Goldpreisprognosen

Edelmetall-Themen, neue Bullion- und Sammlermünzen, historische Hintergründe, Fachwissen

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Beitrag 29.06.2012, 13:25

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Ladon
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Richtig! Die können ja auch nicht mehr zahlen (inklusive der kleineren Versorgungsunternehmen).
Aber hier sind ja immer noch gigantische Vermögen (in kleinen Stückelungen bei den Bürgern) vorhanden - da müsste ich als Konzernstratege doch bekloppt sein, wenn ich die Lieferung einstelle, nur weil ich statt Euros was anderes bekommen soll.
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Beitrag 29.06.2012, 14:01

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AuCluster
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Die Energieversorgung würde ich im Falle eines Währungscrashs als unkritisch ansehen. Die heimische Braunkohle wird unabhängig von Importen weiterlaufen können, weiterhin liefern Atomkraftwerke auch längere Zeit, ohne dass man die Brennstäbe auswechseln muss. Auch die erneuerbaren Energiequellen sind bei einem Währungszusammenbruch unabhängig von externen Lieferungen. Wie weit nun die Steinkohle hält, bleibt abzuwarten. Und um die Erdgaslieferungen aus Russland muss verhandelt werden. Sollte aber kein Problem darstellen, wenn man sich folgendes in Erinnerung ruft.

http://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Fl ... Reichswehr

Ich gehe davon aus, dass die deutsche Stromversorgung unabhängig von der momentan gültigen Währung weitergehen wird.
Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.

Beitrag 29.06.2012, 14:15

mini_me
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-------------

habt ihr gesehen?

die oz Au ist um 45USD !!! gestiegen, obwohl der EUR, einen kurs von 1,267x aufwies....

--------------

:shock:

Beitrag 29.06.2012, 14:36

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goldjunge01
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mini_me hat geschrieben:habt ihr gesehen?

die oz Au ist um 45USD !!! gestiegen, obwohl der EUR, einen kurs von 1,267x aufwies....
smilie_23
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Was haben die Leute bloß am Gold?
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Beitrag 29.06.2012, 15:20

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AuCluster
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Der ESM ist halt auch eine Gelddruckmaschine. Jetzt noch die Zinsen auf 0,5% und die Amis befeuern ihre Geldmenge mit QE3 und schwupp gehen die EM-Kurse durch die Decke. smilie_07
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Beitrag 29.06.2012, 16:02

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Onepiece
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Weiß nicht, trotz aller grandiosen Maßnahmen hat sich am allgemeine Umfeld nichts geändert. Auch die letzten Zinssenkungen sind relativ schnell verpufft und selbst Q2 war nicht geeignet, dauerhaft für einen Aufschwung zu sorgen.

Ich denke mal, dass, wenn wir in der "Größenordnung" wie bisher weitermachen, wir eher in eine sich weiter vertiefende deflationäre Phase kommen werden, der sich wohl auch Gold nicht wird entziehen können. Erst, wenn es auch D so schlecht geht, dass wir nicht mehr als der "Retter" angesehen werden, wird sich vllt. die Entscheidung zum Haircut, Währungsreform o.ä. durchsetzen und die Realität wird den Euro begraben. Gold wird langfristig steigen, das scheint mir sicher, weil die andere Variante, dass Gold fiele, bedeuten würde, dass das Geldsystem dauerhaft stabilisiert und "immer fester" würde...

Ich glaube nicht, dass wir nochmal unter 1000€/unze gehen, aber die bisherigen Maßnahmen waren nicht geeignet, um das Umfeld an sich zu verändern, daher scheint mir ein deflationärer Schock nicht vollkommen ausgeschlossen...

Beitrag 29.06.2012, 16:41

Aileron
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Nun ja, selbst davon ausgehend, daß es zu einer starken Deflation kommt - was würde das für Gold bedeuten? Wie stark würde realistischerweise der Goldpreis fallen? Selbst wenn der Goldpreis dann fällt - die nächste Krise kommt mittelfristig wieder, Gold wird abermals steigen. In einer Deflation hab ich sowieso kein Interesse daran Gold zu verkaufen...

Beitrag 29.06.2012, 16:57

mdf266
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Wenn in den Problem-Ländern derzeit Zinsen zu ca. 6% als unbezahlbar gelten, dann frage ich mich, wie das vor wenigen Jahren war, als 6% "normale" Zinsen waren. Alle Staaten sind doch inzwischen darauf angewiesen, quasi Nullzinsen zu zahlen und werden dies über die EZB schon zu steuern wissen.

