland als Beispiel, die heute in der Falle sitzen und ohne Hilfe aus der EU nicht überleben können, aber da liegst du völlig falsch.
Griechenland hat den Fehler gemacht seine eigene Industrie völlig kaputt gehen zu lassen, bevor sie zugegeben haben, dass sie pleite sind und danach hat die Austeritätspolitik der griechischen Wirtschaft im Binnenmarkt den Todesstoss versetzt.
Wenn Griechenland aus der EU austreten würde, dann gäbe es in Griechenland so gut wie nichts mehr zu kaufen, schlicht weil die kaum noch eigene Produktion haben.
In Italien und Frankreich schaut das völlig anders aus, die stehen praktisch in den Startlöchern, bereit fast jede beliebige Menge von egal was zu produzieren, die warten nur auf den Startschuss, den ihnen der Euro-Austritt geben wird.

Dazu kommen dann die Feinheiten, die von den Export-Strategen und Euro-Fanatikern in Deutschland auch gerne übersehen werden:
Wenn die Italiener und die Franzosen ihre Währung abwerten, dann ändert sich an deren Binnenmarkt GAR NICHTS, die Kaufkraft im eigenen Land bleibt zu Anfang vollkommen identisch und wird später mit steigender Nachfrage sogar grösser.
Importieren, also im Ausland kaufen müssen die dann aber GAR NICHTS, denn dann kauft alle Welt inkl. der Deutschen italienische und französische Produkte.

Es gibt so gut wie nichts, was in Deutschland hergestellt wird, was nicht auch in Italien oder Frankreich hergestellt wird.
Waffen? Was glaubst du, warum Frankreich Atommacht ist und in Syrien dick mitmischt? Weil die deutsche Waffen kaufen, oder weil die selber mehr und bessere Waffen bauen als die Deutschen?
Der einzige Grund, warum Deutschland Exportweltmeister ist, ist weil deutsche Produkte im Ausland billiger sind als italienische und französische Produkte.
Die Chinesen kaufen doch deutsche Autos nicht weil die so viel besser sind, sondern schlicht weil die bei in etwa gleicher Qualität billiger sind.

Nach einer Abwertung entsteht in Italien und Frankreich ein gewaltiger Nachfrage-Boom für den Export, weil dann die Chinesen lieber italienische und französische Autos kaufen, weil die dann plötzlich billiger sind als deutsche Autos und Saudi-Arabien kauft dann französiche Waffen.
Gleichzeitig kaufen die Italiener und Franzosen dann lieber heimische Produkte, einfach weil die dann noch genauso viel kosten wie vorher, während alle Importe teurer geworden sind.
Entsprechend bricht den Deutschen über Nacht ein grosser Teil (wenn nicht sogar das Meiste) der Exporte weg und nachdem die gesamte deutsche Wirtschaft nur auf dem Exportüberschuss basiert heisst das, in Deutschland wird die Wirtschaft vollständig zusammenbrechen.

Oder in kurz: Frankreich und Italien werden einen Export-Boom erleben, der Millionen von Arbeitsplätzen schaffen wird, die alle im Gegenzug in Deutschland verloren gehen.
Das wird auf deren Binnenmarkt einen gewaltigen Nachfrage-Boom erzeugen, durch den die beiden ihre Staaten inkl. ihrer Staatsschulden sanieren werden.
Bezahlen werden das die Deutschen, denn die haben dann ein Handelsbilanz-Defizit, während die Produktionsstätten in Deutschland genauso leer stehen werden wie die früheren Autofabriken in Detroid schon seit vielen Jahren leer stehen.

Wettbewerb ist nach wie vor ein relatives Konzept und wenn diese beiden grossen Industriestaaten durch Abwertung Wettbewerbsfähigkeit gewinnen, dann müssen zwangsläufig die, die bisher wettbewerbsfähig waren, also vor allem Deutschland und Österreich dabei verlieren.