Meine Theorie ist daher, dass wir Inflation bei einem Zinsniveau nahe Null sehen werden. Die übliche Konstellation, hohe Inflation (bzw. Inflationserwartung) = hohe Zinsen, wird im wahrsten Sinne "ausgehebelt". Damit erhöhen die Staaten ihre Einnahmen, die Schulden verlieren an Wert, Zinsen sind ebenso kaum zu zahlen. Das wäre doch der "Königsweg" für die Staatsfinanzen, oder?

smilie_08

Beitrag 29.06.2012, 20:08

tobi-nb
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goldjunge01 hat geschrieben:
mini_me hat geschrieben:habt ihr gesehen?

die oz Au ist um 45USD !!! gestiegen, obwohl der EUR, einen kurs von 1,267x aufwies....
smilie_23
Vom vielen Klatschen vor Freude sind meine Hände schon ganz heiß!

Was haben die Leute bloß am Gold?
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Das werden schöne Verkaufspreise - und dann ... mal sehen, jedenfalls kein Papier! :mrgreen:
Dazu kann einem ja nur noch eines einfallen:
Ladon hat geschrieben:....
...Jede Relation Gold/Recheneinheit (also Angabe einer "Menge" in einer bestimmten Währungseinheit) ist ohne zusätzliche Angaben bezüglich der Währung an sich sinnlos! ....

...Das Gold-zu-Recheneinheit-Verhältnis ist VÖLLIG unerheblich

Beitrag 30.06.2012, 00:20

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Goldfriese
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mini_me hat geschrieben:@goldfriese
so ganz kann ich dir nicht folgen -aber möge es daran liegen, das mein hirn noch null glucose zur verfügung stehen. :mrgreen:
sei es wie es sei.

zu der frage, ob "man" alles oder nur häppchenweise transformieren soll, sei jedem selbst überlassen.
Ich wollte sagen, natürlich wird es zuknftig egal sein, ob ich heute die Unze für 1250 oder 1300 Euro kaufe, dennoch sind 50 Euro Differenz viel Geld.. Erst recht, wenn ich eine größere Summe zu investieren gedenke, nämlich 2/3 meines Fiatvermögens. Meine kleine Hütte ist bezahlt und von Aktien halte ich nichts, vestehe ja auch nichts davon.

Bisher waren meine Strategie mehrere Käufe, da ich nicht abgebrüht genug bin, ein Jahresgehalt am Stück für ein bischen Metall auszugeben... aber mit deutlich sinkenden Kursen rechne ich nicht. Also was tun? Naja, alles Gewöhnung, gestern beim Fußball hab ich mir statt eines Bierchens ein Ünzchen gegönnt, bevor die Preise wieder anzogen smilie_11 War ganz einfach, man kommt sich total reich und abgehoben vor smilie_20

Beitrag 30.06.2012, 00:41

ghel
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mdf266 hat geschrieben:Wenn in den Problem-Ländern derzeit Zinsen zu ca. 6% als unbezahlbar gelten, dann frage ich mich, wie das vor wenigen Jahren war, als 6% "normale" Zinsen waren.
Damals wars normal, weil die Inflation auch höher lag. Und weil die Staaten (bis auf die USA) weniger Möglichkeiten hatten künstlich die Zinsen zu drücken.

Ich finde es lustig wie von vielen auf Banken und Versicherungen eingeprügelt wird, nur weil sie Euro-Staatsanleihen gehalten haben. Und vorzugsweise welche aus der Peripherie mit etwas mehr Rendite. Zur Info: die MUSSTEN Staatsanleihen kaufen. Die können das Geld nicht bar rumliegen lassen - dürfen es aber auch nicht beliebig investieren. Was risikoarm ist bestimmt aber blöderweise nicht rein der Markt, sondern die Politik. Zum Beispiel halten alle Anleihen von Euro-Staaten ausnahmslos als beste Rücklage. Und wenn man schon gezwungen ist diese renditearmen Papiere zu alten dann doch lieber die mit ein wenig mehr Rendite.

Mit diesen Regelungen hat der Euroraum dafür gesogt, daß Anleihen vom Markt aufgesogen wurde. Etwas, das sonst nie in diesem Maß passiert wäre. Und so kamen die Staaten an billige Kredite.

Jetzt wirds langsam ungemütlich. Ich bin sicher daß wir 4-6% Inflation sehen werden, und zwar für ein paar Jahre. Aber es wird keine 5-7% Zinsen aufs Festgeld oder Tagesgeld geben, dafür werden Baukredite billig bleiben. Was wiederum dafür sorgen wird, daß die Inflation auch am Immobilienmarkt einziehen wird. Für alle mit Ersparnissen auf Konto und KLV wird es unangenehm.

Und wir sollten uns nichts einreden: die Politik wird alles tun daß es nicht zu einer Deflation kommt. Und wenn sie das Geld bündelweise über den Städten abwerfen wird.

Beitrag 30.06.2012, 07:48

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Ladon
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ghel hat geschrieben:...
Ich finde es lustig wie von vielen auf Banken und Versicherungen eingeprügelt wird, nur weil sie Euro-Staatsanleihen gehalten haben. Und vorzugsweise welche aus der Peripherie mit etwas mehr Rendite. Zur Info: die MUSSTEN Staatsanleihen kaufen. Die können das Geld nicht bar rumliegen lassen - dürfen es aber auch nicht beliebig investieren. Was risikoarm ist bestimmt aber blöderweise nicht rein der Markt, sondern die Politik. Zum Beispiel halten alle Anleihen von Euro-Staaten ausnahmslos als beste Rücklage. Und wenn man schon gezwungen ist diese renditearmen Papiere zu alten dann doch lieber die mit ein wenig mehr Rendite.
...
Ooooch - eine Runde Mitleid für die armen geschundenen Banken, die ohne die böse Politik sicher zum Wohl der Allgemeinheit gehandelt hätten. ;-)

So rum oder so rum gesehen, ist das - immer nur aus einer Warte betrachtet - jedesmal falsch und wird nicht richtiger, wenn man nur die andere Perspektive benutzt: Die Marionetten halten selber Fäden in der Hand, und oft führen die zurück zu denjenigen, die sie selbst spielen. Die Zahnräder greifen ineinander und das eine dreht sich ohne das andere gar nicht.

Natürlich stimmt es, dass Staatsanleihen als "sicher" eingestuft werden zur Rücklagenbildung. Seit man staatsrechtlich bei Staaten von "ewigen Gebilden" ausgeht, bedeutet dies, dass die früher personengebunden "Staats"kredite (an Fürsten) z.B. nicht durch den Tod des Fürsten in Frage gestellt werden. Staaten bleiben erstmal Schuldner, auch wenn sich die allgemeine Situation ändert. Jeder privatrechtliche Schuldner kann seinen Gläubigern diese Sicherheit NICHT geben ... er kann sich buchstäblich in Nichts auflösen. Das ist im Grunde schon ein gewichtiges Argument für Staatsanleihen.
Heutzutage werden Staatsanleihen auf dem offenen Markt verkauft. Niemand MUSS sie dort kaufen. Und prinzipiell gibt es auch andere Anlagen, die (für Banken z.B.) von den Zentralbanken als basale Sicherheiten akzeptiert würden. Staatsanleihen sind halt bequem ...

Ergibt sich die Frage, warum jetzt Banken Geld bekommen sollen, weil sie hoch verzinste (also offensichtliche Risiko behaftete) Anleihen ins Portfolio aufgenommen haben und damit auf die Schn... gefallen sind? Das war eine Marktentscheidung der Banken, nicht der Politik - und schon gar nicht der Bürger.
Hätten die Banken vor zehn Jahren den "PIIG"-Staaten Geld verweigert indem sie deren Anleihen NICHT gekauft hätten, hätten sie weniger Rendite gemacht und es hätte dort gekriselt; aber wahrscheinlich weniger als jetzt und das ganze wäre steuerbar geblieben. Der Marktmechanismus, dass hohe Zinsen "Risiko" darstellen, hat die Banken (immer stellvertretend für alle großen Investoren) also in ihrer Gier auf 25% Eigenkapitalrendite nicht abgehalten - eben weil die nicht die Allgemeinheit, sondern ihre Aktionäre im Blick haben ... und weil sie wussten, dass sie am "Ende des Tages" die Staaten werden erpressen können. Mit der lukrativen Aussicht über dann ach so notwendige "Privatisierungen" auch noch erhebliche "Vermögenswerte" an Boden, Produktionsmitteln, Infrastruktur in ihre Gewalt (bzw. die der dahinter stehenden Investoren) zu bekommen.