Beitrag 09.08.2016, 00:11

regenbogendieb
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Austeritätspolitik in Griechenland? Sorry, die hat es nie gegeben. In jedem Jahr lagen die Ausgaben höher als die Einnahmen.
Man sollte nicht allen Mist glauben, der in der Zeitung steht.

http://de.statista.com/statistik/daten/ ... echenland/

Beitrag 09.08.2016, 02:58

Thomasio
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Ach ja? Austerität funktioniert nicht? Was für ein Wunder!
Man nimmt einen Staat, der zu 80% vom Binnenmarkt lebt und zu 20% vom Import/Export.
Dem gibt man so lange Kredite, bis der die nicht mehr bedienen kann, dann erklärt man ihn für pleite und verlangt die Rückzahlung der Kredite.
Dann wird von irgendwelchen Strategen ausgerechnet, dass der Staat so lange sparen muss, bis er einen Primärüberschuss hat, aus dem dann die Kredite bedient werden sollen und entsprechend werden Kürzungen verordnet.

So weit die Theorie, nu die Praxis.

Dem Staat sparen verordnen, Renten und Löhne kürzen, würgt vollautomatisch die 80% Binnenmarkt ab, so dass egal wie viel der Staat kürzt, die Steuereinnahmen gleichzeitig immer so weit einbrechen, dass die Kosten immer höher bleiben als die Einnahmen sind.
Das Problem ist hausgemacht, 80% Binnenmarkt zerschlagen um in den 20% Aussenhandel ein kleines bisschen wettbewerbsfähiger zu werden KANN NICHT funktionieren.
Aber dazu müsste man schon wieder zuerst begreifen, dass kapitalistischer Monetarismus ausgemachter Humbug ist.
Man kann in eine Krise nicht hineinsparen, weil die Einsparungen die Krise immer noch weiter vertiefen, das haben mittlerweile sogar die dümmsten Kapitalisten begriffen.

Völlig klar, dass Griechenland nie mehr Einnahmen als Ausgaben hatte und auch nie haben wird, aber doch nicht, weil es keine Austeritätspolitik gegeben hat, sondern genau WEGEN den von der Troika verordneten Kürzungen.

Bevor das einer falsch versteht:
Jetzt noch mehr Geld nach Griechenland schicken bringt auch nichts, der Keks ist gegessen.
Griechenland ist ein failed state, der NIE wieder auf die Füsse kommen wird, schlicht weil es nach der Zerschlagung des Binnenmarkts und dem Niedergang der Produktion niemanden mehr im Lande gibt, der da noch etwas aufbauen wollte und/oder könnte, schlicht weil jeder der auch nur einen Cent erwirtschaften könnte immer sofort damit rechnen muss, dass ihm dafür 2 Cent Schulden angerechnet werden.
Griechenland wird sich bis auf ein paar Bauern die von ihrem eigenen Anbau leben vollständig entvölkern, alle Institutionen bis hin zur Regierung selbst werden sich von alleine auflösen, wenn es keine Leute mehr zu regieren gibt, das Land entwickelt sich zurück zu Zuständen von vor 5000 Jahren und dann schaun mer mal, wie die Deutschen aus 2 Dutzend Bauern die zum Leben gar kein Geld brauchen ein paar 100 Mrd. Euro rausholen wollen.

Kapitalismus in Reinkultur, ohne Sinn und Verstand.
Ein Land an die Wand fahren, bis die Bevölkerung das Land verlässt, nur weil auf irgendwelchen Papieren steht, dass wer auch immer dort lebt einen Haufen Schulden zurückbezahlen muss.
Wie absurd muss es noch werden, bevor mal einer merkt, dass der Kapitalismus die Wurzel des Übels ist.

Beitrag 09.08.2016, 05:17

regenbogendieb
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Ob die Troika gekürzt hat oder nicht, ist für die Frage ob ein Überschuss erwirtschaftet wurde irrelevant, denn es wurde ja keiner erwirtschaftet. Viel wichtiger ist die Tatsache, daß GR niemand mehr Geld leihen wollte. Damit war die Schuldenparty vorbei. Die Alternative zum "in-die-Krise-kürzen" wäre der Staatsbankrott.

Beitrag 09.08.2016, 05:57

Gladius
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Die Chinesen kaufen doch deutsche Autos nicht weil die so viel besser sind, sondern schlicht weil die bei in etwa gleicher Qualit�t billiger sind.
Wus? Dann aber nur in China smilie_08 .

Dein Denkfehler ist, dass bei einem Euro-Bruch nur Frankreich und Italien abwerten. Sollte der Euro hops gehen, dann wertet Deutschland auch mal kräftig ab mit der neuen Währung. Dann wars das mit den Millionen neuer Arbeitsplätze.