Ohne diese Seite der Medaille ist oben zitierte Aussage nur eine Halbwahrheit.
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Beitrag 30.06.2012, 09:07

Rebell
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Anleihe ist nicht gleich Anleihe,...so sehe ich das.

http://www.format.at/articles/1218/521/ ... -notbremse

Schon im Mai hat Norwegen einen € Lichtblick gehabt.

Ich hege die These das Norwegische Anleihen besser sind. Habe daraufhin gleich dort gezeichnet.

Wer € Anleihen zeichnet muss halt aufpassen das sie (bei trotz hohen Zinsen) letztlich doch verbrennen.

Allerdings weiß ich nicht wie die Pfändungsrechte der EU oder BRD Banken sind!

Und in wie fern sie einem an das in Norwegen liegende Kapital (Kronen) kommen können.

Beitrag 30.06.2012, 09:23

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AuCluster
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ghel hat geschrieben:
Ich finde es lustig wie von vielen auf Banken und Versicherungen eingeprügelt wird, nur weil sie Euro-Staatsanleihen gehalten haben. Und vorzugsweise welche aus der Peripherie mit etwas mehr Rendite. Zur Info: die MUSSTEN Staatsanleihen kaufen. Die können das Geld nicht bar rumliegen lassen - dürfen es aber auch nicht beliebig investieren. Was risikoarm ist bestimmt aber blöderweise nicht rein der Markt, sondern die Politik. Zum Beispiel halten alle Anleihen von Euro-Staaten ausnahmslos als beste Rücklage. Und wenn man schon gezwungen ist diese renditearmen Papiere zu alten dann doch lieber die mit ein wenig mehr Rendite.
Gezwungen ist etwas hart formuliert, aber die Regeln bezüglich des Eigenkapitals der Banken haben den Kauf von Staatsanleihen stark forciert. Da sie kein Eigenkapital hinterlegen mussten (ist das immer noch so?), haben sich die Banken mit Staatsanleihen voll gesaugt und gut kassiert. Der Börsianer nennt sowas wohl ein "free lunch".
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Beitrag 30.06.2012, 09:44

ghel
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AuCluster hat geschrieben:Gezwungen ist etwas hart formuliert, aber die Regeln bezüglich des Eigenkapitals der Banken haben den Kauf von Staatsanleihen stark forciert. Da sie kein Eigenkapital hinterlegen mussten (ist das immer noch so?), haben sich die Banken mit Staatsanleihen voll gesaugt und gut kassiert. Der Börsianer nennt sowas wohl ein "free lunch".
Nicht zu vergessen die Versicherungen, die erhebliche Mengen an Anleihen halten - halten müssen. Wenn die nur Papiere aus D, NL usw. gehabt hätten, hätte es kaum was für die Versicherten gegeben, das wäre das Grauen für das Mantra der privaten Altersvorsorge (ja, ich weiß daß KLV da nicht wirklich sinnvoll ist usw., aber das sagt kein Offizieller, der Vorstandsvorsitzende der XYZ-Versicherung ist doch so nett und spendabel).

Vor ein paar Jahren hätte man das auch "win-win" nennen können. Die Staaten waren ja glücklich daß jemand die Papiere abnimmt - und wegen der künstlich erzeugten Nachfrage auch noch zu Top-Konditionen. Und die Banken hatten keine Möglichkeit auszuweichen. Was hätte man sonst holen sollen? Die Regeln ließen kaum etwas anderes zu. Ansonsten hätte man die Menge der ausgegebenen Kredite massiv runterfahren müssen, die Wirtschaft hätte sich bedankt, und die Regierungen wollten auch billige Kredite am Markt. Daß das zu Blasen führte - nach mir die Sintflut.

Wie dem auch sei, daß sich mehrere Teilnehmer des Systems die Regeln zurechtgebogen haben rächt sich grad. Ich bin kein Marktgläubiger, aber ohne diese Eingriffe und Regeln hätten wir zumindest bei den Anleihen aktuell wohl kein Problem. Nur eben Staaten, denen es so übel geht wie es ihr Verhalten verlangt.

Beitrag 30.06.2012, 09:57

ghel
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Ladon hat geschrieben:Heutzutage werden Staatsanleihen auf dem offenen Markt verkauft. Niemand MUSS sie dort kaufen. Und prinzipiell gibt es auch andere Anlagen, die (für Banken z.B.) von den Zentralbanken als basale Sicherheiten akzeptiert würden. Staatsanleihen sind halt bequem ...
Prinzipiell gibt es Alternativen. Real nicht. Dazu gibt es einfach auf dem Markt nicht genügend Volumen. Die Preise wären durch die Decke gegangen, und damit auch der Status als Sicherheit erster Klasse.
Ladon hat geschrieben:Ergibt sich die Frage, warum jetzt Banken Geld bekommen sollen, weil sie hoch verzinste (also offensichtliche Risiko behaftete) Anleihen ins Portfolio aufgenommen haben und damit auf die Schn... gefallen sind? Das war eine Marktentscheidung der Banken, nicht der Politik - und schon gar nicht der Bürger.
Das war eine Entscheidung der Politik. Die Zinsen waren _weit_ niedriger als sie bei dem Risiko hätten sein müssen. Eben weil der Markt manipuliert ist. Es gibt nicht genug Anleihen aus D und Konsorten, also müssen Banken und Versicherungen praktisch gezwungenermaßen auch das Zeugs anderer Staaten nehmen (und in F ist der Zwang sogar in ein Gesetz gegossen). Künstlich erhöhte Nachfrage, und schon sinken die Zinsen. Das Argument "offener Markt" zieht also nur bei praktisch beliebig hohem Angebot.

Mein Mitleid mit den Banken und Versicherungen hält sich jedoch in engen Grenzen. Die haben die Regeln natürlich feste mit bestimmt. Daß sie in der Krise zu den Regierungen gelaufen sind ist jedoch verständlich: "Ihr habt drum gebettelt daß wir das Zeugs kaufen und uns keine Wahl gelassen, nun steht auch dafür grad daß wir euch so lange den Popo vergoldet haben". Die Banken und Versicherungen sind ja verflochtenes Teil des Systems und nicht unabhängig agierende Marktteilnehmer.

Die Schuld ist auf alle verteilt. Wobei ich persönlich den Schwerpunkt bei den Staaten sehe. Die sind souverän, die können wirklich tun was sie wollen, bei Bedarf auch aus der EU austreten und Schweineohren als Währung einführen.

Beitrag 30.06.2012, 10:57

Fata.Sibyllina
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Re: ghel
Die Schuld ist auf alle verteilt.
Heureka, das ist die Falle! (Selbst-)Zerfleischung statt lösungsorientierter Kooperation! Jede Woche einen anderen Sündenbock durch's Dorf treiben. Vielleicht hier und da mal mit dem Scheiterhaufen winken. Bis hin zur "demokratisch-gerechten" Feststellung, dass jeder Schuld ist und hat, viel Schuld, und damit still und leise in die Schamecke zu verschwinden hat! Ablasspredigten, im Frondienst für lau die eigene(n) Schuld(en) zu kompensieren. Und ein Halleluja, wenn ein weißer Ritter die Ehre erweist, den Ablassbrief gegen Konfiszierung des materiellen Besitzes sofort auszustellen...
Ich unterstelle Dir diese Haltung bei weitem nicht, ghel! Aber dieser Satz beinhaltet losgelöst vom unmittelbaren Bezug eine höchst destruktive Formel, mit der langsam aber stetig eine Desorientierung herbeimanipuliert werden kann, die einen Ausweg unmöglich macht. Wenn man sich das (sukkzessive und subtil) verinnerlicht, erstickt man an seiner (Selbst-)aggression und an seinem Misstrauen! Und damit wäre der äußere Zerfall auch im Inneren vollzogen, und der selbstbewusste, aufgeklärte Bürger degradierte sich selbst wieder zum viehisch entmündigten Sünder! Cui bono? :shock:
Sapere aude, incipe!

Beitrag 30.06.2012, 11:45

ghel
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Fata.Sibyllina hat geschrieben:Re: ghel
Die Schuld ist auf alle verteilt.
Heureka, das ist die Falle! (Selbst-)Zerfleischung statt lösungsorientierter Kooperation!

[...]

Aber dieser Satz beinhaltet losgelöst vom unmittelbaren Bezug eine höchst destruktive Formel [...]
Dann solltest Du das nächste mal nicht einfach irgend etwas aus dem Bezug reißen und darauf hin zumindest für mich überaus unverständliche Schriften verfassen. Geh doch einfach mal davon aus daß jemand etwas so geschrieben hat wie er meint, und nicht wie Du es verstehen willst. Eigentlich dachte ich daß aus dem Gesamtposting klar wird, daß ich "Es gibt keinen einzigen Verantwortlichen, verantworten müssen das alle" meinte. Was auch bedeutet: jeder sollte schauen was er in dem Bereich ändern kann, den er beeinflussen kann. Wie soll es bitteschön eine Lösung geben wenn nicht klar wird was wo die aktuelle Situation ermöglicht hat?