Beitrag 09.08.2016, 06:13

regenbogendieb
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Deutschland würde aufwerten, nicht abwerten.
Im Vergleich zur D-Mark ist der Euro ca. 30% schwächer. Mit der D-Mark gab es auch nicht mehr Arbeitslose, dafür jedoch eine vernünftige Währung.

Beitrag 09.08.2016, 06:36

Klecks
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Thomasio hat geschrieben: Der einzige Grund, warum Deutschland Exportweltmeister ist, ist weil deutsche Produkte im Ausland billiger sind als italienische und französische Produkte.
Die Chinesen kaufen doch deutsche Autos nicht weil die so viel besser sind, sondern schlicht weil die bei in etwa gleicher Qualität billiger sind.
smilie_18 smilie_20

Schon mal die Preise von VW und Fiat verglichen? Zustand und Wiederverkaufswert nach 10 Jahren?
Warum muss ich jetzt spontan an PipiLangstrumpf denken....
Ach nee, bist ja Italiener.... Stimmt, Fiat baut die besten Atos der Welt. Die sind nur viieeeel teurr als die Deutschen, drum kauft die keiner. Hast Recht, Pinocchio smilie_10

Erinnert mich an meinen italienischen Schwager, der radelt auch in 3 Tagen von Nürnberg nach Messina.
Das Leben ist zu kurz, um alle Fehler selber zu machen.

Beitrag 09.08.2016, 08:30

Mehrgoldfüralle
regenbogendieb hat geschrieben:Ob die Troika gekürzt hat oder nicht, ist für die Frage ob ein Überschuss erwirtschaftet wurde irrelevant, denn es wurde ja keiner erwirtschaftet. Viel wichtiger ist die Tatsache, daß GR niemand mehr Geld leihen wollte. Damit war die Schuldenparty vorbei. Die Alternative zum "in-die-Krise-kürzen" wäre der Staatsbankrott.
Du scheinst nicht zu wissen, wie Griechenland in die Eurozone gekommen ist, nämlich durch Bilanzfälschungen mit Hilfe von Goldman-Sachs in Gestalt ihres damaligen Europa-Statthalters Mario Draghi. Griechenland wird solange Geld geliehen werden, wie sich Bürgen dafür finden. Griechenland ist das Musterbeispiel, wie ein Land geplündert werden kann. Im Übrigen gehen die Kredite nur pro forma an das Land, in Wahrheit kommen nur etwa 5 % im Staatshaushalt an, der Rest geht direkt an die "Geldgeber". Die Privatisierung der Häfen und Flughäfen dürfte der letzte Akt sein.

Die Griechen sitzen andererseits auf den größten Öl- und Gasreserven in Europa. Es ist aber gerade nicht opportun, darauf zuzugreifen. Das geschieht erst, wenn das Land in Chaos und Elend versunken ist und das Zeug verschenken muß.

Beitrag 09.08.2016, 09:38

regenbogendieb
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Wieso "geplündert"? GR hat über Jahrzehnte zu einem Großteil auf Kredit gelebt, sich also einer Wohlstandsillusion hingegeben. Dieser Wohlstand war nie durch die tatsächliche Leistungsfähigkeit gedeckt. Somit entpuppt sich das "Ausplündern" letztlich als eine Rückführung auf das reale Niveau.
Real betrachtet ist GR ein Land der gehobenen 3. Welt. Keine grosse Industrie, keine Weltmarktführer, viel Landwirtschaft und Korruption. GR wird in jedem Fall auf dieses Niveau zurückfallen, entweder relativ sanft per Troika oder hart per Staatsbankrott.

Beitrag 09.08.2016, 10:01

Mehrgoldfüralle

Beitrag 09.08.2016, 11:34

regenbogendieb
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Ja. Und?

Beitrag 09.08.2016, 13:16

glaubnix
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Registriert: 09.07.2015, 08:39
Wohnort: Deutschland
Ja, natürlich hat in Deutschland ein Lohndumping stattgefunden was Deutschland einen Wettbewerbsvorteil gebracht hat.
Nur den deutschen Arbeitnehmern hat es nix gebracht, außer Jobs von denen viele kaum leben können. Gebracht hat auch der Binnenwirtschaft wenig, weil Leute die weniger Geld verdienen kaufen auch weniger. Aber die Exportwirtschaft, riesen groß in Deutschland, die kann natürlich bis heute jubeln. Deutschland ist anders strukturiert deshalb funktioniert das Sparen an der Bevölkerung bezüglich Wettbewerb, im Gegensatz zu Griechenland. Kann sich jeder bestens erklärt, im Netz ansehen.
Ich sehe nur das wir deutsche Arbeitnehmer letztendlich "die Party" bezahlen, ohne das wir selber mitfeiern konnten. Was aber meines erachtens am schlimmsten ist, das wenn nun alle mit Lohndumping anfangen, wir europäischen Arbeitnehmer gegeneinander ausgespielt werden und wiedermal nur die Unternehmer davon profitieren.
In Frankreich hat es doch nun auch begonnen mit dem " liberalisieren" des Arbeitsmarkt.
Wo soll das denn letztendlich hinführen? Zustände wie zu Anfang der Industrialisierung?

Aber wenn unsere Volksvertreter sich nicht nur von den Lobbyisten der Eliten beraten lassen, sondern auch schon die Gesetze selber schreiben lassen, was wollen wir dann noch erwarten.
Ich verstehe das auch irgendwie gar nicht, wie kann das sein, das die von der Mehrheit gewählten Volksvertreter eine Politik für eine Minderheit und somit gegen die macht, die sie gewählt haben.
Und das ohne Folgen bei der nächsten Wahl und seit Jahrzehnten.
Sind wir so bescheuert, so manipuliert oder liegt es an der mangelnden Alternative.
Ich weiß nicht, wer meine Interessen wirklich vertritt - es gibt NIEMANDEN.
Die früheren, klassischen Arbeitnehmervertreter der SPD ziehen die kleinen Leute genauso über den Tisch wie die Gegenseite, wir erinnern uns: Agenda 2010, Harz 4, Spitzensteuersatz um nur einige zu nennen.

Und eins muss uns auch mal klar sein, was da in Griechenland passiert , ist doch kein Zufall.
" Ja wir haben uns geirrt, das Land kaputt sparen hat Griechenland nicht gerettet.... hätte ja sein können! "
Das glauben vielleicht noch deutsche Politiker, aber ganz sicher nicht die Profis von Goldmann Sachs, die wissen ganz genau was sie tun.

netten Gruß auch
" Ich kann nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte " (Zitat Max Liebermann )