Ach ja, Deine Ausschweifungen in den Bereich der katholischen Theologie des letzten Jahrtausend waren zwar unpassend, aber neckisch. Das muß man Dir lassen.

Beitrag 30.06.2012, 12:35

Fata.Sibyllina
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Re: ghel
Ich muss gestehen, dass ich die gesellschaftlichen Folgen dieser veränderten Machtkonstellation mehr fürchte als die wirtschaftlichen, und dass ich allergisch und verängstigt reagiere, wenn ich die Schuldfrage wittere. :oops:
Ich halte die Entwicklungen der vergangenen Jahre für naheliegend und systembedingt. Die Nachkriegsgeneration hat Land und Währung neu aufgebaut und durfte von ihrem wirtschaftlichen Ertrag einen relativ hohen Anteil behalten. Gleichzeitig stellte die Gesellschaft jedem Fleißigen und Tüchtigen Arbeit und Einkommen in Aussicht. Geldsystembedingt hat sich die Position der Nachkommenden verschlechtert, und die Verlierer wurden auf Pump vom Staat durchgefüttert. Der unweigerliche Vertrauensverlust in die gesetzlichen Rente nach dem Subsidiaritätsprinzip führte zu einem Anschwellen der Kapitalmarktaktivität und damit in unserem Schuldgeldsystem zwangsläufig zu einer weiteren Ausweitung der Verschuldung. Somit wurden aus den Zinszahlern gleichzeitig Zinsgläubiger, und das Zinseszinssystem gewann weiter an Attraktivität und steht bis heute nicht wirklich zur Disposition.
Was auch bedeutet: jeder sollte schauen was er in dem Bereich ändern kann, den er beeinflussen kann.
Ich kann mir keine andere nachhaltige Lösung vorstellen als einen Systemwechsel, und den wird es wohl nicht geben. Die eigene Haushaltsführung sollte maximal solide sein und das finanzielle Anspruchsdenken an den Staat minimal ausgeprägt, da gebe ich Dir uneingeschränkt recht. Aber dann müssen die Schulden, die unser Geldsystem unbedingt immer zunehmend benötigt, an anderer Stelle weiter wachsen, und das werden wohl verstärkt öffentliche Schulden sein, für die wir alle wiederum stärker zur Kasse gebeten werden, als wir davon profitieren! Daher halte ich es für ausweglos innerhalb des Systems nach Lösungen zu suchen. Und ich sehe durch die neue Liquiditätsflut auch nicht das Problem der Außenhandelsungleichgewichte innerhalb der EURO-Zone gelöst, so dass uns diese Problematik auch unweigerlich um die Ohren fliegen wird. Ich befürchte, ich kann überhaupt nichts tun, außer Spaltung und Zwietracht zu vermeiden, auch wenn mir das bei meinem Hang zur (absurden) Übertreibung in verschwurbeltem Stil leider nicht immer gelingt...smilie_13
Sapere aude, incipe!

Beitrag 30.06.2012, 13:04

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ghel hat geschrieben:
Das war eine Entscheidung der Politik. Die Zinsen waren _weit_ niedriger als sie bei dem Risiko hätten sein müssen. Eben weil der Markt manipuliert ist. Es gibt nicht genug Anleihen aus D und Konsorten, also müssen Banken und Versicherungen praktisch gezwungenermaßen auch das Zeugs anderer Staaten nehmen (und in F ist der Zwang sogar in ein Gesetz gegossen). Künstlich erhöhte Nachfrage, und schon sinken die Zinsen. Das Argument "offener Markt" zieht also nur bei praktisch beliebig hohem Angebot.
Das gilt es zu hinterfragen! Genauso denkbar wäre es, dass die Bankenlobbyisten diese Vorgehensweise „vorgeschlagen“ haben. Wir, die Banken, dürfen nur sichere Staatspapiere kaufen und ihr, lieber Gesetzgeber, erlässt uns die Eigenkapitalanforderungen, so dass die Eigenkapitalrendite explodiert und die Banker einen fetten Boni erhalten. Für mich ist das eine Ponzi-Finanzierung, die unweigerlich in die Pleite führt. Und die Banker haben das auch schon vorher erkannt. Das Quartalsdenken führt eben dazu.
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