Beitrag 09.08.2016, 14:00

Thomasio
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@glaubnix
Sehr guter Beitrag, ich versuche mal ob ich das noch etwas ausfüllen kann.
glaubnix hat geschrieben:Ich sehe nur das wir deutsche Arbeitnehmer letztendlich "die Party" bezahlen, ohne das wir selber mitfeiern konnten.
Absolut richtig, schlimmer noch, in Deutschland ist es so, dass auf lange Sicht die Arbeiter zur Arbeit noch Geld mitbringen müssen.
Das ist sogar leicht begründet:
Ein Exportüberschuss heisst Schuldscheine aus dem Ausland sammeln, aber diese Schuldscheine können nur eingelöst werden, wenn der Überschuss zu einem Defizit wird, solange Deutschland einen permanenten Überschuss hat, werden die Schulden des Auslands maximal von einem Land in ein anderes Land verschoben, können aber niemals bezahlt werden, sondern im Gegenteil werden ständig grösser.
Deutschland liefert zu jedem Exportüberschuss immer auch die Kredite mit, die das Ausland braucht um das Zeug kaufen zu können.
Wenn diese Schulden aber niemals bezahlt werden können, wer bezahlt dann die Zinsen darauf?
Schlimmer noch, nachdem die Exporteure ihre Gewinne umgehend in reale Werte umtauschen, wer bezahlt diese Gewinne?
Die Antwort: Die Steuerzahler, also die Arbeiter werden am Ende in Form von sinkendem Wohlstand mehr bezahlen, als sie mit ihren Jobs an Lohn bekommen, oder in kurz, die müssen zur Arbeit noch Geld mitbringen.
glaubnix hat geschrieben:In Frankreich hat es doch nun auch begonnen mit dem " liberalisieren" des Arbeitsmarkt.
Wo soll das denn letztendlich hinführen? Zustände wie zu Anfang der Industrialisierung?
Das führt direkt und geradeaus in den Extremismus.
Zur Zeit sind in Europa überwiegend die Rechtsextremen auf dem Vormarsch und werden immer mehr Stimmen gewinnen, weil die Wähler zunehmend merken, dass die Mitte der bisher noch grossen Parteien keinerlei Interesse hat Politik fürs Volk zu machen.
Klar ist rechtsextrem NOCH schlimmer, aber das interessiert die meisten Wähler zur Zeit nicht, denn aus Sicht der Normalverbraucher kann es kaum schlimmer werden als es schon ist, ergo ist JEDE Alternative zum Mainstream potentiell besser.
glaubnix hat geschrieben:Ich verstehe das auch irgendwie gar nicht, wie kann das sein, das die von der Mehrheit gewählten Volksvertreter eine Politik für eine Minderheit und somit gegen die macht, die sie gewählt haben.
Und das ohne Folgen bei der nächsten Wahl und seit Jahrzehnten.
Sind wir so bescheuert, so manipuliert oder liegt es an der mangelnden Alternative.
Ich weiß nicht, wer meine Interessen wirklich vertritt - es gibt NIEMANDEN.
Das ist genauso einfach wie blödsinnig.
Schau dir Ulrike Herrman an, hier:
https://www.youtube.com/watch?v=XPznz-_OG-s
Sie erklärt haarklein, wie das funktioniert.
Ganz am Ende, in den letzten 5 Minuten oder so erklärt sie sogar in der Kurzform, dass das genaue Gegenteil von "es gibt NIEMANDEN" den Tatsachen entspricht.
Tatsächlich werden ALLE Parteien, im wahrsten Sinne des Wortes jeder einzelne Politiker jeder einzelnen Partei präzise das tun, was das Volk will, denn das Einzige was Politiker wollen ist gewählt werden.
Ausführen werde ich das nu nicht weiter, Ulrike Herrmann erklärt es ausführlich genug, aber bevor wer protestiert, schaut es euch an.
glaubnix hat geschrieben:Und eins muss uns auch mal klar sein, was da in Griechenland passiert , ist doch kein Zufall.
Griechenland ist die notwendige Folge deutscher Exportpolitik.
Dabei ist Griechenland nur das erste Opfer, weil es nun mal von Anfang an das wirtschaftlich schwächste Land war und darum auch zuerst unter der Last der deutschen Überschüsse zusammenbrechen musste.
Deutsche Überschüsse verursachen Schulden im Ausland, die permanent grösser werden.
Darum ist es unvermeidbar, dass solange Deutschland Überschüsse hat immer irgendwer immer höhere Schulden machen muss.
Da ist die Frage nicht ob, sondern wann das nächste Land pleite macht und welches Land das sein wird.
Meine Vermutung: Portugal.

Beitrag 09.08.2016, 14:52

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AuCluster
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Thomasio hat geschrieben: Griechenland ist die notwendige Folge deutscher Exportpolitik.
Dabei ist Griechenland nur das erste Opfer, weil es nun mal von Anfang an das wirtschaftlich schwächste Land war und darum auch zuerst unter der Last der deutschen Überschüsse zusammenbrechen musste.
Nein, so kann man das nicht sagen. Die Konstruktion des Euros ist an der miserablen Lage in Südeuropa verantwortlich. In jedem Währungsraum gibt es Überschuss- und Defizitregionen. Das ist vollkommen normal und überall zu beobachten. Z.b. Deutschland zwischen Süden und Norden, Italien zwischen Norden und Süden, England zwischen London und Manchester, Frankreich zwischen Paris und der Normandie, etc.

Die deutsche Lohnpolitik hat das Auseinanderdriften beschleunigt, keine Frage. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis die verfehlte Eurokonstruktion zu Spannungen zwischen den Regionen führen musste.

Flassbeck erzählt uns, dass eine Währungsunion ganz einfach sei. Nur die Inflationsrate überall gleich halten. Das mag in der Theorie gut funktionieren. In der Praxis geht das nicht. Wie soll man jetzt mit Finnland umgehen? Durch einen externen Schock (Russlandsanktionen) geht es der Wirtschaft schlecht, so dass sie abwerten müssten. Sollen jetzt überall in der Eurozone die Löhne steigen?
Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.

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